sünde,
die
;
-Ø/-Ø
oder
-n
;
vielfach Apokope des
-e
; die Pluralform ist, soweit identifizierbar, in 3 deutlich häufiger belegt als in 1 und 2. Die semantische Abgrenzung der drei Ansätze bietet in einer hohen Anzahl von Belegen vor allem deshalb Probleme, weil die Verantwortlichkeit des Menschen bereits in 1 und seine generelle Sündenverfallenheit bis in die sündhafte Einzeltat und den entsprechenden gesellschaftlichen Zustand (s. 2–4) durchschimmert. Dies gilt verstärkt für die Wortbildungen mit
sünde
, so, dass deren motivationelle Zuordnungen über das Normalmaß hinausgehend diskutabel sind; auf Zuordnungsindizes musste deshalb zum Teil verzichtet werden. Die Menge der Wortbildungen mit
sünde
als Bestimmungswort (Bw) konnte nur in Auswahl dokumentiert werden; umfänglichere Listen finden sich vor allem im und im
Rwb.
– 1; 2; 3 gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
1.
›Sündenverfallenheit als dem Menschen vorgegebene, nicht in seiner Einflussmöglichkeit liegende, nicht aus eigener Kraft aufhebbare, nur durch die Erlösungstat Christi getilgte und in der jeweiligen Gegenwart jedem Einzelnen als getilgt angebotene schuldhafte Existenzweise‹; sie zeigt sich in
allen leiblichen dingen
, in
der welt
, in 6, 1 und 1; 3, im
gescheiden sein von got, vom mutterleib her
; offen zu 2.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
8, 315
–321.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ,
2
1, (
die
) 5, , (
die
) 5; 8, (
die
) 3, 3; 4, (
der
), 1; 2, (ewige) .
Gegensätze:
3; 4.
Syntagmen:
j., der mensch die s. im herzen haben, von mutterleib herbringen, Christus die sünde aufheben / austreiben / wegnemen / vergeben
(dies auch vom
babst
gesagt),
got und mensch
(Jesus Christus)
die s. überwinden, das brot die s. tragen, das lämlein die s. (der welt) getragen haben, die unschuld des sones js. sünde tragen
;
(die) s
. (Subj.)
in der empfängnis und geburt, in der zeit sein, im wollen geschehen, sich an Christo abgerennet haben
;
der tod der s. folgen
;
der mensch, die sele nicht ane s. sein (können), der messias ane s. geopfert werden, Christi blut
(Subj.)
für die s. vergossen werden, Christus sein blut für unsere s. vergossen haben, um die s. gestorben sein, Jesus rein von sünden sein, j. sonder s. sein wellen, jn. von den sünden erledigen
;
die s. der welt, als ursprung der krankheiten, des jammers
;
die schwere s
.;
der sold, die abtilgung / vergebung der sünden
(gen. objectivus),
das band
›die Fessel‹
der s
.;
der erlöser, die reinung von sünden
.
Wortbildungen:
sündelos
,
sündenarm
›in Sündhaftigkeit verstrickt‹ (vgl. , Adj., 10; 14),
sündenbild
(das Bw ist hier Bedeutungsträger für den Teufel, also etwa: ›Inbegriff der Sündhaftigkeit‹; vgl. aber auch 3; 6),
sündenbrecher
(für Jesus Christus),
sündendorn
(ex negativo bezogen auf die Sündenfreiheit der Mutter Gottes),
sündenfal
1,
sündenrein
(von Christus gesagt),
sündenschein
(poetisch für: ›den Menschen überlagernder Schleier der Sündenverfallenheit‹),
sündentod
(der ),
sündentrager
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
die [Jerusalemischen vrouwen] begunden sere weinen. | daz man den sundenreinen | ane schult unerte.
Ders., H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Als enmochte wir senden blinden | Got nicht irkennen bi der vrist, | Wen biz uns quam die ware genist | Daz Got uns sundenarmen | Sich wolde lan irbarmen.
Wer were ouch danne wert | Nach menschlicher suene | Daz buch of zu tuene | Mer wen Crist alleine, Der gar sunden reine.
Pfefferl, Weigel. Ges.
16, 29
(
Hamb.
1646
):
Sie [die falsche Creatur] will sein das, daß sie doch nicht ist, Nemlich Gott, sie erhebt sich selbst. diese Naturliche lustige widerbigung auf sich selbst heißet vngehorsam, Sünde, Apfelbis, schlangensamen, vnglauben, alte Adam, vom baum des erkendnis deß gutten vnd bösen eßen, das gesetze vbertretten.
Mieder, Lehmann. Flor.
747, 6
(
Lübeck
1639
):
viel die in Súnden erstorben / erweckt er daheim noch im Hauß vom Todt.
