überkommen,
V., unr. abl.;
umfängliches spektrales Bedeutungsfeld, dessen Gliederung sich infolge der hochgradigen Polysemie von
über-
wie von
kommen
klaren Kriterien entzieht. Die folgende Reihung unterliegt dem allgemeinen Aspekt ,Bewegung im Raum‘ als der motivationellen, zwar schwach belegten, dennoch aber auch in den meisten tropischen Verwendungen durchscheinenden Grundlage. Dabei sind folgende Gruppen unterscheidbar: 1–4 unmittelbar erkennbar raumbezogen (eigentlich und tropisch), 5–10 den Erwerb von etw. betreffend (meist tropisch), 11–14 die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Personen betonend, 15 isoliert. Die Motivation der Wortbildungsbezüge von
über
(Präp.) her unterliegt teils Zweifeln; Mehrfachzuordnungen sind möglich; der genaue Bezug auf
kommen
ist höchstens in Einzelfällen zweifelsfrei.
– Die hier vorgenommenen Ansätze sind unterschiedlich dicht belegt; sie können ihrerseits tropisch variieren.
1.
›über etw. (meist: über ein Gewässer) hinüber-, wohin kommen; eine Überfahrt unternehmen‹; auch bildlich, dann: ›über etw. hinwegkommen‹; offen zu 4; vgl. (Präp.) 3, 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
und [du] macht denne varn zuͦ Galilea, daz ist ein úbervart, hie ist alle ding úberkomen und ist úbergevarn, und denne so kumm̄et man zuͦ Nazareth in die woren bluͦte.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
wölcher ein zeüttlanng koch [...] in Trippoli wahr und mütt unns iber kahm: nun ist gebreichig.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
199, 22
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
do er überchom
[
Luther
1545, Lk. 22, 40:
da hin kam
]
zv der stat do / sprach er zv jn [...].
Turmair (
Ingolstadt
1519
):
Der selb gros Diet ist aus dem feltgeleger seins vaters abwerz gerückt, [...], haimlich über das In komen, von dan die walstat seins überkomens noch Dietfurt haist.
Ebd. (
moobd.
,
1522
/
33
):
obgenanter kaiser [...] zog in aigner person über den arm des mers zue Constantinopel, da sein anherr Dareios der erst überkommen war.
2.
›jn. treffen, jm. begegnen; jn. finden, ausfindig machen‹; auch: ›(ein Tier) wo antreffen, finden‹; vgl. (Präp.) 3 (ütr.), 4.
Bedeutungsverwandte:
2, 11, 1.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
569
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
mocht ich dem selben [knecht] uberkommen, | iß worde uns licht beiden frommen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
28, 20
(
Frankf./M.
1559
):
vnder denselben vnbekanten thierlin / waren auch viel Tubinle / Meer kaͤtzlin / kleine Affen [...] die aller schoͤnsten Voͤgel an den farben / mit jres landts sprachē zu reden wol gelehrt / schoͤner weder sie der zeit in allem Arabia [...] haben gemoͤcht vberkommen werden.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Ich hab ein bürgen uberkummen, | Der sich der blindn hat angenummen.
Ukena, Luz. Sp.
1000
(
halem.
,
1575
):
Das sy in Syria reisend vmb / | Wo man Vitellium v̈berkumm.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
ob man ain flichtigen man uberkaum, dem mag man nacheilen biß gen Straßwalchen.
3.
›etw. / jn. in einer bestimmten Qualität überragen, übertreffen‹; ›siegen, die Oberhand gewinnen‹; als Ütr. der vertikalen Raumbewegung in die soziokulturelle Hierarchie motivierbar; vgl. (Präp.) 2.
Bedeutungsverwandte:
2; vgl. 2, 3, .

Belegblock:

Reichmann, Dietrich. Schrr.
253, 19
(
Nürnb.
1548
):
der [glaube] Christum / vnnd die barmhertzigkeyt Gottes ergreyffet / vnd in Christo alles vberkommet / was zur gerechtigkeyt von noͤten ist.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
549, 17
(
els.
,
1362
):
Also der keyser Augustus wart genant wenn er alle kaiser in wirdikeit úber kam, also ist diser Augustinus genant durch das er alle lerer uberkomen het.
Vberkommen / vbertreffen / es einem zuvor thun [...]. Transgredi.
4.
