sänftigen,
V.
1.
›jn. / etw. besänftigen, abschwächen, erweichen, mildern, beruhigen‹ (von Dingen, Vorgängen und Sprachhandlungen gesagt, um js. strenge Haltung, seinen Zorn, Groll oder Kampfbereitschaft zu dämpfen); speziell: ›zur Vernunft bringen‹; Syntagmen:
j. etw
. (z. B. den zorn gottes, js. freidigkeit / gemüt / klage
) s., ein stein
(Subj.) etw
. (z. B. krieg / urleuge, die zorne
) s., die herren
(Subj.) sich s. lassen
.Belegblock:
Diz capitil ist von den gâbin, di der herzoge gab den Prûzin, ûf daz er semftigte ir vreidekeit.
wo gott nicht wunder thutt, so gillt yhe das wundergeluͦbde nicht, das ynn meyner gewallt nicht stehet [...]. Ach lieben herrn, lasst euch durch gotts willen hyrynnen senfftigen.
Also sollen wir lernen unser klag senfftigen und ein gleiche rechnung machen, das wir [...] dahin sehen, was wir [...] für ein unrecht gegen Gott haben.
Erfaren ist das er [der Corneolus] das bluͦt stellt [...] man sagt auch das er die zoͤrn senfftige.
Epistutes ist ain scheinent stain rôtvar. der [...] senftigt urleug oder krieg.
Voc. Teut.-Lat.
dd iiijv
; 2.
›etw. lindern, abmildern, erträglicher machen‹ (bezogen auf js. Not, Schmerz, Krankheit oder Begehren gesagt); in 1 Beleg zunächst wörtlich, dann ütr. für den Schmerz der Seele gebraucht; anschließbar an 1; Syntagmen:
der stein etw
. (z. B. den zorn, das fieber / siechtum
) s., etw
. (Subj., z. B. der mist, die butter, das feuer
) die schmerzen s., etw
. (Subj.) etw
. (z. B. das pflaster die wunde, brunellen den magen, die blätter der weide die hitze
) s., das süsse wasser
(Subj.) die bitterkeit s., Cupido
(Subj.) einen teil der not s., der heilige geist den schmerzen der sele s
.Belegblock:
meister Plinius [...] saget [...] daz des ochsen myst [...] vff die gewerbe geleyt der glidder dar inne geswolst oder smertzen sy er senfftiget die zuͦhãt.
Ebd.
82, 10
: Botter ist fast guͦt die glidder do mit geschmeret [...] zuͦ senfftigen dẽ schmertzen dar inne.
O Cupido [...]: stell ab dein ungenade, und senfftige mir ein teyle der grossen not, die mir doch gantz unleidenlich ist.
Alfragânus spricht, daz daz feur sänftig den smerzen, der dâ kümpt von prunst [...]. alsô sänftigt der hailig gaist den smerzen der sêl.