überlegen,
V.,
vereinzelt unregelmäßige Formen; im Prät. auch
-lacht
sowie (kontrahiert)
-leit
; kausativ zu -
1
liegen
.
1.
›etw. über etw. anderes legen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße (vom Übergelegten auf die Unterlage): ›(Flächiges oder flächig Gedachtes) mit etw. (Schmückendem, Befestigendem, Einengendem u. Ä.) überziehen, mit jm. (z. B. mit einem
kriegsvolk
) belegen‹; zu (Präp.) 1, 1.
Obd.
Phraseme:
der feder etw. überlegen
›etw. in Schrift fassen‹ (hierher im Sinne von ›einen Gedanken in die Schrift verlegen, aufzeichnen, festhalten‹?).
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. 1.
Syntagmen:
ein pflaster mit leder, den ern, eine brücke / stube ü., einen locum mit mausfallen, ein kraut mit spek, ein feld mit kriegsvolk, eine schale mit zin, ein band, einen würfel mit silber, eine zieche mit gold, die welt mit stricken ü
.
Wortbildungen:
überleger
›Pflasterer; Verleger von Pflastersteinen‹ (dazu bdv.: vgl. 1, , ).

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
35
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Das [pflaster] sol man überlegen mit einem püschlein vnd leder.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1516
):
2 lideren cziechen mit gold uberlegt in furm eines gülden sammets.
Ebd. (
1517
):
2 kallterpant mit fein silber czu uberlegen facit.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
So müst er [mensch von techter demütikeit] doch vailen, | [...] | Als sant Anthonius sait, | Vore der tüfel die welt mit striken hat überlait.
Bächtold, H. Salat (
halem.
,
1536
):
daß [...] verständige, geschrift liebende menner wärend gsin, so semlichs zuͦ handen gnan und der feder überleit hättend.
Wiessner, Wittenw. Ring
5712
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Hie mit do was daz chraut berait | Mit spek und greuben überlait.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das faͤld wirt mit kriegsuolck Vberlegt vnd bedeckt.
Turmair (
Augsb.
1517
):
contra mures et talpas opplent locum muscipulis, ,überlegen, überfüllen mit mausfallen‘.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
407
(
oobd.
,
1607
/
11
):
dieffe schälein, die seind inwendig mit dinnem zin überlegt.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1425
):
von dem man
Jacoben, des uberleger, und Agnesen, seiner hausfraun, erben 4 ll 6 sh. dn.
zu Burgrecht dient. Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1524
):
carpentariis pro labore den erren wͦberlacht [...] asp. 26.
Ebd. (
1538
):
Custodi eiusdem Portæ, das er die Brük naÿ hat yberlocht, vnd beschlagen, bibales asp. 10.
Keil, a. a. O.
37
;
Rohland, Schäden
550
;
Sappler, H. Kaufringer
13, 134
;
Uhlirz, a. a. O. ;
2.
›jn. / eine soziale Einheit (z. B. eine Rechts- oder Wirtschaftseinheit) mit Auflagen aller Art beschweren, belasten, überlasten‹; speziell: ›(zu viele Handwerker) aufnehmen und damit die Sozialordnung überdehnen, stören, belasten‹ (vgl. hierzu 6); auch: ›jm. zur Last fallen‹; am ehesten hier anschließbar: ›(ein Kloster) (
zu unrecht
) mit etw. ausstatten‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (auf soziale Verhältnisse ütr.), 11.
Nahezu ausschließlich obd.
Bedeutungsverwandte:
1
6, 7; vgl. 6; 7, 1.
Syntagmen:
die krämer ü., jn. (mit falsche, mit einer schäferei) ü., das handwerk, den gemeinen man (mit beschwerden / diensten / fronen / steuern), eine pfründe (mit zinsen) ü., ein kloster
(Subj.)
das erdreich (mit gut), j. die klöster / güter (mit falknern / jägern) ü
. (z. B.
schwerlich
);
alle dinge überlegt sein
.
Wortbildungen:
überlegenheit
›Belastung‹ (unspezifisch),
überlegung
1 ›Überlastung, Überdehnung einer Sozialordnung (mit z. B. Handwerkern)‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
297, 4
(
thür.
,
1474
):
wy er sich wedder recht [...] anemaßet [...], eyne nuwe schefferye uffzcubrenge, sy darmete zcu obirlegen, unde yre guter, [...], lest er yn met syn schaffen abetczen.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1524
):
wer hat die pfründ mit zinsen überlegt und beschwäret dann ir päbst und bischoff und die schnöden römischen curtisan?
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
dieweyl der arm gemain man [...] mit merklichen aufsetzen und beschwerden, als ungewonlichen, unzimblichen stewrn, diensten, fronen, tätzen und anderm, was das ist, ubersetzt und uberlegt [wird].
Spanier, Murner. Narrenb.
33, 52
(
Straßb.
1512
):
Alle ding sindt überleit, | Der clagent puren wyt vnd breit.