›etw. übersteigen, über etw. hinaus-, hinwegkommen, etw. überwinden, sich über andere erheben, sich e. S. überheben, etw. hinter sich lassen; siegen, die Oberhand gewinnen‹; als Ütr. der Raumbewegung von einer profanen Grundlage nach oben in eine religiös ausgezeichnete Welt motivierbar; vgl. (Präp.) 2; 8.
Älteres Frnhd.; Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
3; vgl. 1.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle, diu alsô alliu dine dinc überkomen hât, die erhebet der heilige geist und underhebet sie mit im in den grunt, dâ er ûzgevlozzen ist.
Bihlmeyer, Seuse (
Köln
1543
):
Zum anderen mal soll man überkommen alle naturliche kreft, inwendig und uszwendig.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
die genûgede die du vindest mit den gotzfrúnden und guͦten menschen, daz und allez daz do du dich geneiget vindest, daz muͦstu als zuͦmole úberkummen.
,stant uf‘: du ensolt númme ligen, du solt allen gevengnissen úberkummen und enbunden sin und fri sin.
Also muͦs der mensche tuͦn, noch dan das er ist in ein gesastekeit kummen [...] und himmelsch und goͤttelich worden ist und naturen ettelicher mossen úberkummen ist.
sol man danne alle zit weinen? jo und nein, nieman ensol duncken das er iergent úberkummen si, wie kleine es si.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2240
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wan sú dvnket, daz sú ledig sien vnd alles úber komen sint vnd daz sú daz besessen habent.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
26, 12
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
ob ich (ihesus) aber vzwirff di tivfel in dem geist gotes. / Darvmb überchümet in ivch daz riche gottes.
5.
›(eines Tatverdächtigen) habhaft werden; jn. einer Straftat (oder dergleichen) überführen‹; auch: ›etw. (Strafbares, Verdächtiges, auch: eine tadelnswerte Haltung) feststellen, nachweisen und rechtlich behandeln‹ (z. B. eine Geburt außerhalb der Frist von neun Monaten in und nach der Ehe);
überkommen
5 kann auf die gesamte Handlungsspanne vom
betreten
4 über das
vor gericht stellen
und
überzeugen
1 bis hin zur rechtlichen Ahndung, dem
richten
, bezogen sein; vgl. (Präp.) 3; 4.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, auch Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. 4.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
hexen, zauberer
)
ü
. (z. B.
kundlich
),
js. bosheit ü.
;
jn. e. S
. (z. B.
des raubes, eines bösen, der schuld
)
ü.
;
jn. mit froneboten, mit zwei / drei mannen ü., die kind ü., das [...]
›am Geburtstermin der Kinder feststellen, dass [...]‹.
Wortbildungen:
überkommung
1 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
Do nun diese buben [...] den Sangmeister nicht uberkommen möchten, haben sie zuletzt sein gnad verlassen und gesagt: Wolan [...].
Ebd. (
nrddt.
,
1524
):
Als sie yne nicht vberkomen, haben sie auß muthwillen alle Lampen im thume frevelich entzwey geworffen.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
ist das her loukent. man sal yn des roubes obirkommen myt deme schobe.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz gerichte sal vor der pafheit geschen, vnde mach man die kint vberkhomen, daz se tuͦ spate oder zuͦ vro komen sin, so enerbent se nicht vater guͦt noch ir muͦter.
wirt der konigh der selben scuͦlde vber komen, So ist her mit vnrechte an deme gerichte.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 39, 5
(
md.
,
1478
):
welchen sie aber under oren gewercken obirqwemen, das er unkouff gebe, der soltes der innunge verbussen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
warumb bemühen wir vns so hefftig dass wir Hexen vnd Zauberer vberkommen?
Löscher, Erzgeb. Bergr.
76, 2
(
omd.
,
1563
):
es soll auch hinfort keiner das alte grubengebeude [...] berauben, viel weniger solche schaͤchte einhauen. Do einer uberkommen, soll er an leib mit gefaͤngknuͤs gestrafet werden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
197, 3
(
thür.
,
1474
):
so magk auch Concze Gorgkewicz der hanthafftigen tad des mordes, [...], den genanten Herman Herczogen met deme gesworn froneboten und andern luthen meher, dy ön habin hulffen fangen [...], nicht vorczugen, vorwinden nach obirkomen.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
um 1450
):
wer das
[einen Verstoß gegen Maßvorschriften]
daruber thete und uberkomen wurde, den wil der radt darumb straffen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
als vil (recht), als ein getreuer, fromer mann haben soll, der nie keins bosen uberkomen ist.
