sänftigkeit,
die
;
-Ø/–.
1.
›Sanftmut, Güte, Milde, Zugeneigtheit‹ (als Gesinnung des Menschen, der sich dem anderen wohlwollend, liebend, fürsorglich, auch freundlich mahnend zuwendet); speziell: ›Sanftheit, Freundlichkeit, Zugewandtheit der Rede selbst‹; offen zu 3;
vgl. 3; 6.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1, (subst.).
Gegensätze:
5, 1, 2 (subst.), .
Syntagmen:
j. jm. s. äugen, der könig s. gegen jn. / etw. haben
;
s
. (Subj.)
jn. nicht von gottes liebe bringen
;
der zweig des ölbaums s. sein
;
Maria jn. mit s. entzünden, die äbtissin jn. mit s. berichten
;
die s. der worte
;
die miltigliche / wunderliche s
.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
di wort sint hoe an der glosen: | [...] | daz semftikeit drouwe und zorn | noch anevechtunge scharf sam der dorn | enmogen den minnegerndin nimmer | von gotes libe brengen immer.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Etliche sal sie
[die
ebdysse
]
berichten mit senftekeide, etliche mit scheldene.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Die erst genad, meit [Maria], dürch dein frücht | [...] | Die ist das dw mit senffter zücht | Den strengen dest enzünden | Mit miltigklicher senfftigkeit.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
des oͤlbomes zwiger ist miltekait und senftekait, die du dinen bruͦdern solt ôgen, so si betruͤbet sint.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
der küng
[der Bienen]
hât sunderleich sänftikait gegen dem volk, sô behelt daz volk sein gehôrsam gegen dem küng auch pilleich.
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 292
.
2.
›Freundlichkeit, Güte, Sanftheit, Fürsorge, Mitgefühl‹ (als charakterliches Fundament, als Zustand der Seele, des Menschen, der Kreatur mit seiner oder ihrer freundlichen, zugewandten, maßvoll ausgeglichenen Lebensweise, auch als Eigenschaft Gottes, zu der der Mensch sich mit seinem Verhalten in aller Verschiedenheit in Bezug setzen kann); im Kontext der Eucharistie: ›Milde, Süße‹ (als sinnliche Erfahrung); ütr.: ›Versöhnlichkeit, Zugewandtheit Gottes gegenüber dem Menschen‹;
vgl. 1; 2.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
die pferdmütter
(Subj.)
s. haben
;
die s
. (Subj.)
in der gestalt von got sein, die krankheit menschlicher natur erkennen / wissen, einem herzen kommen
;
die minne
(Subj.)
eine s. sein, die gleichfügigkeit
(Subj.)
eine s. heissen
;
j. sich s
. (wohl Gen.obj.)
fleissen
;
die hand jn. durch die s. leiten
;
die s. des blutes / geistes / gemütes, der götlichen gutheit
;
die unzälige s
.;
ein fas der s
. hier: ›Hostie als Leib Christi‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
an allin dingin | sullin sî
[die Ordensbrüder]
vollinbringin | in dînstlîche arbeit | in des geistis senftikeit.
Strauch, Par. anime int.
87, 36
(
thür.
,
14. Jh.
):
di minne ist ein senftikeit und ein saze der heligin sele.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
,[...] fliessent úch miltekait, erbarmhertzkait, kúnschkait, demuͦtkait, gedultekait, senftekait‘, won dise tugent sint alle der selen klait.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die pfärtmüeter habent die art und die sänftikait, ist das aineu stirbt, sô säugt diu ander der tôten kint.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
39, 9
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Ave, vas der senftikait, | schrein der süessen sinne.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
81, 170
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Aber die vnzelleich senftichait der gotleichen gutichait, die da wais vnd erchent dew chranghait der menschleichen natur, von seinr uberflussigen miltichait offenpart er oft vͦber dew vorgesprochen manigüaltichleich.
Höver, Bonaventura. Itin. A
305
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dye gleychfuegikait wirt [...] gehaissen ein senfttichayt oder süzzikait.
Ebd. A
378
:
in der ersten gestallt [von got dem vater] ist dye erst schöön vnd dye erst senftichait vnd súzz vnd dye hailsamkhait, in der ist dye aller höhisstt geleichfüegikhait vnd ebengleichhait zuͦ dem geperenden.
Eggers, Psalter
99, 7
;
Henschel u. a., Heidin
734
;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Ruh, Bonaventura
355, 23
.
3.
›Sanftheit, Zartheit‹ (zur Charakterisierung einer angenehmen Sinneswahrnehmung verschiedener Art, z. B. haptisch, olfaktorisch, gustatorisch, gebraucht; im Kontext akustischer Wahrnehmung zur Bestimmung eines wohlklingenden Lautes); ütr. für die Erfahrung göttlicher Gnade und Zuwendung zum Menschen: ›Linderung, Trost‹; eng anschließbar an 2;
vgl. 6; 7.
Bedeutungsverwandte:
1; 2.
Syntagmen:
die silben um s. willen des buchstabens bedürfen
;
die s. des lautes
;
die behegeliche s
.;
der gelust / geschmak, das brot der s
.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 31
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Da ist in der nasen der ruch, [...], gar sinniglichen verzimert zu behegelicher senftigkeit alles lustsamen [...] riechens; da ist narung der sele.
Schmidt, Rud. v. Biberach
164, 25
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Der vater het vns braht sin gemoͤnschett wort, [...], daz es vns ist geben [...] zvͦ eim vbersubstancilichem brote vnd spise, dvͥ [...] in ir selben het allen gelust vnd allen gesmak der senftikeit.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
solches
[die Betonung des ersten eines Doppelkonsonanten]
geschicht [...] darumb [...] dz die nachgende silben vm senftigkait vnd lieblichait des lauts wille auch aines der duplierten buchstabē bedoͤrffe.
Schmidt, a. a. O.
17, 18
.
Voc. Teut.-Lat.
dd iiijv
.