süs,
süsse,
Adj.,
vereinzelt mit Suffix
süslich
; außerordentlich dichte Belegung. – Im Bedeutungsspektrum lassen sich die Ansätze 1; 2; 3 als eher charakterisierend auf die drei Sinnesvermögen ‚Geschmack‘, ‚Geruch‘ und ‚Gehör‘ bezogen relativ klar untereinander sowie von dem gesamten folgenden Block 4–8 abgrenzen, und zwar als hinsichtlich des Geschmackes (1), Geruches (2), Gehörs (3) ›maximal angenehm‹; im Einzelnen als: ›wohlschmeckend, wohlriechend, wohltönend‹; Zuordnungszweifel begegnen relativ selten. In den Ansätzen 4–8 öffnet sich der Bedeutungsblock 1; 2; 3 zum funktionalen Adj., teils zum schmückenden Beiwort für die göttlichen Personen Jesus Christus (meist) und Gott-Vater (nur vereinzelt für den Heiligen Geist), wohl aber für die Jungfrau Maria (4), außerdem mit je verschiedener Häufigkeit in Richtung auf die positiv oder negativ bewertende Kennzeichnung von Personen (5), Handlungsintentionen (6), Naturgegebenheiten (7), Sachen (8). Klare Grenzziehungen zwischen letzteren Ansätzen sind in vielen Fällen ebenso wenig zweifelsfrei möglich wie verlässliche Aussagen über die motivationelle Rückbindung an 1; 2; 3. Bei
süsser Christus
(4) mag (in Einzelbelegen) der Leib Christi als Brot des Abendmahls motivlich in Betracht zu ziehen sein (s. den Beleg
Fischer
). Die Ansätze 5 und 6 nehmen die Komponente ‚jm. positiv oder negativ zugewandt‘ als assoziatives Motiv an, dabei wird die in 5 generell positive Konnotaton in 6 ironisch oder durch eine Umkehr der Wertung in ihr Gegenteil verkehrt. Zum spektralen Charakter des Bedeutungsfeldes tragen Tropisierungen, Genitivmetaphern, Synästhetisierungen sowie bildliche Verwendungen bei. Die Wiederholung von Adjektiven in verschiedenen Bedeutungserläuterungen spiegelt die geschichtliche Semantik von
süs
auf der Ebene der Beschreibungssprache. Man vgl. auch die auffallend häufigen Wiederholungen in den Angaben bedeutungsverwandter Ausdrücke in der Objektsprache, die von gemeinsamen geschichtlichen Bedeutungslagerungen zeugen. – Auffallend dichte Belegung sowohl für das Adj. wie das gesamte zugehörige Wortbildungsfeld.
– Besondere Beleghäufungen für das ältere und mittlere Frnhd., insbesondere für Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, innerhalb dieser eine gewisse Häufigkeit für Texte gebundener Form. Seit dem 16. Jh. generell deutlich schwächere Belegung, überdies Verlagerung auf Texte profaner Funktion.
1.
›süß, wohlschmeckend‹ (vom Geschmack ess- und trinkbarer Gegenstände / Substanzen gesagt); ›frisch, klar, rein‹ (von Wasser); ›nicht salzhaltig‹ (von Süßwasser im Unterschied zu Meerwasser).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 2, (Adj.) 1; 2, 3, (Adj.) 1c, (Adj.) 1.
Gegensätze:
(Adj.) 1, (Adj.) 1.
Syntagmen:
die pillula, der stam
(einer Pflanze),
wein / wasser s. sein
;
etw.
(Subj.)
die kost s. machen, j. etw.
(z. B.
eppich / schmalz
)
s. machen
(z. B.
mit zucker
);
menschenfleisch s. zu essen sein, fabeln s. wie zucker eingehen, das würmel süslich schmecken
;
der süsse apfel / honig / honigseim / merfisch
›Meerbarbe‹
/ saft / schlik / schmak / met / wein, die süsse frucht / qualität / milch / speise
(für:
dreifaltigkeit
),
das süsse brot
.
Wortbildungen:
süsapfel
(a. 1570),
süsbecke
›Bäcker, der ungesäuertes Brot backt‹ oder ›Feinbäcker‹ (Entscheidung aus dem Beleg heraus, s. u.
Chron. Augsb.
, nicht möglich),
süslach
ein Koseausdruck (
-lach
diminuierend; ),
süslecht
›süßlich‹,
süslichkeit
(dazu bdv.: 2),
süsmäullein
›Zuckermündchen‹, Kosewort (dazu bdv.: ),
süsteig
›Genuss, Wohlgeschmack‹ (ütr.; dazu ggs.: 1),
süstrünke
(auch mit Suffix ; vom Wein gesagt),
süswasser
›Quellwasser‹ (dazu bdv.: , ),
süswurzel
›wohlschmeckende Wurzel einer Pflanze‹ (wohl ›Engelsüß‹; s.
Marzell
3, 945
;
947
).

Belegblock:

Karlstadt, Beide Gestalten A
4r
(
Wittenb.
1521
):
Alßo reden wir von brot / wan wir schon / weiß vnd súß brot in einen keler legten.
Luther. Hl. Schrifft.
Spr. 5, 3
(
Wittenb.
1545
):
die lippen der Huren sind süsse wie honigseim
[
Mentel
1466:
als ein drieffender saim
;
Eck
1537:
ain trieffends hoͤnig
].
Ebd.
Apg. 2, 13
:
die andern aber [...] sprachen / Sie sind vol süsses Weins
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
vol mostes
].
