überschiessen,
V., unr. abl.
1.
›räumlich, in der Länge / Höhe über einen bestimmten Zustand, ein übliches Maß unterschiedlicher Art hinausgehen, etw. überragen, überlagern‹; im Part. Perf. z. B.: ›bucklig‹ (vom Rücken); in 1 Beleg (s. u.
Müller
) trans.: ›etw. überbauen‹; vgl. (Präp.) 2 (ütr.), (V.) 2; 11.
Wortbildungen:
überschüzling
wohl ›wilder Trieb, Rebe, die auf benachbarter Stelle weitergezüchtet wird‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Hes. Uzl.
264, 16
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
dy lenge was nach der wite der phorten und darumme muste daz selbe gebuwede ubirschiezen uf pfilern.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
das dün vberschossen hütlin zwischen dem fleisch vñ gebein das das gebein bedecket.
Boos, UB Aarau (
halem.
,
1357
):
Die úberschútze sullent oͮch beliben als sie ietzent sint und sol enweder teil die fürbas úberschiessen.
Wiessner, Wittenw. Ring
83
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
wie | Jr der rugg was überschossen: | Man hiet ein gloggen drüber gossen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberschützling (der) Mag man wol nennen ein raͤb gert von einem baum auff den anderen darnaͤbend gezüchtet. Tradux.
vberschiessen / lenger sein [...] Longetudine superare. Der balcken (oberscheust) den andern.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 247, 41
(
schwäb.
,
1449
/
50
):
2½ lb. dem Senfmacher von der kalter zue überschiesend.
2.
›überschießen, überströmen, ausströmen‹; von heftigen Flussbewegungen sowie (mit verschobener Bezugsgröße) von Behältern bzw. (tropisch) Behälterartigem gesagt, im Einzelnen auch vom Übergehen der Augen, vom Zürnen Gottes, dem Speien eines Drachen, vom Aufstoßen, Rülpsen, Bluten der Nase, Erbrechen (des Magens); vgl. (Präp.) 1; 2; 3, (V.) 2.
Bedeutungsverwandte:
5, 2, ; vgl. 1, 7.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1635
):
ein kleiner schwacher Fluß ganz plötzlich überschossen | und mit der fremden Flut wird häufig ubergossen, | weiß seine Ufer nicht.
Stammler, Berner Weltger.
113
(
ohalem.
,
1465
):
Der zorn von gottes munde flüsset, | Mit zorne er die welt überschüsset.
Jörg, Salat. Reformationschr.
331, 23
(
halem.
,
1534
/
5
):
und ward überspreytt ein gantze Eygnoschaft uß überschiessen des hellischen tracken / der sin gifft und für uf alles ertrich usgos.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberschiessen wie ein wasser so es gefreürt. Concrescere. Bloß Vberschiessen / oder vnderschiessen. Suffundere. Das Vberschiessen oder das bluͤten der nasen. Profluuium narium. Das Vberschiessen unnd unwillen. Redundatio stomachi. [...]. Als die seinen kommen / sind jm die augen Vberschossen.
3.
›etw. (z. B. den Gewinn) überschlagen, grob abschätzen‹; vgl. (Präp.) 12, (V.) 10.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 4.

Belegblock:

Tittmann, Schausp. 16. Jh., Kulm.
157, 224
(
Nürnb.
o. J.):
der müe sol mich nicht verdrißen, | wil den gewin vor überschießen; | summa summarum.