überschreiten,
V., unr. abl.
1.
›über etw. (in 1 Beleg: über jn.) hinwegschreiten, gehen‹ (sowohl im räumlich horizontalen wie im vertikalen Sinne auffassbar); ›auf ein Pferd steigen, aufsitzen‹ (räumlich vertikal gesehen); vgl. (Präp.) 1; 2.
Phraseme:
das betbret überschreiten
›ins Bett steigen‹ (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
2 (zur 2. Nuance).
Wortbildungen:
überschreitung
(dazu bdv.: 1),
überschrit
›das Vorübergehen Gottes an den Häusern der Ägypter‹ (dazu bdv.: , ,
1
1; Näheres s. v. 1; 2; zum biblischen Hintergrund: 2. Mose 12, 12).

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Der Schecher am creütze uberschrytt die zway unnd viertzig stapffeln auff ein mal mit einander und kam balde zuͦ Christo.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
18, 29
(
omd.
,
1487
):
sÿben mennern nocheinander vortraẇett. [...] von stu̇ndt sÿe sich zcu̇gelegt, einer nach dem andern. Vnd das bettbrett. oberschrÿtten.
Ebd.
78, 5
:
App auch der vater vff der swelle lege, Oberschreit den vater vnd mitt trũcken augen lau̇ff zcu dem banÿr des kreu̇tzes.
Opitz. Poeterey
14, 13
(
Breslau
1624
):
muß ich schon darvon / | So vberschreit ich doch des lebens enge schrancken: | Der name der mir folgt ist meiner sorgen lohn.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
203, 13
(
nobd.
,
1404
):
und sullen auch furbaz dhein pfert in der stat dinst uberschreiten, ez sei dann, daz sie den rate dorumb biten.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
15. Jh.
):
Der frauen schent, der ist wol wert, | Das er überschreitt nimer kain pfert, | Tanzen, paden, frauen und wein | Die viere schüllen im verpoten sein.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Transgressio, Ein vberschreittung vbertrettung.
überschritt / osteren. Pascha.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Manig edel rosse vil gemaitt | Von herren über schritten ward.
Maaler (
Zürich
1561
):
Der Vberschritt. Pascha. Das alt Jüdisch Osterfaͤst.
Vberschreyten vber etwas schreyten.
Chron. Augsb. Anm. 5 (
schwäb.
, zu
1563
):
daß er [...] kain roß mer überschreiten noch besitzen wolle.
Mayer, Folz. Meisterl. ;
2.
›etw. (Verbindliches, z. B. Rechte, Pflichten, natürliche Gegebenheiten) übertreten, überschreiten; etw. (die anerkannte Würde einer sozialen Gruppe oder verfassungsrechtlichen Instanz, z. B. eines
geschlechtes
7) gleichsam mit Füßen treten, herabwürdigen; sich über etw. hinwegsetzen‹; speziell von der Menschwerdung Christi: ›die Seinsgrenze zwischen Gottheit und Menschheit überschreiten‹; als bildlich oder ütr. an 1 anschließbar.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen her
[Christus]
die craft uberschreit | An sinnigem gemerke | Der menschlichen sterke.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Preuaricari. Vbertretten vbergehen vberschreiten vberfaren.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wann sie etwan liederliche indicia oder das Maß in der tortur vberschritten haben / so [...].
daß ein Richter in den Criminibus exceptis, die Rechten wohl vber schreiten moͤge.
Jahr, H. v. Mügeln
2
(
omd.
, Hs.
1463
):
In lop der höchsten wirdikeit, | die nie der himmel überschreit | noch nimmer ummesweifen kan, | ich tummer fa zu tichten an.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
216
(
Nürnb.
1517
):
Do fieng an die creatur ir selb zu gefallen und got ir misfallen, do ist die gehorsam zerbrochen und das gebot uberschriten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
daß so ain uralte [...] stat, [...], soll also von dem groben, unverstendigen poͤvel geregiert, [...], daneben gedachte erbere geschlecht so gar überschritten [...] werden.
Ebd. Anm. 1 (
1636
):
So seie und bleibe das burgermaisteramt in allem die erste instanz, welche nicht leicht überschritten werden solle.
3.
›jn. mit dem Prügel überziehen‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. , 1, (V.) 2, 3.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
[Der Meyer] Erwischt ein Bruͤgel jung von Eichen, | Der vom halß thet zun fingern reichen, | Den Knecht gar weidlich vberschritt.
4.
›in einem zeitlichen Ablauf (z. B. einem Erzählfaden) etw. (z. B. einen einzelnen Inhaltsteil) übergehen, auslassen‹; vgl. (Präp.) 3 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
vgl. 7.

Belegblock:

Lauater. Gespaͤnste
67v, 6
(
Zürich
1578
):
wie etlich verdam̃te. [...] wyb vnd manns personen [...] erschinen syend / vnnd die vrsach jrer verdamnuß jnẽ anzeigt habind / die ich mit flyß überschryten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
dessen ain große anzal zuͤ erzelen weren, wie auch wol von nöten, doch kürtze halben überschritten und nit über zwen eingefuert sollen werden.