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
(
Nürnb.
1482
):
Uberkomung odʼ anclagung. reconuentio.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
ze jungest hette der künig gerne die worheit ervarn und des burgers bosheit uberkummen.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1376
):
Man sol ouch den, der der sache dehein ùberfert, mit niht ùberkomen wan mit drin erbern mannen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
161, 3
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Wen das ayn(er) den and(er)n maynayerd(er) / cheyt wnd hayst wnd mag / yn seyn nicht wber chwmen der / yz plybn̄ daz man ym dy chwng / soldn aws Reyssen welln̄ ader [...].
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Helbig, a. a. O.
1, 22, 22
;
2, 25, 9
;
Löscher, a. a. O.
58, 31
;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Bächtold, N. Manuel. Barb.
185, 1440
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
94, 20
;
Vorarlb. Wb.
2, 1410
.
6.
›etw. (Missliches) erfahren, bekommen, sich etw. zuziehen, e. S. (einem Unheil jedweder Art) ausgesetzt sein, unterliegen, von etw. betroffen sein / werden‹ (mit Subj. d. P. und Akk.obj. d. S.); mit umgekehrter Perspektive (Satzgliedschub; seltener): ›jn. überkommen, jm. zustoßen‹; vereinzelt: ›jm. etw. Positives zuteilwerden‹ (meist mit Subj. d. S. und Akk.obj. d. P.); vgl. (Präp.) 2, 1; 2; 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 5, 3, 11.
Syntagmen:
j. etw
. (Akk.obj., z. B.
mangel / neid, einen schaden, eine krankheit, das sterben, js. ungnade, das ende des lebens
)
ü., der baum das alter ü.
; reziprok:
etw
. (Subj., z. B.
anfechtungen, bangigkeit, eine dunkelheit, js. ungnade
)
jn. ü., ein leid jm. ü
.

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
vorsunet den menschen mit gott, [...], das den menschen seyn sund nit mehr beyssen noch unrugig machen, sundern eyn froͤliche zuvorsicht uberkummen hatt.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
4900
(
rib.
,
1444
):
Dir mocht lichtlich oeverkomen sulch leit | Dat du in alsulcher noit | Sere wurdes gewunt.
Chron. Köln, Koelhoff
3v, 19
(
Köln
1499
):
wyr [...] werden so lichtlich beweget vnd verstoert ouermitz eyn cleyne dunckelheyt der sorchfeldicheyt. off banchicheyt dye vns ouerkomen moegen.
Ebd.
3r, 35
:
dairumb be droenen Sij sich in den widderwerdigen dyngen vnd anfechtungen. dy yn ouerkomen buyssen gewoenden vnd gemeynem louff yrer zijt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
also daß sie nich wissen / wann sie der Banden / oder deß Lebens ein Ende vberkommen moͤchten?
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
do ich vormahls jn Seeland war, do überkam ich eine wunderliche kranckheit.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 66, 24
(
Hagenau
1534
):
Ich weyß wol was ich habe / ich weyß aber nicht was ich uber kommen werde.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
wann umm des ryßen tod mocht sy irs vatters ungnad dester ee überkommen.
er wot es
[den Aufenthaltsort des Kaisers]
nŭt sagen, damit er nŭt Rengnolden und der sinen ungnad über kemme.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
so der bom das alter úberkumpt, wiert er by dem ast verwunt, also das er gehylt wiert byß in das marck.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1495
):
wan die plattern ain end namen, so überkam etlicher erst groß schehen.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
68, 21
;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
7.
›etw. (äußerst Unterschiedliches), sehr vereinzelt: jn. erwerben, bekommen‹; mit dem Blick auf die Rolle des Agierenden (in der Regel eine Person, seltener eine Instanz): ›etw. durch eigenes, unterschiedlich bewertetes Verhalten, gezieltes Handeln gewinnen, an sich reißen, ergattern‹; mit dem Blick auf die Selbstläufigkeit von Vorgängen: ›etw. erhalten, bekommen, kriegen; jm. etw. zuteilwerden‹; außerordentlich weiter extensionaler Skopus; vgl. (Präp.) 3 (ütr.); 8; 12, 4.
Phraseme:
eine zwikmüle überkommen
›am längeren Hebel sitzen‹.
Bedeutungsverwandte
(in Auswahl): 6, , 5, 4, 3, , 1, 4.