Ebd.
1. Kor. 5, 8
:
lasset vns Ostern halten / nicht im [...] Saurteig der bosheit vnd schalckheit Sondern in dem Süsteig
[
Mentel
1466:
in dem derben
; Var. 1475
2
–1518:
in den vngeseúerten broten
;
Froschauer
1531:
in dem suͤssen teyg
;
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
in den suͤssen broten
]
der lauterkeit vnd der warheit.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ist diu zunge bekleidet mit bitterkeit, in der wârheit, swie süeze der wîn sî an im selber, er muoz ie bittern von dem, durch daz er an mich kumet.
J. W. von Cube. Hortus
95, 6
(
Mainz
1485
):
Der stam
[von
Diascorides
]
ruchet woͤl vnd ist suße Die wuͦrtzel ist lanck.
Alberus (
Frankf.
1540
):
polypodium [...] steynfarn / engelsüß / suͤßwurtzel [...].
Harms u. a., Alberus. Fabeln
29, 23
(
Frankf./M.
1550
):
also muß man vns arme groben / halßstarrige Leut / mit fabeln vnd bildern betriegen vnd fangen / dann sie gehn suͤß ein wie zucker.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Zwischen beyden Háfen fand ich viel frische vnd suͤsse Waͤsser.
Perez, Dietzin
1, 41, 5
(
Frankf.
1626
):
Die Bienen oder Jmmen locken den Menschen mit der suͤß- vnd lieblichkeit deß Honigs an sich.
Hajek, Guͦte spise
54
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
nim stigelitzes versen vnd mucken fuͦzze, | daz macht das koͤstlin allez suͤzze.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
34, 8
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Einen harten sauern wein milde und süßtrünkicht zu machen.
Keil, Peter v. Ulm
207
(
nobd.
,
1453
/
4
):
nym ein wenig warms wassers vnd mach pillule dorauß mit hönig, daz sie etwas süß sein.
Reichert, Gesamtausl. Messe
147, 20
(
Nürnb.
um 1480
):
o hocher lust des hymelischen hofes und suesse speyß. Heylige Drivaltikeyt.
Voc. Teut.-Lat.
ff vijv
(
Nürnb.
1482
):
Sußwasser od’ springkwasser od’ queckpruñ. [...]. Sußapffel, malomellū.
Sachs (
Nürnb.
1524
):
Chorherr. Hilfft süß nit, so muß aber sauer helffen.
Bremer, Voc. opt.
47086
(
halem.
,
1329f.
):
Mullus suͤzer mervisch [...] dulcis piscis
(hier Verschiebung der Kennzeichnug des Wassers auf den Fisch).
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Der pris allain | An dir erschain, | So vin, so rain, | Zwen edel dattil, apfel klain, | Suͤss und clar: | Der Got nam war | [...] | Durch libes nar, | Nam sú zestund | Insinen munt
(hier bildlich / erotisch auf die Gestalt Mariens bezogen).
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1852
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Alsus der bluͤgenden reben zucht | Jhesus, Marÿen suͤssi frucht, | Uns hat mit diser ler geseit | Und oͮch gekúndet die suͤssikait | Die [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Suͤßlaͤcht, Minder vnd mer suͤß. [...]. Mein Suͤßmüle / Mein allerliebste / Mein zuckermündle.
Lauater. Gespaͤnste
18v, 24
(
Zürich
1578
):
einer der das feber hat / trinckt ein lieblichẽ suͤssen wyn / der bedunckt jn bitterer dañ ein gall.
Morrall, Mandev. Reiseb.
5, 4
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
das wasser der Tonow [...] hatt als ain ungestuͤmen gang in das mere das es suͤß ist in dem mer hin in zwaintzig loüg.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
159
(
schwäb.
,
1455
):
Du suesser honigsain, | Mach luter claur und rain | Ballitten, farb und blumbet!
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1560
):
Auch ist [...] des Melchior Speten, scheffler, gesöl, so den Stoffel Vischer, sießböcken, [...] erstochen, [...] hinaus gefuͤrt [...] worden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 205, 19
([
Augsb.
]
1548
):
Suͤsser schlick / saurer schlack.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
regenwazzer, gesament in den zistern, [...], sô wirt ez denn gart lauter und süez und ist guot zuo der ruor, daz diu verstê.
wann menschenflaisch ist zimleicher und süezer ze ezzend wan kain ander flaisch.
ain würmel, daz smeckôt auz der mâzen süezleich.
ir
[der Bäume]
früht sint geleich den haimischen maulpern und sint auch süezlot wenn si zeitig sint.
Niewöhner, Teichner
267, 86
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
‚suezzlach, sawerlach!‘, | da hat man offt vernomen van.
Munz, Füetrer. Persibein
14, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Vil mennger vogel dönen | hortens aus súessen kelen | auf disem annger schönen.
Patocka, Salzwesen.
1987, 187
(
oobd.
,
1582
/
5
):
zwischen 2 Pergen, darinnen gar vil siess wasser entspringt.
Eis, Gottfr. Pelzb.
176, 13
(
öoobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Sey er [wein] ze sauer vnnd wellest in sustrunckhner machen, so geus sussen most darein.
Große, Schwabensp. ;
J. W. von Cube. a. a. O. 6;
15
;
92, 16
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
11, 13
;
Hajek, a. a. O.
65
;
Böhme, Morg.R.
145, 24
;
Opitz. Poeterey
23, 32
;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
206v, 10
;
Wiessner, Wittenw. Ring
1636
;
Morrall, a. a. O.