Luther, WA (
1522
):
[ich] Lege heüt alle mein sünde auff dein alltar unnd hoͤchsten priester, meynem sündtrager Jesum Christum selbst und auff sein heyligs fronn creütz.
da ist nichts dann sünde, bayde inn dem empfengknis und in der gepurt, was ich von muͦtter leybe mit bringe, das ist alles verdampt ding, gehoͤrt dem Tode, dem Teuffel und der helle zuͦ.
Ebd. (
1544
):
das ein Mensch moͤcht aus seinen krefften so viel zu wegen bringen, das er Gottes Gesetz erfuͤllete und dadurch Gottes Gnade verdienen, Und also on Suͤnde sein kuͤndte.
Ebd. (
1530
):
Also hat sich auch nott halben die sunde an Christo abgerennet.
Aber wir menschen haben einen tod, das heyst ein Sündetod.
Ebd. (
1543
):
Der same des Weibes sol der Schlangen den Kopff zu tretten, das ist, er sol die Suͤnde und den Tod weg nemen.
Ders. Hl. Schrifft.
Röm. 6, 23
(
Wittenb.
1545
):
der Tod ist der Sünden sold.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
501, 28
(
Magdeb.
1608
):
Viel billiger der Mensch das thet / | Wenn er kein Suͤnd im Hertzen hett / | Wenn nicht der alte Cains Zorn / | Jhm von Natur wer angeborn.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
183, 2
(
Magdeb.
1615
):
Dieweil nun die Suͤnde in wollen geschicht, vnd nit im Wesen / So ist sie nicht ein Substantz / sondern ein Accidens oder Zufall. Darumb bleibet die abgefallene Creatur eben daß sie zuvor ware nach dem Wesen vnd Natur / [...]: Die Widergeburt durch den Glauben / endert nicht dem Menschen am Wesen / oder Natur / sondern am zufall.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
ich
[ein
tuffil
]
was | In einer wusten wilde, | Da ich mit sunden bilde | Einen munch bekumert habe.
Do sante Gotes mildekeit | Sinen einbornen sun dar in, | Daz er den armen sunden schin | Mit im nider druckete.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ez ist unmügelich, daz deheiniu sêle âne sünde sî, gotes gnâde envalle in sie.
Jostes, Eckhart
19, 30
(
14. Jh.
):
Da von spricht der prophet: Wer da chumen wil auf den berk der hohe des wesens von geist, der schol sunder sunde sein und sol gescheiden sein von allen leiplichen dingen und schol uͥber gen alle di creft der sel. Wan die oberst craft da sol er in wonen, in der wirt er gefuget in daz erst wesen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
251, 9
(
Nürnb.
1548
):
so bringē wir doch Gottes zorn / suͤnd vnnd den todt / von mutter leyb her / wie die erfarung gibt / das yederman stirbet.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Da er uns ewigklich vertritt, | Ist unser mittler und fürsprecher, | Unser kempffer und sündenbrecher, | Versöner und ein genaden-kron, | Durch welchen wir ein zutritt hon | Zu dem vatter auß gnad umb-sunst, | Allein auß lauter lieb und gunst | Jesu Christi.
Dietrich. Summaria
18r, 24
(
Nürnb.
1578
):
wo zuuor die suͤnde hinweg ist / als der vrsprung vnd hauptursach der kranckheiten vnnd alles jammers.
Adrian, Saelden Hort
1627
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
er si geschuͦf, den si gewan. | enbuit den súndlosen knaben, | daz honig, wider zuͦ der waben, | der lieben muͦter búten!
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 152, 13
(
Hagenau
1534
):
Adam hat gesündigt / der sünde ist der tod gefolget [...] drumb mussen auch alle Adams kinder des todes sterben.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Die sund ist alle liebte vß loschen.
Goedeke, P. Gengenb. (o. O.
um 1521
):
Wañ ich [Babst] den gwalt von christo han | Die sund zvergeben hie vnd dort.
Karlstadt, Grewlicher mißbrauch e
1v, 22
(
Basel
1524
):
vnd vnß fürgesagt / daß das brodt vnsere súnd / vñschmertzen tragen würd.
Ders., Mit heyliger schrifft C
3r
(
Basel
1524
):
mit dem bluͦt des Messie / der auch on schuld vnd on sünd geopfert wardt.
Ebd. C
3v
:
Diß ist mein bluͦt / das vergossen sal werden für sünde.
Ebd. D
3r
:
auß dem grund fleust dz bluͦt Christi des newen testaments / welches Christus in soͤlchem guͦtem willen für vnsere sünde zuͦ einer ewigen / reichẽ vñ aller volkomlichste erloͤsung hat vergossen.
Wyss, Luz. Ostersp.
98, 31
(
Luzern
1545
):
Warer got vnnd mentsch du bist, | vom tod erstanden, her Jesu Crist, | [...] | vͤber wunden hast mit erlittner nodt | tüffel, dsünd, dhell vnnd den todt.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
617
(
schwäb.
,
1455
):
Das lemblin haut getragen | Die sünd der gancze welt.
