sänfte,
die
;
-Ø, -n/–
.
1.
›Sanftmut, Milde, Freundlichkeit, Güte‹ (als Haltung des Menschen); ›Ruhe, Geordnetheit, Gemach‹ (oft bezogen auf ein geistliches Leben); ›Sanftheit, Süßigkeit, Zartheit‹;
zu 1.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
, , , , 5,
1
13, 6, ; vgl. .
Syntagmen:
j. s. tun, got
(Subj.)
s. tragen, das herz
(Subj.)
s. haben, die fliegen der unzimlichen worte
(Subj.)
die s. verderben
;
s
. (Subj.) [wo]
sein
;
die s. (der salbe) die s. (eines geistlichen lebens) sein
;
j. sich js. s. überheben
;
jn. durch die s. bitten, j. in s. predigen, etw. in s. tun, sich in s. geben, ein fürst mit der s. regieren (wollen)
;
die s. der salbe, des geistlichen lebens
;
der geist / geschmak der s
.

Belegblock:

Er [got] tregt senffte und lest alle creaturn seyner senfften gute genießen.
Christus hatt auch ander werck than, als gedullt, liebe, frid, senffte, und dergleychen, die yderman thun solle.
Ebd. (
1527
):
gegen menschen gebt yhr
[Zwingli, Eck]
grosse demut, senffte vnd gedult fur, Aber gegen Gott vnd seim wort seyt yhr gleich toll vnd toricht.
Denn wo ein Fuͤrst [...] mit der senfft regiern wil, da kans nicht anders sein, Es komen die groͤssesten schelcke und boͤsewichter jns Regiment.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
das ich sy
[die Minnedame]
pey erst det sehen | [...] | da kund mein hertz an kainer stett | weder safft
(hier ingwäönischer
n
-Schwund)
noch rúwe gehaben.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ich kum zuͦ euch in der ruͦte
.
oder in der lieb vnd in dem geist der senfte
[Var. 1475
2
–1518:
sanfftmútigkait
;
Luther
1545, 1. Kor. 4, 21:
sanfftmütigem Geist
].
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
da fride und senfti ist, da wil únser herre reden mit der sele.
Enders, Eberlin (
Basel
1521
):
Wiltu mit ynen
[den
pfaffen
]
handlen, thu es mit gottes wort, das predige ynen mit zcungen vnd feder, [...], vnd thu das in senfte vnd demuͦt.
Bauer, Geiler. Pred.
470, 4
(
Augsb.
1508
):
die sterbenden fliegen verderben die saͤnfftin der salben. [...] Aber die saͤnftin der salben ist die ruͦw und saͤnfftin / aines gaystlichen lebens.
2.
›Wohlklang‹;
zu 6.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Wa aber ain mitstym̄er dem, ch, volgt, [...], da lautet es vil senffter vmb des nachgeenden mitstym̄ers willen, also in [...] woͤrtern [...], wa sy nit Composita sein, hoͤre man auff die senffte vn wollaut der stym̄en.
3.
›Tragestuhl, Gestell zum Transport einer Person durch Menschen, Tiere oder Engel‹;
zu 5.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Syntagmen:
j. eine s. machen
;
jn. in einer s. tragen
;
die s
. (Subj.)
aus holz
.
Wortbildungen:
sänftensknecht
(a. 1626),
sänftenstange
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Hld. 3, 9
(
Wittenb.
1545
):
DEr könig Salomo lies jm eine Senffte
[
Mentel
1466:
betlein
;
Froschauer
1531:
bettstatt
;
Eck
1537:
tragbetlin
]
machen von holtz aus Libanon.
Franck, Decl.
349, 18
(
Nürnb.
1531
):
Claudius der keyser hat von der kunst zu spilen im pret ein buͦch gemacht / darzu er so begirig gewest ist / das er auch in der senfften so er getragen worden ist / gespilt hat.
Wickram
4, 30, 30
(
Straßb.
1556
):
Bald ließ der alt ein senffti oder ein rossbar machen / damit er den jungen vollend gen Lisabona bringen moͤcht.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Lazarus wirdt entlich auch ein Bapst / das jhn die Engel in jhrer senfften tragen.
Lampel, Qu. Wien (
moobd.
,
1637
):
[Kaiser Ferdinand III. befiehlt der innerösterreichischen Hofkammer,]
zwai musicalische instrumenta [...] auf den sessl- oder senftenstangen
ehestens an den kaiserlichen Hof nach Wien befördern zu lassen.