166, 14
;
Martin, a. a. O. Jesus
69
;
Sappler, H. Kaufringer
12, 236
;
Haszler, Kiechels Reisen ;
Kummer, Erlauer Sp. ;
2.
›lieblich, angenehm‹ (vom Geruch e. S.); synästhetisch zu 1.
Älteres und mittleres Frnhd.; gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
3, (Adj.) 1, .
Syntagmen:
der süsse atem / (ge)schmak
(vielfach) /
ruch / wind, die süsse salbe
.
Wortbildungen:
süsse
(
die
) 2 ›angenehmer Geruch‹ (des Libanons; dazu bdv.:
1
2); als angenehmer Geruch metaphorisierte ›Ausstrahlung (der Minnedame)‹ (dazu bdv. bzw. Orientierungsfeld: 2, , auch
behauchen
),
süssigkeit
2 ›angenehmer Geruch, Duft‹ (dazu bdv.: ,
der
, 1,
1
1, 3),
übersüs
1 (zu , Präp., 10).

Belegblock:

Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
was sagen ich von dem rauch oder geschmack der seligen da die heiligen ine warent / der geschmack vbertrat alle edel kruter mit sussikeit.
gar vil lilien / rosen vnd aller hand edel gekruter die sussen vnd wolrichenden geschmack vnd edeln geroch gabent.
Valli, Baldemann
69
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
der beste ruch | In suͤzzem winde quomen, | Mit mirren, thus, aromen | Gemischt.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 31
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
der ruch, durch zwei löcher ein und aus geend, gar sinniglichen verzimert zu behegelicher senftigkeit
[Var. H:
sussigkeit
]
alles lustsamen und wünnesamen riechens.
Pyritz, Minneburg
1973
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Dez paradises adem | Mit suße sie [frawe] hat behucht, | Die erst uz irem balg krucht.
Ebd.
2026
:
Guß dar uz din suß salben | uff mine wunden allenthalben.
Gille u. a., M. Beheim
160, 58
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
du susse
[dies zu 1]
speis von himel, | Das also lustigcleichen auch | in im hat allen sussen rauch, | einem iglichem menschen nauch | seines herczen pegire.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
ein als suͤzer smak des lobes, als es usgenomenlich von allen edlen kruͤtern [...] púlverlich geroͤchet weri.
so loͧffent sú doch nach dem suͤssen smack, der da us rúchet von sime heinlichen ingesinde, als die tier dem suͤssen traht, der da us trehet von dem pantier.
hail. altvaͤter (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
das ain also suͤsser smak von sinem licham gieng.
Sappler, H. Kaufringer
26, 116
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
In leiden die gedultikait | ist ain lebendes opfer zam. | ain süesser schmack des edeln balsam.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die [visch] locket er [walvisch] zuo im mit seinem süezen âtem, der im auz dem hals gêt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
7, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Du
[Bezug auf Maria]
himmel paradis in siten, | Liban weisser unversniten, | der doch smags süeß nie vermaid.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
201, 41
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann ich mich frëw yn dem süessen gesmachen der rainichait.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Ist von dem toͤten oͤz eines leben sũsser gesmach gangen.
Vgl. ferner s. v. 11, 1.
3.
›lieblich, anmutig, angenehm klingend‹; von Tönen gesagt, wie sie von der menschlichen Stimme, von Vögeln, von Instrumenten, von personal gedachten Wesen, z. B. den Engeln, ausgehen oder als von diesen ausgehend angenommen werden.
Bedeutungsverwandte:
1
, , 3, 1.
Gegensätze:
1.
Syntagmen:
gottes stimme, die stimme der sele s. sein
;
einen klang s. machen, die harfe s. rüren
;
es erhalt süsse, js. stimme
(Subj.)
s. erhallen / klingen / lauten, der schwan, die geige / pfeife / orgel
(Subj.)
s. singen
;
die engel / vögel s. singen
;
der süsse laut / (ge)sang / ton
(mehrfach),
die süsse melodie / rede / seite / stimme
(mehrfach),
das süsse getöne / seitenspiel
.
Wortbildungen:
süsgesang
(dazu bdv.: , ),
süsklingend
›wohlklingend, harmonisch‹,
süslautig
(dazu bdv.: ),
süsse
(
die
) 3 ›süßer Klang, angenehmer Ton‹ (einer
rede
),
übersüs
2 (zu , Präp., 10).

Belegblock:

v. Ingen, Zesen. Ros.
63, 17
(
Hamb.
1646
):
ich [Cupido] wil den groben herzen aͤdle sinnen einblasen / und der zungen rauhen klang suͤße machen.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
vnd waren Vogel die sungen so Suͤs / das nicht zu sagen ist.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als dem ougen daz eigen ist, daz ez sehe gestaltnisse und varwe, und dem ôren daz eigen ist, daz ez hœre süeze lûte und stimme.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
59, 5
(
Köln
1476
):
Des vogelers pife gar suße sang, da he det den fogelfang.
Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
Darnach hort Tundalus sel orgeln / harpfen vnd allerlei seitenspil mit dem aller sussesten ton singen.
Al seitenspil dy da warent gabent von in selber sussen ton aber dy stimmen der selen warent vil suser.
do zwischen vil schar der engel sungent vnd flogent in freiheit vnd ledikeit mit guldin flugeln Vnd vnder den guldin vnd silberin ketten Vnd zimbolen gaben sie den aller sussesten vnd lieplichen thone.
