strumpf,
der
;
–/-e
+ Uml.
1.
›(oft kleinerer) Teil eines Werkzeuges oder eines natürlichen Ganzen‹; dieser Teil kann (extensional gesehen) der Rumpf des Menschen (oft), der Unterarm als Basis der Hand, die Wurzel der Barthaare, die (abgebrochene) Spitze eines Speeres, die Getreidestoppel, ein Baumstumpf, auch der Pfosten sein, mit dem der Regelstand eines Teiches reguliert wird; teils wird das Teil-Ganzes-Verhältnis ohne Wertung gesehen, teils ist
strumpf
der konstitutive, basishafte, das Wesen des Ganzen inhärierende Teil; teils steht er aber auch für ›Nichtigkeit‹; häufiges Vorkommen in Phrasemen.
Phraseme:
˹den strumpf dransetzen
;
strumpf und stiel wagen
o. Ä.˺ ›alles wagen, alles daran, aufs Spiel setzen‹;
hals und strumpf lassen
›das Leben lassen‹;
etw
. (z. B. ein
laster
)
mit strumpf und stiel ausrotten
.
Bedeutungsverwandte:
1
2, 1, (
der
) 2.
Syntagmen:
die strümpfe (des bartes) (nicht) herausscheren
;
der s
. (e. S.) [wo]
bleiben
;
der kopf an den s. wachsen, j. ab dem pferde in einen s. fallen, j. jm. mit dem s
. (›als Rumpf, ohne Kopf‹)
nachlaufen, sich mit dem s. (der hand) entschuldigen, den fus zu dem s. legen
;
der s. des speres, der reben
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
einem Prûzin von im wart | ein slac sô scharf durch den gil, | daz im daz houbt dâ intpfil. | Daz houbit liz er ligin dâ | und lif den andrin nâ | vaste mit dem strumpfe.
Luther, WA (
1527
):
Darumb, lieber Josua, sihe nicht an, wie ein klein stuͤck, kurtzer strumpff und elender brand du seyest fur deinen augen.
damit wuͤrde kein frum man sich schrecken lassen, das er sehe sein kind und weib zu hacken und zu spiessen, sondern viel mehr zornig und bitter werden und vollend hinan setzen und wagen strumpff und stil.
Ebd. (
1530
):
das ich glaube [...], das Christus fur mich ist gestorben, und liesse drob leib und leben, hals und strumpff, wo man mir das nehmen wolt.
Ebd. Anm. 1 (
1535
):
ubi veri Christiani moriuntur et nihil timent mortem, wagen leib, gut, ehr, ehe sie [...] von Christo, setzten kopff, strumpff et quidquid habent.
Ebd. (
1539
):
Christiani sacrificabant non solum epffel, birn, sed etiam den strumpff, hals, in kercker, Galgen, schwerd, et tamen wil das himelreich nicht damit verdienen.
Ebd. (
1544
):
Ehe ich Deum erzurne, wil ehhe dran setzen den strumpff, ehe ich meinen lieben Vater erzuͤrnen wolt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
522, 498
(
Magdeb.
1608
):
So wuchs der Kopff da an den Rumpff / | Vnd der Halß verlohr sich im strumpff
(bezogen auf Bauern, die jm. kein Wasser gegönnt haben und dafür zu Fröschen wurden).
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
er muß sich mit der hand entschuldigen, damit er gelobt hat oder sampt mit dem strumpf, ob er der hand nicht hett.
Hallmann, Marianne
5, 135
(
Breslau
1670
):
Man muß mit Strumpff und Stiel | Der Laster Pilsen⸗Kraut außrotten und vertilgen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
762, 13
(
els.
,
1362
):
so man die reben besnidet daz der strumpf der do blibet an allen enden zuͦ sinre zit fruht bringet.
Chron. Strassb. (
els.
,
15. Jh.
):
do ersluͦg Palamedes den künig Sapedonem und stach Diefebum mit eime spere, daz es brach und der strumpf in ime bleip.
Schmitt, Ordo rerum
409, 33
(
salem.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Stipula [...] stoppel [...] stumphhalm [...] strumpfel [...] halmstumpf.
Maaler (
Zürich
1561
):
Strümpffel (der) wie sy in den weyeren sind. Commata, Othuramentum stagni.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
2.
›Strumpf, Kleidungsstück für die unteren Teile des Beines‹; von 1 her motivierbar als ‚unterer Teil der Hose‘, woraus sich dann
strumpf
als ‚von der
hose
gelöstes unteres Reststück‘ herleiten ließe.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. .
Syntagmen:
einen s., ein par strümpfe stelen
;
die strümpfe phantastisch sein (müssen)
(kritische Anspielung auf Modetorheiten, teuflischen Kleiderwahn);
in einem s. bei tausend heuschrecken sein
;
der gestrikte s
.;
von 1 strumpf
(ein Betrag).
Wortbildungen:
strumpfhose
(dazu bdv.: , 2).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
385, 3908
(
Magdeb.
1608
):
Zwey mahl so viel [Hewschrecken] in Busen
[des schlafenden
Hercles
]
fahrn / | Jm Struͤmpffen bey die tausent warn.
Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
402, 31
(
rib.
/
westf.
,
1587
):
van allen gestrickten strumpffen jedern daler koepgeltz 1 alb.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Tibialia Kniehosẽ / Struͤmpffe / Struͤmpffhosen.
Skála, Egerer Urgichtenb.
254, 10
(
nwböhm.
,
1579
):
Zu Ober Thela hab er neben den leinbandt ein kemler Rock vnd ein Weiß par Strinpff gestoln.
Maaler (
Zürich
1561
):
Strümpff (die) Halbhosen. Tibiale, Caligæ. [...]. Strümpffel (die) Hosen auff halben waden. Caligæ, Fasciæ, Perones.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 88, 103
(
Luzern
1616
):
Fantästig müend die strümpff auch sin, | darzuͦ die schuͦ mit Rosen fin.
Strümpff / die Hosen vnder denn Knien.
Stolz, Zollwesen
129, 38
.
Vgl. ferner s. v. 2.