süssigkeit,
die
;
-Ø/–
.
1.
›süß schmeckende Substanz‹; offen zu ›Wahrnehmung des süßen Geschmackes‹; in dieser profanen Nuance selten belegt; meist in religiösen (eucharistischen) Kontexten begegnend; dann speziell: ›Geschmack der Hostie‹ bzw. ›dessen als gestuft von
süssigkeit
bis zu
volkommenheit
gedachte und als Geschmack tropisierte Wahrnehmung‹ sowie ›Substanz / Wesen Gottes im Sakrament‹; von da aus semantisch in profane Gebräuche hineinwirkend;
vgl. 1, auch 4.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
der
) 2, 2; 3 (hier als Leib Christi, Hostie verstanden), (
der
) 4, 2, 3, 2,
1
2; 3, (mehrfach), 1; 3, .
Syntagmen:
manna s. haben, j. die s. empfinden / erkennen / übertreffen
;
die s
. (Subj.)
gros / mannigfalt sein
;
j. der s. empfinden
;
der leichnam vol der s. sein
;
den kopf mit s. beschmieren, die begierde jn. um s. entzünden, um s. zu dem sacramente gehen
;
die s. des honigs, des schmeckens, der liebe
;
die empfindliche s
.;
der schmak, die here der s
. (gen. subjectivus),
der schöpfer der s
. (gen. objectivus).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ô herre, wie grôz und wie manicvaltic ist dîn wirtschaft und der smac der süezicheit, diu den bereitet ist, die dich minnent.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
De vlegen menen, dat de kale kop [...] eyn steyn sy, de besmeret sy met soticheyt.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Mainz
1605
):
[Heiliges Opffer] Sey gegruͤßt ein Gefaͤß der Miltigkeit, | Ein schreinlein werth vnd reiche, | Darin Himlischer sussigkeit, | Ein Schatz ligt wunderliche, | Die gantze Substantz vnd wesenheit, | Warhafftig vnsers HERREN, | Ein Sacrament das gnaden reicht.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Diz brot was gezechent in manna daz aller hande smachen und suzzicheit hatte nach eines igeliches gerunge der daz nutzete, aso ist iz umme unsers herre gotes lichnam.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 45
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
in gleicher weiße als unterscheid ist erkennen die sußikeit des honigs allein in dem gehör und in den worten und die selben sußikeit erkennen in dem versuchen und in der pekerung des kostens.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 716
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Men sol ze dem sacramente des alters nút gan vmbe smag, noch vmbe begerunge, noch vmbe glust, noch vmbe fride, noch vmbe suͤßekeit, noch vmb kein ding danne vmbe die ere gottes.
Warnock, Pred. Paulis
2, 197
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Ain jungfrow sol mit allem fliss lernen die ding, die zuͦ dem lob und dienst irs gemachels hörent, und ob allen dingen, wie sy im ir sel und lib rain und unvermasget mug ufopfren ze ainem wolgefelligen opfer in dem geschmak der süssikait.
Martin, H. v. Sachsenh. Jesus
44
(
schwäb.
,
1455
):
Er [artzat] geitt das aller luterst dranck | Das alle süssikeit übertrifft.
Ruh, Bonaventura
343, 3
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
getruwen sterk dich vmb gewissenhait, begierd entzünd dich vmb süssekait, [...], wolgeuallen ziech dich vmb schöny.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
50, 21
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
O tu aller wolustigiste speis, in dem da ist alle süessikhait des schmëkhens [...] vnd alle erczenei vnd alle aufenthaltung vnd alle rüe von diser arbait.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Die selbe junckfraw do die [...] unnsern herren, das heylig sacrament, den priester gegen ir tragen sach, do empfieng solcher wunder súessen gerochen und edeln gesmachen, [...], und so yr der priester ye pas mit dem heyligen sacrament nahent, so sy ye paser der selben sússigkait empfand.
Rieder, St. Georg. Pred. .
2.
s. 2.
3.
›lieblicher, angenehmer, harmonischer, wohllautender Klang; Wohlklang‹ (der menschlichen Stimme, der Stimme der Engel, von Gesängen, von Musikinstrumenten);
zu 3.
Bedeutungsverwandte:
1
5.

