überhören,
V.
– Gehäuft obd.
1.
›etw. überhören, unbeachtet lassen, ignorieren‹; mit Tendenz zu ›ungehorsam sein‹; vgl. (Präp.) 2; 3 (ütr.).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 4, ; vgl. 5, 7, 2; 3.
Wortbildungen:
überhörig
›ungehorsam, das Gehör verweigernd‹ (dazu ggs.: , Adj.).

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat.
hh vjv
(
Nürnb.
1482
):
Vberhoren vnderhoren. subaudire. od’ wenig bey versteen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
130, 8
(
Nürnb.
1548
):
Solchs [weib
als
schwache creatur] sol ein man̄ merckē / nit dagegē raw sein / bißweilen vbersehen vn̄ vberhoͤrē / mit ein gutē wort helffen vnnd schonen.
Enders, Eberlin ([
Basel
1521
]):
wie thorecht die sind, so sy on gefaͤr den anfang versumen, [...], letzgen vberhoͤren oder versaumen, oder von lybs natürlich waͤrck haͤrauß muͤssen louffen.
UB Zug
701, 20, 9
(
halem.
,
1427
):
Waͤre ouch, das eines aptes amman úberhoͤrig wurde umb gelt, so sol [...].
Schmitt, Ordo rerum
472, 10
(
oobd.
,
3. V. 15. Jh.
):
Absurdus [...] ouelhorich [...] vberhorig.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der babst erfordert die korherren auf ir stifft Salltzburg, das die korheren zu den zeitten villeicht aus ursach uberhortten.
Reichmann, a. a. O.
146, 10
.
2.
›jn. (einen eines Vergehens Verdächtigen) verhören; js. Eignung (für eine Aufgabe) prüfen; jn. abfragen, den Lernerfolg überprüfen‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
; vgl. 2; 3, 1, 1, 3, .
Syntagmen:
j. jn
. (z. B.
einen bruder
)
ü
. (z. B.
ernstlich
).
Wortbildungen:
überhörerstul
›Amtsstuhl des Verhörenden‹ (dazu bdv.: , , ),
überhörung
.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1396
):
dat man in ouch mit anderen unsen gevangenen ernstlichen overhoeren wille, dat he rede ind antwerde geve up dese vurs. punte.
Alberus (
Frankf.
1540
):
Exige à pueris lectionem, überhoͤr die knaben / examinier sie.
Voc. Teut.-Lat.
hh vjv
(
Nürnb.
1482
):
Vberhorũg vnderhorũg od’ verhorung. subaudicio.
Ebd.
hh vjv
, 22:
Vberhoren od’ verhoren. obaudire.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3412
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Wie sye es glimpfflichen anfingen / | Vnd er den bruͦder überhort / | Das man der sachen kaͤm an ort.
Bremer, Voc. opt.
6015
(
schwäb.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sinedra [...] vberhorerstuͦll [...] sachenhoͤrstuͦl [...] sachverhorerstuel [...] est sedes, que debetur causarum et testium auditori.
Wolf, Norm im sp. Ma.
55, 63
(
schwäb.
,
15.
/
16. Jh.
):
kainer der brüder sol prediegen dem uolke [...], es sein dan das er uon dem gemainen minister diser brüderschafft sei überhort und bewert.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
dieweil er [richter] zu gericht sitzt [...], soll er penennen und setzen drei, vier ode fünf [...] zu uberhorren.