überfaren,
V., unr. abl.;
alle Bedeutungsansätze können als Tropen (am ehesten Metaphern) von
über
(Präp.) 1; 2; 3 und
faren
›bewegen‹ hergeleitet werden; die Ansätze 1; 2 und 5 sind auf Bewegungen im physischen Raum beziehbar, 3; 4 und 5 räumlich-abstrakt metaphorisiert.
1.
horizontal gesehen: ›übersetzen‹ (absolut, im räumlichen Sinne); ›eine vom Menschen gezogene Linie überqueren, über ein Wasser, über eine Brücke fahren‹ (vereinzelt bildlich); auch: ›jn. in rascher Bewegung einholen‹; in mehrere Richtungen ütr. oder bildlich, dann z. B.: ›das übliche Maß einer Strafe außer Acht lassen‹; ›auf eine andere (politische) Seite wechseln, übertreten‹; teils mit Wechsel der Perspektive von ‚horizontal‘ zu ‚vertikal‘: ›von einem Zustand (
der tödlichkeit
, der
sünde
1; 2; 3) in einen anderen (der
untödlichkeit
, der
demütigkeit
, der
tugenden
) übergehen‹; ›aufsteigen‹ (z. B.
zu seinem vater
; von Jesus Christus gesagt); ›einen Weg, etw. Welthaftes übersteigen, in eine höhere Seinsweise aufsteigen‹ (vom religiösen Menschen gesagt); ›jn. religiös erhöhen, erheben‹; subst.:
das gebräuchliche überfaren
; vgl. (Präp.) 2; 3; 10.
Meist ˹wobd. / oobd.; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘˺.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
transfretare. Vberschiffen vberfaren vbersetzen.
Luther, WA (
1537
):
wie jch dir sage: ‚Jch bin der Weg‘, [...] Jch wil die brucke sein und dich ubertragen, das du solt jnn einem augenblick aus dem tod und der hellen angst jnn jhenes leben komen, Denn ich bins, der den weg oder bahn selbs gepflastert und selbs gegangen und ubergefaren bin, auff das ich dich und alle, so an mir hangen, hin uber bringe.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Alle einunge und verschreibunge zwischen der pfaltze und hertzog Ludwigen gemacht solle abe geteidingt die weile die an der pfaltze überfaren sein und hertzog Ludwig die übergeben.
Merzdorf, Historienb. (
alem.
, Hs.
2. H. 14.
/
A. 15. Jh.
):
und fuͤr Jacop noch uff den weg, den er gevarn was, gar mit grossem zorne. Und so er in [weg] úberfuͤr und in vant do was [...].
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
so dis us gelitten ist, so úbervert er [Got] disen menschen tusent tusent grete hoher.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1213
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
zvͦ dem hohen hochzeit der ostern, do Cristus v́ber faren wolte von disem ellende zvͦ sinem vattere.
Ebd.
2243
:
wan noch irme dunken so hant sú alle vͤbunge vnd alle túgende úber faren vnd sint in einre luter ledikeit vnd sint aller tuͦgende quid worden.
Ebd.
3, 227
:
hie ist ein gebrúchlich v́ber varen vnd ein verfliessende in schlag in die wesenliche blosheit.
Ruh, Bonaventura
353, 24
(
orhein.
,
um 1480
):
welcher weg als ein pfad der demütikeit zwischen der vorcht vnd der lieb gesetzet ist: den, durch den selben weg der demütikeit úber farende, macht du
[der Aufsteigende]
dich in hören tugenden üben werden.
Plant u. a., Main. Naturl.
303vb, 25
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
wan vnser herre [...] vberfuͦr von der dotlicheit zvͦ der vntolicheit danne svln wir vb’varen von den svnden zvͦ den tugenden.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 299, 20
(
halem.