Belegblock:

Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
ir [der mann vnd frauwen] stime erklungen als manigerlej seitenspiel von rechter sussikeit.
deren
[der
engel
]
schin lustlicher gschmack vnd stimmen mit sussikeit vnd mit frolikeit vbergingent allerley seitenspil vnd suß geton.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
fast Vnglaublich ist die liebliche Suͤssigkeit vnd kraͤfftige Wirckung deß singens, also daß sie auch die allerhaͤrtesten Gemuͤhter einnimbt vnd bezwinget.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Menger edlen harpffen doss | Ze wunsche in süssekaitt erklang.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1313
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
mitt der harpfen suͤsszekait | Vertraib er [Dȧvid] denne Saules lait.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn die schefläut der stimm gaument, sô enslâfent si dick von der süezikait des gesanges und sô zereizent si dei merweip.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
280
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Pitagoras spricht, das die sel sei armonia, das ist ein guͦte vnd edle samnung der doͤn, die ein suͤssichait macht
(die Seele als Sammlung von Tönen, die Wohlklang erzeugen).
Kehrein, a. a. O. .
4.
›erbarmende, liebende Zuwendung als absolute Seins- und Wesensqualität des christlichen, vereinzelt auch des alttestamentlichen Gottes sowie der Jungfrau Maria zu den Menschen‹; dazu reziprok (seltener): ›dem begnadeten Menschen eigene Liebe zu Gott‹; als
süssigkeit
tropisierte ›göttliche Gnadengabe‹ (damit offen zu 5); die Seinsweise dieser Qualität wird auch mittels
gabe
1,
1
genist
2,
trost
2,
liebe
11,
2
lere
5 ausgedrückt und teils über Flussmetaphern sowie aufgrund ihrer nicht deutlichen Prädizierbarkeit e contrario mit Wortbildungen wie
blosheit
2,
ungenantheit, unweise
ertextet; sie gewinnt dadurch Züge der Mystik und erschwert ihre begriffliche Beschreibbarkeit;
vgl. 4; 5.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1,
1
1, 3, 1, , 2, 1, 1, 4, 3, 11, (
die
) 3, 3, 1, , 2, 7.
Gegensätze:
3, , 8, 1.
Syntagmen:
Jesus (Christus) s. haben, jm. weisen, got, der herre s. geben
(z. B.
zu lone
),
got jm. s. bereiten, Jesus jm. die s. künden, j. s. durchkiefen
›durchkauen, durchkosten‹,
empfinden, die bitterkeit
(Subj.)
die s. minnern / verbergen
;
die s
. (Subj.)
gros / breit / mannigfaltig, unbegreifenlich, ane masse, sonder grund sein, jm. bekant, im leichnam Christi gegeben werden, von dem herren fliessen, in die sele kommen, got / der heilige geist die s. des honigs sein
;
j. der s. befinden / kosten / (ge)schmecken, die sele
(Subj.)
der (götlichen) s. schmecken, j. jn. der s. berauben
;
freude in der s. haben, Jesus sich mit s. offenbaren, jn. mit s
. [wodurch]
füren, die sele mit s. aus / in / über sich selber, in iren begin fliessen, alle dinge in s. befangen werden
;
die s. gottes, des vaters / herren, des heiligen geistes, Marien, die s. der liebe, (götlichen) trostes, (götlicher) gaben, des (himlischen) vaterlandes, der heiligen schrift, geistlicher lere
(die Genitive können teils als explikativ gelesen werden);
die ewige / götliche
(mehrfach)
/ grundlose / himlische / höchste / übergehende / unmässige s
.;
der schmak, die milte, der bach / brunne / ursprung, die flüsse / segenen der s., das befinden der s. gottes
;
Maria, der schrein der s
. (nachgestellte Apposition).

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
also tut Marien suzekeit; | waz unser munt vorgifte treit, | zu samene si daz allez heilet, | daz unse sele vor gote meilet.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Jesus der offenbâret sich ouch mit einer unmæzigen süezikeit und rîcheit ûz des heiligen geistes kraft ûzquellende und überquellende und învliezende mit übervlüzziger voller rîcheit und süezikeit in alliu enpfenclîchiu herzen.
