resch,
rösch,
auch
rosch,
risch
sowie gelegentlich (meist reimbedingt)
rasch,
2
res,
Adj.;
in adverbialer Funktion unter 3 auch
reschlich
;
zu
mhd.
resch
›schnell, lebhaft; trocken, spröde‹
(),
rasch
›schnell, hurtig‹
(),
rosch, rösch
›schnell, frisch, tapfer; hart, spröde‹
(),
risch
›schnell, frisch; trocken, spröde‹
()
– Zum Problem der verschiedenen Stammvokale, die wohl auf ahd.
rasco
und ahd.
rosc, rosg
zurückgehen, vgl.
Kluge/S.
2011, 746
;
772
; f. Tendenziell lässt sich folgende Vokalverteilung feststellen:
resch
und
rösch
: Bedeutungsansatz 1–4;
rosch
: 1; 4;
risch
: 1; 3;
rasch
: 1; 3.
1.
kennzeichnet die Intensität der Kraft und / oder Beweglichkeit von Bezugsgrößen unterschiedlichster Art; im Einzelnen:
a) ›geschickt, gewandt, flink‹ (allgemein die körperliche Geschicklichkeit und Kraft von Personen in positiver Weise charakterisierend); speziell im Hinblick auf kriegerische Unternehmungen meist: ›stark, rüstig; beherzt, tüchtig, entschlossen‹.
Phraseme
(subst.):
für manchen reschen fechten
›besser als viele Tüchtige kämpfen‹.
Bedeutungsverwandte:
1, , , ,
2
(Adj.) 3, 1, , 1, 3,
1
5, 1, 8, 4, 1; 6, 2; 4; vgl.
1
(Adj.) 2.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der knabe
)
r. sein, j. mit (keiner) arbeit, zu dem gottesdienst, zu der schalkheit r. sein, j. r sein
[+ Infinitivsatz, z. B.
etw. zu tun
];
der resche knecht / koch, die reschen gesellen / knappen
.
Wortbildungen:
reschheit
›Geschicklichkeit‹.
b) ›frisch, munter‹; ›kräftig‹ (Körperteile, die Stimmung, die Art, sich zu bewegen u. Ä. charakterisierend).
Bedeutungsverwandte:
1; 6, (Adj.) 1, (Adj.) 3 ›gerade(heraus)‹.
Gegensätze:
(Adj.) 2, (Adj.) 3.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
js. gang, schenkel
)
r. sein
;
etw
. (Subj.)
den leib r. machen, j. etw. an / zu etw
. (z. B.
die müden glieder an guten werken, den trägen mut / sin zu js. huld
)
r. machen
.
Wortbildungen:
rischen
1 ›frisch werden‹ (in der Wundheilung von nachwachsendem Gewebe; 15. Jh.),
roschheit
›Munterkeit, Frische‹ (dazu bdv.: 3).
c) ›schnell; kraftvoll, lebhaft‹ (Tiere, insbesondere Pferde charakterisierend).
Bedeutungsverwandte:
, 1,
1
(Adj.) 2, (Adj.) 1, , ; vgl. 1, 4.
Gegensätze:
1
5, (Adj.) 1.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der hirsch / hund, das pferd
)
r. sein
;
die reschen hunde / pferde
.
d) ›stark, heftig; schnell‹ (unterschiedliche Konkret- und Abstraktgrößen charakterisierend); speziell von beweglichen Elementen: ›prasselnd, heftig (brennend)‹ (von Feuer); ›schnell fließend, reißend‹ (von Wasser); ›auffrischend, klar‹ (von der Luft).
Phraseme:
rosch schwebel
wohl ›sulfur vivum‹ (Schwefel als Heilmittel).
Bedeutungsverwandte:
, ˹ (Adj.) 4, (Adj.) 1; 15˺ in Verbindung mit Luft, ; vgl. (Adj.) 2.
Gegensätze:
1.
Syntagmen:
der resche krieg / luft, die resche
[+ Name eines Flusses]
/ eile / schlenker
›Schleuder‹,
das resche fechten / feuer / schlagen, die reschen fliesse
.

Belegblock:

