über|1laden,
V., unr. abl.
1.
›etw. (z. B. ein Lasttier, ein Schiff) mit Fracht überladen, über das erwartbare Maß hinaus physisch belasten‹; in verschiedene Richtungen ütr. oder bildlich gebraucht; mehrfach im Part. Perf.
überladen
›übervoll von etw.‹ (so von
got
als
fas der gnaden
gesagt); ›(mit Vieh) überbesetzt‹ (von einer Alpe); vgl. (Präp.) 1; 10,
1
1; 2.
Nahezu ausschließlich obd.
Bedeutungsverwandte:
2,
1
1, 1.
Syntagmen:
ein flos, ein maultier / ros ü., jn. mit letzen ü.
;
etw
. (Subj., z. B. der Sitz des Geschmackes)
mit feuchte überladen sein
.
Wortbildungen:
überladene
(
die
) ›Überbelegung‹ (eines Spitals mit Kindern).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
645
, Marg. (
Magdeb.
1608
):
Das schiff wird vberladen.
Illing, Albert. Sup. miss.
1460
(
els.
,
n. 1380
):
Hest du vermitten die grosse [súnde], so luͦge, das du nút vberladen werdest mit dem griene.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1542
):
lange zitt da har vͥnsrer spittalen gelegenheiten vnd vͥberladni der spittalkinden, so denn von der tuͥren jaren wegen dar in komen [...] sint.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberladen / Zuͦ vil aufladen. Aggrauare, [...]. Ein schiff das Vberladen ist undergan gen vnnd zeboden versenckt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 231, 5
([
Augsb.
]
1548
):
Man mag ain groß Roß überladen | Das es fallet und nimpt schaden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Dû scholt auch wizzen, daz des smackes sidel ist oben in der nasen [...] in zwain mäuslein; wenn die überladen werdent mit überiger väuhten, [...] so [...].
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1340
):
Man sol schef und floͤzz nicht uͤberladen.
Niewöhner, Teichner
564, 3594
(Hs. ˹
moobd.
,
n. 1400
˺):
got der ist ein vaz der gnaden | gar derfult und uberladen.
2.
›jn. wirtschaftlich überbelasten‹; bei Eigenverschuldung: ›über seine Verhältnisse leben, sich übernehmen; etw. (ein Wirtschaftsgut) mit etw. (z. B. mit Zinsen, Auflagen) belasten, überfrachten; (eine Instanz) mit Schwierigkeiten belästigen‹; offen zu 3; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.); 10,
1
3.
Überwiegend obd.
Bedeutungsverwandte:
2; vgl. 1, 7.
Syntagmen:
den freund mit freunden ü., j. / etw
. (Subj.)
jn
. (z. B.
die leute
)
ü., j. jm. die müle mit (unüberwindlichen) zinsen ü., das haupt des bäbstlichen stules mit trübsal, das kirchspiel mit beschwerung / abzug, das reich mit schaden kräftiglich ü
.; refl.:
sich mit hochzeit ü
.; im Part. Prät.:
j. mit buben (faste), mit schulden, von den priestern / geistlichen, die höfe mit angst, schaden, zinsen
(z. B.
schwerlich
)
überladen sein
.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
und woren die leien von den geistlichen so sere uberladen, das es nit wonder wer gewesen, [...], das die Hussen und ketzer [...].
Küther, UB Frauensee
354, 23
(
thür.
,
1524
):
das ir myr hat meyn moͤll [...] myt unuͤberwyntlichenn czynssenn hat uberladenn.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Daz rich mit angst unde schaden | Kreftenklich ward überladen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
188, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
es were der zechenden / belonungen / oder bschwerden halb dero sich der gmeyn man beclagtte / von den priestern überladen sin.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
auff dem lannd sein guter ecker und wisen, als höff
sein,
die sein nü swerlichen mit zinsen überladen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wiert frewnt mit frewnt úberladen, | Daz ist der veinde willen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wer aber nicht im pundt was, der was mit in [pueben] vast uberladen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
15. Jh.
):
es schol auch chainer sich uberladen mit chosperleichen hochzeit durch vermeidung wil chunftiger geldschuld und armuet.
Gille u. a., M. Beheim
109, 63
;
Koppitz, a. a. O. ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Niewöhner, Teichner
353, 68
;
3.