Karnein, Salm. u. Morolf
699, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ein tutsche harpffe truge er in der hant, | die rurte er also suße, | das der done lute erclang.
Jahr, H. v. Mügeln
975
(
omd.
, Hs.
1463
):
dem hören wart da [in dem huse] spise rich, | gegeben von den stimmen glich: | gar übersüß was ir sank.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1960
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Wer mag der engel schone, | ordenung und suß gedone / | mit kainer red engießen, | von der suß zeflißen | moht der himelrich perk.
Ebd.
2002
:
Wer saget uns von herpfenklanch, | der patriarchen sußen sanch, | den si singen in psalterio.
Fischer, Folz. Reimp.
39, 13
(
Nürnb.
1479
):
zu mir kam streichẽt ein persafant: d’ durch meĩ pit mir follget [...]: zu einẽ aller lüstigestẽ süszclĩgenden lust quellendẽ hochsprĩgenden prüen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Mein stimm laut so lieblich vnd süß, | Als käm mir ein Hund vnter die Füß.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
[ich] wunschte, daz dero ein iekliches [wassers troͤpflú] heti ein suͤsses uftringendes seitenspil, wol gereiset uss mines herzen innigostem saffe.
Adrian, Saelden Hort
1091
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
Bevindestu genaden sus, | so soltu benedictus | in súesser melodye | singen mit Zacharie.
Bremer, Voc. opt.
35052
(
halem.
,
1328f.
):
Melodia guͦtgedoͤne [...] suͤßgesang [...] est cantus delectabilis auditui, sicut cibus dulcis delectabilis gustui est.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2084
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Gar su̇sse die stimme sin erhal, | Do er sprach: ‚sitio‘, das ist | ‚Mich dúrst sicher aͮne frist‘.
Schmidt, Rud. v. Biberach
37, 11
(
whalem.
,
1345
/
60
):
„Wan din stimme ist suͤsse“, want si fluͥsset von einem brvnnen der suͤzzekeit in geistoter minne.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Basel
1518
):
Bryß, freüde, da sungent sieß vñ schon | Die engel gottes yn himels tron.
suͤßlautig / Wollautig.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
187
(
schwäb.
,
1453
):
Das zwerglin nam sich tugent an | Und wackt mich uff mit worten sueß.
Klein, Oswald
15, 5
(
oobd.
,
um 1410
):
helft uns sagen in den dankh | mit süssem, englischem gesangk.
Höver, Bonaventura. Itin. B
73
(
moobd.
,
1450
/
60
):
zehoͤren die hoͤchsten suͤßklingenden ding, [...] zebegreiffen die hochsten lústleichait vnd wunne, wirdt die sel geschickt zu enczuckung des gaists.
Rosenthal. Bedencken
40, 11
;
Palmer, a. a. O. ; ; ;
Karnein, a. a. O.
249, 3
;
Mone, Adt. Schausp. ;
Opitz. Poeterey
15, 19
;
Wickram
4, 47, 1
;
Schmidt, a. a. O.
12, 518
;
Wyss, Luz. Ostersp.
9442
;
Sappler, H. Kaufringer
19, 150
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ; ; .
Vgl. ferner s. v.
1
3, 6, 18.
4.
auf Jesus Christus, Gott-Vater, den Heiligen Geist, die Jungfrau Maria in ihrer Qualität als Gnadenspenderin sowie (vereinzelt) auf diejenigen göttlichen bzw. gottnahen Personen bezogen, die der göttlichen Gnadengaben teilhaftig sind.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (Adj.) 1; 2, (Adj.) 3, (Adj.) 3, 1; 2; 3; 4, (Adj.) 5, 2, , .
Syntagmen:
j.
(Jesus als Kind) /
Christus / got / Maria, der erlöser / herre s. sein
;
der süsse bruder / gast
(Jesus)
/ got / heiland / Jesus / vater, die süsse magd / Maria / mutter, das süsse blut (des herren)
; subst.:
j. jn.
(
die süssen
)
grüssen, Maria den süssen verloren haben
.
Wortbildungen:
süslustig
›jn. begnadigend, beglückend‹,
übersüs
3 (auf Jesus Christus sowie auf die Hostie des Abendmahls bezogen; zu , Präp., 10).

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
des bedute sage ich uch hie na: | glich also in got manna daz brot | also gibet uns hute der suze got | vor manna sinen heiligen lichamen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Da von sprichet Dâvît: ‚smecket und sehet, wie süeze got ist!‘
Dubizmay, kurß zu Teutze
92, 3
(
hess.
,
1463
):
In allen vnseren notten vnd engsten kum vns zu hilffe süße meydt.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
wer wel nu trosten mich, | Sint ich [Maria] den susßen hon verlorn, | Der mich zu einer mutter hot erkorn?
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
der esele der e az paleen und carten, waz sal er nu ezzen sider deme male daz der suzze Jesus uf ime hat gesezzen?
Euling, Kl. mhd. Erz. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
[O Agneta] pit fur uns den ubersussen, | das er uns unser sund laß püessen!
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
121
(
Nürnb.
1517
):
die gotsgebererin Maria, die allein geschmeckt hat, wie sues er sei.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
JEsu du suͤsser Heyland mein, | Fruͤ ruff ich an den Namen dein.
Es kan mir ja nichts suͤssers seyn, | Als Jesus der Erloͤser mein.
Ebd. (
Bautzen
1567
):
Du aller bester Troͤster vnd anreger gros, | Du suͤsser gast der Seelen aus des Vaters schos.
Warnock, Pred. Paulis
9, 196
(
önalem.