Sappler, H. Kaufringer
25, 19
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Do das der himelisch vatter sach, | das der mensch was krank und swach, | [...] | mit der swären sünde punt, | davon die sel was ungesunt, | er wollt vertreiben der sucht mail.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
diu schœnst ob allen frawen ist gezogen under den sündærn und gewan doch nie kain mail von sündendorn.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 122
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Qual straffet uns umb sündenval.
Buijssen, Dur. Rat.
33, 4
(
moobd.
,
1384
):
darumb daz das czaichen antwuͤrt dem, daz es bezaichent, wenn man gesprenget ainigen alter, so wıͤrt daz gancz volkch gesprengt, wenn Christus ist allain, der aufhebet die sund der werld.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
24, 33
(
moobd.
,
1393
):
Darvmb redt sand Augustin: Wenn der vnschuldig getoͤt wirt, so wirt dÿ svnt mit im gechrewcziget.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1858
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Seind nu die jnnern tauf vnd rainung von den sünden newr got geaygent ist, so müz der got sein der es würchet.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Der marter smerzem | sach ich [Prima Maria] an vil suͤndikch weip | mit senden herzen, | und seinen wunden leip | leiden soͤlche not | durch meiner sele sundentot.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
45, 113
(
tir.
,
1466
):
Er würt auch gehaissen die welt, wand er ist rain von allen sünden, als denn geschriben stet: Wir loben vnd eren Kchristum durch die abprechung der welt.
Mieder, a. a. O.
744, 29
;
Strauch, Par. anime int.
79, 25
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
94
;
Reichmann, a. a. O.
251, 15
;
252, 14
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 901
;
Gilman, a. a. O.
1, 550, 7
.
Vgl. ferner s. v. (V.) 3, 2, 7, 4.
2.
›Sündhaftigkeit des in sozialen Verhältnissen lebenden geistlichen wie leiblichen Menschen als Schuldzustand, den er in gewissen Grenzen (z. B. durch
eigenen willen
, durch 1,
1
3, 1; 2 und sonstiges persönlicher Verantwortung unterliegendes Zutun) zu beeinflussen vermag oder der durch autorisierte kirchliche / päpstliche Akte aufgehoben werden kann‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 3; 4, (
die
) 2, 1, 1, , , 1, , , 1; 2; 3, (
der/das
), (
der
) 1, (
die
) 4, 3, , (
die
) 2.
Gegensätze:
2; 3, .
Syntagmen:
j. die s. lassen / büssen
(z. B.
mit armut
),
keine s. an jm. finden, got die s. vergeben, die s. der väter heimsuchen, Maria die sünden (der welt) aufgehebt, der herre die s. hingenommen, Christi blut die s. ersäuft / ausgetilgt haben
;
die s
. (Subj.)
im fleische verborgen sein, jn. reuen, vom herzen gehen, js. gewissen gewüsten, in einem jubeljar abgenommen werden
;
alle werke sünden, hochmut s. sein, die s. sein
›darin bestehen‹,
das [...]
;
der sünden geschweigen
;
ein grauen ab den sünden haben, strafe aus der s. kommen
;
got für die s. genug getan
›Genugtuung geleistet‹
haben, jn. für
›vor‹
sünden behüten, j. in sünden empfangen / geboren sein, der sünder in der s. verharren, j. in s. fallen
(z. B.
vom liechte
),
in die s. (ab)fallen, Adam / Eva in s. gefallen sein, j. das gewissen mit sünden beschweren, die reue ein schmerz über die s. sein, um der s. willen neue herren werden, ein land um seiner sünden willen geplagt werden, j. nicht von den sünden lassen, von sünden zu den tugenden überfaren, jm. von den sünden schaden kommen, Christus jn. von sünden erlösen, gnade den menschen von sünden ausfüren, der mut von den sünden scheiden, j. etw. vor
›für‹
s. achten
,
die s. der welt, der väter
;
die s. zum tode
;
die fleischliche / geistliche / tägliche / tödliche s
.;
der feind, das mal, die ablegung / abtilgung / reuung der s
.
Wortbildungen:
sünden|
1
bacht
›Schmutz, Pfuhl der Sünde‹ (Gw zu
1
1),
sündenfal
2 ›Fall e. P. in sexuelles Fehlverhalten‹,
sündenfas
(bezogen auf eine einzelne Person, eine Sünderin),
sündenfeuer
›Leidenschaft der Sünde‹,
sündenflut
›als Flut metaphorisierte Sünde, Meer der Sünde‹,
sündenfrei
1 (der Gottesmutter sowie fragend einem vom Teufel versuchten Einsiedler zugeschrieben),
sündengeld
›Ablassgeld‹,
sündengift
›jm. im Hexenprozess unterstellte, als
gift
(
der/die/das
) metaphorisierte Sünde‹,
sündenleben
,
sündenmeil
›Makel, Mal der Sünde‹ (des Menschen sowie Lucifers; Gw zu 2),
sündenrumpf
(auf eine einzelne Person bezogen),
sündenrus
›Sündenbefleckung‹,
sündenschanze
wohl ›Sündenfalle‹,
sündenschimmel
›als Schimmel metaphorisierte Sünde‹,
sündensitte
›Sündhaftigkeit als Gewohnheit‹,
sündensucht
1 ›Sündenkrankheit‹ (Gw zu ,
die
, 3),
sündentrieb
(Gw zu 9),
sündenwerk
,
sündenworchte
›Sünde Schaffender, Bewirkender‹,
sündeschuld
,
sündgiftig
›Sünden bringend‹ (zum Gw vgl. 2; 3),
sündopfer
(Gw zu 2),
sündreich
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz du [Crist] dich da
[in der
helle
]
niht forhten salt, | da alle sundenworhten | die starken not irvorhten | an vroste und an hitze!