Syntagmen
(in Auswahl): mit dem Blick auf Herrschaftsverhältnisse:
Nebukadnezar die herlichkeit, Romulus / Remus das herschertum, Darius ein reich, der könig ein regiment, der keiser den gewalt, der fürst ein königreich, der herzog sein land, der bischof ein bistum, der markgraf die kur, der landgraf ein kloster, Alexander einen namen (der grosse), der landgrebe Hessen, der erbbestender eine herschaft, der bruder das erbteil, das handwerk sein wappen, die weber ein zunfthaus, die pfarren / klöster die höfe / güter, stok und galgen ü
.; mit dem Blick auf eher Alltägliches:
j. arbeit / ere / reichtum (listig) / beute / geld (fälschlich / betrieglich) / gut / gold / silber, ablasbriefe, eine habe, ein bergwerk, ein armütlein ü., j. die walen ü
. ›die Wahlen gewinnen‹,
j. das leben ü., j. einen bart, federn ü., die schlange gewalt ü., die pflanze ein schos ü., j. jn. ü
. (z. B.
Luther mer anhänger
),
etw
. (z. B.
Augsburg
)
viele namen ü.
;
j. botschaft ü., das [...], gelegenheit ü., zu [...]
;
etw. (ein saft) hart zu ü. sein
.
Wortbildungen:
überkommer
›Erwerber‹ (dazu bdv.: ),
überkomnis
1 ›Erwerbung‹ (dazu bdv.: 2, 2).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
Anno 1513: Ward [...] Marggraf Albrecht von Brandenburg [...] zu einem Bischof gekohren, davon er die Chur überkame.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
132, 9
(
um 1571
, Hs.
1615
):
Es seindt vill anhebender Menschen sagt Thaulerus die wellen fliegen ehe sy federn haben vberkhomben.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Assequi. erhaschen [...] ernaschen eroͤbern erfischen erschnappen erdappen ergreiffen erkobern. Erlangen vberkom̃en bekom̃en kriegen erwerben gewinnen erreichen erschleichen errennen erjagen ersteigen erwischen erwuͤnschen erlaüffen.
Luther, WA (
1522
):
Nun sehen wirs ja wol, was er [herr] uns gibt, wenn wirs uberkomen und fulens, das wirs mit freuden annemen.
Sie haben itzt eine zwickmuͤl uberkomen, Gefellets einem ym Bapstum nicht, so kompt er zu uns und betreugt uns, Gefellets yhm bey uns nicht, so lesst er uns die schande und feret widder yns Bapstum.
Ebd. (
1530
):
wer nicht wil aus gnaden das leben haben, ohne verdinst, der wirdts nicht uberkommen.
Ebd. (o. J.):
darnach trachten sie mit hoͤchstem vleis, das sie in diesem Leben ehr, reichtum, gewalt, gute tage etc. vberkomen moͤgen.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
21, 23
(
Frankf./O.
1557
):
Den Ball / als der die runde kugel deines Koͤnigreichs bedeutet / das du mir damit dein Reich ubergeben habest / welchs ich alles inn meine gewalt uberkomen soll.
J. W. von Cube. Hortus
75, 42
(
Mainz
1485
):
darvmb daz der safft von balsam fast düer vnd kostlich ist vnd hart zuͦ vberkommen wirt er in viel wege gefelschet.
Köbler, Ref. Wormbs
241, 7
(
Worms
1499
):
dʼ Erb bestender vberkōmet vnd hat nützlich herschafft des grundes. Aber ein zytlicher bestender der da besteet ein zytlang heist conductor der vberkomet nit die nutzlich herschafft des güts.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
111, 5
(
Frankf./M.
1568
):
On ruh ist mein hertz / mund vnd hand / | Wie ich [Geltnarr] nur groß Gelt und Reichthumb | Vnverschempt listig vberkumb.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
damit ich desto bessere Gelegenheit moͤchte vberkommen / mit den Indianern zu reden.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
):
Daß balt der Stadt erster Regent | Hat drey Königliche Regiment | Vberkummen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 11, 27
(
Hagenau
1534
):
du wirffst ein koͤrnlein in den acker / und ich uberkomme von demselbigen zwen oder drey stengel.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
wenn wir [buren] ein friden überckonnt, | so müessend wir im [unserm herren] verstüren, was wir handt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Schoß überkommen vnnd gewünnen.
Barten / Mañbar werden / Anfahen bart uberkommen. Pubescere.
Vberkommer / Erlanger. Partor. Vberkomnuß (die) Erlangung. Adeptio.