,
1490
/
4
):
gaistliche fröd und süssikait von gott, und daz ist die frölich wirtschaft und süsslustig spys, von der er [gaischlicher mensch] also gaistlich gesterkt und gecreftiget wirt, sich fürbas ze üben in allen tugenden.
Schmidt, Rud. v. Biberach
3, 11
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Die dritten koment zuͦ dem gotlichen tische der vbersvͤssen spise, als sant Peter sprach: „Hant ir versvͦchet, wie suͤsse got ist?“
Stammler, Berner Weltger.
254
(
ohalem.
,
1465
):
die milten vnd suͤssen | Wil got hüt guͤttenklich gruͤssen.
Ebd.
764
:
Denne antwürt vnser herre [...]: | MAria, du bist milte vnd suͤsse, | Als min muͦter ich dich gruͤsse.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Er [heylig geist] ist heylig, manigvaltig, aynig, behend, maͤssig, erkennig, pewegig, unvermailigt, gewis und súsz.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ich [Prima Maria] muͦß sterben, ich ensehe dich; | sueßer got, nu troͤste mich!
Piirainen, Stadtr. Sillein
36a, 27
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Daz mir deyn
[des
herren
]
heylige wandelvnge czu trost vnd czu gnaden werden muͤzze Vnd deyn heyligez plut vil suͤzze Deyn leychnam herre vnd deinplut der weyn dy wan delvnge tuͤt.
Ebd.
39b, 39
:
O gͤnedeige O milde O suͤze ma[r]ia.
Eggers, Psalter
51, 11
;
Mone, Adt. Schausp. ; ;
Langen, Myst. Leben
209, 4
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1964
;
Gille u. a., M. Beheim
49, 30
;
Euling, a. a. O. ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
167, 16
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Adrian, Saelden Hort
83
;
Bauer, Imitatio Haller
55, 8
;
Piirainen, a. a. O.
36b, 26
.
Vgl. ferner s. v. , , (Adv.) 3.
5.
›einem anderen zugewandt, ihm versöhnlich, liebevoll, friedvoll begegnend‹; insbesondere in religiösen, darunter mehrfach in mystischen Zusammenhängen gebraucht: einerseits von Gott gesagt, der sich in der Gestalt des Vaters sowie des Sohnes in seiner Wesensform der 1, 1; 9; 11, 1; 4, 1; 3 dem Menschen ›heilbringend, erbarmend, erlösend, versöhnlich‹ zuwendet, andererseits vom Menschen gesagt, der die Gnadengaben Gottes ›gläubig, dankbar‹ entgegennimmt und sich seinerseits gegenüber seinen Mitmenschen ›freundlich, zugewendet, liebevoll, wohltuend‹ verhält, darunter auch im Verhältnis minnender Zuneigung sowie tendenziell in der sozialen Realität. Die Wechselseitigkeit, Antwortbezogenheit dieses Verhältnisses kann als Zustand verlässlicher, wohltuender, sorgloser Ruhe ertextet sein, sie kann mit Pflichten verbunden und auf Zukunft (darunter in der Ehe als Gegebenheit der Natur, gleichzeitig der Schöpfung) angelegt erscheinen; die religiös vorgegebenen Gewichtungen liegen trotz des Momentes der Wechselseitigkeit in der Regel auf der Seite Gottes als des Herren, teils auf der als Vermittlerin gesehenen und mit Heilsfunktionen ausgestatteten Jungfrau Maria, dies bereits durch die Unterscheidung der Menschen in
gerechte, gesegnete, heilige, süsse
›der Gnadengaben Teilhaftige‹ einerseits und
abteilige
(s. 1) /
arge
andererseits; offen zu 6.
Bedeutungsverwandte
(bzw Orientierungsfeld): 1; 2, , , 9; 10, , (Adj.) 6; 7, 1, 5, 1; 2; 3, (Adj.) 5, , ; Substantive:
1
1; 2, 1, , 1; 4; 5; 11, 1; 5; 10; 11, 1; 3; 4; 5; 6; 8, 6, 3, (
die
) 1, 1; 2; 3; 4; 5; 6, 1; 2; 3; 4, .
Gegensätze:
(Adj.) 4; 5; 8, (Adj.) 1; 2; 3, (Adj.) 6; 7, (Adj.) 2, .
Syntagmen:
die götliche liebe s. werden, die gnade s. sein, die frucht (der liebe) über alle frucht s. sein, der tod jm. s. sein (können)
;
Jesus ein süsser anblik sein
,
die tränen süslich aus den augen giessen, ein mensch nie so süs reden also (Jesus), ein leben sich süsse zweien, (Maria) dem sünder lieblich seinen grus zeigen, got mit jm. süsser reden
als [...],
(gottes) trost jn. süslich laben, die frau
(Maria)
süslichen aus Jessen geschlecht gesprossen sein
;
der süsse blik, der süsse
›zum Kuss bereite‹
mund / wille (gottes), die süsse anbeschäude / antwort / erbärmde / feuchtigkeit / lere / ˹liebe / menschheit˺ (Christi), das süsse balsamblat / elend / gespräch / wasser (der wunden Christi) / wort
(z. B. Jesu),
die süssen minneträhen / zäher
;
das süsse befinden (gottes) / harren (der sele) / nieten, das süsliche laden
; subst.:
ausserhalb Christo nichts süsses sein
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swen her [Jhesus] zu sinen heiligen | sprichet und den abteiligen | Des himles zweierleie wort, | Die suze und ark sin da gehort: | ‚Komet mins vater gesegenten!‘
Pfefferl, Weigel. Ges.
