überreiten,
V., unr. abl.
1.
›wohin, an jm. vorüber, vorbeireiten‹ (1 Beleg; s. u.
Küther
); daran tropisch anschließbar (in offenem Übergang): ›jn. (eine Einzelperson) vom Pferd herab angreifen; einen Herrschaftsverband (z. B. die Dänen) / etw. (ein Herrschaftsgebiet, z. B. ein 8,
Ungarn
) mit der Reiterei angreifen‹; resultativ: ›jn. / etw. überrennen, überwältigen, niederreiten, niederstürmen, besetzen‹; vgl. (Präp.) 3, (V., unr. abl.) 1.
Oft narrative Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (V.) 1,
1
1; 3, 3, , ; vgl. 2.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den helden / herzogen
)
ü
. (z. B. wann:
balde, an der stat
›sofort‹; wo:
auf des reiches strassen
; womit:
mit dem armbrust / schwert
),
j. die feinde, Abotriten / Dänen / Griechen / Sorben / Walchen
/
etw
. (
ein gebirge / land, Ungarn, das Windland, die welt
)
ü
. (z. B.
alle zeit, mit gewalt / her
›Heer‹,
mit grossem volke, mit knechten / rittern
).

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der [Dithard] gar ein strenge herre was sinen figenden, want he di mit großem volke, rittern unde knechten, alle zit oberreit. Unde daz was alle sin ufsatz, daz he sine vigende oberride.
Valli, Baldemann
288
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Der [Otte] ubir berg die Walhen gar | Hot Appodriten, Sorben, | Allez Wintlant mir erworben | Und Tenen uberstriten, | Ungern uns uberriten.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 332
(
1368
):
daz in der obirreyt uff des rychs straszen und slug in an synen hals.
Küther, UB Frauensee
282, 2
(
thür.
,
1496
):
Hatt myn schultheys geantwortt, er hette vor ym obergeritten.
Adrian, Saelden Hort
5099
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
die úberritent und bligent | ir vigent.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dem helden waz unmassen ga | Daz er in balde über ritt | Und manlich mit im gestritt.
Gereke, Seifrits Alex.
7542
(
oobd.
, Hs.
1466
):
er mocht wol mit chraft | an vechten und an streytten | all die welt uber reytten.
Ebd.
911
:
do er [Alexander] nu den sig gewan, | do hies er sein pest man | uber reitten das land.
Weber, Füetrer. Poyt.
259, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Ee er [Poitislier] das [gepirge] v̈ber rite | laid er vil vngefertt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
497, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Sy
[
frawen
, Amazonen]
werten so ir aigen landt, | das mit gewalt si niembt mocht überreiten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
so hertzog Ludwig auch zu der herberg wil reiten, so überreit in hertzog Hainrich mit ainem erzognen swert.
Wyss, a. a. O. ;
Koppitz, a. a. O. ;
Adrian, a. a. O.
5099
;
Spiller, a. a. O. ;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Fichtner, a. a. O.
188, 4
.
Vgl. ferner s. v. 8.
2.
›(ein Pferd) abreiten, durch übermäßiges Reiten zugrunde richten‹; vgl. (Präp.) 10, (V., unr. abl.) 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
3, 1.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1473
):
daz si [...] ouch ir selbs pferde suber zuͦ halten vnd die nit ze wuͤsten noch ze uͥberriten ane not.
Deinhardt, Ross Artzney
208
(
oobd.
,
1598
):
Wann ain roß über ritten oder yberfiettert wird.
Ebd.
206
.