Lauater. Gespaͤnste
71v, 24
(
Zürich
1578
):
Dardurch die Pfarren / gstifft vnd kloͤster an reñt vnd gült traͤffenlichen zuͦgenommen / die besten hoͤf vnd guͤter [...] ja gantze herrschafften / vnd eigen stock vnd galgen an sich zogē vnd überkommen habend.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Martinus Lutter [...] uberkam von tag zu tag mer anhenger, gaystlich und weltlich.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
dise zwen stifter
[Remus und Romulus],
mainen etlich, sein des abgots Mars sun gewesen, darumb das sie solten der gantzen welt herschentumb durch irn abgot Mars uberkomen kunftigklich.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
doch diser so die mehristen wallen überkombt auf zwai jahr erwölt werden [solle].
ders. Hl. Schrifft.
Dan. 4, 33
;
Wyss, Limb. Chron. ;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
412
;
Ralegh. a. a. O. ; ;
Küther, UB Frauensee
418, 31
;
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
v. Keller, a. a. O. ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Bachmann, Haimonsk. ; ;
Schib, H. Stockar
167, 20
;
Bauer, Geiler. Pred.
465, 8
;
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 13, 15
;
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 73, 12
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Moscouia
B 4v, 25
;
C 2r, 35
;
Bischoff u. a., a. a. O. .
Vgl. ferner s. v. 2, 5, .
8.
›durch eigene Anstrengung etw. (eine innere Qualität, Fähigkeit, die Anerkennung eines anderen) gewinnen, erwerben‹ (meist mit Subj. d. P., in 1 Beleg d. S.:
fama
); als Spezialisierung eng an 7 anschließbar, von diesem aber unterscheidbar durch das eher abstrakt gedachte logische Objekt; vgl. (Präp.) 2; 12 (?), 4.
Syntagmen:
j. den heiligen geist, armut (des geistes) / andacht / ere / erkentnis / freiheit / gunst / kundschaft (der leute) / seligkeit / sicherheit / tugend / wirde, js. huld, einen geist, ein lob, gewissen, einen grossen glauben, zuversicht ü., etw. mit einfältigkeit / demütigkeit / tugenden ü
.
Wortbildungen:
überkommung
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Wenn ich das von hertzen glawbe, das mir Christus sollichs gethon hat, so uberkomme ich den selbigen hailigen Gaist, der macht mich denn gar new.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
14
(
pfälz.
,
1436
):
Das erst capittel gibt zu erkennen wege vnd stege, durch die man uberkompt erkentnis der sele.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Vnd ists schlecht zu hoͤren / daß die fama [...] dennoch in den Exceptis vnd ocultis einen solchen Beweis erstatten / vnd also eine solche Kraft [...] vberkommen solte.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
So hab ich keinen fried, | Biß ich kan überkommen | Herr Hansen, des Münchn, huld.
Warnock, Pred. Paulis
3, 33
(
önalem.
,
1490
/
4
):
durch daz crútz söllint wir hoffen begriffung und úberkomung der ewigen sälikait.
Bauer, Geiler. Pred.
76, 28
(
Augsb.
1508
):
so überkommest du auch armuͦt des gaistes / das du gewinnest einen armen und nidergeschlagnen gaist / der sich demuͤtigt under got.
Ebd.
79, 9
:
Da zeüch alles das herfür / damitt du daz hertz bewegen magst / das du andacht überkommst.
Ebd.
94, 14
:
das er [mensch] ain starckes hertzliches vertrawen gewint / zuͦ got [...] / und überkommpt gleich ain recht sicherhait das [...].
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Er hat das [wirde, ere] uberkómen, besunderleich mit den tugenden seines gemúts und mit ainfaltikeit und demúttikait.
Oorschot, a. a. O. ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 263, 20
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
9.
›(ein Kind, Kinder) bekommen, zeugen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 30, , I, 1, 1, 24.

Belegblock:

Lichtenstein, Lindener. Rastb.
69
(o. O.
1558
):
Es ist nichts dann eytel glück, wann einer ain kindt uberkompt; darumb biß gedultig!
v. Keller, Ayrer. Dramen (
nobd.
,
um 1600
):
Weyl es nun ist Bey dreyen Jarn, | Das wir Zam Verheurat warn, | Vnd können kein kindt Vberkumen.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Von verglichung der kinden so die Eelüt zuͦ samen bringē vnd by einandern überkomen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
ward erlaupt und verkunt, wer kunder uberkeme, der möchte dieselben in seinem hauß oder in der kurchen tewfen.
