ritterlich,
vereinzelt auch
ritterisch,
Adj.
/ Adv.
1.
›adlig, von hoher Abstammung‹; ›den Adel, die Ritterschaft betreffend, dem Adel, der Ritterschaft zugeordnet‹; Syntagmen:
der ritterliche adel / orden / stand / stat, die ritterliche art, die ritterlichen sachen
.Belegblock:
Horet, waz eyn ielich man von ritterlicher ard zuͦ rechte zuͦ morgengaue mach geben sime viue.
Er [Longinus] sey durch die Zeichen welche geschehen sind, als Christus gelidden hat, bekeret, Hab seinen Ritterlichen Stand verlassen.
[Eine Gruppe von Rittern erhält die Erlaubnis des Königs]
dieselben wapen furbasz mitsampt iren erben in allen ritterlichen sachen und geschefften zu schimpff und zu ernste zu furen. und machten da ritterlichen orden erst recht und wart inen gold angelait und gefreiet, das sy und die reichstett schirmen und hüeten solle von bäpstlichem gewalt die hailigen kilchen.
Man sol nü merckenn umb ritterlichen stant, es sey gaistlich ritter oder weltlich.
2.
›einem adligen Krieger, Vasallen gemäß, angemessen‹; ›standesgemäß‹; auf Personen, ihr Handeln oder ihre Haltung bezogen: ›höfisch, den ethisch-moralischen Grundlagen adliger Existenz verpflichtet‹; ›durch höfisch-ritterliche Verhaltens- und Umgangsformen ausgezeichnet‹; speziell und offen zu 3: ›nach den Wertmaßstäben ritterlicher Kampfethik agierend‹; Syntagmen:
j. r. dienen / gebaren, den orden halten, schilt und sper füren, jm. etw. r. anstehen
; der ritterliche gesang / schein, die ritterliche kurzweil / pracht / sitte / tafelrunde / tat / treue / übung / wat / wer / würde, das ritterliche futter / wesen, die ritterlichen eren / sachen / waffen / zeichen
.Belegblock:
zu der rechten siten manig stolczer degen | inn ritterlicher wate.
Brissonetus saß darauff [Pferd] / vnd gebaret also Ritterlichen / dz sich jederman seiner zierlichheit verwundert.
Hans Kuttenberger / auß Teutscher Nation buͤrtig / ein Mann von Ritterlichen Ehren.
eyn rittirlichis vutir von zobelin gilt wol tusint floren.
Sie solten nun hin eylen / vnd den vnschuldigen Mord jhrer Kriegsgenossen mit Ritterlichen Waffen rechen.
es schwerent die ritter zu halten ritterlich iren orden.
Drei loblich Christen underscheiden / | Tretten darzuͦ mit Ritterlichem pracht | Erzeigen ewer tugent und macht.
Ebd.
2269
: Ich Hector von Troy hab allzeit getragen | Der ehren fan bei meinen tagen / | In Ritterlichem schein und wesen.
Ebd.
2310
: Künig Artus der mildt und ehrenreich | Auff erden ward nie mein gleich | Die Ritterlich tafel runden | Hab ich geziert zuͦ allen stunden.
Und wenn sy das nŭt thettend, ließ er sy stetz jagen und ander ryttersch kurtzwyll triben.
Bey Ritterlicher wirde vnnd eeren bleyben / vnnd sich lassen vernuͤgen / nit hoͤher auff hin faͤchten.
der hett oft sper und schilt | zerprochen und durchritten | nach ritterlichem sitten.
Ebd.
14, 125
: si fuorten schilt und auch sper | und ir harnasch ritterleich.
Ebd.
387
: da trabt dört her durch das gehag | gar mit ritterlicher wer | der jung grauf mit seinem hör.
so well er ime bei seinen ritterlichen ehren, trauen und glauben zuͤsagen, daß [...].
Er hat sich auch am selben hof [...] mit rennen, stechen und aller ritterlicher iebung dermassen gehalten, das er bei meniglichem am hof in sonderm hochen ansehen gewest.
dann so die ritterlichen zaichen er [herr Froben von Hutten, ritter] nit gefüert, so were er ehe für ain alten raisigen knecht geschetzt worden.
dieweil ir mit aim sporen den gaul so wol künden domlen und euch so ritterisch ansteet
(hier ironisch). Mein ritterlich gesange, lange | pange, lass, frau, ainig jölich, | frölich lieb, erwecken dich.