Ders., H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz sie nicht envallen | In der sunden gallen | Mit andern sunden worchten.
Des sult ir reine fruchten | In disen sunden suchten | Und ensult an Gote nicht wanken.
Ouch leit die sunden vrie | Maget sente Marie | Marter wol um irn gebern.
Der [Antecrist] wirt in vollen sunden seten | Wonende in den vorvluchten steten | Corrozaim und Bethsaida.
Die menscheit starb an suche | Binnen der muter buche, | Daz her nie sunden werk begiene.
iz steit nicht stillen | An des menschen willen | Wider her wil oder enwelle | Kiesen hin zu der helle | Mit andern sunden worchten, | [...] | Oder uf in den tron | In daz ewige lon.
Karlstadt, Beide Gestalten E
2r
(
Wittenb.
1521
):
das sein [Christi] blut gleich meine sunde erseufft vñ außgetilget hat.
Luther, WA (
1544
):
das Kind ist genennet und der Artickel beschlossen und gesetzt durch den heiligen Geist, Das dis die Suͤnde sey der Welt, das sie nicht gleubt an Christum, Nicht, das auch sonst on diese keine Suͤnde
[dies zu 1]
sey, wider das Gesetz, Sondern, das dis die rechte Heubtsuͤnde ist.
Ebd. (
1532
):
Summa, Es ist der liebe zorn, der niemand kein boͤses gunnet, sondern der person freund aber der sunde feind ist.
Ders. Hl. Schrifft.
Hos. 4, 8
(
Wittenb.
1545
):
Sie [Kinder Jsrael] fressen die Sündopffer
[
Mentel
1466:
súnd
]
meines Volcks / vnd sind begirig nach jren sünden.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Wie getorste ich, ein sulch sunden rumpf, | Immer nach den alden siten | Umme Gotes gnade biten.
Hastu
[die Nichte Abrahams]
ervrowet bewilen | Mit sunden valle dinen vient, | Daz saltu wider tun noch hint | Und mit craft uf stan also | Daz der tuvel werde unvro.
Ich bin ein mensche, ein sundenvaz.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sihet si [ûfkriegende kraft] bî sîten sô vellet si an hoͤchmuot daz ist sünde.
Daz abekêren von der saelicheit und von der tugent, dâ von kommet alliu sünde.
Lûterkeit ist, daz der mensche gesundert ist von den sünden.
daz sint alle, die dâ abevallent von götlichem liehte in die sünde.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
444
(
pfälz.
,
1436
):
Wann nü des menschen sele, [...], von dem libe scheidet, ist die dann begabet mit der gnade gottis, so wirt sie ewiglichen leben by got, wie wol sie von tegelicher sünde wegen, by den die gnade stet vnd blibt, oder von vnderwegenlassunge der büs, die do nicht volnbracht is gewesen, etlich zyt pin liden werde jn dem fegefüre.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
dann solcher Gestalt wirds geschehen / daß wann die Suͤnden stricke nunmehr zerbrochen [...] sie
[die
Gefangenen
]
hernacher alles Suͤndengifft [...] vor den Richtern [...] offenbaren werden.
Sermon Thauleri
9ra, 4
(
Leipzig
1498
):
Dys alles tregt dan den menschen in die vntugẽt dʼ sunde die do heist vnkeuscheit.
Gille u. a., M. Beheim
71, 205
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
in der selben czeit und weil | an waigten sy [Lucifer und sein anhanger] mit sunden meil | der guten engel rote.
Ebd.
143, 73
:
Wann die ding, dy gedehtigleich | peschehen hie auff dem ertreich | mit schand und sünden triebe | Wider gacz gesacz und gebaͮt, | die sein tatsünd.
Ebd.
181, 39
:
das czeitlich gut, [...], | damit die sel ist gancz verhult | in rost und sunden schimel.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 10, 7
([
Nürnb.
]
1524
):
Es muß der mensch ein zucht oder oͤberkait haben / entzweder der sunden vnd aygenen willens / oder der gerechtigkait vnd gnedigen willens gottes darinnen ist das heyl vnd ware leben.
