stunde,
die
;
-Ø/-n
.
1.
›Stunde als Zeitabschnitt, Vierundzwanzigstel eines Tages‹, vereinzelt mit Tendenz zu: ›Zeitpunkt‹; die Stunde dient sowohl der genauen mathematisch-metrischen wie (eher noch) der lebenspraktischen Gliederung des gesamten biologisch und sozial bedingten Rhythmus der Arbeit und des Lebens im Haushalt, in Gewerben, Rechtsverfahren, der religiösen Betätigung, auch der Relativierung des Alltäglichen im Vergleich mit didaktisch und religiös motivierten Projektionen von Zeiteinheiten, die jenseits der Überschaubarkeit sowie der Einflussmöglichkeit des Menschen liegen; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 2, ›hora‹, 4, (
der/das
), , .
Syntagmen:
die / eine s. ausrufen / verlieren / wiederbringen, die stunden nach den geschäften austeilen, ein tag
[s.
tag
1; 2]
16 stunden haben
; als Akk. der Zeiterstreckung:
etw. eine s. wären, j. eine s. läuten / leiden / wachen, nicht geleben, jn. x stunden suchen, eine s. stehen
(z. B.
vor dem spiegel
),
j. sich eine s. von gotte gescheiden, eine s
. [wohin]
ziehen, im gebet verharren, ein schweigen tun, x stunden baden, etw. x stunden einsieden, auf eine arzenei legen, eine frage eine s. continuieren
(bei Hexenprozessen);
eine s
. (Subj.)
schwerer sein dan 100 jare, 1000 jare jm. als ewiglich als eine s. sein
;
etw
. (Subj.)
bei einer s. wären, in einer s. fertig sein, sich in einer s
. [wo]
finden, die sonne vor einer s. untergegangen sein, (etw.) von einer s. zur anderen berechnen
;
eine s. weges, x stunden nach dem essen, vor dem nachtmal
;
eine ganze / halbe s., die sechste s
.;
ein teil der s
.
Wortbildungen:
stundur
(dazu bdv.: ; vgl. ),
stundzeigung
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
) :
Die stunde zut sich zu den tagen, | Wen wir in zwelf stunden sagen, | Die tage zu den wochen.
v. Ingen, Zesen. Ros.
77, 33
(
Hamb.
1646
):
laß dich nuhr in einer halben stunde wiederuͤm alhier fuͤnden.
Wenn die Sonn einen morgen nicht auffgienge oder drey stunde zuͦ langksam, was würd da für ein jamer und not werden?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
548, 1314
(
Magdeb.
1608
):
Jch [Han] ruff die stund aus / vnd die Wind
(hier wohl: ›Anfang des Zeitverlaufes einer Stunde‹).
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ich spriche, daz ein volkomen mensche als ungerne wölte sich von gote scheiden eine stunde als tûsent jâr. Doch, wære ez gotes wille und gotes êre, daz er gotes enbære, sô wære im als lîht tûsent jâr oder joch êwiclîche als ein tac, ein stunde.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
701
(
mrhein.
,
um 1335
):
Mohtent ir nit wachen eine stunt | bit mir?
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
110, 5
(
Frankf.
1535
):
wann du seyffen sieden wilt / so seihe das lauter oben ab in einn kessel [...] / darunder thuͦ v. pfundt vnschlit / vnnd laß diß sieden xij. stund oder mer.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
daß etliche Richter darvor halten / daß sie bey diesem erschroͤcklichen Laster / wohl befugt seyen / die peinliche Frage eine gantze stunde / ja wohl fimff viertel stunde lang zu continuiren.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
der Tag / eine waͤhrung der Zeit / von 24 stunden.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
28b, 22
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
zv dem andern mal flevzzet dirr brvnne vber vns [...] zv allen zeiten wann wir ain stvnd niht geleben mohten.
Weitz, Albich v. Prag
171, 13
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
trinckt auch nicht yncz noch czwen stunden vnd noch dem abentessen vmb eyn stund vnd alle czeit noch dem essen.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
das du ein stũd odʼ zwo etwz võ füchtẽ dingen dar vf legest dz du lichtiglichen din bãd magst widʼ ab getuͦn.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 51, 18
(
Hagenau
1534
):
Was hundert jar unrecht ist gewesen / das ward nie kein stunde
[›keinen Augenblick‹]
recht.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Horologium, ein auhr / odʼ stund zeygung.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
der mag innerhalb zehen tagen den nechstẽ darnach / von einer stund zuͦ der andern zerechnen / inschrifft appellieren.
Maaler (
Zürich
1561
):
Stund (die) Hora, [...]. Die Stunden seiner geschaͤfften ordenlich außteilen. [...]. Eine Stund lang warten. [...]. Mer dann ein Stund.
Stunduhr / f. stundglas.
Sappler, H. Kaufringer
17, 256
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wer ain stund mit seiner sag | durch gotz willen ain sweigen tätt | und doch gern geredet hett, | der [...].
Rot
328
(
Augsb.
1571
):
der vntern / Jausn / Jst ein speysung [...] ein stund oder zwo vor dem nachtmal.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 108
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Maria sach in hangen blos | wol umb die sechsten stund.
Patocka, Salzwesen.
1987, 304
(
oobd.
,
1595
):
Mit dem Campaß, den stunden nach, / treffen sie gwiß, ainen durchschlag.
Niewöhner, Teichner
564, 1846
(Hs. ˹
moobd.
,
n. 1400
˺):
daz wir haizzen ein ymmer und ymmer, | daz ist nur ein or vor sein. | da ist czeit noch stuͤndelein. | da ist auch nicht fruͤ und spat
(in der Voraussicht Gottes).
Bauer, Imitatio Haller
100, 28
(
tir.
,
1466
):
In der pein der hellen da ist ain stund vil grosser vnd swerer denn hundert jar czue leiden die grösten pein der welt.
Mollay, Ofner Stadtr.
187, 5
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
So ist seyn
[des
Mesners
]
lon von eynem ganczen geleut, das sol weren eÿne stuͤndt.
v. Ingen, a. a. O.
95, 21
;
Rosenthal. Bedencken
34, 15
;
Keil, Peter v. Ulm
51
;
Gille u. a., M. Beheim
22, 40
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
394, 14
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
852
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern ;
Rauwolf. Raiß
20, 20
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
55, 2
;
Schmitt, Ordo rerum
17, 18
.
Vgl. ferner s. v. 1, 3, 16, 6, 1, 14, 9, 4.
2.
›Zeitpunkt, als kürzest möglich angesehene Zeiteinheit‹ (generell); speziell: ›Zeitpunkt des Todes, Todesstunde‹; extensional bezieht sich
stunde
2 oft auf Grenzerfahrungen des geschichtlichen Menschen, neben dem eigenen Tod sind dies die Schuld, die Ohnmächtigkeit gegenüber Ordnungsverfahren, der Verlust von Angehörigen; eng anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
