sänftigen,
V.
1.
›jn. / etw. besänftigen, abschwächen, erweichen, mildern, beruhigen‹ (von Dingen, Vorgängen und Sprachhandlungen gesagt, um js. strenge Haltung, seinen Zorn, Groll oder Kampfbereitschaft zu dämpfen); speziell: ›zur Vernunft bringen‹;
vgl. 1; 2.
Bedeutungsverwandte:
, , 1; 2, 2, 1, 9; 11; vgl. 1; 2.
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
den zorn gottes, js. freidigkeit / gemüt / klage
)
s., ein stein
(Subj.)
etw
. (z. B.
krieg / urleuge, die zorne
)
s., die herren
(Subj.)
sich s. lassen
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Diz capitil ist von den gâbin, di der herzoge gab den Prûzin, ûf daz er semftigte ir vreidekeit.
Luther, WA (
1522
):
wo gott nicht wunder thutt, so gillt yhe das wundergeluͦbde nicht, das ynn meyner gewallt nicht stehet [...]. Ach lieben herrn, lasst euch durch gotts willen hyrynnen senfftigen.
Ebd. (
1544
):
Also sollen wir lernen unser klag senfftigen und ein gleiche rechnung machen, das wir [...] dahin sehen, was wir [...] für ein unrecht gegen Gott haben.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
128, 3
(
Frankf.
1535
):
Erfaren ist das er [der Corneolus] das bluͦt stellt [...] man sagt auch das er die zoͤrn senfftige.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Epistutes ist ain scheinent stain rôtvar. der [...] senftigt urleug oder krieg.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Den chünig Wenczlan übercham sein weib [...] mit grosser pet, daz si sein gemuͤt senftiget.
2.
›etw. lindern, abmildern, erträglicher machen‹ (bezogen auf js. Not, Schmerz, Krankheit oder Begehren gesagt); in 1 Beleg zunächst wörtlich, dann ütr. für den Schmerz der Seele gebraucht; anschließbar an 1;
vgl. 3; 4.
Bedeutungsverwandte:
1; 2, 1; 2, 2, 10; vgl. 2.
Syntagmen:
der stein etw
. (z. B.
den zorn, das fieber / siechtum
)
s., etw
. (Subj., z. B.
der mist, die butter, das feuer
)
die schmerzen s., etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
das pflaster die wunde, brunellen den magen, die blätter der weide die hitze
)
s., das süsse wasser
(Subj.)
die bitterkeit s., Cupido
(Subj.)
einen teil der not s., der heilige geist den schmerzen der sele s
.

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
81, 10
(
Mainz
1485
):
meister Plinius [...] saget [...] daz des ochsen myst [...] vff die gewerbe geleyt der glidder dar inne geswolst oder smertzen sy er senfftiget die zuͦhãt.
Ebd.
82, 10
:
Botter ist fast guͦt die glidder do mit geschmeret [...] zuͦ senfftigen dẽ schmertzen dar inne.
Pfaff, Tristrant (
Augsb.
1498
):
O Cupido [...]: stell ab dein ungenade, und senfftige mir ein teyle der grossen not, die mir doch gantz unleidenlich ist.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Alfragânus spricht, daz daz feur sänftig den smerzen, der dâ kümpt von prunst [...]. alsô sänftigt der hailig gaist den smerzen der sêl.
wenn man der weiden pleter sträwet in ain haus [...], diu küelent den luft und sänftigent die hitz an den siechen läuten.
J. W. von Cube. a. a. O.
72, 10
;
Böhme, Morg.R.
149, 18
;
20
;
Rohland, Schäden
521
;
Pfeiffer, a. a. O. .