,
n. 1529
):
so hat si
[die
stat Bern
]
[...] langmuͤetikeit gebrucht, wol wissende, dass [...] si [...] an der straf nit uberfare.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberfaren / Vberhinschiffen.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
16, 24
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
do ihesus übergefür do cham er in daz riche gerasenorum.
Turmair (
Augsb.
1517
):
‚[...] kar da man wein ausprest‘, portus ‚lend, urfar, da man zuefert, absizt, uberfert [...]‘.
Ebd. (
moobd.
,
1522
/
33
):
da si Asien sahen, das in also nahent lag, wurden si dest begiriger überzufarn.
schluegen si [fränkische fürsten] das kriegsvolk Maximi, uberfueren die gränitz des römischen reichs, verwüesten das ganz teutsch land, so in Gallien ligt, an den Rein stöst.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1539
):
und wehr kürchfarten will uberfahren, der solle dem förgen sein lohn geben.
Vetter, a. a. O. .
2.
›(die Grenze des Nachbargrundstücks, festgelegte Weidegrenzen, Fischereigrenzen u. dgl.) mit dem Pflug überfahren oder sich vergleichbare Vergehen (z. B.
steine auswerfen
) zuschulden kommen lassen‹; mit Satzgliedschub: ›jn. durch solche Übertretungen schädigen, in seinen Rechten antasten‹; zu (Präp.) 3.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, , ; vgl. .

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1542
):
wer in denen achten etwas vertrunßet mit schneiden faren mehen oder anders uberfuere, der vermacht eim hern apt grundhern die bouß allein.
Ebd. (
1565
):
alles dasjenig, was rogbar und straflich were, furzupringen, von uberfahren, ubermehen und seihen, an ausgeworfen verstoßen steinen und marken.
Ebd. (
1466
):
ob sach were daß der arme man uberfahren würde in wasser und in weiden, sollen die gerichtsherren ihn den armen man beschirmen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
Wer ainen überpaut [...], spricht der nachbahr zu diesem ‚du hast mich uber die march uberfahren‘ spricht dann der ander [...].
Ebd. (
1654
/
68
):
Wann man ain überfërth, der fraventlich ain march fölscht und will im durch dasselbig march ain grund zueziechen und ainem andern entfrombten, ist auch das gerichts wandl.
3.
›etw. mit etw. überstreichen, überziehen‹ (z. B. mit Farbe / Öl / Salbe); zu (Präp.) 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , .

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Hüpschlich vnd sanfft mit einer salbẽ Vber faren.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 288
.
4.
›einen Erzgang mit einem Bau (z. B. mit einem Stollen, mit Zimmerwerk) kreuzen, durchqueren‹ (auch um sich dadurch Abbaurechte zu sichern); metonymisch wohl auch: ›beim
überfaren
neue Erkenntnisse über Erzlagerungen gewinnen‹; vgl. (Präp.) 3.
Omd.; seit Beginn des 16. Jhs.; Fachtexte des Bergbaus.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
83, 19
(
omd.
,
um 1559
):
Der berckmeister sol keine blinde mutung annehmen und sonderlich auf fundtgruben, da die genge ader clufte nach nicht enplost, uberfharen ader vorschroten sein, es wurde den ein freyscherfen gemut.
Ebd.
85, 13
:
Im bestetigen uberfarner und endploster quergenge ader schargenge und klufte sol der berckmeister deutlich anzeigen laßen [...], wo [...].
Ebd.
92, 12
:
so mag der aufnehmer uberfarne genge und kluft, behauen und unbehauen [...] an sich bringen.
Ebd.
121, 4
(
1548
):
das uberfahrne genge und klufte [...] durch andere aufgenomen worden.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
Leipzig
1509
):
Worden gewergken in iren massen in stollen, strecken ader sunst mit andern gebewen genge adder cluffte uberfarn, die sal [...].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
Des perckwerks halben alhie zu Gegersdort haben wir 4 geng uberfahren.
Ebd. (
1538
):
Dozu hot er aufgenuhmen dem stollen zugut 12 lehen oder mossen in hangendes liegendes im frey feld, [...], auch alle kluft genge und geschicht, die sie uberfaren wurden.