2, , ; vgl. (
das
) 1; 2, 4.
Syntagmen:
die / eine stunde benennen / setzen / weisen / verfluchen, die glocke die s. anzeigen / schlagen
;
j. die böse s. den tod heissen
(doppelter Akk.);
die s
. (Subj.)
hergehen / (jm.) kommen
(mehrfach),
nahe liegen, j. eine s. die tugend haben, das [...], es ist eine üble s., das [...]
; mit Akk. der Zeiterstreckung jeweils im Sinne von ›(k)einen Augenblick, kurze Zeit‹:
˹j. eine s. in der ordnung stehen, j. keine s. vom vieh gewesen sein
jn. einer s. warten
(ohne Subj.);
an einer s. geboren werden, das ewige kleid anlegen, auf eine s. etw. verkünden, zu jm. kommen, die liebe für kein stündlein gespart sein sollen, j. in einer
[bestimmten]
s. geboren werden, in
[bestimmten]
stunden eine labung nemen, j. in einer s. aussagen / bekennen sollen, der sünder in einer
[bestimmten]
s. erseufzen, j. über eine
[bestimmte]
s. schreien, unz an eine
[bestimmte]
s. nach etw. beholfen sein
;
die s. Jupiters, die / eine s. des tages / abscheides / gottesdienstes / todes
(mehrfach),
des eingangs der sonne
;
die böse / doppelte / elende / gegenwärtige / gewisse / leidige / liebe / üble s
.
Wortbildungen:
stund
(Adv.) ›sofort, unverzüglich‹,
stundenbrief
wohl ›eiliger Brief‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 524, 36
(
preuß.
,
1442
):
euwir gnade schreibe unserm hern marschalk von staden eynen stunde brieff.
Luther, WA (
1532
):
wenn mans dahin wil sparen, bis das stundlin hergehet und der tod und Teuffel zu uns daher ein stuͤrmet mit seinen platzregen und sturmwinden, so ist es zu lang geharret.
Ebd. (
1530
):
Wenn aber das stuͤndlin komen wird, sollen sie [...] erfaren, Das sie jnen viel zu schwer, ja schwerer denn Himel vnd Erden sein wird.
Ders. Hl. Schrifft.
Apg. 1, 7
(
Wittenb.
1545
):
Es gebürt euch nicht zu wissen zeit oder stunde
[
Mentel
1466:
bewegung
; Var. 1475
2
–1518:
augenblick
;
Eck
1537:
weile
],
welche der Vater seiner macht furbehalten hat.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
vater, diu stunde ist komen; verklâre dînen sun, daz dîn sun dich verklâre.
Rueff, Rhein. Ostersp.
2195
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
wanne adder zu welcher stont | der sunder inneclich ersuffczt umb sin missetait, | [...] | so wil ich siner sunde nommerme gedencken.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Alse die stunde kummet des godes dinestes und man daz ceichen gehort, so laszen die sustere allez daz sie under handen hant.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Ich was sich und bin gensunt, | Wol mich, liebe mutter, der seligen stund!
Perez, Dietzin
1, 410, 30
(
Frankf.
1626
):
befahl sie ihme in der nechstfolgenden Nacht [...] auff eine gewisse stund / [...] zu ihr zu kommen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
5, 12
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
von herzen grunde sei immermer geschriren über das jar, über den verworfen tag und die leidigen stunde, darinnen mein herter, steter diemant ist zerbrochen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
134, 17
(
thür.
,
1474
):
nachdeme dy geczugen, [...], dy stunde, stat, wanne unde wo unde eyn iglicher in besunderheyt ußsagen unde bekennen sal.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
,
1499
/
1500
):
Dy sthunde, wen man anlassen sal, sthett nicht yn der ordenung.
Skála, Egerer Urgichtenb.
57, 5
(
nwböhm.
,
1569
):
sagt er sej derselben Zeit do die Rinder [...] gestolen worden Anheims vnd khein STundt vom viech gewesen.
Henschel u. a., Heidin
409
(
nobd.
,
um 1300
):
Wol mich wart der liben stvnt | Daz mir die bvrk ist worden kvnt.
Langen, Myst. Leben
209, 17
(
nobd.
,
1463
):
seint der pose gaist auff der / stunde des todes den menschen / gern berurot.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
Allen getrewen cristen kumpt dye stundt, das yr horen werdet einen antragk und verkundung der rechtenn ordenung.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so sol fúr dis gegenwúrtiges stúndli eins einigen ogenblikes
[gen. explicativus]
lang dis liep nit gesparet werden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 351, 4
(
Hagenau
1534
):
Es ist umb eyn boͤse stund zu thun. Eyn boͤße stunde heyßt man den todt, der alle ding frißt.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
205v, 9
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
zuͦ der selben / stund, da du das har vss geroffest: dar an saͤge / das puluer.
Lemmer, Brant. Narrensch.
25, 9
(
Basel
1494
):
dar durch gott der herr | Jr warttet / byß das stundlin kunt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
da wardt des frydt abgekundt [...] und derselb unfrid werdt tain stundt.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2177
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein gevierte stotzuhr, [...], hatt allein oben ein scheiben mit einem zaiger und weisst die doppelte stunden.
Mollay, H. Kottanerin
19, 39
(
moobd.
,
1439
/
40
):
in derselben stuͤnd, als die heiligen kron von der Plintenburg kam zu Gamaren, in derselbigen stuͤnd do ward kung Lasla geborn.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
50, 6
(
mslow. inseldt.
,
1525
):
śo śoll ehegenanter Hans Treütler, dieśelbe śtund abtretten.
Sievers, a. a. O. ; ;
Karnein, Salm. u. Morolf
2, 4
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
139, 11
;
24
;
Michels, Murner. Badenf.
2, 40
;
Sudhoff, Paracelsus ;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 215, 20
;
Wyss, Luz. Ostersp.
7276
;
8908
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1635
.
Vgl. ferner s. v. 1, 9, 7.
3.
›Zeit; linear gedachter, in der Regel nicht bemessener Verlauf des göttlich begründeten, natürlichen, vom Menschen nicht beeinflussbaren bzw. als nicht beeinflussbar aufgefassten Seins und Geschehens als Rahmen, innerhalb dessen sich menschliches Tun und Lassen entfaltet‹.
Bedeutungsverwandte:
, 6; 7, , .
Syntagmen:
eine s. zu js. mut halten, jm. s. geben
›jm. Zeit gewähren‹,
got die s. (der gesundheit) verhängen
;
die s
. (Subj.)
kommen, stunden übrig sein
(für menschliche Zwecke),
die s. die dienerin der sonne sein
;
über eine s. den brief wieder nemen, jm. zu einer s. etw. schuldig sein, etw
. (z. B.
die rechte
)