Turmair (
Nürnb.
1541
):
also das er [Cham] billicher sündreich dan tugentreich möchte genent werden.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
pis wir von sünden-rues | Zw got uns keren und thun pues.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Gelingt, eur Heyligkeit zu schauen, | Der ich in Sünden bin geborn.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Die Suͤnde ist eine truͤbe Finsterniß / welche verdamnet / die darinnen wandlen. Sie ist der Abgrund deß Verderbens.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
337, 12
(
els.
,
1362
):
das fúnfzigisti ior was ein jubilior vnd die súnde denne wurdent abegenomen.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1375
):
ich wil geswigen der súnden, die in dem fleische verborgen ist.
Ebd. (
1377
):
ich wil gesweigen der súnden, die in dem fleische verborgen ist.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
daß eben viel derselben [Theologi] am meisten in vnversöhnlichem Haß vnd Neid, Ehr⸗ vnd Geltgeitz, auch andern Sünden vnd heilichen Lastern lebten.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
swer nu sin hus, sin hertze, wil raine halten, der muͦz striten wider die flaischlingen bekorung und wider den gaischlichen súnden flaischlich súnde daz ist frasshait und unkúschi.
Warnock, Pred. Paulis
1, 114
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die gnad gottz ist den menschen ze ersten usfüren von tötlichen súnden, ze dem andren so ist sy in behalten in ainem gaischlichen leben.
Ebd.
205
:
Adam und Eva [...], wurdent von dem falschen rát und anfechtung des bösen gaist nidergeworfen und fiellent in súnd.
Ebd.
8, 285
:
won die súnder in ir ewikait, daz ist alle zit irs lebens, in der súnd und boshait vollharrent und davon nit wellin lassen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
wie aber liebe und truwe (untruwe K) von beyden parthyen gehalten wirt, siecht man wol; die acht man schier vor sunde und ebrecherye und boßheyt vor gerechtigkeyt.
Ebd. (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
das wir üch stroffen muͤssent und slahent üch zuͦ tode, das ist nu uwer sündeschuld.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Basel
1518
):
Wirdige muͦtter vsserkorn | Verlaß vnns nit in sünden schantz.
Schmidt, Rud. v. Biberach
45, 13
(
whalem.
,
1345
/
60
):
„Von dem herzen gand vs boͤs gedenke vnd alle sv́nde“ meint Cristus.
Ebd.
97, 10
:
minne vnd totlichvͥ svͥnde mvͥgent nuͥt mit ein ander stan in einem willen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sündopffer (das) Opffer / Buͦß vnnd was mon thuͦt oder gibt zuͦ versuͤnung einer sünd.
Sappler, H. Kaufringer
27, 101
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
die hie mit missetat sint umbgeben | [...] | und ligent in der sünden mail.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2
, ([
Augsb.
]
1548
):
Umb des Landes sünde willen / werden vil newe Herren.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 45
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Vf genad pist du / geartet, | die dem sünder allzeit wartet, | ie mer sund ie grösser trost.
Ebd.
37, 71
:
wer aber lebt in sünden flut | und an im selb so übel tut.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 158, 32
(
oobd.
,
1447
):
ein gut, da der Hanns Smid aufsiczt, vnd dient alle jar [...] siben pfennig sindgellts vnd stifftgellts.
Niewöhner, Teichner
389, 59
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
aver vravel suͤnten leben | daz wirt dort noch hie vergeben | denn mit strenger rechtichait.
Ebd.
464, 1272
(Hs. ˹
1370
/
80
˺):
so mocht er [got] auch die muͦter sein | wol behuͤten vor dem pein | der gemain die andern netzet | und in suͤnden fewr setzet.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
5, 1
(
moobd.
,
1393
):
Die rew ist ein warr vnd angstleicher smerczen des herczen vber dy svnd mit dem forsacz, dÿ svnd ze lazzen, ze peichten vnd ze puezzen.
Ebd.
20, 31
:
Got, der ein veint ist aller svnd, wÿ schol oder mag der die svnd dem svnder vergeben, der von den svnden
[dies zu 3]
nicht lazzen wil?
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
623
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
als Augustinus spricht [...]: „Wer tar des gelaugen oder ez sein die ersten menschen in dem paradis gewesen, seind wir hewt an alle scham die selig haissen die wir sehen daz leben christenleich vnd gerechtichleich volfüren an sunde die die gewissen gewuesten möchten“.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
203, 60
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
von den sünden chomen dem menschen groß schaden an der sel, an dem leib, an dem czeitleichen güet.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
1114
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
der süntgifigen fliegenman, | der awch gehaissen ist Lucifer, | daz spricht zu dewtsch ein liechtrager.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 10
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Dy höchst gab got des heyligen geyst wird ein gossen vnd geben yn warer rewung der suͥnd, ynn yeglicher emphaunge der heyligen sacrament, auch in aller vͥbungjnniger andacht vnd aussern tugentleichen wurchungen.
