rund,
Adj.
1.
›rund, kreisförmig; ohne Ecken und Kanten‹; im Einzelnen: ›kugelförmig, kugelig‹ (z. B. von Gegenständen, Früchten); ›gewölbt, kuppelförmig‹ (von Bauwerken); ›kreisrund, ringförmig‹ (in der Fläche); ›rundlich, dick(lich), füllig‹ (von der menschlichen Körperform, von Körperteilen); in Fügungen wie
rund um, zu rund
›rings, rundumher‹ mit Tendenz zur Wortbildung; subst.:
das rund(e)
›(etwas) Kreis- oder Kugelförmiges‹; ›Kreisumfang‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , , , ; vgl. , (Adj.).
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
die kapelle
)
r. (sein), etw
. (Subj.)
r. gleich einem hut, (fast) r. in form eines kürbis sein, js. bäklein
(Subj.)
ründer als die purpurschneklein (sein)
;
(etw.) r. (wie eine kugel) machen
;
etw. r. um sich her ausspreiten, etw
. (Subj.)
zu r. um den leib gehen, die sonne
(Subj.) [wann]
r. aufgehen
;
r. als ein kopf / ring / sper, als eine lanze / scheibe, als / wie ein apfel, büchsen unten r. zu
;
der runde buchstabe / deckel / degen / erdwal / kreis / mensch / mund / ort / pausch / schopf / stein / teller / weltkreis / zirkel, die runde büchse / gestalt / säule, die runde höhe eines edlen gesteins, die runde haube von federn, rundes holz, das runde corpus / gewelbe, runde knollen / stecken
;
ein r. kopfeter becher, die r. mugelten zäne
; subst.:
das runde von x ellen suchen
;
bal
(Subj.)
etw. rundes bedeuten
.
Wortbildungen:
rundecket
›mit Kanten und Rundungen‹,
rundelicht
›rundlich‹,
ründen
›rund machen, formen‹,
rundfisch
›Fisch mit runder Körperform (z. B. Kabeljau)‹,
rundieren
›wölben, rundlich formen‹ (dazu Orientierungsfeld: ),
rundkopfet
›in der Form eines Bechers‹,
rundrum
›ringsum, im Umkreis‹,
rundtartsche
›Rundschild‹,
rundumher
›rings, an allen Seiten‹,
rundwerk
›rundes (Kunst)werk (z. B. Tongeschirr)‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 556, 22
(
preuß.
,
1514
):
½ mark uff ain sechtzigk rundtvisch.
Luther, WA (
1527
):
da es [des worts figura] heist eine form odder gestalt Mathematice, das lang, dick, breit, rund, weis, schwartz ist, das man sehen, fulen, handeln kan.
Ders. Hl. Schrifft.
Sir. 43, 13
(
Wittenb.
1545
):
ER hat den Himel fein rund gemacht
[
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534:
den hỹmel vmbgibt er mit seiner klarheyt
;
Eck
1537:
er gat vm den himel im kraiß seiner glori
].
Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
nachdem an demselben sehe rundrum vil wiesen sein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
682, 5517
(
Magdeb.
1608
):
Haben sie [krebse] lange runde stecken / | Wie sonst Hoͤrner die Wuͤrm vnd schnecken.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
224, 8
(
wmd.
,
1634
):
[seine Bäcklein] Ründer als die PurpurSchnecklein.
Ebd.
257, 36
:
Da der schöne Seugend Hauffen | Ründet seine flache Brüst.
Lau, Qu. Siegburg (
rib.
,
1552
):
Preisliste: [...] ein hundert schones runtwerks und weisse krugen das hundert 8 mark.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1578
):
Ein ist swarz kamelot, [...] ront umbher allenthalben mit nehesiden swarz gestickt.
J. W. von Cube. Hortus
91, 3
(
Mainz
1485
):
Diascorides [...] spricht daz kurbiß habe frucht die sy ront glich eynem huͦt.
Dedekind/Scheidt. Grob.
155, 9
(
Worms
1551
):
Jr schoͤn angsicht so wol rundiert/ | Jr glatte stirn so wol fomiert.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Alßo die sonne ront uffgehet zu disser stund.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Gabbatha, welchs ist ein hoher / rundter / gewelbter Ort gewesen.
Opitz. Poeterey
37, 27
(
Breslau
1624
):
Er hat rund vmb sich her das wasser außgespreitet.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
so sprücht herr Christof Fuchs (wie er dann ain runder mentsch var) überlaut, das [...].
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
zur lincken handt ein ronde starcke steinere säul.
Rauwolf. Raiß
29, 21
([
Lauingen
]
1582
):
Dise jre Baͤder [...] haben [...] ain schoͤnen Sal [...] auch in die hoͤhe wie ein grosse Capeln erbawet / die oben mit einem runden kuglechten gewelb beschlossen ist.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
mit dem athem aines runden gescheübelten mundts.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ball / bedeut in gemein alles rundes.
rundelicht / ein wenig rund.
Klein, Oswald
19, 149
(
oobd.
,
1416
):
der strich leit mir im sinne, | ain ander füret zwen hinaus, | so liess ich ainen dinnen, | der gieng zu rund umb meinen leib.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
90
(
oobd.
,
1607
/
11
):
wunderthier, hatt vil stumpfer oben rund mugelete zän, sehen fast aus wie die krebsaugen.
Ebd.
307
:
grosse indianische nuß [...] ist fast rund in form eines cürbs.
Ebd.