zu einer s
. [wie]
getan sein
;
die s. der gesundheit
;
die fortrückende / gegenwärtige / gesunde / kurze / lange / schnelle / ungewisse / wandelbare s
.;
der aberglaube / lauf der stunden
.
Wortbildungen:
stunden
1 ›beharrlich bei etw. bleiben, mit etw. (z. B. mit dem
sünden
) fortfahren‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Des gab ich ir stunde | Da zu daz sie beruwe sich.
So kumt die lange stunde | Der toten in dem grunde | Der hellen.
Swen aber der geist entzundet | Daz vleisch, so daz iz sundet | Wider des hogen geistes art | Der von Gote genomen wart, | Und her dar an wil stunden, | Der stirbet in den sunden.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Tempus. Zeit weyl stund frist zil muͦß.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
107, 2025
(
Magdeb.
1608
):
die stunden so vbrig sind / | Ehe des tages liecht gar verschwind.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
11, 19
(
Frankf./M.
1563
):
Die andern aber welche umbgehn mit mancherley Aberglauben der wort / kreuter / stunden / weissagungen / zeychen / und was solches teuffelspils mehr ist / die halten sie keyns wegs fuͤr Zauberer.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
804
(
Nürnb.
1613
):
wuͤnsch dir auch von hertzen grund / | Gluͤck / Heyl und viel gesunder Stund
(das Attribut hier Bedeutungsträger).
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Stund. Die Pfeilfluͤchtige / schnelle / fortruckende / wandelbare / kurtze / ungewiesse / gegenwaͤrtige [...] Stũd / Zeit und Ziel. / Wie eine Flut der andren Flut nachrennet so laufft die Zeit mit Freud und Leid vermenget.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 152
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dise drv́ punt loͮffent zesamene also, das daz eine nút stan enmag sunder das andere einige lange stvnde von der zit.
Thiele, Minner. II,
13, 207
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
hie vor die hann auch kratten | unnd brufften auch der stunden loff unnd zil.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 543, 7
(
Hagenau
1534
):
Nun waren zuͦ der stundt | Die recht also gethan.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do hielt ich ein lange stund | Jn irrem muet auf tzweivel wan.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swer dem richter zwair puͦzz schuldick ist ze ainer stunt umb zwayerlay tat, so [...].
Vgl. ferner s. v. 1.
4.
›Weile, kurze Verlaufseinheit der Zeit‹; zur Betonung der Kürze der Zeit mehrfach mit
klein
und
kurz
attribuiert.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
j. s. um etw. haben, nicht mer als eine s. der zeit haben, die arbeit jm. nicht mer als eine s. abnemen
;
˹j. nicht eine (kurze) s. wo gewesen sein, mit jm. (ge)wachen, den hirz eine (kleine) s. erkülen lassen
˺ (Akk. der Zeiterstreckung: ›eine Weile, kurze Zeit‹; adverbial);
eine s
. (Subj.)
auskommen, kurz sein
;
j. nach einer s. herkommen, blei über eine s. dunkel sein
;
eine kleine / kurze s
. (jeweils häufig).
Wortbildungen:
stunden
2 ›(Schulden) stunden, Aufschub für ihre Begleichung geben‹.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz alle des vleisches arbeit | [...] | Mir mac vil kume genemen abe | Ein vil cleinez stundelin | In der ich dort solde sin | Gepinet in dem hellewiz.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Sage Peter, moget er | Gewachen nit mit mer | Ein kurcze stunde in miner noit?
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
Aber die stvnde diz zuges was gar zuͦ mole kurtz. Vnd do dise stvnde vskam, vnd aber zu mir selber gelosen wart, do [...].
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Weder stunde noch fride | Söltt ir dar umbe han.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1613
):
Verbott, den dritten theil der pfandung uff die schulden zeschlachen, deren man einanderen wyter gstündet.
Plant u. a., Main. Naturl.
295ra, 4
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
dc wir der zit niht me hant denne ein vil cleines stundel dc dv ez kvme maht volle cleine merken.
Wyss, Luz. Ostersp.
7264
(
Luzern
1545
):
SALUATOR Simon, schlaffst in disem sachen? | Magst du nit ein stund mit mir wachen?
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ze seinen [Senecas] zeiten der donr ain vaz voller weins zeslüeg, alsô daz der wein ain kurzez stündel stüend pei ainander âne vaz, sam er in dem vaz gestanden was.
Weber, Füetrer. Poyt.
119, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
nach clainer stunnde | kumpt her dy mynikleich | mit rubin rotem munnde.
Bauer, Imitatio Haller
65, 18
(
tir.
,
1466
):
Nu ist vnser herr Jesus Kchristus nicht ain stund gewesen an das kchreücz des leidens vnd truebsales, wand „Kchristus der müest leiden vnd auf ersten von dem tod“.
Vetter, Pred. Taulers ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
148, 9
;
Pfeiffer, a. a. O. .
5.
von ‚Zeit‘ her (s. Ansatz 3) metaphorisierte ›Gelegenheit, Anlass, etw. zu tun oder zu unterlassen‹.
Bedeutungsverwandte:
3, , ; vgl. 2.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
161, 528
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
herr, was sol mich ermuten und | mich auf enthalten, wan mich stund | und czeit verlanget harte.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
ich wil dich bitten daz du es durch got tuͦst vnd mir stvnde vnd zites genvg gebest vnd mich hoͤren wellest.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das raͤcht Stündle vnd gelaͤgenheit der zyt.
Jn einer besseren Stund oder zeyt. Auspicio meliore.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
er [aff] spilt auch gern mit den kinden, und wenne im die stund werden mag, sô würget er si.
6.
›Uhr als Messwerkzeug für den Zeitablauf des Tages, damit des gesamten, im Sinne von Ansatz 1 zu verstehenden sozialen Lebens‹; speziell: ›Sanduhr; Wasseruhr, Stundenglas‹ (ohne dass aus den Belegen heraus eine Unterscheidungsmöglichkeit bestünde); ütr.: ›als Uhrwerk gedachte Macht des Todes über das Lebensende des Menschen‹; auch: ›ein Vierundzwanzigstel des Kreises, in den der Grubenkompass eingeteilt ist‹.
Phraseme:
die reisende stunde
wohl ›Sanduhr‹ (Adj. zu mhd.
rîsen
›fallen‹; );
das stündlein auslaufen
(für das Kommen der Todesstunde).
Wortbildungen:
stündlich
4 ›die Messmarkierung des Längengrades angebend‹.