10.
›jn. heiraten, zum Ehegatten / zur Ehegattin gewinnen‹ (sowohl mit dem Blick vom Mann auf die Frau wie von der Frau auf den Mann gesagt).
Bedeutungsverwandte:
, 2, 1, (V.) 6.

Belegblock:

Mannack, Rist. Pers.
176, 7
(
Hamb.
1634
):
mir alle Hoffnung abgeschnitten ist / den jenigen zu meinem getrewesten Liebhaber vnnd Ehegemahl zu uͤberkommen / dehme [...].
Ebd.
181, 2
:
daß ich [...] nichtes so hoch wuͤnsche / alse nur wie ich jhrer Liebe theilhafft werden / vnnd sie an einem Ehelichen Gemahl uͤberkommen moͤge.
Luther, WA (
1522
):
Wenn eyn tuchtig weyb tzur ehe eyn untuchtigen man tzur ehe uberkeme und kunde doch keynen andern offentlich nemen [...], solle sie tzu yhrem man alßo sagen
:
Buch Weinsb.
3, 382, 7 (rib., 1587):
Johan Peil. „Disser war jonk ein ruters junge gewest, uberquam in Coln Jaspar Minaus goltsmits dochter [...]“.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
welche den süne überkeme, daz er mit yr zü schicken gewynne, dye wolt er woll begabenn.
Merz, Urk. Wildegg
63, 6
(
halem.
,
1474
):
ob die von tods wegen abgieng vnnd einen andren elichen gemachel vͤberkaͤme vnnd ouch [...].
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 18, 10
.
11.
›jn. anfallen, überfallen, bekriegen‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
2; vgl. 3, 5, 2, 2.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3672
(
rib.
,
1444
):
Wer die morder die des do war naemen | Ind yn duckwile oeverquaemen, | Woulden yme die male aff doen | Umb des wille dat sij was so schoen.
Gille u. a., M. Beheim
104, 190
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sy wanden, dy veind auff gever | uber kemen mit listen.
12.
›jn. bestechen, mit einer Zuwendung auf seine Seite ziehen‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
1775
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
mit gelde so sin ir uberkommen, | daz er die warheit wolt verswigen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1174
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
eine di man ubir komet mit gelde, | wy mag di sich der kuscheit gemelde?
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do sprach er: ,der bobest gab mir dis bistuͦm, daran woltent ir mich sumen und letzen. do muͦst ich üch mit gaben überkummen, daz ir mich ließent ungesumet [...]‘.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Darumb komen des egenanten ritter frewnt zu kayser Karel, [...], und uberkumen in mit pet und gab, also das er [...].
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
den hyetten die Turckhen gern mit gab uberkhomen, das er sich hyet uberlassen.
13.
›die Oberhand gewinnen‹; ›jn. auf je geeignete, situationsangemessene Weise, z. B. durch logisch, rechtlich, religiös, pragmatisch begründete Argumente, durch Versprechungen, auch durch Anwendung von Gewalt umstimmen, überwinden, überherrschen‹ bis hin zu ›jn. physisch überwältigen‹; meist mit Subj. d. P., vereinzelt d. S., dann z. B. von
wein, zorn
gesagt; vgl. (Präp.) 2 (ütr.).
Meist obd.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, , ; vgl. .
Syntagmen:
j. ü
. (absolut);
j. etw
. (z. B.
mit dem lebende
›mit der Ausübung‹
der penitenzien
)
ü., j. jn. ü
. (z. B.
das weib den man, ein bürger den dieb
),
j. jn. mit listen / falsche / gütigkeit / rechte / warheit / worten / werken, mit der spur der minne ü., j. js. mut mit dro, schlägen, gut ü., der wein / zorn jn. ü., der tod jn. (kaum) überkommen haben, j. jn. (nicht) lebend
›solange er lebt‹
ü., die leidlichkeit jn. ü.
;
j. jn. ü., das [...]
.

Belegblock:

Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
so frawe wir uns des im allerhöchsten, das man uns ye mit warheit und rechte nicht uberkommen sollen.
Henschel u. a., Heidin
931
(
nobd.
,
um 1300
):
Welt ir mit ewern listen | Mich mit valsche vber kvmen | Ich han des triegens vil vʼnvmē.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
12b, 13
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
dv [minne] vͤberwindest den den nie man vberwinden kane wann dv vͤber koͤm in des daz er auf erden mensche wart.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Ob ich [thumbherr] der eine uberkömb, | Die mich zu eim bulen annömb.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Kein müh thu ich [Münch] nicht sparen, | Biß ich sie [Weiber] überkumm.
