übersteigen,
V., unr. abl.
– Keine oobd. Belege.
1.
›räumlich über etw. hinwegsteigen; auf etw. steigen, etw. besteigen‹; in verschiedene Richtungen ütr., z. B.: ›(eine Zahl, Summe) übersteigen, über sie hinausgehen‹ (quantitativ gesehen); ›(einen Ast) übersteigen‹ (in aufstiegsmystischer Sicht); ›jn. überwinden‹ (in religiöser Sicht); ›etw. sinnlich ermessen‹ (etw. gleichsam aufsteigend von oben erfassen); vgl. (Präp.) 1; 2; 3, (V., unr. abl.) 1.
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. 1; 2, 1, 4.
Syntagmen:
einen ast / berg, ein dach, einen blühenden zweig ü
.; ütr.:
eine summe / zal ü
.;
die bösen vom helledieb überstiegen liegen
.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
eyn betthe wunder clar | Riechlich und uz riecher war | Gemacht von blunden czwigen, | Di keyn syn uber stigen | Noch durch sinnen nicht enmak.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Di posen ligen | Uberstigen | Von manigem helle dieb.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Wird gebraucht in multiplication derer Zahlen / die beyde 30 uͤbersteigen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1516
):
von disem statgericht würt in sachen, [...] so bestimpte summa ubersteigen, an das kaiserlich kamergericht appelliert.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1508
):
hab ich dißen herbst mein stallung [...] das dach ubersteigen und pessern laß.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
won swenne der mentsch dan sibenden ast úber stiget, so gat ez an die suͤssen ruͦwe.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vbersteygen / überhin steygen / überhin gon. Transcendere, Superare. [...]. Die hohen berg sind nit zuͦ Vbersteygen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Besteigen / vbersteigen / transcendere, scalis ascendere.
2.
›jn. unter einem bestimmten Aspekt (z. B. an Fähigkeit, an Macht, hinsichtlich der Sünden) übertreffen; die Möglichkeiten des Menschen übersteigen‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), (V., unr. abl.) 3; 4.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
3, , 2, 2; vgl. 2, 6.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Hes.
16, 52
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
so trage ouch du dine schande, di du obirsteigit hast
(hier regelmäßig flektiert) [
Mentel
1466 /
Eck
1537:
hast vberwunden
;
Dietenberger
1534:
weit vbertrifft
]
dine swestirn mit dinen sunden, lestirlicher tuende den si.
Ebd. Dan.
11, 5
:
der kunic des suden wirt starc, und einir sinir vursten wirt en ubirsteigen
[
Mentel
1466:
gesigt vber in von seinen fürsten
; nd. Bibel um 1478:
scholen sick vorheuen bauen eme
;
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1531:
Gegen jm wird sich auch einer stercken
;
Dietenberger
1534:
wird mechtiger werden den̄ er
;
Eck
1537:
der würd jhm obligen
;
Luther
1545:
gegen jm wird einer auch mechtig sein
]
an gewalt und wirt herschen.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 23
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
1. H. 14. Jh.
˺):
des phawen ofte hat überstigen | des kranches vluc.
Gille u. a., M. Beheim
72, 68
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
als die juncfrau frum | Maria sunder mengel | Hie auf der erden also hot | hach uberstigen die genot | und das verdienn der engel, | Also sy czhymel isti | in der er uberstigen all | engel und creatur czu mall, | nur nicht dy menschait Cristi.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
16
(
Nürnb.
1517
):
werk, die uber uns sein, die all unser macht übersteigen, das ist: erkennen got.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ander Vbersteygen / Fuͤrtraͤffenlicher sein.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Der verdampnung ist mit recht. / Dorumb Was vbersteig wir sy
[nd. Bibel um 1478:
auertreden wir se
;
Dietenberger
1534:
vbertreffen wir sie oder sein wir besser dan sie
;
Eck
1537:
sein wir besser dan sie
;
Froschauer
1531 /
Luther
1545, Röm. 3, 9:
haben wir einen vorteil
]
? In keiner weys.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. .