Swenne sich Jêsus mit dirre rîcheit und mit dirre süezikeit offenbâret und einiget mit der sêle, mit dirre rîcheit und mit dirre süezikeit sô vliuzet diu sêle in sich selber und ûz sich selber und über sich selber und über alliu dinc von gnâden mit gewalte âne mitel wider in ir êrste begin.
der der süezicheit ze einem mâle gesmecket wærlîche, als wênic sich got mac gekêren von sîner gotheit, als lützel mac sich der mensche gekêren mit sîner minne von güete und von gote.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
allez, daz got niht enist daz hât von im selber natiurlîche bitterkeit und untrôst und leit und enleget nihtes niht zuo der güete, diu von gote und got ist, sunder si minnert und bedecket und verbirget süeziheit, wunne und trôst, den got gibet.
Jostes, Eckhart
57, 6
(
14. Jh.
):
Di sel ist [...] ein ruender umlauf in der suzzigkeit dez heiligen geist.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Ich fort dich durch die wustenung breit | Vierczigk jare in susßikeit.
Strauch, Par. anime int.
6, 3
(
thür.
,
14. Jh.
):
meister Eckart lerit hi daz di sele ufstigin sal pobin ir nature, di Godis lere inphahin wil und die hohe gotlicher nature schauwin wil und der godelichin suzzikeit smeckin wil.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4061
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
herre wy breid | unnd wi gar grosse ist dine sussicheid, | di du dinen getruwen wilt geben.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 10, 21
(
Leipzig
1520
):
Jn dem fronen leichnam Jhesu Christi [wirt gegeben] die speis vnnd sussigkeytn gotliches trosts.
Gille u. a., M. Beheim
15, 102
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
chum in sy [in die sel], aller hochste sussikeide, | das sy auch smek nach sussliher pegerd.
Ebd.
20, 73
:
Dich muss loben dein ubergende sussichait | und auch dein uberflussige parmunge, | dein ewig tugent, dein ewig gothait.
Ebd.
84, 51
:
Maria, du mir nur | verleih, daz ich gewinne | Deinr miltikait geniste | und grasser parmherczikait scherm! | tu es durch die glit der erperm | deins kindes Jhesu Criste | Und durch dÿ süssikait, die er | gehabt hat.
Ebd.
157, 6
:
mit der [parmung] du mich vor dem ursprung | [...] | Herr, deiner sussichait und mynn | pegriffen hast vor an pegin.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 61
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Nü schuͤllen wir fleißiglich bedencken die schoͤn und sußikeit dez hymlischen vaterlands.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
3, 231
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Wan in dirre grundelosen suͤßekeit der luterheit werdent alle ding beuangen in gebrvchlicher selikeit, vnd der grunt blibet selbe al vnbegriffen, es ensi mit wesenlicher einikeit.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Wann du fúrkempt in in den segnen der sússigkeit
[
Froschauer
1531:
mit guͦtthaten
;
Luther
1545, Ps. 21, 4:
mit gutem Segen
]
: du satztest auf sein haubt ein kron von edelm gestein.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 183
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
Warvmbe haͮst du lust vnd froͤd nit gehebt in der ewigen suͤssikait, die alle creaturen haͮt erfúllet?
Lindqvist, K. v. Helmsd.
401
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Maria, aller süssikaitt schrin, | [...] | Du trenck uns mit den gnaden din, | Von den du über flissig bist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
17, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Der vatter, der ein brvnne der suͤzikeit ist, hat gvͥgeben sin svn ze einem brote aller senftikeit vnd trostes vnd den Heiligen Geiste einem tranke kvͥscher vnd messiger trvnkenheit.
Ebd.
96, 7
:
[Goͤtlichvͥ minne] ist honig, duͥr suͤzzende daz gemvͤte in dankberi mit suͤzzekeit goͤtlicher gaben.
Bauer, Geiler. Pred.
85, 5
(
Augsb.
1508
):
das sy [junckfrawen] haben enpfunden / ainen schmack goͤtlicher suͤssikait / der in ynen gantz auß geloͤsch(e)t hat alle sündtliche ding.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 57
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
du [heiliger geist] hast all gaistlich ler gestift, | das man ir [
der
heiligen geschrift] süssikhait durchkchift, | damit der mut wird so geschift, | das er gen himel fleuget.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
65, 65
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so ist ze lauffen zü den züaygnuͤng des hailigen gaists, die da sint lindichait, suͤssichait vnd sittichait, mithaͤllung, missichhait vnd lieb.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
33
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
der gütig got, des wesen nicht anders ist denn gutichait, sein natur nicht anders denn suszichait, sein aygenschafft nicht anders denn ewige vnd milte parmherczichait.