Wackernell, H. v. Montfort (
soobd.
,
A. 15. Jh.
):
red ân werch zwar nicht vervaht, | [...] | die wil du bist in sünden bâcht, | so muost davornen sin.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
31, 51
(
tir.
,
1466
):
Es ist kchain mensch geporen worden, [...], der da nicht enpfhangen ist worden in den sünden oder darnach nicht gesündet hab, denn ausgenamen die vnuermailiget junkchfrau Maria, die da nie gesündet hat, aber sÿ hat auf gehebt die sünden der welt.
3.
›individuell (durch eigene Entscheidung, eigenes Verhalten und eigene Handlung, auch z. B. durch 2) begangene, persönlich zu verantwortende und persönlich (z. B. durch 1, 3, 1, , 2) aufzuhebende Sünde, gegen die Normen und Regeln der Religion, religiöser Moral, seltener auch der gesellschaftlichen Verfassung sowie des sozialen Verhaltens verstoßende schuldhafte Tat‹;
sünde
in diesem Sinne unterscheidet sich von den Ansätzen 1 und vor allem 2 durch erhöhte Zählbarkeit, Einteilbarkeit (in verschiedene Arten) und Gradierbarkeit (nach bestimmten Kriterien).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 3, 2, , , , , (
der/das
) 4, 2, 1; 2; 3,
1
3,
1
6, 1; 3, 1; 2, 1, (
die
) 4, (
das
) 1, , .
Gegensätze:
, 2.
Syntagmen:
eine sünde / sünden begehen
(z. B.
an jm
.)
/ tun / leisten / abstellen / abtilgen / abwaschen / aufschreiben / beichten / büssen / seufzen / stechen (mit reue) / überwinden / verbergen / zudecken / verbessern / lassen
›unterlassen‹,
eine s. leiden, nicht aussprechen
(dies ein Hinweis auf
stumme sünde
, s. 3),
almosen die s. ausleschen
,
j. jm. seine s. fürhalten / öfnen, eine s. vorlegen, almosen die s. abtilgen, got eine s. strafen, (jm.) die sünden vergeben / vorzälen
;
die s
. (Subj.)
blasphemia, jm. leid sein, in seide / hadern reichsen
›regieren‹,
leid bringen, das gewissen verwüsten, jn. reuen / verblenden, niemanden verschmähen, sich nicht gerne sehen lassen, grösser als die gnade gottes sein, jn. zu schuld verbinden, wieder die gütigkeit / weisheit kommen
;
j. der s. bar sein, sich der s. entsetzen
;
den sünden abstehen
;
j. ein grauen ab den sünden haben, j
. (z. B.
ein bischof
)
ane s. sein (sollen), j. das leben ane s. volfüren, pein für seine s. leiden, sich in demut gegen die sünden waschen, in s. fallen / leben, erhärtet sein, etw. mit sünden verursachen, got mit sünden erzürnen, der teufel jn. mit sünden fangen / verleiten, sich über die sünden entsetzen, jm. gnade über seine s. geschehen, j. heil um seine s. gewinnen, j. von sünden los werden, jn. von sünden abtreiben / absolvieren / erledigen, das blut Jesu
(Subj.)
jn. von sünden abschrecken / abwaschen, j. sich vor sünden hüten
;
die s. der gedanken, der sodomiten
;
die alte / erschreckenliche / greuliche / grobe / grosse / haupthafte / heimliche / stumme, ungenante / kleine / künftige / läsliche / lästerliche / leibliche / mächtige / schändliche / tödliche / unheilige s
.;
der abtrag / alefanz / anfang / geifer, die abtilgung / beichte / busse / grube / unreinigkeit / untugend / ursache / vergebung / verzeihung der sünde(n), die fügerin der sünde, das geschös / laster / meil der sünde(n)
;
die ledigsprechung von sünden, die zuneigung zu sünden
.
Wortbildungen:
sündenbürde
(zum Gw vgl. 3),
sündenfrei
2,
sündenhor
›Sündenschmutz‹,
sündenkleid
(zum Gw vgl. 2; 3),
sündenmeilig
(Gw zu 2),
sündenschar
›Menge, Vielzahl der Sünden‹,
sündensucht
2 (Gw zu ,
die
, 3; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
497, 24
(
Lübeck
1639
):
Kein Gebrechen / Suͤnd vnnd Laster laͤst sich gern bloß sehen.
Ebd.
748, 27
:
Gleiche Suͤnd / gleiche Straff / mit gesuͤndigt / mit gebuͤst.
Karlstadt, Beide Gestalten D
4r
(
Wittenb.
1521
):
das die teiler des hochwirdigẽ sacraments ein grosse mechtige sunde thun, drumb das sie ein gestalt allein nyessen.
Luther, WA (
1544
):
das durch seinen Namen alle, die an jn gleuben, vergebung der suͤnden empfahen sollen.
das yhn gehet wie S. Paulus Rom. 1. sagt von dem schendlichen laster der stummen sunden.
