1
rösten,
V.
(gelegentlich ohne Umlautkennzeichnung
rosten
); auch
2
röschen
;
zu
mhd.
rœsten, rœschen
›rösten, braten‹
().
1.
›etw. durch Erhitzen knusprig braten, backen; etw. (durch Wärmezufuhr) trocknen, dörren, einem Stoff die Feuchtigkeit entziehen‹; auch bildlich.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 4, , (V.) 1, , , 1, (V.) 1; vgl. .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den hafer, das ferkel
)
r., etw
. [wie] (z. B.
wol, auf einem rost, in der pfanne, in einem feuer, in / mit öl
), [wie lange] (z. B.
x tage / wochen
)
r
.;
der geröstete semmelkuchen, die geröstete gerste, das geröstete brot / ei / fleisch / gerstenmel, die gerösteten galäpfel / weinberen
.
Wortbildungen:
röschung
›Dörren, Trocknen, Braten‹,
2
rossen
›schmoren‹,
rösteisen
(a. 1438; dazu bdv.: ),
röster
1 ›Bratrost‹,
1
rostig
(in der Fügung
rostiger hering
) ›geräuchert‹,
röstpfanne
(dazu bdv.: ,
1
, ).

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1566
):
In der kuichen: [...], 1 blaisbalch, 1 roister.
Hajek, Guͦte spise
8
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Alz ez [ferkelin] denne wol geroͤst si, so nim [...].
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
7
(o. O.
1558
):
darauff groß gelt gangen ist für torgisch bier und rostige häring.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
63, 11
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Er [Hafer] mus nach gelegenheit des wetters, auch darnach er zu erhegen, vierzehen tage oder drei wochen rösten, damit er mürbe werde.
Voc. Teut.-Lat.
bb iijr
(
Nürnb.
1482
):
Rostpfann oder schart odʼ schmeltzpfann. [...]. Röschung des fleisch.
Stammler, Berner Weltger.
705
(
ohalem.
,
1465
):
Min schoͤni hat mich verstossen, | Ich muͤs in der helle rossen!
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
nim die grüen weineste wenn man si absneidet und röscht si in ainem feur.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
44, 4
(
tir.
,
1464
):
Meine gepain di sint als ob si geröst sein in der pfhannen.
Pfeiffer, a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum 189, 19.
1
;
638, 13
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 234
;
Lehmann, Rezeptb.
241
.
2.
›jn. / etw. (mit dem Feuertod) peinigen, martern, quälen‹; speziell auch: ›jn. mit Brandschatzung schädigen‹; als Ütr. eng anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 4, (V.) 1, 2; 3; 4; 5, 1; 2; 5, 3; vgl. (V.), (V.).
Syntagmen:
jn. / etw. r., jn
. [wie] (z. B.
in heissem schmalz, in der helle / pein, mit manchem stos
)
r., sich in unmut r., js. herz in angst / herzeleid r
.; subst.:
das rösten
(Subj.) [wo]
gros sein
.
Wortbildungen:
röster
2 bildlich für die Teufel, die die Sünder in der Hölle quälen.

Belegblock:

Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
zwar diß Roͤsten / Sengen / vñ Brennen / ist ein zeitlang in vnserm lieben Vatterlandt so groß gewesen.
Gille u. a., M. Beheim
99, 279
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Etlich liess er [Trakel] verwunden | [...] | etlich rosten in haissem schmalcz.
Sachs (
Nürnb.
1545
):
fraw, seyt getröst! | Euch nicht in solchem unmut röst!
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Sie
[religiöse Gegner]
gehoͤren zuͦsamen in den rauch. | Da woͤllen wir sie roͤsten vnd bachen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
39, 100
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
unser veint tun uns chain laid, | Christ, der argen röster.
Klein, Oswald
51, 35
(
oobd.
,
1409
/
10
):
mein herz, das wirt geröscht | mit manchem seufften stoss.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Ayrer. Franciscus
305, 165
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3779
;
Vgl. ferner s. v. 5.
3.
›Erze, Metalle ausbrennen‹ (im Bergbau).
Gehäuft bergbau- und verhüttungsbezügliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
11, (V.) 2, (V.) 1; vgl. (V.), 11, (V.) 11.
Wortbildungen
(im Bw
rost-
und
röst-
, daher auch teils an
1
3 anschließbar):

rostecke
›Stück Rosterz‹,
roster
›Heizer, Bediener von Schmelzöfen‹ (als Berufsbezeichnung; dazu im Orientierungsfeld: 2, , ),
rostfeuer
,
rösthaus
,
rostherd
,
rostholz
hier wohl ›Feuerholz‹ (dazu bdv.: , ; ggs.: vgl. ),
rosthütte
(dazu bdv.: ),
rostplaz
,
rostschichter
wohl ›Heizer, Schmelzer‹,
roststat
(dazu Orientierungsfeld: ),
röststelle
,
rostwerk
.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
159, 20
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Dieselben thüren bey und neben den gewergkschaften ofen und schichten nicht schmelczen, auch neben ihrem rösten nicht rösten.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1505
):
[das er] mochte [...] verleyhen gruben stellen [...] czechen waschwergk [...] hutten [...] röstheusser allerley metallen.
Ebd. (
1509
):
Vom geschenk des meisters und rostschichters. [...] so soll ihm der hüttenherr [...] eine rostecke [...] zu schenken verpflicht seyn.
Ebd. (
1518
):
Es sollen [...] die obgenanten gewercken [...] uf unsern gebirgen [...] frey haben holcz zu fellen [...] und furen als kolholcz rust- und brenholcz.
Ebd. (
1528
):
Es sollen kein gewerck noch huttenherr dem andern sein arbeiter koler roster schmelzer [...] nicht abwenden noch ungewonlich lon bezalen.
Ebd. (
1528
):
[Mer geburt im] von einer weschstatt und roststatt 4 gr.
Die roster sollen [...] die rostwercke wol ausgebrandt klein klopfen.
dass sie vleissig [...] erforschen haben, wie solch erzt [...] von den bergen rostherden und hutten abgetragen wurd.
verordnen wir [...], dass unser gewercken [...] alles holz, was sie [...] zu [...] rost- und schmelzhutten [...] und ander notturft bedorfen, [...] hauen lassen.
Ebd. (
1532
):
Wann verurbartes ertz bei den rostplätzen zu dem andern hinzugetan wird, so darf hiervon kein muldengeld mehr gegeben werden.
Ebd. (
1537
):
darzu auch frei wege und stege, sowol die wasserflusse schmelzhütten und röststellen zu machen.
Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
von dem brant der metallen, von dem brande aus den salzwassern, kupferwassern, rostfeuer und von schlacken.
Ebd. (
1536
):
dergleichen seind auch ander mer brent, die sich von erz begebent, als vom rösten, schmölzen, abtreiben.
Veith, Bwb. .
Vgl. ferner s. v. 4, 4.