Zu a):
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
wurdin sî [vrouwin] aldort [kirche] gewar | [...] | einen knabin, der was risch, | kreftic, schône unde vrisch.
[Ûf der burc was] ein man, hîz Milegede. | Der was starc, menlîch und rîsch | und zu urloige alsô vrisch.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
[Der selbe her Gerlach] hatte einen swarzen krulle unde einen swarzen bart unde was rosch unde gedurstig ein ding zu dune.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1580
):
Diss war ein neuliche narrin, [...], wart angefertigt van den kindern und alten [...], dar sie mit spraich, hilt sich draus reis, war jedem angeneim.
Rueff, Rhein. Ostersp.
579
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
waz dort ir mir zu lone bieden? | ich bin risch und bin fromme | und wil uch eben zu dinst kommen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Herre, ßo heyß ich myt namen Fedderwysch | und byn zu aller schalkeyt rysche.
Gille u. a., M. Beheim
319, 33
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Von in erhebet wart | vil wunderlicher spile, | gailiren, kurcze wile, | fraisam und sterke brait, | Reschait und schnellekait, | baid laffen und ach springen.
Ebd.
445, 57
:
zu gates dienst sy uns aͮch larn, | da sind sie selb nit reusche, | wann sy sich vast darane sparn.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Kein zagen ich unter uns weiß, | Wir dienen willig alle reiß.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1446
):
also was das rosfolch mit den roͤschesten knechten fúrab gezogen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Er vocht fuͤr mangen reschen; | Der veinde vil den heschen | Gewunnen von scharffen stichen.
Klein, Oswald
106, 14
(
oobd.
,
1411
):
vil stolzer maide wellen dran, | das wisst, ir röschen knappen.
Helm, Maccabäer ;
Gille u. a., a. a. O.
240, 55
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;

Zu b):
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Meine Schenckel seind resch vnd gwiß | Gleich wie die schenckl eines Helffantn.
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 14
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
[man] sol [...] ogen den munt vñ die zene vñ die hende weschen dur svverheit vñ dur roscheit.
Wiessner, Wittenw. Ring
3673
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Der fuoss ze dik nicht wesen schol. | Sein ganch der sei vil rösch und schlecht!
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
mach mein müeden glider an guoten werken resch.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
36, 90
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
träg mut und sain mach resch zu deiner huld.
Plant u. a., a. a. O.
297ra, 18
;
Lehmann, Rezeptb.
241
.

Zu c):
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Ich [Hundt] was ganz wacker vnd auch risch, | Vnd ward gespeißt von deinem Tisch. | Nun ich aber bin worden alt.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Ich, hirsch, pin resch, wen man mich jagt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
welhez pfärt resch und guot ist, daz senket sein naslöcher tiefer in daz wazzer wenn ez trinket.
Ebd. :
an dem pfärd [...] prüeft man an den ôrn sein siten, wan rescheu pfärt habent kurzeu ôrn, aber trægeu pfärt habent lange ôrn.

Zu d):
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
eine slenkre rasche | trûc er [Dâvît] ouch in sîner hant.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
is wart eyn rischer reitender krigk zwuschen des koniges volke unde den lantlewten.
Keil, Peter v. Ulm
98
(
nobd.
,
1453
/
4
):
So nym [...] rosch swebel
[wohl ›sulfur vivum‹]
vnd schmer vnd reinpergin speck.
Gille u. a., M. Beheim
453, 2447
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wie daz sie in in kurczer weil | mit rescher schnelliglicher eil | Zw hilffen welten kumen hin.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Denn machtens ein resch fewr on dampff | Die Caldeer, auff deß marcktes platz.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie man sagt, das die stillen wasser, so sie ussprechen, schedlicher und nachtailiger, dann die röschen flies.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
zuo lustiger stimm gehœrt röscher luft.
Goedeke, Fischart. Bündnus/Erlustigung
81
;
Primisser, Suchenwirt ;
Leidinger, V. Arnpeck ;
Eis, Gottfr. Pelzb.
166, 24
;
Schmitt, Ordo rerum
205, 15
;
2.
›unüberlegt, voreilig, gierig; leichtfertig, sprunghaft‹ (aus Sicht des Sprechers in eher negativer Weise das Ausdrucksvermögen, die Handlungsweise u. Ä. einer Person charakterisierend); speziell von Worten auch: ›scharf, spitzzüngig‹.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 2, 9, , 1; vgl. 4, 1, 2, (Adj.) 2, (Adj.) 4.