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 6
(
Basel
1494
):
Keyn hantwerck stat me jnn sym waͤrdt | Es ist als überleydt | beschwaͤrt.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1562
/
4
):
Damit [mit welschen krömern] sy [biderbe lüte] der welt gar überlegen und mit waren, die nit werschaft sind, verfüeren.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberlaͤgenheit (die) Importunitas, Molestia.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Die closter sein mechtig, sie haben das ertrich ynn, sie überlegen es mit gut und schirmen mit kraft ir unrecht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
Das sollen hinfüro die hantwercher nit uberlegt noch mehrer aufgenomben werden.
Ebd. (
1582
):
sonderlich, do er ain hantwercher ist, das solliche aufnemung mit vorwissen deßselbigen hantwerchs zuvor beschehe, dann aus überlegung der handwercher vil unainigkait, verhinderung, armuet und unrath entsteet.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
Der fürst uberlegt die klöster und alle geistliche güter in seinem lande gar swärlich mit jägern und valcknern.
3.
›etw. (einen Markttermin) umlegen, verlegen, verschieben‹; ütr.: ›(ein Geschichtsbild) umdeuten, umprägen‹; vgl. (Präp.) 5, 1 (auf Zeitverhältnisse ütr.); 7.
Bedeutungsverwandte:
9, , (V.) 3, .
Wortbildungen:
überlegung
2 ›(räumliche) Verschiebung der Grundstücksgrenze auf den Nachbarbereich‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Jörg, Salat. Reformationschr.
85, 13
(
halem.
,
1534
/
5
):
Man betrachte / wie sy dem Lutrer ein strick geleytt hand / mit falscher überlegung der hussischen articklen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
do allen segen und er der Sems kinder mit der priesterschafft Christus überlegt hat in der newn ee auf Jafets same, wann von Sem die Juden sind kömen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1575
):
wie die schmalen klainen grintlein [...] zu ihrer behilzung, vichwaid und bluemsuch gebraucht von etlichen anrainunten mit außwerfung der pitmarchen, mit überlögung der khäger auch anderer gefährlicher überrainungen angefochten werden.
Ebd. (
17. Jh.
):
welcher [jahrsmarkt] aber hernacher [...] auf st. Geörgentag jedes jahrs überlegt.
Ebd. (
n. 1665
):
anno 1665 ist diser kürchtag auß habenten fürstl. freiheiten sonntags vor Bärtlme überlegt worden.
4.
›etw. überlegen, hin und her abwägend über etw. nachdenken‹; resultativ auch: ›etw. ausrechnen‹; vgl. (Präp.) 3 (ütr.), 1 (auf kognitive Verhältnisse ütr.).
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1; 2; 3, 3; 4, 1, (V., unr. abl.) 1,
1
6, 4, .
Syntagmen:
j. eine sache (nach mas) / schuld ü
. (z. B.
recht, mit jm.
),
j. etw. mit fleis, mit zalpfennigen
›nach kaufmännischen Gesichtspunkten‹
ü., j. etw. ü., das
›damit‹ [... + Zwecksatz] oder
das
[... + Inhaltssatz]; subst.:
kein überlegen von dem amptman ergehen
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Expendere. Bedencken betrachten erwegen ermessen behertzigen besinnen vberlegen vberschlahen. Zuͦ hertzen nemen setzen fassen fuͤren.
Luther, WA (
1544
):
[sie alle] faren aus jrer menschlichen klugheit daher und uberlegens mit Zalpfennigen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
Ich hab aber bei mir bedacht und uberlacht, das mir der doctorat schedlicher sein worde dan batlich, dieweil er wol bei 300 ader 400 daler sulte kosten.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
aber wañ ich die Sache recht vberlege / vnd wann sie auch ein jeder verstaͤndiger recht erwegen wird / so wird er sehen / daß [...].
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz man [...] 14000 gulden schuldig si odir sin solle: dan nach lude und inhalt der gruntrechnunge, als wir die verstan gerechent und ubirlegt haben.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
wie die weichsteur nicht nach geleichen dingen ausgelegt sei, und wie in darumben von den vitztumbn und ambtman kain überlegen ergangen sei, damit [...].
Oorschot, a. a. O. ;
Opel, Spittendorf ; ;
Wickram
4, 18, 27
;
Schwarz, Awürt. Lagerb.
2, 252, 12
, Var. M.
5.
›jm. etw. unterstellen, unterschieben‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.), 1.
Wortbildungen:
überlegung
3 ›Unterstellung‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
[Jhesus] Wart von den juden ser verclacht, | Mit falscher zewgnus überlacht.
Jörg, Salat. Reformationschr.
528, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
bericht zuͦ werden / wie all ding ergangen und das doctor Murnern vil ding unrechtlich überleytt werend.
6.
›(eine Weide) überbelegen, mit zu viel Vieh überweiden‹, damit ›überbewirtschaften‹ (Parallele dazu in 2: ›die Sozialordnung überdehnen‹); vgl. (Präp.) 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 1.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
17. Jh.
):
damit aber [...] die waiten nicht überlegt und folgsamb einer mit den andern verderbt werden möchte, alß solle [...].