übermässig,
Adj.;
auch
übermäslich,
übermäslichen
(jeweils Adv.).
›unter je verschiedenen Aspekten übermäßig‹ (allgemein); darunter: ›den normalen Intensitätsgrad eines Verhaltens, einer biologischen Disposition übersteigend‹; ›über das unterstellte Normalmaß hinausgehend‹; ›maßlos, exzesshaft (z. B. im Trinken)‹; ›alles überragend‹ (von Glaubenstatsachen); ›eine Eigenschaft gradadverbial als besonders, außerordentlich heraushebend‹; vgl. (
das
) 2; 3.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , 1; 2, 1, 2, 1.
Syntagmen:
ü. arbeiten
(z. B.
bei der warheit der geschrift
) /
trinken / zürnen, ein werk ü. begeren, eine mas übermäslichen nemen, j. in den predigten ü. sein, eine bürde der kunst ü. sein
;
die übermässige freude / güte / marter, reichheit (der gnade), die übermässige ankerung
›Überbeweidung einer Grasfläche‹ (z. B. mit Ziegen),
das übermässige wiedergeben
; gradadverbial:
ü. feurig / gros / reich
.
Wortbildungen:
übermässigkeit
(dazu bdv.: 4).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
1517 zoge ein frecher Dominicaner Münch, [...] genant, mit des Babstes ablas in deutschen landen umbher und als in seinen predigten er sehr heftig und übermeßig war, dan [...].
Luther, WA (
1512
/
8
):
Sich, dise lauterkait und inwendige rainigkait des willen von allen dingen ist die recht zierd der leüt Christi, die da übertrifft übermaͤßlich allen geschmuck, den ain mensch erdencken mag.
Ebd. (
1522
):
Offentliche gottes lesterunge, ubermessig zutrincken, hurerey, betriegliche toppel spiell, und andere sunde und laster, [...], mit ernstem vleis vermeiden.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Dahero kompts daß jhrer
[der Gefangenen]
viele [...] durch die vbermaͤssige Marter vnd Folterung jhr Leben verlohren.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
viel tapffer leuth, hetten ein über cöstlich mahl zugericht und thäten mir übermässig grosse ehr.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
103
(
Nürnb.
1517
):
Also wirdet vergleicht das entlich mit dem unentlichen, das erschaffen mit dem unerschaffen, und wirdet itzo nit ein gleichmesigs, sunder ein vil ubermesigs widergeben.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
wa wart ie sel so kalt [...] die dinú suͤzen lebenden minnendú wort horti, dú da so úbermesseklich fúrin sint, es [herz] muͤz erweichen.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Got hat alz úbermaͤssig guͤti an im daz er sich niht moht enziehen.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 227
(
halem.
,
15. Jh.
):
si [schriber] moͤchtint nit geschriben die v́bermessigen richait der gnăden.
Heydn. maister
31v, 8
(
Augsb.
1490
):
Diser Anaxagoras als er übermaßlich reich wz / hat [...].
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
von des ezzens überflüzzichait kümt der fäuhten übermæzzichait in dem leib.
daz tier ist unmæziger mit dem werk seiner unkäusch dann andreu tier.
Ebd. :
wenne ez [Furiôn, ein tier] niht mag volpringen zemâl allez daz werch, des ez übermæzicleich begert, sô schreit ez.
daz der leo von seinem aigen zorn sterb, [...], wenne er übermæzicleichen zürnet.
Niewöhner, Teichner
155, 247
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
da von ist ir
[Bezug auf Maria]
lobs puͤrd | uͤber mazzig aller chunst.
Ebd.
175, 47
:
also vaulent hertz und gelider | von der uͤber mazzichait, | daz ain trunch den andern jait.
Ebd.
361, 61
:
daz ist hochvart grunt und dach, | der uͤber ain tewrn wil | der im ist auf allem zil | uͤbermazzig und zu swaͤr.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
83, 23
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
manger christen, der pei der warhait der hailigen geschrift fast vnd vbermaͤssleich hat gearbeit, der ist gevallen in chaͤtzerleichen irrsal.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
als sich die landschaft beclagt von der maß wegen des getraides, das si auf den kastn dienen, wie die ubermeslichen von im genomen werde.
Langen, Myst. Leben
198, 4
.
Vgl. ferner s. v. 2, 8.