Ebd. (
1543
):
So auch die herren Fugker genug und kluft ihrem bau dienstlich uberfaren wurden.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
89, 31
;
138, 31
;
Wutke, a. a. O. ;
Veith, Bwb. .
5.
›alles die Ordnung und den Zusammenhalt einer Gesellschaft Sichernde (darunter die Sitten und Gebräuche, die sozialen Regeln, die Gesetze, die moralischen und religiösen Werte, verbindliche Absprachen) übertreten, gegen sie verstoßen; sich gegen e. P. / e. S. vergehen‹, darunter: ›jn. verbal angreifen‹; vgl. (Präp.) 3.
Phraseme:
wer solches überfärt / überfüre
o.ä. (rechtsformelhaft: ›wer dagegen verstößt‹; darauf folgend die Strafandrohung).
Gegensätze:
(V.) 1; 23, 28, .
Syntagmen:
j. ü
. (z. B.
der richter
)
(in etw.) ü
. ›Unrecht begehen‹;
j. jn. ü
. (z. B.
mächtig, durch worte, drohung
),
j. etw. ü
. (z. B.
ein gebot, einen artikel / brief / eid, den frieden, die einung / freiheit / ordnung / stallung, die / js. gnade, das gesez / recht, die masse / treue, js. willen
),
j. etw. mit deheinen sachen ü., die amptleute etw. ü., j. etw. an jm. ü
.; subst.: ˹
für das überfaren etw
. (Subj.)
beschehen, jn. um überfaren peinigen, j. um des überfarens willen ane gnade sein, von dem überfaren strafe bezalen
;
das überfaren des gebotes
˺.
Wortbildungen:
überfarnis
›Rechtsbruch‹ (a. 1453; dazu bdv.: vgl. 3, ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
præuaricari. Vbertretten vbergehen vberschreiten vberfaren.
Köbler, Ref. Franckenfort
84, 5
(
Mainz
1509
):
Wo aber solchs durch yemants vberfaren vnd nit gehalten würde / So [...].
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
92
(o. O.
1558
):
so solt er nur sagen „Prosit“; welcher aber das uberfüre und „Sit saluti“ oder anders sagen wurd, der solt [...].
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
alle, die da freveln unnd ubirfaren in der stad.
Ab aber durch unser amptlute eynen ader meher sulchs geverlich uber faren wurde, dye sullen [...].
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
dieselbgen wurden so jemmerlich durch böse, unvernunftige wort uberfahren und mit drauung.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
35, 6
(
osächs.
,
1542
/
70
):
ob dieselbig strafwar person darinnen oft uberfahren, was sie darzu beweget.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
206, 1
(
nobd.
,
1404
):
Wer aber daz tete [...] und daz allez oder ein teil uberfur und nicht hielt, der oder dyselben sullen [...].
Gille u. a., M. Beheim
133, 72
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz wir uns nit bewarn | und dy rehten mass uber varn.
Chron. Strassb. (
els.
,
1393
):
sollent die selben stücke alle teile also halten unde vollefaren die vorgenanten zile uz, und unser dehein teil überfaren noch brechen.
Ebd. (
1336
):
und gebieten allen unsern und dez ryches getruwen lantvögten, vögten, grafen, fryen, rittern, [...], daz sie den vorgenanten burgern dise unser gnade stete haltent und mit deheinen sachen übervarn.
Boos, UB Aarau (
halem.
,
1363
):
werde ouch nieman alz geturstig, daz er die vorgenanten unser fryheit, recht und gnade, [...], ubervare, verbreche oder in dheinen weg verirre.
Leisi, Thurg. UB
7, 185, 3
(
halem.
,
1379
):
und sont oͮch danne da mit gen úns noch gen únsern erben niht úbervarn noch gefraͤvelt han.
Boner, Urk. Aarau
769, 4
(
halem.
