raum,
der / das
;
-es/–
.
1.
›freie Fläche; zur Bewegung, Ausdehnung, Entfaltung u. dgl. erforderlicher Platz‹; teils mit Tendenz zu: ›dreidimensional gedachter Raum‹.
Phraseme:
gib raum!
›Mach Platz!; Hau ab!‹.
Bedeutungsverwandte:
1
1; vgl. (
das
).
Syntagmen:
r. einnemen / entberen / finden / geben / haben / schaffen, jm. r. machen
;
r
. (Subj.)
vorhanden sein
;
die not ein enger r. sein
;
j. raumes finden / haben
;
jn. in einen r. leiten, etw. zu besserem r. aushauen
;
der grosse r
.
Wortbildungen:
˹
raumig
,
räumig
˺ ›frei, befreit (von e. S.)‹,
räumlich
›geräumig, weit‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
28,
Anm. 3 (
preuß.
,
1431
):
Dese amptczedele ist dorumbe alhie geschreben, wendt man do vorne nicht mehe ruͦmes mocht gehaben.
Luther, WA (
1522
/
3
):
das sie must geberen zu Bethlehem, an eim frembden ort, da sie keyn raum hett mit yhrem kind, denn ym stall zu liegen.
Ebd. (
1523
/
4
):
das wasser thu sich beseyt und gebe raum, das die erde herfur komme, darauff man wonen muge.
Gleich wie eyn acker, der on dornen und streuche feyn gleich und reumig stehet wie eyn schoͤner reyner platz.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
147, 3186
(
Magdeb.
1608
):
Wie denn Weißheit vnd guter Rath / | Jm feisten wanst wenig raum hat.
Ebd.
684, 5586
:
ES hatten aber am Eychenbawm / | Eingenommen ein grossen Raum / | Ein Fewrwurm / viel Meyn / vnd Roßkefer.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1578
):
[Die Kleider]
sin vur enge neigst der hant, darnach weiter und raumlicher bis oben an die scholter des wambis-romp.
J. W. von Cube. Hortus
106, 12
(
Mainz
1485
):
diß krut [...] geleyt vff die brust benympt den zwang an dem hertzen vñ machet auch also genutzet eỹn rumig brust.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Geh weg, gib raum, oder will dich schlagen.
Eggers, Psalter
34, 9
(
thür.
,
1378
):
Vnde er leite mich in einen rum
[Äquivalent zu lat.
latitudo
]
; un̄ behelt mich, wende er wolde mich.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Geleget [Christus] in ein krippelein, | Sonst war kein raum vorhanden.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ach, daß ich
[der gefesselte Wolffdietrich]
so vil raums kŏndt finden, | Daß ich die Strick hie möcht auffbinden!
Wickram
4, 36, 21
(
Straßb.
1556
):
sovil sie mocht raum und blatz haben / packt sie irer kleider zuͦsamen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
309, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do Troillus zue handen | sein schwert ergraiff [...] | umb Hectoren ein rawm er manlich machte.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
931, 12
(
mslow. inseldt.
,
1577
):
Matts ZaiślPrunner [...] hat śeine aigne Weinśtöck Zue Peśśerm raum der hüetten auśgehaut.
2.
›Möglichkeit, Gelegenheit, Chance (z. B. zur Ausführung einer Tätigkeit, zur Bewegung in eine selbst gewählte Richtung)‹; auch: ›Freiheit (etw. zu tun), Offenheit für etw.‹; als Ütr. von 1 auffassbar.
Phraseme:
e. S. raum geben
›einer Sache Bedeutung zubilligen‹.
Bedeutungsverwandte:
, 3,
1
2, (
die
) 6; vgl. .
Syntagmen
(seinen) r. behalten / ersehen / haben,
[wo]
r. finden, e. S. / jm. (zu viel) r. geben / lassen, sich r. nemen
;
der r. des fleisches
.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
Das wyr raum haben zw horen, Das got raum hat uns zw leren.
Ebd. (
1535
/
6
):
lasst uns klug sein, weil wir noch raum haben und das zeitlich leiden nicht so gros achten.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
537, 958
(
Magdeb.
1608
):
zeug mir
[dem Pferd]
wider ab den zaum / | So spatzier ich nach meinem raum
(›wohin ich will‹).
Ebd.
647, 4400
:
Als wenn die Hund ein wilden Beeren / | Vmbringen [...] | Der zuvor hieng oben am Baum / | Vnd nicht herunter wolt am Raum
(›seine Freiheit nicht aufgeben wollte‹).
Pfefferl, Weigel. Gn. S.
96, 1
(
um 1571
, Hs.
1615
):
auff daß der Neüe Mensch Jesus Christus in vnnß stat vnd raumb finde, regiere vnnd lebe
(bildlich aufgefasst auch zu 1 stellbar).
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wann man der Folter zu viel raumb gibt.
Sachs (
Nürnb.
1524
):
Dise [...] wenden die ewangelischen freyhait zur lust und raum des fleysch.
Ebd. (
1543
):
Auch helt er sein kriegslewt im zaum, | Lest in nicht allen muet und raum, | Sein volck zw plündern und zw plagen.
Dietrich. Summaria
23r, 19
(
Nürnb.
1578
):
Wo ich nicht bin / da hat man vrsach gnug sich zu foͤrchten / denn der Teufel hat seinen raum.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Vnser münchlin muͦß rum han, | Vff das es buͤchlin schreiben kan.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 27, 19
(
Hagenau
1534
):
Gregorius der grosse hat disen geistern allzu viel glauben unnd raum gegeben.
Ebd.
2, 182, 4
([
Augsb.
]
1548
):
Das geschenke des menschen / macht im raum / und bringt (in) für die grossen Herren.
3.
›begrenzte Fläche‹; im Einzelnen: ›Nutzfläche‹; ›Grundstück‹; ›Ebene, Gelände‹; ›Gebiet, Gegend‹; ›Fläche eines Kreises‹.
Bedeutungsverwandte:
2, 6, II, 4,
1
4, .
Syntagmen:
den / einen r. bezalen / bewonen / einnemen / kaufen / verkaufen, eigentümlich haben, zu acker machen
,
jm. einen r. geben / verlehenen
;
der r
. (Subj.) [wo]
gelegen sein, von x linien eingeschlossen sein
;
j. / etw
. (Subj.)
js. r. zu nahe kommen
;
viele burgen / stätte / wonungen in dem r. sein
;
der r. der tabelle
;
der r. an der statmauer
;
der grosse / wüste r
.;
das haus mit seinem r
.