Merzdorf, Historienb. (
alem.
, Hs.
2. H. 14.
/
A. 15. Jh.
):
also sy in doch zuͦ leste úberkam das er ir es sei
(›sagte‹).
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
116, 13
(
els.
,
1362
):
Die kunde mit allem iren flisse den kunig nút úber komen daz er cristen wurde.
Ebd.
446, 3
:
Doch uberkam sante Jacob disen mit worten vnd mit werken daz er wider zuͦ sinen meister ging.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz úberkummet man mit dem lebende der penitencien.
Ebd. (
1359
):
als dise lidelicheit alle úber kumet und úber lit, denne kumet der herre.
Eichler, Ruusbr. steen
206
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Wer do ding v́berwindet vnd v́berkvmet, dem wurt dis blikende steinlein gegeben.
Chron. Strassb. (
els.
,
15. Jh.
):
ouch was von den selben also vil Juden kumen, das der künig vorhte, das sü in überkemen.
Ebd. (
A. 15. Jh.
):
doch donoch überkam Julius, das ime die zwene herzogen undertenig wurdent.
Sappler, H. Kaufringer
2, 11
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
den [jud] mocht niemant überkomen, | das er an sich hett genomen | kristenlichen glauben zwar.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
wann zwen mitt ainánder kriegen umb das chönigreich und welcher den andern überchömpt und in zu gefancknuß pringt, so [...].
Gereke, Seifrits Alex.
8976
(
oobd.
, Hs.
1466
):
man chund in uber winden nye; | yedoch wein und zorn | gesigten an dem hochgeporn, | das in die zway uber chomen | und im dikch die mas namen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
welichs weib irn man úberchōmen wil, di hab di letwari pei ıͤr.
Gierach, Märterb.
2765
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
er wolt sey mit listenn | haben uberchomen und mit rede | verlaitten von dem rechten wege.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
doch das darnach der purger den deup ze tod erschlueg und úberkumpt, so soll er in auf die gassen werfen.
14.
›hinsichtlich einer Sache übereinstimmen‹; ›jm. entgegenkommen, sich mit jm. / einer Stadt o. Ä. verhandelnd, durch
besinnen
1; 2,
betrachten
3; 5,
1
reden
8,
ane streiten
2 auf eine übereinstimmende Position verständigen‹; vereinzelt auf Personen bezogen: ›jn. einvernehmlich in eine Funktion einsetzen‹; trans.: ›etw. verabreden, vereinbaren‹; vgl. (Präp.) 3.
Vielfach Rechts- und Wirtschaftstexte, auch Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
11, 9, 3; 7, (V.) 1, ; vgl. 5.
Syntagmen:
j
. (z. B.
die historienschreiber
)
in e. S. ü
. (›übereinkommen‹; absolut);
j. mit jm. etw. ü., j. mit jm
. (z. B.
Judas mit den Juden
)
ü., zu [...] / das [...]
,
j. mit jm
. (z. B.
Carolus mit den kurfürsten, der rat miteinander
)
ü., das [...]
,
j. mit den stätten etw
. (z. B.
einen artikel
)
ü., die stätte mit den herren ü
. ›sich verständigen‹,
j. (und j.) e. S
. (Gen.obj., z. B.
eines briefes / landfrieden, einer summe geldes
)
ü.
; refl.:
sich etw
. (Akk.obj.)
ü
. ›sich auf etw. verständigen‹; subst.:
das überkommen geschehen
.
Wortbildungen:
überkommung
3 ›Übereinkommen‹ (dazu bdv.: 1, 4, ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Mit jemãds eins werden vber ein kommen vertrag machē vberkommen.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 57, 24
(
preuß.
,
1448
):
das wir [...] mit unsern steten dese hy nochgeschrebenen artikeln obirkomen seyn.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dairin overcomen alle historienschriver, dat he [Antonius] gesellen zo sich genomen hait dat rich mit eme zo regieren.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der Romesche konig Wenzelaus konig zu Beheimen unde di korforsten [...] oberqwamen eins gemeinen lantfreden.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
und oberquamen sie und die zwen und zwenzig eines briefes.
Köbler, Ref. Wormbs
91, 12
(
Worms
1499
):
das ein geding oder vberkomen geschen sy zu wechseln.
