überhüpfen,
V.
1.
›durch Überbelastung aus der Halterung springen‹ (von Mühlsteinen gesagt); am ehesten hier als kühne Ütr. anschließbar: ›fremdgehen‹; vgl. (Präp.) 2.Belegblock:
2.
›etw. aus unterschiedlichen Gründen (z. B. der Stimmigkeit halber, weil es unwichtig, nebensächlich, unangenehm, dem jeweiligen Interesse nicht dienlich ist) übergehen, auslassen, überspringen, unbeachtet, beiseite-, unerwähnt lassen‹; auch: um es der Aufmerksamkeit zu entziehen; vgl. (Präp.) 3 (ütr.).Gehäuft wobd. / oobd.
Syntagmen
(mit Subj. d. P. und Obj. d. S.): einen feiertag, eine anklage / bosheit / historie / leichtfertigkeit / meinung, ein capitel
(z. B. der kürze willen
) ü., etw. im lesen ü
.Wortbildungen:
überhupfeln
überhupfenlich
überhüpfung
Belegblock:
Dis stuͤck uberhuͤpfft meyn Carlstad allzeyt gar feyn, und was Mose gepeut, deuttet er auff den unoͤrdenlichen pobel.
Und ist diß also ein rechte, ware, Gott gfellige histori, [...], die keinswegs lenger zuͦ überhupfen als ein exemplar aller frommkeit.
Was aber funden wirt stan zwüschend zwey solchen maͤnlin () / das sol mit stillerer stimm gelaͤsen werden [...] uberhupfendlich / glych alls stuͤnd es nit.
Ebd.
66, 26
: [Hand] allso die schrift halbiert / mit überhupfung / des gegentheils / und erlütrung des selbigen.
Wer aber es weszt, der mag umb der kürtz willen das nachgeend Capitel wol überhupfen.
darumben die feiertag desselben jars (als der gemain man spricht) überhupfeln ainen tag.
Luther, WA ;
3.
›jn. verschonen‹ (z. B. von einem Unglück); ›jn. übergehen, überspringen, an jm. vorbeigehen‹; eng an 2 anschließbar, im Unterschied dazu aber mit (meist) Subj. d. S. sowie mit Obj. d. P.; vgl. (Präp.) 2; 3 (ütr.).Phraseme:
an jm. nicht überhüpfen
›jm. hart, kritisch zusetzen‹ (dazu bdv.: jm. den geiern berupfen
).Gegensätze:
.Syntagmen:
j. jn. ü., das ewige gut keinen, das unglük die reichen ü
.; die gnade keinem
(Dat.obj.) ü
.; j. an jm. ü
.Belegblock:
Wie er nu an ihm selbst verzaget, erstorben war, welches alles die vorlauffende gnade wirckete, die da allen Sündern zuuorkommet, vnd keinem vberhüpffet.
GOtt haͤlts mit den Reichen / alles Vngluͤck vberhuͤpfft sie / brennets / so sitzen sie in vesten Mawern.
dann das ewige Gut kommet allen zuvor / mit seinen natuͤrlichen / vnd vbernatuͤrlichen Gaben / vnnd vberhuͤpffet keinen nicht / gibet allen gleich.
iedoch ziehen sie
[die
churhern]
in inrem weelen gemaingclich die wider herfür, so vor im rath gewesen sein, wiewol sie ie zu zeiten ein jungen (ratsherren) uberhupfen. Sie hand an mir nüt überhupft | Und mir den gyren gnaw berupft.