Ebd.
606
:
Darumb spricht Augustinus [...], daz der tewfel der götleichen suezzichait nicht hat gechostet vor seinem valle.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
83, 80
(
tir.
,
1466
):
Noch ist mich darczu nöten vnd treiben die süssikchait der lieb vnsers liebhabers Jesu Kchristi.
Quint, Eckharts Trakt. ;
Kehrein, Lieder 14./15. Jh. ;
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
92, 28
;
Jostes, a. a. O.
79, 35
;
Strauch, a. a. O.
58, 3
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1540
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Eichler, Ruusbr. steen
983
;
988
;
Warnock, Pred. Paulis
18, 118
;
19, 100
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Lindqvist, a. a. O.
1852
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
50, 39
;
dies., Zist.-Pred. Haller
75, 594
.
Vgl. ferner s. v.
2
3, (
das
).
5.
›dem Menschen durch
süssigkeit
4 zuteilwerdende, ihn erhebende Gnade; Bewusstsein des Gnadenstandes; als konkret gegeben fingierte Erscheinungen des freudvollen Zustandes der Gnadenbegabung‹;
süssigkeit
in diesem Sinne wird von Gott, Gottes
liebe
gegeben, sie setzt aber auch
geistliche arbeit, begierlichkeit
5,
betrachtung
4,
1
busse
3,
gute werke, ein wollen, auferheben
2 (subst.),
betrachten
4; 7 (subst.) des
geistlichen menschen
, vereinzelt mit Andeutung des
lon
-Gedankens, voraus; vgl. 5 (zweite Nuance).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , 5; 7, 2, 2, 4,
2
7, , 2, 2, .
Gegensätze:
2, (
das
) 1; 2, 1.
Syntagmen:
got s. geben, j. s. finden / ˹empfangen / haben˺ (von got), (die) s
. (Subj.)
jm. offenbar, in js. herz geleitet werden, alles leid nemen
;
j. in s. kommen, etw. in s. verwandelt werden, j. Christum mit s. lieb haben
;
die begierliche / englische / ewige / götliche / milte s
.;
die genucht, das honig der s
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz sie niht enhaben innicheit noch andâht noch süezicheit noch sunderlîchen trôst von gote.
Allez, daz dâ guot ist und lust und trôst bringen mac, daz hân ich allez in ‚dem geiste der wîsheit‘, und alle süezicheit, daz niht ûz blibet als grôz als einer nâdel spitze.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2097
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
ye wir uns zihen mer alsust | van der werntlichen wollust, | i mer di gotliche sussikeit | in unser hertze wirt geleit.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
ewige dinge sint in [den bildelosen lúten] nohe, die sint indewendig, die schinent in gros von irre nehe wegen, die sint in unmitteliche, davon kumment sú in suͤssikeit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
141, 34
(
els.
,
1362
):
wie die vinsternisz waz fúrwandelt in eine grose klarheit. Die glaseschirben wurdent fúrwandelt in milte suͤssekeit, rosen und wolsmeckender bluͦmen.
Warnock, Pred. Paulis
9, 195
(
önalem.
,
1490
/
4
):
wenn sich ain gaischlicher mensch setzt und wil schowen die himelschen ding und alle sin betrachtung ufferhept hát zuͦ gott, so enpfacht er ain gaistliche fröd und süssikait von gott, und daz ist die frölich wirtschaft und süsslustig spys, von der er [...].
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Man sach in
[Jesus als Kind]
nút vil aine: | Wa in dú kint ie mochtent haben, | Das was irs laides ain erladen | Und ain begirlich suͤssekait, | Wan er vertraib in alles lait.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 150
(
halem.
,
15. Jh.
):
waͮn das ist daz aller sicherste sterben, waͮn got git sinen haimlichen frúnden suͤssikait an dem ende.