360
:
1 rundkopfet gleichmessiger arbeit wie oben geschirr mit seinem deckhel [...] ist [...] bey 8 zoll hoch.
Ebd.
752
:
4 schöne vonn allerley seydenfarben, mit goldt, vilen türckißen und rubin versetzte rundartschen.
Ebd.
788
:
XI stuckh hültzerne 8-laffend oder rundteggette türkisch gemalte schalen.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
161, 14
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
Des selben zirkels ist ain halber dyamter 40 elen. [...] Nun suech daz rond von 80 ellen.
Qu. Brassó
5, 441, 45
(
siebenb.
,
n. 1646
):
Do hat man in Eil [...] einen ronden Erdwall sampt einem Graben herumgeführt.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
102, 3
;
Stoltzius, Chym. Lustg. ;
Schmitt, Ordo rerum
8, 7
;
447, 22
;
Opitz. a. a. O.
27, 13
;
Haszler, a. a. O. ; ;
Kohler, a. a. O. ;
Bauer u. a., a. a. O.
24
;
72
;
135
;
153
;
210
;
350
;
379
;
586
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vr
;
bb iiijv
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 237
.
Vgl. ferner s. v. 2, 7,
1
1, 5, 3.
2.
›vollkommen, vollendet, vollständig‹ (allgemein); auch: ›ganz, sämtlich, gesamt‹; speziell: ›in sich abgerundet‹ (von Worten, von der Rede); ›redegewandt‹ (von Personen); bezogen auf Handeln und Sprechhandeln: ›klar, bestimmt, deutlich, unmissverständlich, ohne Umschweife‹; als Ütr. zu 1 auffassbar; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 4, 2, , (Adj.) 1; 3, 1, (Adj.) 1, (Adj.) 8, 5, , , .
Syntagmen:
etw. r. abschlagen / bekennen / zurichten, Christum r. verstehen, die waffen r. anlegen, die gesetze
(Subj.)
in allen stücken r. gelten
;
der runde name, die runde liebe / predigt / tat, die runde weltstat und ire bürgerschaft, das runde gerede, die runden dinge / lügen / worte
.
Wortbildungen:
rundheraus
,
rundlich
›insgesamt, ganz und gar‹.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
333, 5
(
Lübeck
1639
):
Diß ist in der Gleißnereykunst ein Meisterstuͤck / daß man vnter runden Deutschen worten einen heimlichen verstand kan fuͤttern.
Luther, WA (
1530
):
Darumb kan sein
[Moses]
gesetze auch bey uns nicht yn allen stuͤcken rund und voͤllig gelten.
Ebd. (
1532
):
das heisst [...] eine vollige, das ist eine feine, runde liebe, die keinen mangel hat.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1665
(
Köln
1476
):
Runtlych had man van cristdaegh dayr | Bys zo vastauent offenbayr | Geyn vleysch gelieuert int gemeyn.
Opitz. Poeterey
4, 13
(
Breslau
1624
):
Welches ich sonsten kaum so rundt herauß sagen wolte / auß furchte / das es mir von andern fuͤr eine zaͤrtligkeit vnd weichmuth moͤchte außgeleget werden.
Logau. Abdank.
163, 4
(
Liegnitz
1651
):
Was Cyncas von Rom geurtheilet / das koͤnte man fuͤglich urtheilen / von der gantzen runden Welt⸗Stadt und jhrer Buͤrgerschafft.
Bell, G. Hager
1, 1, 26
(
nobd.
,
1592
):
So lasset vns [...] | ab legen [...] | alle wercke der finsternuse(n) vnd | an legen die waffen gar rund | Des liechtes.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
Richt also auß den handel mein | Mit list, betrug und lügen rund.
Ebd. (
1565
):
Ich will deß tranckopffers mit blut | Nicht opffern, noch irn namen rund | Gar nicht füren in meinem mund.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
Bald darauf / foderte Rudolphus wiederum einen Abtrag von ihme / einiger schaͤden halber; der ihm aber solches rund abschlagen [...] ließ.
3.
›flink, geschwind, schnell‹; auch: ›geschickt, mühelos‹.
Bedeutungsverwandte:
2, 2, 7, ; vgl. , 2, , 3, 8.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. mit etw
. (z. B.
mit essen / schlafen / trinken, mit schiessen
)
r. sein, etw
. (Subj., z. B.
der flo, die ameise
)
r. sein
;
j. r. zu regieren sein
;
j. r. durchgehen, e. S
. [einem Tier]
etw. r. zuwerfen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1537
):
Quidam hanc gratiam habent, sind so rund und visierlich zu regieren, das lust ist.
Sachs (
Nürnb.
1529
):
der Türck mit seinem heer | [...] | Mit schiessen warens gschwind und rund.
Ebd. (
1562
):
Welch herr hat so faul haußgesind, | Welches nur ist rund und geschwind | Mit essen, trincken und mit schlaffen.
Ich
[die Ameise im Vergleich zur Mücke]
aber bin arbeitsam, rund, | Frölich, sicher und fein gesund.
Goedeke, Fischart. Flöh Haz
1676
(
Straßb.
1594
):
Wann ich [der flo] nicht gwesen wer so rund, | Und von dem kind entsprungen wer.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Justitia [...] gefragt war, wer sie wäre? Sie aber rund durch gienge vnd sagte, ihr Nahm wäre Justitia; Da schlug ihr ein jeder die Thür vor der Nasen zu.
Vgl. ferner s. v.
2
1.