süsse,
die
;
-Ø/–
.
1.
›Süße, Süßigkeit, süsser, angenehmer Geschmack e. S.‹; als Metonymie: ›süß schmeckende Sache, Substanz‹; mit Genitivmetapher auf
ruhe
bezogen: ›religiöse Stärkung, Kräftigung (der Ruhe)‹;
zu 1.
Bedeutungsverwandte:
(
der
) 2, 1.
Gegensätze:
1, 1, , 3.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
101, 8
(
14. Jh.
):
als daz pinlin suget die suͤzi und da[z] hoͤnig von den blumen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
wer alhie | Bezzer spise da vor ie | Enpeiz mit mundis suze.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Wer jhn [Gschmack] versuchet allgemach, | Den nimbt die suͤsse also ein, | Daß ich allein mein Lieb dich lieb.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
15, 3
(
els.
,
1362
):
Alse der erste moͤnsche versuͦchte die suͤsse des appfels, also versuͦchte Cristus die bitterkeit der gallen an dem heilgen crúze.
Ebd.
16, 27
:
wie dicke der lib mich begerte zuͦ ziehende von der suͤssikeit goͤttelicher betrahtunge, wie dicke er mich von der suͤsse der ruͦwe het gezogen.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1520
):
im leib sind 4 gustus, also auch in der erden: seuri, suͤße, bitteri, selzi.
phlegma gebiert sich aus der suͤeße. dan was da suͤeß ist das ist kalt und feucht und vergleicht sich dem wasser nicht, [...].
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dar umb reibent die köch die lebern mit des stürn gallen, daz si die überigen süezen verlies.
des krautes wurzel ist pitter mit ainer süez dar ein gemischt.
Sudhoff, Paracelsus .
2.
s. 2.
3.
s. 3.
4.
›liebevolle Zuwendung, die Gott von seiner Wesensweise her, speziell durch den Opfertod Christi, dem sündenverfallenen Menschen als Gabe, Geschenk der Erlösung zuteilwerden lässt‹; reziprok (deutlich schwächer belegt und insofern eine gewisse Asymmetrie des Gott-Mensch-Verhältnisses voraussetzend): ›vom Menschen im Glauben angenommene, auch im eigenen Tun (z. B. im
arbeiten
1; 3), realiter im Abendmahl als Speise angenommene Gnadengabe‹; damit resultativ verbundene ›innere Ruhe, Enthobenheit, Zufriedenheit (des Menschen)‹; vgl. 1 (hinsichtlich der Konnotation mit dem Abendmahl) sowie
süs
4 und 5 (hinsichtlich des Bezuges auf Gott und des Gedankens der Zuwendung).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
1; 3, , , 3; 4, 1; 3, (
die
), 11, 3, 4, , , .
Gegensätze:
(Adj.) 3 (subst.), 3, 1.
Syntagmen:
j. die s. versuchen
›kosten, schmecken‹ /
empfangen
(Letzteres von Jesus Christus gesagt),
in Christo geniessen
,
got jm. s. geben
;
die s
. (Subj.)
jn. übersüssen, keine bitterkeit wissen, dem heiligen geist geeiget, von dem vater / son / heiligen geist gegeben sein, von got fliessen
;
j. der s. geniessen, die schöne der s. brauchen, die zunge der süsse vol sein
;
zu s. kommen
;
die s. gottes, des herren, der liebe / sele
;
die ewige / götliche / hitzige / innere / himlische / unsägliche s
.;
die kraft / menge der s
.;
ein buch vol s
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen wir alle van hynen czyn | Uz deser werlde wuste | In zine ebege suͤse.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
n. 1634
):
es ist ein Buch voll Süße. | So mancher Buchstab’ ist, so mancher Kuß ist hier.
Ebd. (
1632
):
Niemand nicht soll traurig sein. | Ihr auch, Schöne, braucht der Süße | und der lieben Sternen Küsse, | die das Firmament euch giebt.
Stackmann u. a., Frauenlob
6, 4, 4
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
Swelch man in sinem munde | kein bitter nie nicht hat geliden, | wie wil er smiden | der süze kraft? der kan nicht wol bevriden | ir werden hort.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
6b, 15
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
von der handelung dirre gab / gibt er vns suͤzze vnd minniclich gehuͤgnuͤzz võ im von der niezzvng der speis / geit er vns ain vorpilde vnd ain phant sein’ ewigen niezzvng.
