überflüssigkeit,
die
;-Ø/–
.1.
›bestimmte, als hinreichend bis erstaunlich erachtete Menge (zählbarer Bezugsgegebenheiten, z. B. von Edelsteinen, Fischen); Masse, Besitz, Reichtum; reichhaltige Ausstattung an Tagesnotwendigem‹; Mehrfach berichtende Texte.
Belegblock:
van Adams ziiden bis vp den syntfluss hait idt niet geregent sunder idt was alle zijt ein getempert lucht vnd wedder. genoichtsamheit vnd ouervlodicheit aller dinge.
Do hoyt man us deme gebirge di edile gesteyne di do heysin turchicases in grozer obirvlussikeit.
Ebd.
43, 8
: das man von obirvlussikeit des getreydis by no gipt spise dem ganczen here des grozen chaam eyn jar.
die in ansehung jhres reichthumbs vnnd vermeineter vberfluͤssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den vnserigen erheben.
huͤt euch vor aller geytikeit wann das leben (eins iglichen) ist nicht in der vberflussikeit aus dem das er besitzt.
Vberflussigkeit der vische.
das höw kam in großer überflüssikait in den schiffen und uff den karren.
Voc. Teut.-Lat.
hh vijr
.2.
›Übermaß, kaum aussagbares Maß der güte
4, gutheit
4, gnade
1, freigebigkeit, völligkeit, des reichtums gottes, der gotheit
1, wie es sich entsprechend der art, natur
Gottes nach der Fließmetapher begnadend in den Menschen, seine Seele ergießt‹; vgl. zur Metaphorik: ausfliessen
3, giessen
(V.) 10, entgiessen
2, ergiessen, übergiessen
2, auch übergus
2 in den Belegen bzw. in deren Umfeld; zu 2.
Gehäuft älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
die gnade mit ü. in jm. wonen, von der ü. (des herren) gnade empfangen, das finsternis von überflüssigkeit der unbekentlichkeit finster sein
; die ü. des liechtes / reichtums (in der güte), der freigebigkeit, des überflusses (der gotheit), der gutheit gottes
; die reiche ü
.; man beachte die Genitivreihen, auch die Wortbildungen in der Belegumgebung!Belegblock:
Alles guͦt fluͥsset us der uͥberfluͥssikait der guͦtheit gottes.
von syner
[des
herren]
ubirfluzzekeit habe wir inphangen alle gnade umme gnade. alleine ettiswanne fon der uberfluzzikeit der groze des innerin trostis sich irguzit uzewendic an den lip, ez ist doch me innewendic dan uzewendic.
do der vater gebirt seinen sun in der ewigkeit Wan von vberflussigkeit des vberwesenlichen reichthumbs in der gute gottes, so [...].
Ebd.
14va, 26
: ein gleichniß des liechtes erschein [...] vnd vmbfieng sant Pauls also die seligen vñ võ vberflussigkeit des liechtes dz in der sele grund ist das vbergeusset sich in den leichnam.
Du reiche vberflússigkeit, | Der Goͤttlichen Freigebigkeit. | Du hochheiliges Sacrament.
‚die tugent wirt vollebracht in der krankheit‘. Aber dise krankheit enkumet nút von uswendiger uͤbunge, sunder von der úberflússikeit des úbergusses der gotheit, der disen menschen also úbergossen hat das [...].
3.
›die den (meist individuellen) Menschen kennzeichnende, sowohl neutral wie negativ und positiv bewertete, nach außen drängende, als ‚Fülle‘ metaphorisierte Gemütsverfassung‹; als Metonymie dazu: ›dieser Verfassung entsprechende Handlung‹; vgl. 3.
Belegblock:
das doch alles wider christliche ordnung und nach vermug des hailigen ewangeliums nit sein soll, dieweyl doch soliche uberflussigkait, gegen mir armen geubt, gegen Tattern oder haiden uberflussig [...] were.
Wann von der begnuͦgsam
[Var. 1475
v́berflúßigkait2
–1518: ;
überflußDietenberger
1534 / Eck
1537: ;
wes das hertz vol istFroschauer
1531 / Luther
1545, Lk. 6, 45: ]
des hertzen redt der mund. Ain yettlicher mag mit der mynn angel verhefft werden, es sey dann, das yn hinder vnd ir plinthait, alter oder der vnkeüsch vberflüzzigkait.
Der mensch der rëdet oft aus grosser v̈berflüssikhait der traurikhait.
Gerhardt, Meister v. Prag
34, 3
.4.
›Menge, über dasjenige hinausgehende Fülle dessen, was die Natur, die Homoralpathologie, die Moral, die soziale Normalität vorgibt‹; im Einzelnen z. B.: ›Verdauungsrückstand‹ (als humoralpathologisch überflüssig angesehen); ›Monatsblutung der Frau‹ (verstanden als ‚Überflüssigkeit von Blut‘); vgl. 3.
Oft fachliche Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , (allgemein); , (zu ›Monatsblutung‹); 3 (›Zahnweh‹ verstanden als starke Feuchtigkeut des Zahnfleisches).Syntagmen
(die) ü. haben / ausziehen / mindern, aus dem herzen werfen, aus dem leichnam speien, j. die ü. in sich tragen, ein glied die ü. zunemen
; an Christi menschheit, in jm. nicht ü. sein, das hirn nicht eine ü. sein
; j. der ü. vol sein
; sich von ü. reinen / säubern, von ü. das orensausen kommen
; die ü. des blutes, des essens / trinkens, des fleisches / leibes / magens, der feuchte / feuchtigkeit / haut / speise
; die feuchte / wäsrige ü
.Belegblock:
vnd salt das gelit sterckn mit ercztei / das es nicht czu nemee dy vberflussigket.