,
1535
):
das ich mich leider übel übervaren hab an dem erberen Claußen Schopp.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swer diser gesetzt aines oder mer uͤbervert, der geit diu puͤzz.
Niewöhner, Teichner
419, 113
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
war umb solt ich liegen nicht, | seit man gross herren sicht | lugner sein und uͤber varn | trew und prief ǎn als sparn?
Karnein, de amore dt.
126, 409
(
moobd.
,
v. 1440
):
Du solt in kaynem schimpff deins liebes willen vberfarn vnd brechen.
Ebd.
170, 491
:
das ain briester nit mer gepeinigt werd dann ain lay vmb vberfarn vnd missethat.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
wann von überfarn des gepots, das teten unnser allt vaͤtter, ist der tod koͤmen auff die erden.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 33, 25
;
Köbler, Ref. Wormbs
278, 11
;
302, 14
;
ders., Ref. Nürnberg
91, 8
;
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 257, 34
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
33, 34
;
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. ;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ;
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 89, 37
;
Strauch, Par. anime int.
122,
Anm. 8;
Pfeiffer, a. a. O.
110, 11
;
320, 31
;
Weissthanner, Urk. Schäftlarn
167, 45
;
175, 21
;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 1403
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 330
.
6.
›(ein Recht, eine Auflage) übergehen, über etw. hinweggehen, etw. unbeachtet lassen, ignorieren, umgehen, (einer Pflicht) nicht Folge leisten, (eine Zeit) überziehen, etw. beiläufig erwähnen‹; ›(ein Thema) überspringen‹; dadurch ›Rechte / Pflichten brechen / missachten, beeinträchtigen‹ sowie (resultativ:) ›jn. (auch um sich selbst Vorteile zu verschaffen) benachteiligen, schädigen, hintergehen, (durch Umgehen von Bestimmungen) übervorteilen, jn. von etw. ausnehmen‹; eng an 5 anschließbar.
Gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte, auch berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
2, 1, ; vgl. 9,
1
3.
Gegensätze:
4.
Syntagmen:
j. ü
. ›den Stand fachmännischer Bewirtschaftung eines Weinberges unterlaufen‹,
j. in der münze
(
gröslich
),
um zol / zins ü
.;
j. einen artikel / ban / bund / eid / saz / spruch, eine handfeste, den lumen, die zeit, ein freitum / wort ü., etw. kurz, als unnütze / unnötig ü., j. jn
. (z. B.
die erben, js. leute
)
ü
.; subst.:
ein wag von überfaren des fisches zinsfällig werden
;
das eilende überfaren
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Diz wort tar ich nicht ubervarn.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 179, 23
(
md.
,
1467
):
Ob sich auch begebe, das eincher furman in vnsern furstenthumern, [...], vmb zcolle ader gleit [...], vberfure vnd nicht richtet, darumb [...].
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1486
):
wilchs doch durch vergeslicheit eine zit van jairen also vestlichen niet gehalden, sunder durch etzlige leiendecker overfaren worden is.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1325
):
Wir ensolen ouch unser herren von Trire lude nierigen ubervaren noch in keinerleie schaden doen.
Voc. Teut.-Lat.
hh vjv
(
Nürnb.
1482
):
Uberfuren betrigen. seducere.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Entwúrt der Ewigen Wisheit: Dú betrahtung nach miner marter sol sin nit mit einem ilenden úbervarne.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
zü gleichen stet es auch umb dye clein silberin montze, darinne man auch großlich uberferet.
Leisi, Thurg. UB
7, 742, 14
(
halem.
,
1389
):
Da haut die obgenant Vorsterin disen satz úbervaren und haut ir lút darnach uf aͤndrú geriht getriben.
Ebd.
8, 328, 3
(
1397
):
erber lút, die den wingarten schowend, ob er úber faren hab odir nit. Dank die, daz er úberfaren habe, so sol er da von ston.