Ebd. (
1524
):
so du das wilt sehen an, | wie manche suͤndt ich hab gethan, | wer kan herr für dir bleyben.
Ders. Hl. Schrifft.
Joh. 8, 7
(
Wittenb.
1545
):
Wer vnter euch on sunde ist / der werffe den ersten stein auff sie.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ich sage di mit kurzen worden, | newere der sundere sundenborden, | ja enwere du Maria guter | durch di sundere eine muter.
dem [got] was ich widirsatzic biz her, | sundenhor was ie min ger.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ich sprach einest an dirre stat, daz got joch gerner vergibet grôze sünde dan kleine.
ob die engel betrüebet werden, sô der mensche sünde tuot.
Jostes, Eckhart
65, 23
(
14. Jh.
):
lieb on huͦte ist ein valsch minnerin [...] und ist ein begererinne der untugent und ist ein fugerin der súnde.
Ebd.
77, 21
:
Der Jordan bezeichent di demu̇tikeit, do sich der mensch inne waschen sol sibenstunt gegen sibenley su̇nden.
Rosenthal. Bedencken
18, 17
(
Köln
1653
):
daselbsten aber lesen wir / das Zihl dieses Gebetts sey / auff daß sie von den Suͤnden loß werden.
Ebd.
36, 32
:
diese Red gibt grosse gelegenheit daß man [...] seinen boͤsen luͤsten ohn Zaum folge / nit nur zu laͤßlichen / sondern auch groben toͤdlichen Suͤnden.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1063
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
[die engel] wysten uns daz sinden-cleit | daz eme
[dem
herren
]
Joseph ane leit, | und sprechen, er sy uff gestanden.
Karnein, Salm. u. Morolf
273, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
laß diner kamerer einen | mit mir gan czu dem see. | ich will dem rore min sunde clagen.
Ebd.
364, 5
:
ir hettent des slages umer sunde, | ir mußent mir zu buße stan.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Ich bidden dich, got vatter min, | Daß du den losßest sin | Die sunde, die sie an mer begene.
Sermon Thauleri
8ra, 10
(
Leipzig
1498
):
Jch sprich sie mugẽ ein teglich sunde nicht geleistẽ noch gestaten mit willen an yn selber noch an ander leuten.
Opitz. Poeterey
25, 14
(
Breslau
1624
):
in dem andern orte aber thut er es darumb / das er die schaͤndliche
[Bezug auf
bulerei
, wohl
stumme sünde
]
suͤnde / daran Christen auch nicht gedencken sollen / lateinisch auß zuesprechen abschew treget.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
19
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Waz sunden geschihet oder ie / geschach, | der ist deu mußikait ursach.
Voc. Teut.-Lat.
ff vjv
(
Nürnb.
1482
):
Sunde laster schannde. peccatū crimen [...] oder poßheit. oder vntat.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
187
(
Nürnb.
1517
):
Die gedanken aber, die mit wollust zum bösen gesucht [...] werden, [...] sein ein anfangk der sunden.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Der Bäurin einen Eyd ich schwur, | Ihr Gelt thet jtzo die Pein leiden | Für die Sünd, die sie thon vor Zeiten.
Die weil ich leb auff dieser Ern, | Vnd widerumb eins Manns begern? | Das wer ein Sünd vnd grosse Schand.
wil das deim Stand gebürn, | Die einfältigen so verführn, | Zu Sünden vnd Schanden bewegen?
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Soll ich darumb verzagen gar, | Von wegen meiner Suͤndenschar.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
959
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
ob ich [Christus] ain wil nit bi dir [minnende sele] sy, | Das du doch standist súnden fry.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
ja e danne er sinen Got erzurnde mit einer tegelichen súnden mit muͦtwillen und furdachtes, er [...].
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 545, 9
(
Hagenau
1534
):
Denn yhe mehr gesetze / yhe mer sünde und schande.
Ebd.
2, 183, 2
([
Augsb.
]
1548
):
Wer sünde zuͦdeckt / der machet freündtschafft / Wer aber die sache aͤfert / macht Fürsten unains.
Hubert, Straßb. lit. Ordn. (
Straßb.
1524
):
woͤllest sie auch nimmer mer inn versuchung vnd sündensucht stürtzen, sonder(n) erloͤse.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
wan von den lumbardern kumpt die sund der sodomiten, von den franzozen sacrilegium, [...], von den tutschen der vffsetzig nufundiger gewalt.
Goedeke, P. Gengenb. (o. O.
um 1521
):
Wissen ir nit das gschriben stot | Allmuͦsen tilcket ab die sünd.
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 2
(
1530
):
daß alle euer guter frembde guter seindt, euch nit zugehorent und mit allen sunden beladen, laster, schand und üppigkeit.
Stammler, Berner Weltger.
266
(
ohalem.