39, 1
(
Hamb.
1646
):
daher wust Adam von keinem geseze, [...], vnd war nichts des Menschen, alß das lieblichste süße befinden, des einwonenden Gottes, aus Gnade, Friede, Ruhe, freüde, volle genüge in seinem Herzen.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jhesus, der ware got, gap den boten so suͤze antworte vnde wisuͦnge, daz [...].
her redete also wislichen vnde also suͤze wort, daz nie mensche also suͤze ne redete also her.
Perez, Dietzin
2, 192, 9
(
Frankf.
1627
):
Fieng derowegẽ an jhne je laͤnger ie freundtlicher anzusehen / mit freundtlichẽ vnd suͤssem gespraͤch auffzuhalten.
Jahr, H. v. Mügeln
2043
(
omd.
, Hs.
1463
):
er klam durch libe her zutal, | das er min wirken möchte sen, | gütlich min ougen liß ich bren | und gap im manchen süßen blik, | die wil ich span der salden strik.
Ebd.
2069
:
darnach send ich [libe] mins füres brunst, | das will in willen sich beslüßt, | davon der libe frucht entsprüßt, | die süß ist über alle frucht.
Strauch, Par. anime int.
41, 6
(
thür.
,
14. Jh.
):
aber gudin ludin ist he [toit] gar frolich und suze, wan he inist nicht dan ein ubervart von deme tode zu deme lebine.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
wiltu, mensche, aber recht geloubich sin, so soltu sten zuͦ der rechten hant mit den schafen, daz ist mit den guten, und solt horn ein suzze wort: venite benedicti patris.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
19b, 14
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Da nach schol mã betrahten in disem ersten stucke sein [Christi] svͤzze menschait sein trewe sein senfte mit wonvng sein arbait.
Pyritz, Minneburg
2624
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Din trost mich also sußlich labt | In diser gevenknisse harte.
Ebd.
2661
:
Durch vyolt und durch blumet, | Durch wirdet und durch ruͤmet, | Min balsamite, frawe gut, | Nim mich durch dinen hohen muͤt | in die suß erbermde din!
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 56
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
O mit wie vil [...] sorgfeltikeit ist vermischet alles das in disem jamerlichen leben wunsam, suße oder lustper gesehen wirt.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
120
(
Nürnb.
1517
):
Diese gesellen sich nackent dem nackenden, entpfinden, auserhalb Christo nichts sueses sein, und erwollustigen sich steter suese, inmasen auch der nackent Christus sich nit mag verneinen den nackenden.
Ebd.
148
:
sein [Christi] geist, der wehet, und die wasser – das sein die suesen zeher – werden fliesen.
Adrian, Saelden Hort
8296
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ain leben daz sich suͤess | wil uf daz best zwien, | daz sol [...] állú dinc uff wetten | und ússer sorg tretten | under sin fúess gar.
Illing, Albert. Sup. miss.
1714
(
els.
,
n. 1380
):
bi den suͤhssen wassern der kospern vsflússe der menigfeltigen wunden cristi.
Goldammer, Paracelsus
6, 188, 3
(
1530
):
secht auf, alle die, so von Adam geborn seindt. werden ir sein als ein weinstock, selig seindt ir, und sueß seindt die lust der frauen an euerm sitten, und euer kinder werden neu zweig sein, widerumb zu solcher frucht, als ir geborn haben.
Schmidt, Rud. v. Biberach
16, 24
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Want alle der loͮf gotlicher minne lit an vnverdrossem emzigen suslichen laden, als got in dem minne buͦch sprichet zvͦ der minnenden sel: „Stand vf, il, min frvͥndin, min tvbe, min schonvͥ, vnd kvm, min frvndin“!
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dar nâch erstuont er [Jesus; ainhürn] und fuor ze himel in den palast des himelischen künges, dâ er ain süezer anplick ist der gemainschaft aller hailigen und aller engel.
Klein, Oswald
19, 56
(
oobd.
,
1416
):
e das ir aine ain hendlin bot, | si torst aim e gebietten | ain smutz mit süssem nieten.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
107, 59
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wenn das gegenwuͤrtig leben, das hebt an treg ze sein, wenn die gotleich lieb hebt an suͤss ze wern.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 55
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Die gnad ist gleich als ein susse fruchtpere feuchtikeit eins paums; dauon sallest ir frucht enpfachen.
Ebd.
5, 47
(
halem.
,
15. Jh.
):
Genaͮd ist ain suͤsse balsam blatt, wele sele daͮr inn gebadet wirt, die wirt gelútret von allen fleken.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
110, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Ob icht meng kus von paiden | an süessen mund und wenglein ward gethan.
Munz, Füetrer. Persibein
58, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
menng man het nach der súessen mynn gerungen | mit ritterschafft uil lannge.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
47, 136
(
tir.
,
1466
):
Der gerecht mensch der ist alle ding verwerffen vnd verschmehen vnd ist alle irdische ding für nichte schëczen durch der suessen lieb willen Kchristi.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
147, 28
(
Venedig
1483
):
so die wuͤrckent lieb alle vngleichaͤit ab gewuͤrcket So stet dan ein suͤße liebe in dem menschen auf.
Pfefferl, a. a. O.
7, 1
;
Quint, Eckharts Pred. ;
Mone, Adt. Schausp. ; ;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
840
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
133
;
146
;
Mönch v. Heilsbronn. a. a. O.
