übernächtig,
1.
›über Nacht, eine Nacht lang; nachts wo verbleibend, dauernd wohnhaft, ansässig‹; vgl. .
Wortbildungen:
übernachtige
der
) ›nachts Wachender, Nachtwächter‹ (Beleginterpretation unsicher).Belegblock:
Almuͦsen sol man denen geben | Die gar nichts übernächtigs heben.
So berlst der knecht anzeut und obirnechtig wirdet, so ist das wachs und hantwerksgebuhr vorfallen.
Ubernachtige odʼ wachter. pernox. causam litis bene ordninare.
Keyn ding by zytten er bestelt | Nüt über naͤchtigs er behelt.
2.
›von heute auf morgen, gleichsam über Nacht qualitativ verändert‹ (allgemein); von Sachen: ›aufgrund zu langer Lagerung nicht mehr frisch, abgestanden, schlecht geworden‹; vom Menschen: ›vergänglich‹; vgl. (Präp.) 5; 6; 7, 1.Belegblock:
was gebt ir in
[den
armen]
anders dann euer abgeschelte vischgreter, tellerprot, abgeschnitlich und waßerkraut, übernechtige gersten, hirs, ruben. ernstlich bedacht / daß wir alle vbernaͤchtig vnd sterblich sind.
wier sind uͤbernaͤchtig und erkennend nit, dass unsere tag sind wie der schat uf erden.
damit wir also den geytz vnd das scharren, kratzen, toben vnd wüten nach zeitlichen gütern auß dem hertzen schlagen vnd gedencken, das wir übernächtig seind.
3.
›nach einer rechtlich gebotenen Zeit anhängig, länger als eine Nacht anstehend (von einer Klage); nicht am Tage des Verbrechens vor Gericht anhängig gemacht (von einer Rechtssache)‹; vgl. (Präp.) 5; 6; 7, 1.Belegblock:
Wy man obirnachtige clage umb totslag adir wunden richten sal.
ist dy clage obirnechtig unde in hanthafftiger tad nicht vorbracht, also recht ist, unde thoret ir danne deme neyne rechte volge thun met uwers selbist hant uff den heylgen, also recht ist, so [...].
Ebd.
194, 21
: meynet Hanß Rüsse, eß solle obir solliche wunden nicht erkant werden, darumbe daz dy wunden uff frischer tad nicht beleyt sint, auch darumbe daz dy sache obirnechtig worden sye.