Belegblock:

v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
daß das end vnd Periodus deß glücks dieses Bößwichts sich terminieret, vnd das stündlein außgelauffen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
83, 13
(
omd.
,
um 1559
):
das auch stundt, zeit und gebirge deutlich darinnen vormeldet und namhaftig gemacht werden.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
von diesem
[dem
Äqvator
]
setzt man Stuͤndlich durch den meridian, als Horizont 15. gr. zustreichen.
Kottinger, Ruffs Adam (
Zürich
1550
):
wie bald ich eiʼm glych, morn ald hüt, | die stund mit miner [tod] hand erschütt; | wie bald ich eiʼm winck oder düten, | ald puncten stell zuo den minuten.
gott werdend ir nit überbochen; | der hat das stündle grottlet schon.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 18, 26
(
schwäb.
,
1574
):
Es soll auch der amptman einem jeden richter bei funf schilling und uff den aid zue greicht uff ein stund bieter und ein reisende stund aufsetzen.
Qu. Brassó
5, 421, 20
(
siebenb.
,
1608
):
die Stunden sein auch verneuet, und der Turn weiss gemacht.
Ebd.
457, 40
(
1613
):
Indem schlägt die Stund, so blosen die auf der Wacht die Hörner, so laufen sie [Hayduken] aus Forcht all darvon.
7.
stunde
erscheint in einer hohen Anzahl von Belegen in Reimen, z. B.
grund : stunde, kund : stunde, funden : stunden
; der semantische Wert von
stunde
rückt dabei unterschiedlich stark in den Hintergrund und ist teilweise kaum erkennbar.