Men(s)truum [...] pestis mulierum frawenkranchait [...] froͤwlicher siechtag [...] vberflussikeyt.
So sol man nemen perchtram [...], vnd kew daz vnter den zennen, das zeucht das gesucht vnd die überflußigkeit auß.
Ebd.
248
: Daz die oren saussen, daz kumpt etwen von großen winden vnd von überigem prodem, [...], vnd von überiger hitz oder von überiger kelten vnd von überflußigkeit des magens.
Du solt auch haben zwuͦ scheren da mit zuͦ schnidenn etliche vberflüssikeit der hut oder des fleisches.
So soltu vor an als ich meynen | Von úberflússigkeit dich reinen | So die spyse vertoͮwet sy.
Ebd.
3501
: Es
[das
lassen]
mynret das bluͦte | Vnd alle úberflússigkeit | Die der mentsche in yme treit. Nút úberflússiges inim was, | Da von im moͤchte swiczen nicht, | Als man von úns allen sicht, | Die úberflússekait sint vol.
Der ander staffel der temperunge wist daz gemvͤte volkomenlich zvͦ ewigen sachen, want er vertribt festenklich aller dingen vberfluͥssikeit.
Das ist den verdriß und müde deß gemütes auß woͤllen treiben yeglicher wys als wir überflüssikait deß lybes uß dem lychnam speien.
daz hirn ist niht ain überflüzzikait in dem menschen.
ander maister sprechent, daz sich daz kint fürb und sauber von wäzzriger überflüzzichait in ainem gänglein.
von der fäuchten überflüzzichait und dem dunst in des tiers leib wechst daz hâr, und von des ezzens überflüzzichait kümt der fäuchten übermæzichait in dem leib.
Der Sodomiten pozhait was des prots vnd der speis vͤberfluͤzzichait vnd ïr muͤzzgankch.
Keil, a. a. O.
477
; Chron. Augsb. 4, 117, Var. z. Z.
27
; Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
57, 11
; Voc. Teut.-Lat.
hh vv
; ‒
Vgl. ferner s. v. .5.
›Luxus, der Eigenbezüglichkeit und Anerkennung meist sozial herausgehobener Einzelner sowie sozialer Gruppen (z. B. der geistlichkeit
) dienender, deren Macht demonstrierender Überfluss; zur Schau gestellter Reichtum (z. B. an Kleidern, an Tagesaufwand)‹; mit dem allem durchgehend negativ bewertet, meist unter moraltheologischen, auch sozialen Aspekten; insofern auch mit der Drohung unaussprechlicher peinigung
verbunden; vgl. 3.
Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, auch Chroniken.
Syntagmen:
die ü. nemen / büssen / ausjäten / ausreuten / ausschlagen / fliehen / strafen, mit strafe peinigen, nicht dem armen bieten
; js. ü
. (Subj.) dem volk einen graus machen
; sich der ü. massen
; von ü. hoffart kommen, müssiggehen zu ü. geschikt machen
; die ü. der geistlichen, die ü. der habe / hochfart, (zeitliches) gutes, der kleider, des reichtumes
; die unrechte ü
.Belegblock:
dis was di bosheit Sodome dinir swestir: hochvart, brotis sete und obirvluzzekeit
[
begnúgungMentel
1466: ; nd. Bibel um 1478:
ouerflodicheyt;
ale genügeWormser Proph.
1527 / Froschauer
1531 / Dietenberger
1534: ;
überflüssigkaitEck
1537: ;
alles vol aufLuther
1545: ],
und ire muzekeit und irir tochter hant botin si nicht deme armen. Ebd.
27, 18
: Damascenus din koufman zu manchvaldekeit dinir werke, in obirvluzzekeit
[
in der menigMentel
1466 / Eck
1537: ; nd. Bibel um 1478:
meenheit]
allirley richtum mit vettin wyne und wolgeverwetir wolle. he predichde sere scharpelich intghein die groisse schentliche giricheit der geistlicheit ind van der overvloedicheit zitlichs goitz ind van der weildicheit dair si in swemmen.
der erden kloß und meres streum mit aller irer behaltung hat uns der mechtig aller werlt herzog befolhen, den worten das wir alle überflussigkeit sullen ausreuten.
dy ubirflissicheit der cleider | dy nu di kuschen dragen leider, | die sint gar strefflich an iren liben.
Ebd.
2568
: das alle lipliche luͤst | der kusche mensche sal lassen | unnd sich der uberflussickeid massen.
[Gott] Gib vns kein vberflissigkeit, | Dann des Leibs nottuͤrffdigkeit.
so merck der mensch, was nucz und was mug fromen pringen den liebhabern diser werlt [...] und den besiczern groß reichtums ir eytel ere, ir kurcz frewde, die uberflußikeit der habe, ir poß begird, das ubermutig gepreng.
Du hast genummen den wucher und die uberflüssigkait, und geytzigklich hastu genöt deine nechsten.
Hoffart kumpt von vberflussikeit, von vberflussikeit kumt vnlauterkeit.