Wir haben in ouch mit vnsern Ritterlichen trewn versprochen vnd verhaizzen, an aides stat vnd angeuêrd, daz wir [...].
Doch soll sich meniglich In allen Ritterlich(en) sach(en) an verserung seines negsten vben als mit Schissen, mit fechten, Ringen, springen, wettlauffen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
35, 25
; 3.
›kampfesmutig, kühn, heldenhaft‹; ›tapfer, unerschrocken, standhaft‹; ›entschlossen, unbeirrt‹; positiv wertend auf das Kampfverhalten von Personen in kriegerischen Auseinandersetzungen oder im Turnier bezogen: ›im Kampf bewährt, ausgezeichnet‹; in religiösen Kontexten bildlich und ütr. im Zusammenhang mit dem Kampf des Menschen gegen die Anfechtungen des Bösen (vgl. 4); generalisierend: ›ehrenvoll, ruhmreich‹; zum Ausdruck einer besonderen (positiven) Auffälligkeit: ›herausragend, berühmt‹; dies implizierend: ›erinnerungswürdig‹; Syntagmen:
r. ersterben / fechten / glauben / kämpfen / ringen / siegen / streiten / tun, sich r. weren, jm. r. begegnen / nachjagen, dem teufel r. wiederstehen, jn. r. besamnen / überwinden, r. die stat gewinnen, den streit gottes üben, den nutzen des landes, die ere des königs geraten / schaffen, die streite der eigenen gebrechen durchbrechen
; der ritterliche fürst / mut / söldner / sturm, die ritterliche art / festigkeit / schlacht, ritterliche geschichten / taten
(gehäuft).Belegblock:
Das wyr hye ritterlich ringen, | durch tod und leben zu dyr dringen.
gib uns durch deinen Geist weisheit und krafft, das wir jm [Teufel] ritterlich wider stehen und den sieg behalten.
die in der stat werten sich ritterlich, aber sei waren seir benaut und begraben.
gleichwol er ein gewaltiger guter Ritter ist [...], er sich doch nicht zuerkennen geben wil, biß er souil Ritterliche thaten volbracht, daß [...].
Besamnen ritterlichen | Beginnet er sine man | [...] | Zu eime grozen here.
da begegnet jhm Scipio Flauius Ritterlich / den machte Hannibal hart wundt.
Ebd.
9v, 28
: so werden ewre Kinder in Muͤssiggang vevallen / vnd werden auß der vbung der Ritterlichen Thaten kommen.
Die Barden [...] haben beruͤmbter maͤnner ritterliche thaten mit heroischen Versen beschrieben.
sehe ich das Lob anderer Helden an / die sich durch den Krieg und ritterliche Thaten mit Gewalt zum Adel geschwungen.
Dar umbe tuͦ hin dines herzen kleinheit und tritte zuͦ mir in den ring ritterlicher vestekeit.
der mensche, der ritterliche durchbrechen sol die herten strite sinre eigenen gebresten.
Darumb hab ritterlichen müt | Zü allen güten dingen gar: | So verst du an der marter schar.
Ich [Judas Machabeus] hab den strit Gotts ritterlich | Und dapfferlich geuͤbt mit meiner hant.
Ebd.
2409
: Des würt euch billich der ehren solt / | Sollich kroͤnung dem allein zuͦstat | Der ritterlich gefochten hatt.
herr Sigmundt sun, der hat wol und ritterleich getan.
Si [fuͤrsten, dıͤ da frue ezzent] seint auch ane in selber waich, darumb si des chuniges ere und des lanndes nucz mendleich und auch ritterleichen nicht geraten noch geschaffen mogen.
Der [lon] damit verdient wirt, ob wir wider vnser vnsichtig veint mendleich streiten vnd sew ritterleich v̈berbinden.
Amasones hiess ir lande, | darinn all frawen nach ritterlicher art | gen ir veindten theten mengen sig erstreiten.
es mag niemant enpfahen die chron der ëren, nur der da eleichen oder ritterleichen
[hier als Äquivalent zu lat.
legitimē im Sinne von ›den Regeln entsprechend, auf gesellschaftlich akzeptierte Weise‹; vgl. 2. Tim. 2,5; vgl. auch
ehelich 1]
vber windet. so ich Ritterlichen streit vnd vmbkhome / erlang ich ain ewigen loͤblichen Namen.