Ebd.
12a, 9
:
O heiligev minne O minniclichev svzze O hymelischer honicsã O gotlicher einfluz.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2086
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Swelch mensch den got selber hot | und in in seinem herzen trait | mit ganzer voller warheit | und in do selber neußet, | von dem deu selbe suße fleußet.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
110
(
Nürnb.
1517
):
Wann auch der selbs die süse gots versucht hat, den andern seins geschmacks nit verstendigen [...] mag.
Ebd.
119
:
Mich bedunkt, erfarn ze haben, das dise, die arbeten, einer hitzigern suese genisen in Christo dann etwan die andern.
Ebd.
122
:
Ir habt vermerkt, das Christus durch etliche zeichen die innerlichen suese seiner lieb offenbaret.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz úns von dem vatter, von dem sun und von dem hailgen gaist unsaͤglich suͤssi wirt gegeben.
Ruh, Bonaventura
341, 18
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Die stapfen zekommen zuͦ suͤssy der wären lieby sind siben.
Ebd.
327, 23
:
Darnach volget guttigkait, die ist ain susse der sell, die vß tribt poßhait vnd schikt die sel zuͦ wolwellikait, dultigkait, indry frolikait.
Ebd.
346, 8
:
zuͦ geaigte ding, das ist die hoͤchin dem uatter [...], die schoͤni dem son [...]. Die siessin dem hailligen gaist vmb den willen vnd guͦthait, wann waͮ da ist die oberest guͦthait zuͦ gefiegt mit dem willen, da ist die oberest liebin mit der oberesten siessikait.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 14
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Engelischer gruss dich [gotes muter] grüsset, | götlich süss dich übersüsset, | dein süss wais chain pitterkhait.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Do er [Jhesus] des gehorsam was, do lyesz sy [Maria] im in den muͦnd dasselbe prot, davon sólich krafft und súszikait emphieng das er nymer sólicher súsz und krefftigung empfangen hett.
Eggers, Psalter
68, 8
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Spechtler, a. a. O.
3, 14
.
Vgl. ferner s. v. (Adj.) 4.
5.
›dem Menschen in je spezifischen Situationen als angenehm Widerfahrendes‹; im Einzelnen: ›Freude‹ (z. B. des
bulens
, der
minne
5); ›einschmeichelndes, täuschendes Tun‹; ›Fruchtbarkeit (eines Landes)‹;
vgl. am ehesten 6; 7; 8.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
das
) 1, .
Gegensätze:
1, (
das
) 1; 3; 4, 4, .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz uns der werlde suze | Mit irre samftikeite | Von Gote nu icht enleite.
[die glizenere] Glichen dem gelaze | Der triegende wibe | [...] | Und in der suze tun leides dol | Mit vor irdachten listen | Ir rechten eben cristen.
Thiele, Minner. II,
28, 127
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
wan sich vrouwe Mynne bedencket | und dir
[dem
reyne(n) wyf
]
alle zwere senket, | so wirt dyn zuͦer dyn suͦesse.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
234
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
in diser vinster strossen | stosse wir offte unser fuße | an dirre werlt susse | und an leibes gemach, | dem wir gen ofte ze verre nach.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
185
(
Nürnb.
1517
):
Die andern untersteen sich, teufel außzutreiben von dem fleisch der sünd, wann sie sich befleisen (sich) aller böser gedanken des herzen zu entladen, aller suese des fleischs abzuweichen und fern zu sein von den zuneigungen zu sünden.
Fuchs, Murner. Geuchmat
203
(
Basel
1519
):
Wie sy ir list in lieben tragen | Vnd in bulens suͤssigkeit, | Ein kleine suͤß vnd grosses leid.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1846
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die brachtend och ainen truben guͦt, | Bÿ dem do ward dem volk kunt | Des landes suͤssi und sin grund.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
16, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do kom der minne zunder | und zündt’ ir paider hertz an in dem leib, | so das dy süss gesigte an in paiden.
Ebd.
527, 7
:
Do ward ain suen zue paider seit geschworen, | die seit plaib / vil unstäte, | wann inn ir süss do steckt’ des jamers dorn.
Weber, Füetrer. Poyt.
40, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
der anngel lag verporgen in der süesse, | seinr kunfft part er, alls wär er fro.