Schmidt, Rud. v. Biberach
86, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
si [sel] fluͥcht die suͤssen begirde des fleisches, si fuͥrstret vnd echtet der witsweifigen sinnen beweiget, si gelustigot in gotte, si nuͥsset engelsch suͤzzekeit.
Ebd.
70, 2
:
wen dvͥ inwendigen des geistes werdent getrenket vnd me duͥrnechteklich trunken von der inren genuͥht der ewigen suͤzikeit.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei der arbeit, [...], verstên ich die gaistleichen arbait, diu alle die pitterkait der rew und der puoz verkêrt in ain süezen der êwigen süezikait und sælichait.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
73, 44
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
daz sy nun fur die andern pilleich suͤllen entpfinden gaistleich süssichait in der merchung vnd gedenckung gotleicher ding vnd in der hailichait gots leichnam, oder daz sew solten haben gesicht von got.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
do lyesz sy [Maria] im in den muͦnd dasselbe prot, davon er sólich krafft und súszikait emphieng das er nymer sólicher súsz und krefftigung empfangen hett.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
91, 220
(
tir.
,
1466
):
Alle die Kchristum sind lieb haben mit ganczer pegierd vnd suessikchait des herczen vnd in vmbuahen sint mit den armen der lieb, die sint auch sein freuden scheczen für ir freuden.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
89, 16
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Neumann, a. a. O.
3275
;
3605
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
29b, 30
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 836
;
Bauer, Imitatio Haller
104, 14
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
39b, 30
.
6.
›der Welt eigene, naturgegebene Annehmlichkeit, verführerische, berückende, vom geistlichen Weg abführende Verlockung; Weltzugewandtheit des Menschen‹; in der Regel kritisch, vereinzelt anerkennend vom Liebesglück des Menschen gesagt;
Bedeutungsverwandte:
,
1
1; 2; 4, , .
Gegensätze:
1; 6.
Syntagmen:
die (weltliche) s. suchen, die s. (des fleisches) gestillen
;
die unkeusche jm. eine s. sein
;
sich an die s. halten, die liebe mit keiner s. abziehen, von der s. einen abgang gehen
;
die s. der natur / welt, des bulens, des fleisches
;
die weltliche s
. (mehrfach).
Wortbildungen:
übersüssigkeit
›höchstes Liebesglück‹ (zu
über
, Präp., 10).

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
di libe lezet sich nicht | abe zihen mit keiner suzekeit.
Rueff, Rhein. Ostersp.
38
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
lege en an daz sie von gode keren | und sich halden in der wernde sußikeit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1449
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das sin dinst wirt an neme unnd gud | zu gote irem schepphere | [...] | di durch siner liebe willen | di sussigkeit ires fleisches gestillen.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
983
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Hie wirt freuden also vil, | daz ir kan nimant wissen zil | wan der der werlt / sußikait | alle auf ainen huffen lait.
Sachs (
Nürnb.
1518
):
In solcher ubersüssigkeit | Und unaußsprechenlicher freidt | Wirt all ir hertzen-leidt zertrendt.
Adrian, Saelden Hort
2338
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
der da muͦs haben mangel | der da vergiften angel, | weltlichen trost und súessekait | fur Gottes trost ze hertzen lait.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Denne kumet der túfel und bringet in in valsche suͤssekeit und valsche liecht, und do mit verleit er si, das si eweklichen verlorn werdent.
Fuchs, Murner. Geuchmat
203
(
Basel
1519
):
Allein wil ich beschriben / sagen, | Wie sy [wyb] ir list in lieben tragen | Vnd in bulens suͤssigkeit, | Ein kleine suͤß vnd grosses leid.
Sappler, H. Kaufringer
25, 240
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ich main der bösen unkeusch clait, | ist im ain lust und süessigkait.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 114
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Werltliche freud ist laider saur, | [...] | ir süssikhait sleht als der schaur; | darumb durch gotes willen traur, | das dich ir süsshait icht behaur, | got zaigt dir doch ir falsch figaur.
Bauer, Imitatio Haller
56, 23
(
tir.
,
1466
):
der war liebhaber Jesu Kchristi [...] der vollget nicht nach der weltleichen freuden vnd trostung vnd suecht nicht die weltleichen wolüst vnd suessikchait.
Langen, Myst. Leben
191, 7
.