Belegblock:

Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 276, 23
(
omd.
,
1428
):
wir [...] geben dem selben orden der prediger den rewm, der gelegen ist czwusschen der stadt Girdauwen und den czween sehen doselbist.
Ebd.
590, 10
(
1435
):
Nymand sal ruthenholcz hauwen uff seyme stocke zcu vorkouffen, ader flecke dovon vorkouffen, her welde denn den rauhm ford zcu acker machen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
39, 16
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dy herschaft der stat und des richis Cyngui di ist von xvj tage reysin, und in dem rume sint vil burge und stete und wonunge.
Böhme, Morg.R.
152, 10
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Die 7. geister Gottes begreiffen in ihrem circk oder raum den himmel und diese welt.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Columna (eine Saul) wird genandt der raum von zweyen auffrechten Linien eingeschlossen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
, Hs. [
1443
]):
Das chain nachpaur dem anderen seinen zeun und marichen oder raum und stain mit ichte ze nachent komen sol ân ains richter willen und wissen.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
48, 30
;
126, 15
;
Rwb  ff.
Vgl. ferner s. v. 2.
4.
›Volumen, Innenraum eines Behältnisses‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
) 3, (
die
) 3.

Belegblock:

Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1525
(
oobd.
,
1607
/
11
):
der übrig raum in disem kasten ist, das man allerley werckhzeug darein kan legen.
5.
›Weltraum‹.

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Anzeigende wie der jaͤhnige / der sein Gemuͤthe wiel hienauff heben zu den Coͤrpern deß ohnergruͤndlichen raumes.
6.
›Zeitraum, Zeitspanne, Frist‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
der gantzen Astronomiæ verrichtung / ist erkuͤndigen / auff iedwedern punckt der zeit / den orth und gelegenheit der Sterne; auch auff iedwedern raum oder waͤrung der Zeit / die Mensur der circularischen fortruͤckung des Gestirns.
7.
›wertloser Rest (z. B. nach Baumschnitt)‹; ›Deck- oder Füllmaterial (z. B. Sand, Erde)‹; ›Abfall, Schutt‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 3, 3, ; vgl. 2.

Belegblock:

Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1619
):
sie
[sind]
zu diesen weingarten die dung ufzuladen, zu führen und zu tragen schuldig, also auch die erden, raumb oder abfall.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Was dann für ain spacium darzwischen, ist alles mit ertrich und raum ussgefült worden.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1430
, Hs.
A. 16. Jh.
):
Ein ieglicher mulnër seins raums und seiner schut mag er ân werden so er pest mag.