Ders., Ref. Franckenfort
34, 7
(
Mainz
1509
):
Das Erst Jurament voluntariũ ist / daß das vßgeding oder vberkomunge der parthyen so im krieg hangen / vsserthalb des rechtens gestatt wirdet.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 429, 13
(
hess.
,
1418
):
Von der gudenlude wegen ist der rad uberkommen, das [...].
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
132, 3, 7
(
schles.
,
1382
):
Wir haben den ersamen vorwesern des Bischtums [...], als wir mit yn vnd sie mit vns vbirkomen seyn, dese besundere genade getan.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
318, 31
(
nobd.
,
1427
):
der oder dieselben beschedigten [...], sölten das an den oberman, des man denn uberkumen ist, [...], bringen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
/
80
):
darnach am pfingstabent uberkamen die reinischen und swebischen stet zu Heidelberg mit den herrn und ward der krieg verricht.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1410
):
Keyser Karolus, [...], der úberkame mit den kurfúrsten, das sy sinen suͦn Wentzelaws [...] zuͦ einem Romischen kúnge nament.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
also wart [...] geret, das der keyser und der künig mittenander überkoment one striten.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
596
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Disen rot vnd iren anschlag / | Das überkummen / den vertrag | Fier von Bern sich vnderstunden Und suͦchten fund, wie [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberkom̃en / Taͤdingen / Ein vertrag machen / Ein spañ richten / Vereinbaren. [...] Mit eim handlen vnd Vberkom̃en.
Wyss, Luz. Ostersp. vor
6375
(
Luzern
1545
):
wie Judas Ischarioth mitt den Juden v̈berkompt, Jesum zuͦ verraten.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch ;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 331
;
Köbler, a. a. O.
47, 9
;
Küther, UB Frauensee
189, 21
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. ;
V. Anshelm. Berner Chron. ; ;
Bachmann, Haimonsk. ;
Barack, Zim. Chron. ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Voc. Teut.-Lat.
hh vjr
;
Vorarlb. Wb.
2, 1410
.
15.
›etw. (Drohendes) hinter sich lassen, hinter sich bringen, etw. überstehen, verwinden, überleben, über etw. hinwegkommen‹ (jeweils von Personen gesagt); ›Bestand haben, überdauern‹ (von der Ehe); vgl. (Präp.) 5; 6; 7, 7.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 3, 9, 2, 2.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
die ehe
)
ü.
;
j. etw. (nicht / kaum / wol, mit geduldigkeit) ü.
, im Einzelnen z. B.
j. seine not, ein bad, einen frost, das scharmützen, den berg der sorgen, die jare der lere, seinen tag
›seine Lebenszeit‹
(nicht) ü., ein gaul etw
. (z. B. die Arbeit des
schinders
)
ü., die christenheit
(Subj.)
etw. ü
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Du Got gesazt hast ein zil, | Dar niemant ober kumen mac. | Daz spricht: niemant kan sinen tac | Ober kumen noch gelengen, | Got enwolles im vorhengen.
Wiltu tuen daz Got gebot, | Und uberkumen der sorgen berk, | So geloube wol, tu gute werk.
Do diz wol hete ober komen | Die selige cristenheit.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Frankf.
1545
):
Hie lieg ich [Gaul] unnd warte des Schinders. Ach, hett ichs nur uͤberkommen!
Roloff, Brant. Tsp.
1358
(
Straßb.
1554
):
Der jüngling muͦst allzeit sein vornen dran | Nun hab ich ihm zuͦgrist ein badt | Ich gedenck wol das ers überkommen hatt / | Und ist im ofen langst erstickt.
Wickram
4, 10, 7
(
Straßb.
1556
):
lauffen sie dahin wie das liebe vieh / meinen sie habend ihre jar der lehr schon überkummen.
Dierauer, Chron. Zürich
251, 7
(
halem.
,
15. Jh.
):
also tett man den von Waltzhuͤt großen schaden [...], das sie es kum úberkoment.
Bächtold, N. Manuel. Todt.
15, 69
(
halem.
1514
/
22
):
O tod, [...] | Nimpst mir den man, ouch mir das kind! | Das kan ich nit wol überkon.
Wedler, W. Burley. Liber
55r
(
moobd.
,
v. 1452
):
Es ist swär, wann man ainem vnrecht tuet, das ers vberkome mit geduldigkait.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
288
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Welti, Urk. Rheinfelden
291, 19
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. .