21b, 4
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 550, 10
;
Schmidt, a. a. O.
166, 11
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
20, 16
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 103
;
2, 51
;
4, 26
;
Bauer, a. a. O.
47, 137
.
Vgl. ferner s. v. , 1, 8,
1
3, 2, (
das
),
2
1.
6.
›einem anderen in der Absicht zugewandt, ihn zu täuschen, zu betrügen, ihn durch formal zugewandtes, begegnendes Sprechen oder Verhalten (im Sinne von 5) zu übervorteilen; verführerisch, betrügerisch, berückend, falsch‹; auch vom
fleisch
als der Instanz gesagt, die den Menschen zu
lüstbären dingen
hin-, vom
heil der sele
abführt; damit die positive Qualität der Zuwendung (von Ansatz 5) ins Negative, Pejorative verkehrend.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1; 3, 1; 2, (Adj.) 3; 4, , (Adj.) 2, , (Adj.) 2 (pejorativ), , .
Gegensätze:
(Adj.) 6; 7; 8, (Adj.) 3, 13, .
Syntagmen:
ein grus s. sein
;
in süsser weise hofieren; jn. s. drücken, sich jm. s. beweisen
;
der süsse brief, die süsse begierde (des fleisches) / rede / triegerei, das süsse wort / kosen
.
Wortbildungen:
süshaftig
›trügerisch‹ (von der Zunge gesagt),
süsheit
›falsche Annehmlichkeit der Lebensführung‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
erstlich hat der Luͤgengeist bald im Paradis solche suͤsse triegerey angefangen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Also ging der vurgenante grebe von Solms umbe mit sußen unde betrogen reden, daz he di stat Wetzflar brachte zu sime sinne, daz si wol betrogen worden.
Karnein, Salm. u. Morolf
777, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
er druckte sie [fraue] also susse, | das ir die sele lachende von irem munde schiet
(sarkastisch).
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 176, 44
(
hess.
,
1538
):
dan solche dienend [...] irem bauch und durch seus kosen und schmechelwort verfurend sie die unschuldigen herzen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 2
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Süße und sauer, linde und hert, gütig und scharpf pflegt ir euch zu beweisen den, die ir meint zu betriegen.
Gille u. a., M. Beheim
141, 81
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so flihens ain reht | und wal verschuldet pusse | Und wolten gern von der susshait | dez lebens an leiden und lait | auff fliegen sunder mailig | Czu der ewigen süssikait.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 30
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann das flaysch rett und gibt im ein linde, suͤße, wolluͤstige, unkeusch und begirliche dinck, und alle sein anfechtigung ist allain von den gegenwertigen luͤstpern und sichtigen dingen.
Sachs (
Nürnb.
1518
):
Die [zung] fellt ir viel, sie ist süßhafftig. | Treybet nit solch wort! seyt warhafftig!
Goldammer, Paracelsus
3, 285, 1
(
1530
/
5
):
hüetent euch vor den süeßen, geschmachen worten. dieselbe jagt hinaus! o ir gleisner!
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1628
):
betriegliche gsellen und schwaͤtzer, so mit suͤssen worten, trug und yteler hoffnung andere rych zemachen verheissend.
Schmidt, Rud. v. Biberach
86, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
si [dyͥ sel] fluͥcht die suͤssen begirde des fleisches, si fuͥrstret vnd echtet der witsweifigen sinnen beweiget, sie gelustigot in gotte.
Wiessner, Wittenw. Ring
2255
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Ein söleichs briefel chan ich schriben | Mit guoten worten und auch süessen | Das er [...].
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 70
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der jüdisch grus was falsch und sues als er ir chünig wär.
Wiessner, a. a. O.
3206
.
7.
›angenehm, gefällig, der positiven, je situationsspezifischen Erwartung entsprechend‹; von Bezugspersonen, ihren Körperteilen, ihrem Charakter, Verhalten und ihren Taten, auch von Abstraktgrößen unterschiedlicher sachlicher Art (wie z. B. der
minne
, einem
erbgut
u. Ä.) gesagt, die mit Personen verbunden gedacht werden; tropisch auch auf Sachen bezogen; sehr weiter Skopus der Extension.
Bedeutungsverwandte:
1; 2; 3, , 1; 3, (Adj.) 1; 2, 2, (Adj.) 1, 3; 5; 7, , , , .
Gegensätze:
1; 6.
Syntagmen:
ein erbgut s. sein
;
j. s. schlafen, der wind süslich wehen
;
der süsse kus / leib / mei / mund / regen / schlaf / traum, die süsse arbeit / kele / minne / tochter
(ütr.),
woltat, ˹das süsse ding / hölzlein˺
›Phallus‹ /
weib
; subst.:
die süssen bestatten, zu der erde befelen
.
Wortbildungen:
süsfüdlein
ein Herkunftszeichen, Holzzeichen (a. 1590; Bw zu alem.
Fud
; obszön; ),
süsredig
,
übersüs
4.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Aura. Sanffte lufft lieblicher lustiger suͤsser windt.
Luther. Hl. Schrifft.
Pred. 5, 11
(
Wittenb.
1545
):
Wer erbeitet / dem ist der Schlaf süsse
[
Froschauer
1531:
Einen suͤssen schlaaff habend die arbeyter
].
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
dar umme sprach Salomon desen spruch, | [...] | vrouwe obirsuze ist din druzzel.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1590
):
Er war von personen nit hoich noch gross, ein siddich, fruntlich, zugtich, sois man, zarter sprach, den capitteln und kirspel angeneim und milt mit gastereien.
