überschwenklich,
Adj.;
auch:
überschwenklig
.
1.
›über die Ufer tretend, überlaufend‹ (von einem Gewässer; 1 Beleg:
UB Zug
); sonst durchgehend ütr.: ›über das Normale, Übliche, Erwartbare hinausgehend, alles Gewohnte übersteigend‹; bezogen auf profane, in der Macht des Menschen liegende, seltener auf transzendentale Gegebenheiten, sofern diese menschlichen Vorstellungen unterliegen; mit letzterer Nuance offen zu 2; vgl. (Präp.) 3; 10.
Gehäuft obd.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (Adj.) 3; 7; 9, 2, 1, 3.
Syntagmen:
etw. ü. sein, jm. etw. ü. werden
;
etw
. (z. B.
die hellische pein / verdamnis
)
ü. meren, sich mit jm. ü. streiten
;
der überschwenkliche koste / raub / wucher, die überschwenkliche freude / frucht / guttat / marter / rüstung, das überschwenkliche geschäft / erbieten / stechen / saufen / trinken / wasser / wort
;
ü. viel
(
des safrans
).

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1524
):
du [...] wilt nicht bedenken die großen überschwenklichen gescheft, so wir mit renten, zinsen, steurn, raisen und lant und leuten haben muͤßen.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Opulentè. Vollauff genug reichlich vberschwencklich vberfluͤssig.
Wer kan solche überschwenckliche freüde begreyffen, geschweyge dann von sich reden, das ein armer stinckender sünder künd und müg Got seinen vater und seinen Gott nennen wie Christus selbs?
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1420
):
des burgermeisters hauß [...] mit über schwencklichen schönen grosen kammern.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
17, 52
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
mit andern dingen, die die sund grossern [...] mugen und die die hellisch peyn und verdampnuß ym uberswencklich meren.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie des Franzesischen kuͤngs botschaft an ir heilikeit gelangt, sich mit im zuͦ vereinen, [...], mit uberschwenklichem erpuͤeten.
UB Zug
1203, 18, 5
(
halem.
,
1416
/
76
):
es sy denn sach, das ein úberschwenchig wasser kem, das das wuͤr brechi, so sol [...].
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1533
):
Des großen überschwengklichen wuͦchers halb, [...] das sin gnad verschinen zit verpotten [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberschwencklich / über die maaß zefast. [...]. Ein grosse vnnd Vberschwenckliche froͤud.
Das überschwencklich trincken vnd sauffen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
[er] macht sackman in dem dorf und namen alles, das da was, [...], ain großen überschwenklichen raub.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Sein schwager [...] ist des überschwenklichen drinckens [...] gestorben.
Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
7r, 15
(
oobd.
,
1491
):
also das ainer snell. lam. blind. oder vberswenclich groß stechen hat vnd geschoß. im haubt.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
richtet er [kaiserTiberius] sich mit überschwenklicher rüstung [...] zu.
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Wickram
4, 34, 29
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. ;
Welti, Stadtr. Bern Var.;
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. ;
2.
›alles Geschaffene überragend, unermesslich, überherrlich, damit das menschliche Fassungsvermögen übersteigend, unbegreiflich,
incomprehensibilis
, nicht aussprechbar‹ (von religiösen Tatbeständen gesagt);
Beleghäufung für das Wobd. der älteren frnhd. Zeit; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Gegensätze:
(Adj.), 2, 1, (Adj.) 6, .
Syntagmen:
Jesu name, die barmherzigkeit ü. sein, die gnade zu ü. anzuschauen sein, etw
. (Subj.)
ü. über die sinne sein, ein liecht als ü. werden, das [...]
;
got jn. ü. erlösen / schaffen, die minne den geist ü. erheben, das wort ü. frucht bringen, etw. ü. in jm. finden, jn. der warheit ü. beweisen
;
ü. überschüttet
(von
taufe, sacrament, absolution
gesagt);
der überschwenkliche glaube / sin, die überschwenkliche begreifung / bekorung / erkentnis / güte / heiligkeit / liebe / pein / ungemessenheit, das überschwenkliche gut / leiden / liecht / vaterland
.
Wortbildungen:
überschwenklichkeit
(dazu bdv.: ; ggs.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
wenn wir sterben, so legt uns unser natur unnd der teüfel für die groͤsse unnd überschwenckligkeit der guͤtter Gottes.
Ebd. (
1535
):
Credentibus uberschwenglich gut datur, gnad celestis patris.
Ebd. (
1544
):
Sed er hat uberschwenglich uns wollen erloͤsen et sic incomprehensibiliter effudit super nos sanguinem.
Ebd.
625, 33
:
Das heist ja reichtumb, [...], und heist reichlich, vberschwencklich uberschutt.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Als die obersten Chur der Engel [...]. Franciscum sahen / mit seiner vberschwenglicher volkomenheit / freweten sie sich seer.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1277
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
dorch din grosse uberswentzige
[hierher?
-swentzig
nicht erklärbar]
pin, | dorch din angstlich bitter noit | [...] | bedenck nu myn hertzeleit!
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so man aller lútselikeit, gezierde, schonheit ie grundlosklicher na gedenken kan, so man es ie úberswenklicher in dir, zartes lieb, vindet.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
das si [minne] den geist des menschen also úberswenklichen erhebt in jenem den er mint.
Dis ist ein úber swenklich liecht; das liecht erlúchtet einen ieklichen menschen.
dis liecht [...] wirt als klar in dem grunde das es dem geiste wirt als úberswenkig das es engegen in schinet als ein dúnsternisse von úberswenklicheit des liechtes, wan es ime und allen creaturen unbegriflich ist.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
84, 1
(
els.
,
1362
):
Der namme Ihesus ist gar hoch vnd úberswenckic.
Rieder, Gottesfr. (
els.
, Hs.
15. Jh.
):
und leite uff in das crútze [...] lidendes von úberswenckigen manigvaltigen grossen úbersinnelichen bekorungen.
Warnock, Pred. Paulis
20, 70
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Er [...] lát sich nit sechen in siner clarhait, won er bekent, daz sy ze úberswenklich ist anzeschowen der menschlichen krankhait.
Vetter, Schw. zu Töß (
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
nit allein was er [Seüsse] übertreffen an hochen tugenden und an überswencklicher heylikeit, sunder [...].
Bauer, Geiler. Pred.
90, 18
(
Augsb.
1508
):
wenn er ainenthalb betracht die großhaitt und hochait / und die überschwenglich ungemessenhait / der goͤttlichen majestat.
Höver, Bonaventura. Itin. B
76
(
moobd.
,
1450
/
60
):
Jn disem grad, [...], wirdt die sel geschickt zu enczuckung des gaists vnd v́berschwenckleicher begreiffung.
Langen, Myst. Leben
224, 17
;
Gille u. a., M. Beheim
134, 117
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Vetter, Pred. Taulers ;
ders., Schw. zu Töß ;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Illing, Albert. Sup. miss.
97
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
21, 6
;
Bauer, a. a. O.
500, 26
;