Schib, Urk. Laufenb.
131, 7
(
halem.
,
1445
):
der selb wag
›Fischgrund‹
... vnserm gotzhus [...] zinshafftig gewesen vnd aber von vͥberfaren Vͤlrich Scherers seligen, [...], als mit dem drytten vnd vierden visch zinsfellig worden ist.
Jörg, Salat. Reformationschr.
225, 18
(
halem.
,
1534
/
5
):
welchs buͤchli einns langen tannts / durch Zwinglin gesetzt was / alles siner verkerten meynungen / welchs jch alls unnottig / und unnütz über far.
Merz, Urk. Lenzb.
95, 16
(
halem.
,
1556
):
sie hätten das Verbot angelegt, [...] weil man sie vͤbernutzen vnd vͤberfarren wolle.
Ebd.
134, 11
(
1605
):
indem sie, so acherum graten, ... vill der schwynen innhen khouffen und sich mächig vͤberfharren.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein handel kurtz Vberfaren vnd abbinden / Mit kurtzen wortten darthuͦn. [...]. Etwas bloß Vberfaren od’ mit wenig wortten maͤlden.
Da hast allen zu trincken gegeben / mich aber (uberfaren).
Sappler, H. Kaufringer
7, 218
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der hat ser überfaren mich, | als ich ew sag, lieber herr.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1554
):
welcher die bestimbte zeit überfuͤr und nit kem, der soll gestrafft werden.
Hör, Urk. St. Veit
72, 4
(
moobd.
,
1352
):
Waͤr awer daz, daz wir vberuaren wurden, daz wir nicht begiengen den jartag, [...], so [...].
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
damit niemand uberfarn würd und alle land bei iren rechten und freihaiten blieben.
Im ersten puech bisher hab ich kürzlich überfaren was wir vor Christi gepurt und den römischen kaisern treffenlichs in kriegsleufen geüebt haben.
Bischoff, Steir. Landr. Anh. I, (
m/soobd.
,
um 1430
):
Ein ladung vmb vberfaren ains sprûchs. Lad dich etc. ze uerantwurten [...] Jacoben dem iungern von S, das du im ain spruch vberfarn hast von drein viertail weingarten wegen, dasselb vberfaren des spruchs [...], des er zu schedenne komen ist.
Ders. u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
der nit recht schwert u. den aid überfert, den mag der richter als ain manaidigen strafen.
Helm, a. a. O. ;
Kollnig, Weist. Schriesh.
271, 3
;
Köbler, Ref. Nürnberg
68, 23
;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Leisi, a. a. O.
8, 133, 3
;
503, 29
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 286, 20
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
134, 41
;
Leidinger, V. Arnpeck ;
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 110, 3
.
7.
einige wenige Belege lassen sich nicht überzeugend einem der Ansätze zuordnen:
a) ›jm. zustoßen‹ (z. B. ein Schaden);
b) ›jn. e. S. überführen‹;
c) ›(jn. / ein Tier) einfangen‹ (auch bildlich).
Bedeutungsverwandte:
4 (zu b).

Belegblock:

Zu a):
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1580
, Hs.
1629
/
43
):
so sol nun der dem der schaden überfert dem andern es anzaigen.

Zu b):
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1471
, Hs.
15. Jh.
):
Wër aber das ainer den zol austrueg und des übervaren würd.
Rössler, Stadtr. Brünn (
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
Ist daz iemand uwervaren wiert mit siben erwern mannen um valsche geczeugnusse [...], dem schol man di czungen absneiden.

Zu c):
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
das er [Flachß] gedert werd an der Sonnen, | Geschwungen, Gehechelt vnd gesponnen | Zu Netzen, Stricken vnd zu Garn | Damit man vns
[Schwalben]
thut vberfarn.
Das er [Gott] vns fuͤrbaß woll behuͤten, | Das sie vns mit jrm Vische Garn | Fuͤrbaß nit sollen vberfahrn.