überfüllen,
V.
1.
›(einen Graben) zuschütten; (ein Hohlmaß) bis zum Überlaufen füllen; (eine Fläche) mit etw. überdecken‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3.
Bedeutungsverwandte:
, (V.) 1; vgl. 3, 2.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
786
(
Köln
1476
):
So woulden sy dayr dye grauen Myt erden oeuer vollet hauen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Muller die uberfüllent yre maß.
Voc. Teut.-Lat.
hh vjr
(
Nürnb.
1482
):
Vberfullen od’ befallen. obruere.
Turmair (
Augsb.
1512
):
contra mures et talpas opplent locum muscipulis, ‚überlegen, überfüllen mit mausfallen‘.
2.
›sich über das von der Natur vorgegebene Maß hinaus überfressen, zusaufen‹ (über Menschen kritisch, von Tieren beschreibend gesagt); zu (Präp.) 10.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , .
Syntagmen:
in allen Belegen refl.

Belegblock:

Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wenn sich die lüt tuond überfüllen | Tag und nacht als die aker schüllen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1528
):
all die, so sich uberfüllen und mer zuͦ inen naͤmmen, dann ir natur ertragen mag.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain unkäusch tier, [...], daz übervüllt sich mit ezzen.
diu schâf sterbent gar schier, wenne si daz himeltrôr ezzent in dem maien [...], und wenn si sich der eher
[›mit Ähren‹ (Gen.obj.)]
überfüllent in dem augst.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
304, 10
.
3.
›jn. (die Gottesmutter) mit der als ‚fließend‘ gedachten göttlichen Gnade, mit einem als
überglästig
assoziierten Licht überströmen, erfüllen‹; zu (Präp.) 10.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 1b.
Wortbildungen:
˹
überfülle
,
überfüllede
˺ (dazu bdv.: 2),
überfüllig
›begnadet, geweiht‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
von der übervülle der gotheit brach ez ûz und vlôz über in den lîp unser vrouwen und wart gebildet ein lîchname von dem heiligen geiste in unser vrouwen lîbe.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Ave Maria voller Gnad | Mit der dich uͤberfuͤllet hat, | Gott der allerhoͤchste Herr.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz da [in der drivaltekait] ein úberoffenbar liehtriche schin ist, [...], und daz die ungesihtigen vernunft úberfúllet mit den [...] úberglestigen liechten.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
si wart erfúllet mit aller der gnade die Got hatte, won dú flôz sament in si daz si gar úber fúllet wart.
Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb. (o. O.
um 1470
):
Lautus i. bene conditus vel dedicatus überfüllig.