Belegblock:

Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
56
(
mrhein.
,
um 1335
):
daz er vns wolle machen kunt, | wer er si, zuͦ dirre stunt.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Da biß herumb die Schlang von stunden | Jn seinen Fuß ein toͤdtlich wunden.
Adrian, Saelden Hort
652
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
du hast genad funden | bi Got an dirre stunden.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
ich reit hin nyder in den gruͦnt, | einen sperwer an der stuͦnt | [...].
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
Schützeichel, a. a. O.
715
;
Kottinger, Ruffs Etter Heini ;
Sappler, H. Kaufringer
14, 307
.
Vgl. ferner s. v. 1.
8.
stunde
als dicht belegter Teil phrasematisierter präpositionaler Fügungen (mit
an, auf, bei, für, in, unter, von, zu
); der im Einzelnen unsichere, aber dennoch mögliche Bezug der folgenden Ausdrücke auf einen der Bedeutungsansätze 1 bis 6 wird in eckigen Klammern angegeben; mehrere Zahlen signalisieren mehrere Möglichkeiten.
Phraseme:
1)
an der stund(e)
1 ›sofort, sogleich‹; zeitpunktuell auf den Moment bezogen [2]; 2 ›in Kürze‹; auf die unmittelbar bevorstehende Zukunft bezogen [3; 4]. – 2)
auf (der) stund(e)
›sofort, sogleich‹ [2]. – 3)
bei (der) stunde(n)
›sofort, sogleich‹ [2]. – 4)
für die stunde
›weiterhin, forthin, fernerhin‹ [3; 4; 5]. – 5)
in einer stunde
›in Kürze, bald‹ [3; 4]. – 6)
unter stunden
›zuweilen, immer wieder‹ [2; 4]. – 7)
von stund / stunden (an)
›sofort, sogleich, unverzüglich‹; mit leichter Nuancierung in Richtung auf ›daraufhin, unmittelbar an Vorangehendes anschließend‹ (mit perfektivem Verb) [2; 3; 4]. – 8)
zu stund, zu stunden
›sofort, sogleich, unverzüglich; unmittelbar nach Vorangegangenem‹ [2; 3; 4]. – 9)
von stund zu stund(en)
›nach und nach, je länger je mehr, fortwährend‹ [2; 3; 4].

Belegblock:

Zu 1)
an der stunde
:

Karnein, Salm. u. Morolf
127, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
sie [Kunigin] begegent mir hut an der stunt.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
an der stund wardt der chönig ein schwein.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
er schuͦf auch an der stund, | das wıͤrs taͤten den laͤuten chund
. – Zu 2)
auf der stunde
:
Bernoulli
, Basler Chron. 5, 266, 20 (alem., 1445):
alsbald ich es vernam, gieng ich uff stund [...] uff Hans Seylers laden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1444
/
5
):
wölichem rat auff der stund gefolget [...] und die gantze gemaind dohin zu komen beruffet ward.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
131, 23
;
Gille u. a., M. Beheim
71, 141
.
Zu 3)
bei der stunde
:
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 59, 20
(
preuß.
,
1448
):
Eyn itczlicher behalde hyvon eyne abeschrift und furder dessen briff vordan bey der stunde.
Ebd.
64, 36
:
Was wir vorder dorvon dirfaren, das wellen wir ouch eweren genoden bey der stunden schreiben.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1713
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Dir wirt vergolten nun villicht | Din bosshait ÿetz bÿ stunden
. – Zu 4)
für die stunde
:
Wackernell
, Adt. Passionssp. St. I, 1057 (tir., v. 1496):
man sol Moyses gepot | Für die stunt nicht halten mee
. – Zu 5)
in der stunde
:
Lemmer
, Brant. Narrensch. 29, 3 (Basel 1494):
[eyn narr] weiß nit das jn eyner stund | Syn sel fert dieff jn hellen grund.
Bachmann, Haimonsk. .
Zu 6)
unter stunden
:
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
vntter stunden so hab ich nach gevolgt der austulmetzsung des maisters aquile
. – Zu 7)
von (der) stunde (an)
: Schöpper (
Dortm.
1550
):
Statim. Alßbald anstundt [...] zu handt von stund an vnuerzogenlich [...] stehends fusses on auffschub [...] auff dem fuͦß.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
wanne ein mensch gestorbe, daz fure von stunt in daz hemelrich oder in di helle.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
112, 11
(
thür.
,
1474
):
Daz farnde gud ist abir von stunt des mannes worden.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
2. H. 15. Jh.
):
usgenomen zimmer holtz, das iemand von stund verpawen will.
Brandstetter, Wigoleis
206, 33
(
Augsb.
1493
):
so balde er [wurme] dahin kam ward er von stundan in menschliches bilde verkeret.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
hat der boßhafftige Feind von Stund an vnverzogenlich / [...] angefangen zu wuͤten / vnd ist [...] ihr ausgefahren.
Meisen u. a., J. Eck
55, 16
(
Ingolst.
1527
):
Die gehawen bild in die stein bedeutent die leeren, die im ersten anblick von stund an ir torheit erzeigent.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und schlueg Vnnser Lieben Frawn pild [...] ein wundten; von stund an floss frisch pluet aus der wunden.
Das [geschloss] wardt von stund an ausgeprennt.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe ;
Wyss, a. a. O. ; ; ;
Welti, Pilgerf. v. Walth.
21, 23
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 32
;
Rupprich, Dürer
43, 17
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Dierauer, Chron. Zürich
141, 34
;
Vgl. ferner s. v. 2, 4, 6, 9, .
Zu 8)
zu stund
:
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
166, 21
(
rhfrk.
,
um 1435
):
da was er [konnig] sere zornig / vnd hieß zü stunt einen galgen machen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1390
):
dieselben wern und sein zu stunde in unser und dez reiches swere ungnade kumen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Menig wang und rotter mund | Von senden schmertzen da ze stund | Müste flïssen garwe | Sin minekliche farwe.
Edlib. Chron. (
ohalem.
,
um 1500
):
dz die vorgeschribnen botten zu stund und an verziechen uns obgeschribnen partyen tag zu dem rechten setzen sullend.
Dreckmann, H. Mair. Troja
18, 12
(
oschwäb.
,
1393
):
ochsen, die us irem mund lauzzend die fiurin flammen, wann waz man angegen biut, daz ist ze stund verprannt.
Chron. Augsb. (
Augsb.
zu
1439
):
zuͦ stund nach der hochzeit anno 1439 jar da nam der jung herr Schrobenhausen, [...] die statt ein.
Munz, Füetrer. Persibein
87, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Ain mynne kus versigelt | dy amorschafft zue stund.
Moscouia
C 2v, 32
(
Wien
1557
):
Dasselb hauß ist zu stund an nidergerissen / vnd ain Kirchen an dieselb stat gesetzt.
Wyss, Limb. Chron. U ;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
382
;
Bachmann, Morgant ;
Mollay, Ofner Stadtr.
32, 3
.
Vgl. ferner s. v. 7.