›jn. mit etw. (zu seinem Nachteil Gereichendem) belasten; jn. e. S. beschuldigen‹ (rechtlich gesehen), beide Nuancen nur selten belegt; in der Mehrzahl der Belege im Part. Perf. stehend, dann: ›mit schweren Aufgaben, mit psychischen sowie körperlichen Zuständen, darunter Krankheiten, Armut, Alter, von Angriffen behaftet, belastet, gequält‹; diese können eigenverschuldet sein, aber auch außerhalb der Einflussmöglichkeiten des Einzelnen liegen; vorherrschend ist die immer negative Wertung; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.),
1
3.
Gehäuft ˹älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘˺, oft gebundener Form.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
4; 7, ; vgl. 1.
Syntagmen:
j. jn. schwerlich / sere, mit todes pflicht ü
.; im Part. Perf.:
j. von hunden / mördern überladen werden, mit einbildung / phantasie / gebresten / has / neid / schaden / sünde / untreue, mit einer bürde
(ütr.)
überladen sein, j. / die sele mit sünden, der leib mit trunkenheit überladen sein, j. mit sünden überladen
(subjektbez. präd. Attr.)
gehen
;
das überladene herz
; subst.:
das überladen des
[›durch‹]
siechtums
; nachgestellt:
überladen mit geschäften, von siechtum
.
Wortbildungen:
überladung
1 ›jn. drückende Last (der Sünden)‹; 2 ›Belastung von Seiten der Obrigkeit‹ (dazu bdv.: 1, 1; 2, 1,
1
1,
1
1).

Belegblock:

Luther, WA (
1519
/
20
):
er lieb spur ich nit viel, mit predigen bin ich uberladen.
Ebd. (
1544
):
wie die Seele auch vom Leibe beschweret wird, wo er mit trunckenheit uberladen ist.
Ebd. (
1528
):
Doch sol der schulmeister vleis haben, das die kinder nicht uberladen werden.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3858
(
rib.
,
1444
):
of ich [pilgrim] van morderen of hunden | Worde oeverlaiden zo eynchen stunden.
Mone, Adt. Schausp. (Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
da wart gar eyn groͤz gehuͤcze | von den vorvlochten Juͤden, | dy
e
en [Jesum] soͤ swerlich ubirluͤden.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
14, 13
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
we und ungemach im, wer mit alters bürden wirt überladen bei allem reichtum muß er arm wesen.
Henschel u. a., Heidin
1876
(
nobd.
,
um 1300
):
Hevt vnd immer mere | Vber laden mit herzen sere | Bin ich vnd wunt an minen tot.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Er hate gar ein leblich natur in siner jugende. Do [...] er
[Seuse]
markte, daz er mit im selben uͤberladen was, daz was im biter.
so werdent sú [menig edlú sele] von der verhengde miner strengen gerehtikeit mit menger sweren burdi úberladen.
Adrian, Saelden Hort
7912
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
da von so gan ich úber laden | mit allen hopt súnden.
Ruh, Bonaventura
350, 33
(
orhein.
,
um 1480
):
Sunder baß, hien geleit die úber ladenden búrd aller yrdischen begirden on alles verziehen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
noch müss din [des ritters] raisse | Dir bringen maniger handen schaden, | Daz du den kung über laden | Hast mit grimes todes pflicht.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2776
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Dar [Gomorra / Sodoma] inne verbran lút und lant | Von ungenanter suͤnde schaden, | Da mit sÿ waren úber laden.
Sappler, H. Kaufringer
25, 86
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
neid und haß, der sele schaden, | wer damit ist überladen, | der soll [...].
Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Aggrauation, beschwaͤrung / beladung / belestigung, vberladung.
Niewöhner, Teichner
4
, Überschrift (Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
Von uͤber ladung der suͤnden.
Ebd.
691, 47
(Hs. ˹
moobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
hiet ich ainen priester do gehabt | weyser dann her Salomon, | ich möcht nit gepeichtet han | von des siechtum überladen.
Mollay, H. Kottanerin
12, 7
(
moobd.
,
1439
/
40
):
da schied die edel witib [...] da hin gen Ofen, vber laden [...] mit ainer sweren purd.
Höver, Bonaventura. Itin. B
14
(
moobd.
,
1450
/
60
):
verfinstert mit einpildung vnd mit fantasey v́berladen
[vom
gemuͤt
gesagt]
mag nicht ein gen durch verstentleichait.
Pyritz, Minneburg
1284
;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Sappler, a. a. O.
24, 29
;
Primisser, Suchenwirt ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
18, 21
;