sänftiglich,
Adv.,
selten
Adj.
1.
›sanftmütig, friedfertig, gelassen, fromm‹ (als Grundhaltung des Menschen, auch von seiner Disposition durch sein Sternzeichen bedingt, vor allem in Sprechkontexten gesagt); auch: ›Trost spendend, erbarmungsvoll, barmherzig‹ (als Haltung der Gottheit bzw. des Mitmenschen gegenüber dem anderen); daran anschließend: ›sanft, ruhig, leise, versöhnlich‹ (als Auszeichnung einer Sprechhandlung);
vgl. 1; 2; 6.
Bedeutungsverwandte:
2, 1, 1, 3.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. s. liegen, gesittet sein, j. s. antworten / reden / sprechen, antwort geben, jn. s. anreden, js. herzen s. trösten, j. got seinen geist s. geben, das glük
(Subj.)
jn. s. anlachen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Thutt, wie Paulus sagt: [...] Leret eynfelltiglich und gebt anttwortt von ewrem glawben senfftiglich.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Daz ist der eilfte grad der otmudkeide, daz die suster, so sie sprechen sal, mit otmutkeide und mit ernste senfteclichen und ane spot redeliche wort und unmaniche spreche.
Jahr, H. v. Mügeln
2459
(
omd.
, Hs.
1463
):
Natur uns kündet unde seit | des Zeichens art, genennet Meit. | [...] | welch mensch darinne wirt geborn, | [...] | gar gütik ist des selben mut, | [...] | und ist gar senftiklich gesitt.
Sachs (
Nürnb.
1544
):
Mit süssem geruch trat herein | Venus, die göttin, für mein pett | Unnd mich gantz senfftigklich anredt: [...].
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
JEsus antwortet saͤnfftiglich, | Ich hab geleret offentlich.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
ein gelerter von den buͦchen kam und wolte unsern herren versuͦchen [...]. Do antwurt im unser herre vil senfteklich, als ob er sine valschheit nút enbekante.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
422, 5
(
els.
,
1362
):
Mit disen worten gap sú iren geist vil senftekliche gotte.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 119
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
betrübte herz tröst senftiklich | und la sie hie erbarmen dich.
2.
›behutsam, zart, vorsichtig, schonend‹ (von einem Vorgang, einer Bewegung, einem Heilungsprozess gesagt; auch ütr. im geistlichen Kontext das Heilswirken Gottes umschließend); ›sanft, ruhig, auf milde Art‹ (die Art und Weise einer Berührung charakterisierend); speziell: ›heilsam, schmerzlos‹ (von Heilungsvorgängen im medizinischen Kontext gesagt);
vgl. 3; 8.
Bedeutungsverwandte:
3, (Adj.) 2, , , .
Syntagmen:
j. s. lachen, die lerchen
(Subj.)
s. auffliegen, etw
. (Subj.)
s. heilen / zerrinnen, durch die kele gehen, j. etw. s. haben, jn. s. tragen, in den glauben füren, j. s. das bein hinweg tun, das joch biegen, die porte gestalten, die stat
›Körperstelle‹
brennen, die eier / speise wärmen, die schäden aufweichen, die schrunden salben, j. e. S. s. ledig werden, der skorpion
(Subj.)
die haut des menschen s. lecken, ein hund
(Subj.)
das kindlein s. auf im / neben sich gehen lassen, die kälte
(Subj.)
die wolken s. anrüren
.

Belegblock:

Luther, WA (
1519
/
20
):
Darumb sol man die [...] schwachgleubigen [...] senfftiglich unnd mit seuberlicher musz widder erausz in den glauben furen, wie man mit einem krancken umbgaht
(auch zu 1 stellbar).
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
230r, 24
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
so bestreiche den hirenn / schedel gar mit roßen ol, [...] den ander ader den tritten / tag erbete mit dem werg geczeuge / hinweg czu dün das pein / gar senfftiglichen.
J. W. von Cube. Hortus
84, 34
(
Mainz
1485
):
Welcher den steyn hette der bade mit camillen [...] er wirt des ledig senfftiglichen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2992
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
den menschen si [ubunge] zu kuscheid bereitet | [...] | unnd ab her bewilen des beginnet, | gar senffticlichen das zurinnet | wanne sich der mensche ubet mit guten dingen.
Eis, Albrants Roßarzneib.
128, 37
(
böhm.
/
oobd.
,
1442
):
Die statt brenne sennfftigclich mit ainem hayßen eyßen.
Keil, Peter v. Ulm
76
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Die salb lege in die wunden vnd auch dorauf, sie machet flaisch vnd hailt senfteclichen on allen smertzen.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Der heuchler gleicht dem scorpion, | Der erstlich süßlich lecken kon | Gar senfftigklich des menschen hawt.
Adrian, Saelden Hort
8021
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
dar nach begund salben | si [ain súnderin] senfteclich die srunden | den fúessen [Jesu] ob und unden.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Die lipliche spise die wir essen zuͦ dem munde in, die kúwet man zuͦ dem ersten, und denne get si senfteklich durch die kelen bis in den magen.
Wyss, Luz. Ostersp.
9546
(
Luzern
,
1545
):
Hebend inn
[Jesus]
vff, ir seligen man, | domit man in begraben kan. | wir wend in tragen senfftigclich.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
seind diu kelten sänfticleichen anrüert diu wolken, sô macht si klaineu tröpflein auz gar klaineu stükleinn des dunstes.
der stain [Perites] ist guot wider die âdersuht, [...] und ist daz dû in vast in der hant druckst, sô prennt er dich [...] und dar umb wil er, daz man in senfticleich hab und zärtleich.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
195
;
Löffler, Columella/Österreicher ;
Pfeiffer, a. a. O. ; ;
Niewöhner, Teichner
675, 45
;
Voc. Teut.-Lat.
dd iiijv
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 291
.
3.
›lieblich, ansprechend, wohltuend‹ (von einer angenehmen Wahrnehmung verschiedener menschlicher Sinne gesagt); auch pars pro toto für die Ausdrucksform der vollkommenen Seele etwa Marias (dann anschließbar an 1);
vgl. 6; 7.
Bedeutungsverwandte:
1
2, (Adj.) 5, 2, 1; 2; 3.
Gegensätze:
2; 5.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
66, 12
(
Frankf.
1535
):
zu dem [Amethist] richten sich die steynferber / er gibt senfftiglich dem gesicht sein schein / und zwitzert nit in den augen als der Carbunckel.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
250, 8
(
els.
,
1362
):
Es kam zuͦ Marien ein engel [...]; also senfteklich er die gesiht het beweget also erschrockenlich het er die gehorde betruͤbet.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Ir [Maria] aten suͤss und sænfteklich, | Dem aller besten smak gelich.