rame,
der
;
-n/-n
, teils + Uml.;
auch
ram,
die
;
–/-Ø
.
1.
›Baumstamm‹; auch: ›Stecken, Stange, Pfosten, Stütze‹; speziell: ›Stütze für Weinreben‹; offen zu 2.
Phraseme
(bzw. sprichwörtlich):
der apfel nach dem ramen schmekt
›der Apfel fällt nicht weit vom Stamm‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. 5, 1, 1,
1
1; 2, 1.
Wortbildungen:
ramriegel
›Längsbalken‹ (dazu bdv.:
1
1, ),
ramwirker
wohl ›Bäumeausreißer‹ (bildlich für die Körperstärke Goliaths).

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1594
):
Gehat 800 ramen.
Ebd. :
Es moissen ramen da sin, sol die zall der weinstock erhalten werden.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon (
rib.
,
1624
):
Was man sonsten aus hoppenstangen und ramen aus dem walt erzwingen und zu gelt machen kann.
Jahr, H. v. Mügeln
950
(
omd.
, Hs.
1463
):
[was] daruf [angen] gepflanzet mannik boum. | [...] | der ramen este kleiten sich | mit mancher hande loube da.
Ebd.
1291
:
kern, schale mit des ramen soum, | die dri die sachen einen boum.
Ebd.
1579
:
des vaters werk [...] | das kint verblent [...] | der apfel nach dem ramen smekt.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
So soll der stat paumeister sam teglichs gedencken, wo er rechtz kaufs hinter eichen pretter und eichen ramrigel und eichen rinholtzer und pretter [...] bekomen mocht.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
goliath getheum der ramwircker
[
Luther
1545, 2. Sam. 21, 19:
den Gethiter
]
des schafft des spers was als der garnbaum der webenden.
Qu. Brassó
5, 548, 41
(
siebenb.
,
1616
):
Kauft 900 dännen Röhm zu Denar 25, pro fl. 2
.
25.
Lexer a. a. O. ;
Hilliger, a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum
406, 12
;
2.
›Vorrichtung, Gestell, Konstruktion (meist aus Holz) unterschiedlicher Größe und Funktion‹; im Einzelnen: ›Gestell der Tuchmacher‹; ›Gerbgestell‹; ›Vorrichtung, Gestell zum Trocknen von Ziegeln‹; ›Schuhleisten des Schusters‹; ›Aufhängevorrichtung für Fleisch‹; ›Teil eines Apparats für perspektivisches Zeichnen‹; ›(Halte)gestell über dem Ofen‹; ›Foltergerät‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 1, , 1, 1.
Wortbildungen:
rambaum
wohl ›Stützbalken‹,
˹
ramgarten
,
ramhof
˺ ›Platz mit Gestellen zum Trocknen von Tuch‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1410
):
Ouch so en willent unse herren in geinger wijs geinge ramen of einich dink an die dacher gehangen hain.
Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
1489
):
As man die doicher up die rame brengt, so sullen sij die recken up ire breide ind maisse.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
93, 5
(
Frankf./M.
1568
):
Darnach firm ich sie [Fell] sauber rein / | Spann auff die Ram jeds Fell allein / | Schabs darnach / mach Permennt darauß
(mit Abbildung).
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
so zweiffelt mir keines weges / daß sie sich drüber entsetzen / vnd diesen Processen vnnd Inquisitoren ein Gebiß vnd remme anlegen wuͤrden.
Thiele, Luthers Sprichw. (
omd.
,
um 1535
):
Am ramen gespannen tuch vnd gedancken anschlegen gehet viel abe
(›schrumpft zusammen‹).
Mon. Boica, NF.
2, 1, 322, 29
(
nobd.
,
um 1428
):
Mer ein hawsz und ein ramgart: davon gibt im Cuncz Hauwg 1½ guldein ewigs gelts.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1515
):
Dar auf [tisch oder taefel] stel stet ein aufrechte ram zwerchs gegenn dem nadel oͤr hoch oder nider, [...], die ein thuͤrlein hab, das man auf vnnd zuͦ muͤg than
(mit Abb. auf S. 386).
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
alsuss wart únser herre an dem crúz zertennet: reht als da man ain bermit an aine ram spannet.
Boner, Urk. Brugg
109, 30
(
halem.
,
1446
):
einen walm an das huß vnd darzuͦ die ramen, daruff man die ziegel truͥknet.
Ramen der Schuster / daruff sie denn Leuten die Fuͤsse meßen.
Staub, Qu. Wien (
moobd.
,
1405
):
Afferl der jud, Jeͣkkeins sun des Walchen des juden, hat geben nucz und gewer von Chunrats seligen des Probstleins des tuchbraitter haws und ramhof.
Piirainen, Igl. Bergr.
30b, 2
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
Er mueß schwären vff dem Rampawme, das Es d(er)selb gannckh sey, vß derselb(en) gruebm, die Er emphang(en) habe.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1521
):
pro labore ramen ad fornacem stubae anachoritae nemoris Czeÿdinensis ac aliis attinentiis ibidem asp. 25.
Ermisch, UB Chemnitz ;
Qu. Brassó
5, 376, 25
;
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijv
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 237
.
3.
›Einfassung, Holzrahmen (z. B. eines Fensters, einer Tür, eines Bildes, eines Spiegels, einer Uhr u. Ä.)‹; speziell: ›kleine Einfassung zum Einspannen von Stoff, der genäht oder bestickt werden soll; Nährahmen, Stickrahmen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,
3
1; vgl. 3, 2, , .
Wortbildungen:
˹
ramat
,
ramtafel
˺ ›verzierte Umrandung eines Tafelbildes u. Ä.‹,
ramfenster
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1400
):
desgelichs zo sent Gerione die vinster boven der kirchedoren mit der ramen zomaile usgevallen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1568
):
das gemalde crucifixdoich uff das tritzsoir hat gekost 20 alb. und die ramen 9 alb.
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Ramtaffel. ramat. gemalte bandtaffel. odʼ orgellade. pinax.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
[Die userwelte mægte schar] wurkend edel werk da bi | Mit der naͮdel und inder ram.
Ramen / darauff die Weiber jhr Gestrick / vnd was sie außnaͤen woͤllen spannen [...]. Rame [...] Das Holtz darinnen das Fensterglaß stecket.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
625
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 quadretto [...] in einer ram und fürschieber von cassiaholtz.
Ebd.
630
:
1 quadretto zimblicher größ [...] in ebener ram und leisten.
Ebd.
1301
:
Ein schön groß quader cristallininer spiegel in ein ebin gefierte ram mit seinem fürschieber ohne andere zierd gefasst.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1550
):
den steffen Schloszer, als er dÿ Romefenster hatt angehangen, fl. 1 asp. 40.
Lippert, UB Lübben
2, 288b, 21
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Bauer u. a., a. a. O.
624
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 236
.
Vgl. ferner s. v.
2
.
4.
›Gestaltungsrahmen, Vorform‹; als Ütr. anschließbar an 3.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz Got die ersten geiste | Vrowen Even und Adames | Geschuf eines glichen rames | In die zwein ersten libe | Dem man und deme wibe, | Nach diser zweier ersten orden | Sint alle geiste worden | Und alle libe geschaft.