Chron. Köln, Koelhoff
8r, 27
(
Köln
1499
):
rechte / vort sante got eyn suessen slaiff vp der seluer stat in Adam.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
242
(
mrhein.
,
um 1335
):
Vns kummet des suszen megen zit, | die mangen herzen vreude git.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
20
(o. O.
1558
):
Der eine sagt von den Nürnbergern, [...], der dritt von den Bambergern, da die guͦten zwüfel unnd das süsse höltzlein wechßt, daß die jungen weyber gern essen
(hier obszön).
Ders., Lindener. Rastb.
143
(o. O.
1558
):
da er ir das süß ding der welt eingethon hette unnd ir guͦt frewd gemacht hette, frölich ohn den korrock zuͦ hauß gieng
(hier obszön).
Franck, Decl.
335, 12
(
Nürnb.
1531
):
Weytter / was ist nuͤtzers / was suͤsser / was saͤligers / dann ein herlich erbguͦt.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Dann das Heinrich, der Keiser frumb, | Sich zu eim Keiser wehlen ließ, | Welcher mit seiner wolthat süß | Dem reich hat treulich vorgstanden.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Als ich wol an den winden fuͤhle, | Die jetzundt so suͤßlich waͤhn.
Ebd. (
Leipzig
1537
):
Du hast [...] | Vns gefuͤret abe, | Mit dem stab durch Moab, | Vom felß der wuͤst zu der dochter suͤß.
sußredig [...]. Leniter.
Sappler, H. Kaufringer
24, 51
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ir sullt nicht sein als lind und süess. | schafft, das man euch fürchten müess.
Dreckmann, H. Mair. Troja
25, 26
(
oschwäb.
,
1393
):
und hät im gern, [...] vil mangen süssen kuzz geben.
Nyholm, Füetrer. Gralepen
2364, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
zu muͮnster wurden do die suͤessen, werden | pestaͤttet kuͮnigklichen mit mess.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
540, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Eneas sprach: „Erstorben – | so ist das süesse weib“.
Weber, Füetrer. Poyt.
127, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Durch manig lanndt gevaren | pin ich nach süesser mynn.
Ebd.
138, 5
:
was ob ich thüe des leybes drumb verderben, | das istt et mir durch si ain arbait süesse.
Munz, Füetrer. Persibein
77, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
do si sein clares vel pegund an schawen | zúe hanndt dy súesse mynne kam | vnnd thet ir hertz zu verche gar verhawen.
Ebd.
269, 2
:
fraw, meiner frewde | ist ewer súesser leib | ein hort vnnd v̈bergewde.
Schützeichel, a. a. O.
705
;
v. Keller, a. a. O. ;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 340
;
Weber, a. a. O.
124, 1
;
201, 2
;
314, 4
;
333, 5
;
Fichtner, a. a. O.
92, 2
;
Vorarlb. Wb.
2, 1394
.
8.
im eigentlichen (allerdings unspezifischen) oder (meist) ütr. Sinne auf Gegenstände natürlicher Art, teils auch auf Zustände sowie auf Handlungen bezogen; innerhalb dieses Gebrauchs begegnet
das süsse joch
mit auffallender Häufigkeit; es wird deshalb als Phras. besonders herausgehoben.
Phraseme:
das süsse joch
›Bürde von Übungen, denen sich der im Dienste Gottes sehende, asketische Mensch freiwillig zu seiner Heiligung unterzieht oder die er als ihm von Gott auferlegt betrachtet und positiv anerkennt‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1; 3, 3; 7,
2
4, 3; 5.
Gegensätze:
(Adj.) 2,
2
7.
Syntagmen:
das joch s. sein, die dinge jm. s. werden
;
der süsse ametist / stein, die süsse not, das süsse pelzreis
; subst.:
das süsseste ist, zu gewinnen
.
Wortbildungen
(hierher?):
süssig
4,
übersüs
5.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swaz der mensche lidet durch got und got aleine, daz machet im got lîhte und süeze.
Pyritz, Minneburg
1692
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die sußen beltzriser | Diner gut tuͤ in in
[den
glander
]
pfropffen: | So wirt sin fred [vröude] uß knopfen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
130
(
Nürnb.
1517
):
Also geet die forcht in die lieb und wirdet die burde Christi uberleicht, das joch ubersues.
Koller, Ref. Siegmunds (
wobd.
,
um 1520
):
das hand bischof hievor nit geton; sy wern wol rüwig herrn, als Christus spricht: ‚mein joch ist sieß und mein bürde leicht‘.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Das alsus der edele Got an uns wúrkende werde das uns sin joch suͤsse werde und sine búrde lihte, des helffe uns Got.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
‚Ich han gesechen in kurtzen tagen‘ | Sprach da der Throyere, | ‚Daz mir nitt gar schwere | Ain süsslich nott wer gewessen‘.
Heydn. maister
5r, 3
(
Augsb.
1490
):
[Tales] Ward auch gefraget was das suͤsseßt waͤr / gab zeantwurtt gewÿnnen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
5, 78
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
sawer we mach, mueter, süessig | in der himmel ierachie.
Bauer, Imitatio Haller
104, 7
(
tir.
,
1466
):
Wenn sich der geistleich pegewen mensch [...] v̈eben ist in dem leiden Jesu Kchristi, so werden im alle ding gar ring vnd suess vnd lustig.
Rosenthal. Bedencken
38, 15
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
52, 11
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
13a, 10
;
Vetter, a. a. O. ; .
Vgl. ferner s. v. .