Zu 9):
von stund zu stund
:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
trift si [nader] den menschen an dem fuoz, sô kreucht si von stunt ze stunden in der anderen glider stuck.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das wenig bey kunig Maximilian sindt, die von stund zu stund besorgen, von (sein) gnade (wegen) beschedigt (zu) werden.
9.
stunde
als Teil phrasematischer Verbindungen mit den attributiv gebrauchten Adjektiven
gut, klein, kurz
(häufig),
lang, lezt, selig
und den Pronomina
al, der, diese, ein, einig, etlich, kein, manch, selb
; die im Folgenden genannten Ausdrücke sind teils als syntaktische Erweiterung der Phraseme im Sinne von Ansatz 8 auffassbar; in all diesen Fällen fungiert das Adjektiv bzw. das Pronomen als lexikalischer Bedeutungsträger bzw. als pronominaler Funktionsträger. Die in eckigen Klammern stehende Zahl hinter jedem der im Folgenden aufgelisteten Ausdrücke verweist auf die wahrscheinlichste semantische Motivation von
stunde
.
a)
stunde
mit Adjektiven:
stunde
mit
gut
:
die gute stunde
(auf den Zeitpunkt bezogen) [2]; mit
klein
:
das kleine stündlein
relativ zu einem übermäßig langen Zeitraum ›nur einen Augenblick‹ [2]; mit
kurz
:
in kurzer stunde / in kurzen stunden
›alsbald, schnell, kurz nach etwas Vorangegangenem‹ [2; 4]; mit
lang
:
bei langer stunde
›lange Zeit‹ [3]; mit
lezt
:
die lezte stunde
[2]; mit
selig
:
das selige stündlein
›seliges Ende‹ [2].
b)
stunde
mit
al
:
alle stunde
(Akk. der Zeiterstreckung) ›ständig; jeden Augenblick; auch jetzt noch; fortwährend, immerzu‹; je nach Zusammenhang gegenwartsgerichtet, zukunftsgerichtet oder zeitübergreifend gebraucht;
zu aller stunde
[2; 3].
c)
stunde
mit demonstrativ gebrauchtem
der
:
zu der stunde
›zu dieser Zeit‹ [2].
d) mit
diese
:
diese stunde
(Akk. der Zeiterstreckung) ›in jedem Moment‹;
an dieser stunde, in dieser stunde / in diesen stunden
›jetzt‹;
auf diese stunde
›bis heute, bis jetzt‹;
von dieser stunde
›von nun, jetzt an; im Augenblick‹ [2; 3; 4].
e) mit
ein
:
auf eine stunde, zu einer stunde
›einmal‹ [2].
f) mit
einig
:
in einer einigen stunde
›im Nu‹ [2].
g) mit
etlich
:
über etliche stunden
›nach einer gewissen Pause‹ [4];
zu etlicher stunde
›manchmal‹ [2; 5].
h) mit
kein
:
keine stunde
(Akk. der Zeiterstreckung) ›niemals; keinen Moment‹ [2; 3];
zu keiner stunde
›irgendwann einmal‹ [2];
zu keinen stunden
›niemals‹ [3].
i) mit
manch
:
manche stunde
(Akk. der Zeiterstreckung) ›manchmal‹ (dazu bdv.: 1; 2) [2];
zu mancher stunde
›oft‹.
j) mit
selb
:
in / zu der selben stunde
›im selben Moment, Augenblick‹ [2].