,
1465
):
Gott wil den sünder herte stellen, | Sin sünde wil er jm vor zellen.
Wyss, Luz. Ostersp.
10
(
Luzern
1583
):
Das ir v̈ch dester bas vor sünden | Wüssend zehütten frü vnd spaat.
Morrall, Mandev. Reiseb.
77, 19
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
So ist die súnd ouch groͤsser zuͦ ainer zitt dann zuͦ der andern, und da von muͦß man wissen die natur und die sach ainer yeglicher súnd, und dar nach gitt man denn buͦß.
Sappler, H. Kaufringer
17, 111
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
es ist pesser die sünd gelaun | dann alle tag ze peichten gaun.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Zu Augspurg wurden etlich menner begriffen, hetten der ungenanten, erschrockenlichen sunt mit aynandren pflogen, fuer wurden begriffen und mit schwert gericht.
Bauer, Geiler. Pred.
465, 4
(
Augsb.
1508
):
Die vierd frucht des mundes ist. Beicht / mainestu ob das ain klaine frucht sey / da ain mensch alle seyne sünd lautterlichen beichtet.
Ebd.
466, 26
:
Ain gaiffer maul / in welches der boͤß gaist / den gaifer der sünden eingespeüwet hatt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Eyn bischolff soldt an alle sindt sein und ein trewer außgeber der heyligen sacrament.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
18, 46
(
moobd.
,
1393
):
Mein [Kaÿms] svnd ist grosser wenn dÿ gnad gots, do mit mir gnad vber mein svnd geschech.
Ebd.
28, 78
:
Dÿ svnd reichsent in seiden vnd in hadern vnd versmêcht niempt, weder des chunigs purpurein gwant, noch der petler plundern.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
587
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
die engel die da vielen, dï sind in irem willen pös worden mit der verdämleichen sunde, die si begiengen.
Gierach, Märterb.
3140
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
Juliana dye sunden par | was der genaden fro.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ; ; ;
Luther, WA ;
12
;
Karlstadt, a. a. O. C
1r
; C
2r
; F
2r
;
Fischer, a. a. O. ;
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Rosenthal. a. a. O.
10, 7
;
24, 25
;
36, 8
;
Reissenberger, Väterb. ;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
228
;
268
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr. ; ;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. ;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
150r, 5
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
18a, 5
;
30b, 29
;
Asmussen, a. a. O.
1288
;
2270
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
16, 27
;
Gille u. a., M. Beheim
73, 112
;
Reichert, Gesamtausl. Messe
2, 33
;
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Harms u. a., Alberus. Fabeln
30, 8
;
Goedeke, a. a. O. ; ; ;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
147, 22
;
v. Keller, a. a. O. ;
Vetter, a. a. O. ;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2200
;
Gilman, a. a. O.
1, 552, 33
;
Banz, a. a. O.
1720
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
14, 5
;
Warnock, Pred. Paulis
28, 177
;
Stammler, a. a. O.
119
;
241
;
684
;
Plant u. a., Main. Naturl. 303vd,
28
;
Wyss, a. a. O.
9477
;
9989
;
Sappler, a. a. O.
5, 36
;
16, 15
;
Bauer, a. a. O.
465, 10
;
Baumann, a. a. O. ;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
183, 9
;
187, 92
;
203, 65
;
Rudolf, a. a. O.
15, 5
;
58, 85
;
Baptist-Hlawatsch, a. a. O.
287
f.;
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 94
;
Kummer, Erlauer Sp. ; ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
1, 16
;
dies., Zist.-Pred. Haller
45, 101
;
dies., Imitatio Haller
81, 2
;
100, 24
;
Schmitt, Ordo rerum
280, 6
f.;
12
;
4.
›der
sünde
(
die
) 1; 2; 3 zugeschriebener bedauerns- und beklagenswerter, kritikwürdiger gesellschaftlicher Zustand‹.
Phraseme:
sünde und schande
(in der Mehrzahl der Belege).

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
man mach ir
[der
eide
]
doch zuͦ vele sweren. daz ist suͦnde sint vnde schande.
Luther, WA (
1525
):
Das ist doch so ein grob faule geschwetz, das suͦnd und schande ist.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
566, 1876
(
Magdeb.
1608
):
Herr Koͤnig es wer Suͤnd vnd schand / | Das jemand von den Feinden hoͤrt / | Des Alten so verzagte wort.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Here it is sonde ind it is schande | wat volx her in komet van dem lande, | [...] | sy brechent eme aff dorperliche | syn goit, als it up der velen were.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 151, 4
([
Augsb.
]
1548
):
Umb des Landes sünde willen / werden vil newe Herren / aber umb der leüte willen / die verstendig und vernünfftig seind / bleiben sy lang.
Ebd.
158, 28
([
Augsb.
]
1548
):
Horatius sagt / das trunckenhait alle sünde und schande anrichte.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Jn der Welt ist kein groͤsser Suͤnd / als arm sein.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
21, 28
.