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
4110
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
So mus unstete daz an ir gerben | Daz sie sich tuͦ enpferben, | Daz wol die lut erkennen ez, | Daz sie sy uff unstet rez.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Wiewol sein wort sindt scharpff und resch, | Ist er doch sein begirden abgstorben.
Ebd. (
1560
):
Er heist dich ein stincketen bock, | Sein zung ist resch zu spot und hon.
Ebd. (
1563
):
Sie [weib] ist mit worten scharpff und resch | Und richt auch an vil haderwesch.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
dann demnach seine vorfarn gemainlich rösch und unfridlich und die mertails ire sachen uf die faust setzten, so wol diser graf seine sachen mit vernunft aussrichten.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
chluͦghait chan ich also vil, | der ich euch ein tail sagen wil: | ich pin resch und ungetreu, | mich vegt der teufl umb das neu.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
der [marschalk] zog mit herskraft daher, [...] wolt sich mit in [den Teutschen] schlahen. Aber er war zu rösch und zu jäch, wartet der kundschaft [...] nit wider.
3.
›schnell, relativ kurz im Zeitverlauf, geschwind; sich schnell vollziehend‹ (von Bewegungsabläufen und Handlungen); häufig auch von einem im Text genannten oder pragmatisch vorausgesetzten Zeitpunkt aus gerechnet den Einsatz einer Handlung kennzeichnend: ›augenblicklich, sofort, unverzüglich, auf der Stelle‹; ›bald, in Kürze, innerhalb kürzester Zeit‹.
Phraseme:
resch und bald
;
risch und frisch
.
Bedeutungsverwandte:
2; 3, (Adj.) 1, , , , ,
2
(Adj.) 4, (Adj.) 6, 2; 3, 2, (Adj./Adv.) 1, , 3; vgl. 1.
Syntagmen:
j. r. aufstehen / faren / fliehen / gehen / laufen,
[wo]
ankommen
, [wohin]
springen, gegen jn. kommen, zu jm. eilen, von haus zu haus laufen, sich r. auf den weg packen, j. / etw
. (Subj.)
r. jn. ausleschen, das feuer anblasen, etw. heilen / tun / verschlucken / verzucken, in den luft erheben, von sich werfen, die wunden
(Subj.)
r. genesen, der puls jm. r. schlagen
;
aller reschest
›so schnell wie möglich‹.
Wortbildungen:
rische
(
die
) ›Eile‹,
rischen
2 ›eilen‹ (dazu bdv.: vgl. 1),
rischruschend
›sich schnell bewegend‹ (a. 1440),
1
röschen
›etw. (z. B. das
herz
) beschleunigen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
der teüfel kam und klopffet an, der Custer erschrack und warff resch die Casel
[›Messgewand‹]
von jm.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
550, 1377
(
Magdeb.
1608
):
[Der Kuͤchn Jung] Wolt Fewr vnd Liecht anblasen rasch / | Vnd blies mir ins gesicht die Asch.
Ebd.
552, 1454
:
Das ich nichts wolt biß morgen sparen / | Sondrn risch vnd frisch bin fort gefahren.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Dar nach was sin herze breit | In snellicher rische.
Spranc er do vil manigen sprunc | So rischlich als ob er were junc.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
11261
(
rib.
,
1444
):
,Da ynne‘, sprach sij, ,moistu baden, | Dat kompt dynen wunden ouch zo staden; | [...] | So genesent ouch de wunden risch.‘
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Judas von ime entwischte, | zuhant hinwec er sich rischte.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Rischlichen qwam do marggrave Frederich uss dem Ostirlande unde brachte gar eyn grosses heer.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2210
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wanne si sollen gehen zu tische, | so ylen sy unnd louffen rische.
Ebd.
2779
:
der pulz en danne so risslich slet | das man ess an er farwe sicht.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
391, 3846
(
Zwickau
um 1540
):
Pox / ehr ich breng das essen auff den tisch / | So ist es als verzuck verschluckt gar risch.
Gille u. a., M. Beheim
99, 700
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
her münch, gang her zu mir | reschlich und seum dich nite!
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Ob ich gleich dise zwey mortkinder | Mit herbem gifft geschwindt und resch | Von disem erdtboden außlesch.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Do kamen doͤrt her an zwei menschen und dú giengen gar roͤschlich.
Bobertag, Schwänke (
Straßb.
1522
):
[der tüfel] sprach es ist ein dieb da, der wölt im die kuͦ stelen er solt uff ston rösch vnd bald.
Goedeke, Fischart. Schiff
362
(
Straßb.
1576
):
Heut werd ir als wolkommen gest, | Zu Straßburg noch ankommen resch!
Wiessner, Wittenw. Ring
525
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Eisengrein sich huob von dannen, | So er aller röschest kond.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe N. Manuel
400, 273
(
Zürich
1523
/
6
):
Setz das krenzli uf, rösch und bald!
Klein, Oswald
87, 25
(
oobd.
,
1417
):
von nöten greiset mir der bart, | seid mein herz senlich wird geröscht.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
318, 4
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Mit freyem muets gelüsten | gen im Cassilian kam resche dar.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
16. Jh.
):
ain ieder fuerman kan nit rösch farn.
Peil, a. a. O.
529, 712
;
643, 4295
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
226v, 5
;
Wiessner, a. a. O.
6306
;
Österley, Steinhöwels Äsop ;
Voc. Teut.-Lat.
aa viijv
;
Schles. Wb.
2, 1127
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v. 1, 2, (Adj.) 1, 3.
4.
›trocken, hart (geworden)‹ (von Materialien wie Stroh, Leder u. Ä.); meist negativ konnotiert: ›harsch, spröde, rissig‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 2; vgl. (Adj.) 5.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 384, 26
(
hess.
,
1439
):
daz under uns keyner keyn roschen ledder machen, keuffe ader vorerbeyde adir auch keyn andir schelmig ledder.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
gepott der capplan seinem schuͦler das er an der selben statt ain pett liessz beraitten gar von dürren schaitten und dar under roͤsch strou legt.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1572
):
das resch getraid als waiz und korn gestrichen, den habern und hiersch aber gupft oder gehauft.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17. Jh.
):
das der taverner niemant soll geben auf bluetiges pfant, ungewuntenes trait und resches garn.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 232
.