Belegblock:

Zu a):
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz ist die leste stunde, | So Got sich an deme richtet | Daz sin gebot nu zubrichet.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sî
[eine
gegenôte
]
darnâch | sich des bî langir stunde | nicht ûfgerichten kunde.
Luther, WA (nach Druck:
1547
):
das vnser lieber HErr Christus jnen woͤlle ein seliges stuͤndlin bescheren.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz git der engel schar vroͤden als vil, daz inen tusent jar sint als ein kleines stuͤndli.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
das der herre in einer kurzen stunde gehelingen – so kumet ein blik – und der bringet in so minneklichen die verborgen guͤte.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
555
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Der niwe stern gemachet vin | Der sÿ mit froͤden aͮne pin | Fuͦrt gar in kurtzen stunden | Da sÿ Mariam, die magt, funden.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Inn kurtzer stund stiessend syß uß der kluß und ertodtend sy.
Stammler, Berner Weltger.
29
(
ohalem.
,
1465
):
Wol jme der guͦtten stunden, Der an dem rechten wirt funden!
Sappler, H. Kaufringer
17, 17
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Nun fuogt sich das in kurzen stunden, | das si ain armes mülhaus funden.
Helm, a. a. O. ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Päpke, Marienl. Wernher ; .

Zu b):
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wie kompts denn, das dich
[
Vatter
des
Kalbes
]
alle stundt | Fuͤr jn
[den
Hundten
]
foͤrchtest, wenn sie dich jagen.
Sermon Thauleri
1ra, 26
(
Leipzig
1498
):
das got alle tag vñ alle stundt wurt warlichen geistlichen geboren in einer gutẽ sele mit gnaden.
Goldammer, Paracelsus
6, 189, 3
(
1530
):
diß forchten trifft die heilige drifaltigkeit an, darinnen sollen wir frucht tragen in allen unsern stunden.
Wyss, Luz. Ostersp.
9923
(
Luzern
1545
):
Deß danckh ich dir vß hertzen grund | mitt allen vättern alle stund.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dar umb mag der regenpog in dem winter werden ze aller stund.
Perez, Dietzin
1, 404, 28
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2078
;
Weber, Füetrer. Poyt.
198, 5
.
Vgl. ferner s. v.
2
4, 1.

Zu c):
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
285, 11
(
els.
,
1362
):
Zuͦ der stunt worent uil besessener lúte zuͦ Meylon.

Zu d):
Buch Weinsb. (
rib.
,
1596
):
Als [...] im dom die vil tusent gulden wert kleinaten [...] gestoln worden und uff disse stunde nit ausgebrochn, wahin sie komen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
316
(
mrhein.
,
um 1335
):
Swigent mit zuhten an dirre stunt.
Karnein, Salm. u. Morolf
421, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
mir wil das mort grim ubel wip | an dissen stunden | verratten minen lip.
Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
Der nam vnsers lieben hern ihesu cristi sy gelobet von diser stunden ymer vnd ewiglich.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Mir ist des herzen odem | Entwischet in dirre stunt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 74, 10
(
Hagenau
1534
):
Ein Christen soll [...] gesinnet sein / als solt er dise stunde sterben.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3599
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Jch kam so recht zuͦ diser stundt, | Wie der dunder ind stupfflen kumpt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
daß alle wahlen on alle abredung und vorwort beschehen sollen, und wirt auff dise stund von ainem erbern rat, [...] noch hefftig darob gehalten.

Zu e):
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
so mag der knecht behalden ken syme heren vyr schyllinge synes vordynten lones vf den hilgen tzu eyner stunt vnd mag das nicht teylen in manche stunt.
Michels, Murner. Badenf.
29, 10
(
Straßb.
1514
):
Adam hat vff ein zit verwundt | Alle menschen, vff ein stundt, | Vnd sich selber vnd vns all | So kleglich bracht in einen fall.

Zu f):
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
das groß päum wachsen lange zeit, werden aber in einer einigen stund mitsambt der wurzeln ausgereut.

Zu g):
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
vnd sagt man jhr anders nichs alß dieses: [...] man wuͤrde sie vber etliche stunde / wieder fordern lassen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
10, 1
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz ist in dis heiligen stat gotes, ob deheiner vͥwer ze etlicher stvnd alsus gezuket vnd verborgen wirt.

Zu h):
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Die die zu keinen stunden | Mag horen abebrechen oder muͤrmelongen | Die die nie hait missesprochen | Eyme andern.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
jch stell nit ab | von dir kein stund, | mein herz und mund.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 554, 30
(
Hagenau
1534
):
so hatt er doch mer fride / denn eyn man der eyn ubel und ungehorsam weib hatt / der keyn gutte stunde haben kann.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
hoͤr ich das von dıͤr zu chainer stund, | ich handl dich alz einen posen hunt.

Zu i):
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 39, 26
(
preuß.
,
1453
/
7
):
werde wir ofte unnd mannche stund beide zu waszer unnd zu lande [...] beschediget.
Stammler, Berner Weltger.
416
(
ohalem.
,
1465
):
Mich turste dik zu menger stund, | Da tranktent jr gern minen mund.

Zu j):
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
die nidersten krefte wâren in den selben stunden in dem meister lîdenne [...] ûf der erde.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
23, 28
(
els.
,
1362
):
Zuͦ der selben stunt sohent sú kummen ein ander schiffelin.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
in der selben stvnden so hoͤre ich wie [...].
10.
›idealer, guter Mensch‹ (ütr.); das Vergleichsmoment mit
stunde
ist nicht erschließbar, wohl aus dem Lateinischen übernommen (s. Beleg).

