sänftig,
Adj.
1.
›sanft, freundlich, zugewandt, mild gegenüber Menschen‹; auch: ›sanftmütig, friedfertig‹ (als Eigenschaft eines Tieres bzw. von seiner Haltung zu seinen Artgenossen gesagt); Syntagmen:
j. s. sein, gegen jn. s. sein
; der sänftige vogel
.Belegblock:
du salt freuntlich, guttig, senfftig, proximo gutts thun und gunnen.
Columba haizt ain taub. daz ist gar ain sänftig vogel.
diu slang hât die art [...], daz si gräuleicher sei denn all ander slangen, iedoch ist si gar sänftig gegen irm weib.
Ich rat aber [...], das sy [mein bruͤder] nit streiten [...], sunder sy sullen sein senftig, fridsam vnd messig, senftmuͤtig vnd diemuͤtig.
2.
›wohlklingend, leise, lieblich, liebevoll, zart‹ (von der Stimme gesagt wie auch von der Redeweise dessen, der sich dem anderen freundlich zuwendet); negativ wertend: ›schmeichelnd‹; Syntagmen:
der han s. singen
; der sänftige grus, die sänftige rede, die sänftigen worte
.Belegblock:
Cristus, der lebendinge brunne, | (und) enpuͤtet dir [Maria] sin senftigen gruͤß.
o ir kuschen reinen kind, | [...] | so ist uwer zunge getzemet dar mede, | zuchtig unnd senfftige uwer rede, | gutliche unnd stille uwer lachen.
der han [...] hât auch die art, daz er in der naht läuter und vester singt, [...] und ze metten zeit singt er sänftiger gegen dem tag.
wer mit frölichem anplick yettlichen entpfächt [...] vnd jnn nöten nit zu staten vnd zehilff kömt, das ist nit anderst, dann das er mit senfftigen worten sein frewnd laicht vnd betreugt.
3.
›angenehm, mild, weich, aromatisch‹ (Sinneswahrnehmungen des Geruchs und Geschmacks charakterisierend); auch: ›warm, sonnig‹ (vom Wetter sowie von der Atmosphäre eines Planeten gesagt); vgl. 7b; 7d.Belegblock:
Darnach schmaͤckestu die suͤße / die ist gantz sanfftig und scharff / dan von der herben und bittern qualitaͤt krieget sie die schaͤrffe.
Der ander planêt haizet Jupiter ze latein, daz ist ze däutsch helfvater, dar umb, daz der stern sänftig ist.