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Mensch wie die guͦte Stund. Omnium horarum homo.
11.
fungiert in der Form
stund
als Multiplikationspartikel für alles, was als mehrfach vorkommmend ertextet wird; dabei bildet die Zahl ‚eins‘ in aller Regel den Multiplikanden; die in Frage stehenden Gegebenheiten sind vor allem zeitpunktuell gedachte oder bemessbar zeitlich verlaufende Handlungseinheiten (z. B. Grüße, Sprechakte, Gerichtssitzungen, Rechtsrituale, amtliche Kontrollen, militärische, körperliche, darunter gewerbliche Handlungen jeder Art, Dienstleistungen, Vergehen), ferner Zustandsmomente (etwa der
freude
), Maße (z. B. Entfernungen), Mengen (z. B. von Menschen), natürliche Vorgänge (wie das
frucht tragen
von Bäumen), auch Unmögliches wie
neunstund sterben
. Die Multiplizierbarkeit bedeutet eine hochgradige Typisierung der der Multiplikation unterworfenen Gegebenheiten; motivationell je nach Einzelbeleg anschließbar an 1–4.
Phraseme:
eine stund
›ein einziges Mal‹;
ander stund, drei stund
›zweimal, dreimal‹ (bei Letzterem ist die religiöse Bedeutung der Dreizahl im Spiel);
anderstund und anderstund
›wiederholt‹;
tausend stund
›unendlich oft‹.
Bedeutungsverwandte:
1
3, ; vgl. (in
anderweide
1
;
2
;
3
).
Syntagmen
(in starker Auswahl):
jn. 1000 s. grüssen, ein ander s
. ›zweimal‹
entfahen, drei s. umsenden / verleugen, eine tat zu ander s. und ander s. tun, j. sieben s. freude haben, neun s. sterben wollen, das gericht x s. sein sollen, etw
. (Subj.)
100 s. grösser sein wanne [...], etw
. (Subj.)
die dritte s. sein, das [...], jm. sieben s. zusprechen, sieben stund etw. sagen
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swer des koniges ban eyns vntfat, der en darf sin nicht ander stuͦnt vntfan.
SWer dri stuͦnt vor gerichte geladen wirt vnde her ne is dar zuͦ gegen nicht vnde ist iz vmme schuͦlt, [...].
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
diz was nû dî dritte stunt, | daz er den vride, [...] | [...] | brach mit manchir valschheit arc.
Leman, Kulm. Recht 2, V. (
Thorn
1584
):
Tut her dy tat tzu ander stat vnd ander stunt, man slehet ym den andirn dumen abe.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz uch werliche große hute not ist, hundert stund me, dan ich uch geschriben kan.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
[Petre] Ee der han zwernt krehet durch sinen mond, | Host du min vorleucket dri stund.
Eggers, Psalter
22, 2
(
thür.
,
1378
):
kusche gespreche; si sint silbir in deme fure vorsucht, gekorn dry stunt, geluttert sibinstunt
[
Luther
1545, Ps. 12, 7:
mal
].
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
unde hatten yn dem heere 30 stunt tussent gewoppente.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
ee ich dich welt begeben, | [...] | das unser lieb soͤlt krencken, | e woͤlt ich nuͦnstund sterben.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
man sol in allen pfarkyrchen frwe an dem tage leutten drey stund mit der grossenn glocken in der leng.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
437, 11
(
els.
,
1362
):
die froͮde die du gester an mir sehe, die han ich alle tage súben stunt von den heiligen engelen.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
Daz got dis große sterben wende! so stuͦndent (sü) uf. daz dotent sü dri stunt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ich sag dir nit vntz zuͦ sieben maln: wann zuͦ
.
lxx
.
stunden
[
Luther
1545, Mt. 18, 22:
mal
]
sieben maln.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Der mir die bærmde tete kunt | Das sibenczig warbe siben stunt | Vergæbe minem schuldener, | Wenne ich werde rúwer.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1465
?):
Die [brottschouwere] selben dry soͤllend lipplich zuͦ gott und den heiligen schweren, alle wochen dry stund.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ein stund zwo oder drei | Gedacht ich, mir wont niemand bei.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Alfragânus der sternseher spricht, daz si [sunne] hundert stunt und sehzig stunt grœzer sei wann daz ganz ertreich.
Bastian, Runtingerb.
2, 23, 36
(
oobd.
,
1392
):
dezselben zeltelein sol ich drey stund in dem jar nemen ye alzvil, alz in ain halbew Waͤlschew nuzzschal mag.
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
n. 1347
):
Man sol auch den zeug ainsten andingen, und im siben stunt zuosprechen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
sıͤch mich an zu ainer stunt, | la mıͤr, herr, werden chunt, | ob du seist lebentig oder tad!
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
831
(
tir.
,
v. 1496
):
Mayster, piss gegrüsset zw tawsent stunt! | Ich [Judas] muess dich küssen an deinem mundt.
Mollay, Ofner Stadtr.
171, 1
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
wÿ er al wochen dreÿ stuͤndt sol vmmb sentten den vntter gelt richter.
Ebd.
307, 1
:
Wÿe vil stunt das gericht am Iormarckt sol seyn.
Ebd.
347, 5
:
Hat aber der erschlagen mensch frewnt, dÿ sullen yn dreÿ stunt nÿder setczen vntter wegen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2259
;
Karnein, Salm. u. Morolf
498, 5
;
Wyss, Limb. Chron. ;
Strauch, Par. anime int.
86, 6
;
Mone, Adt. Schausp. ;
Ermisch, Freib. Stadtr. ; ;
Palm, Veter Buoch ;
Keil, Peter v. Ulm
195
;
Williams u. a., a. a. O.
287, 33
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1303
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
33, 14
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
22, 21
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
129, 17
;
233, 20
;
339, 24
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .