übernächtig,
in 1 auch
übernächtigs,
Adj.
(2; 3) /
Adv.
(1; 2).
1.
›über Nacht, eine Nacht lang; nachts wo verbleibend, dauernd wohnhaft, ansässig‹;
Wortbildungen:
übernachtige
(
der
) ›nachts Wachender, Nachtwächter‹ (Beleginterpretation unsicher).

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1525
):
Almuͦsen sol man denen geben | Die gar nichts übernächtigs heben.
Bergner, Urk. Kahla (
thür.
,
1507
):
So berlst der knecht anzeut und obirnechtig wirdet, so ist das wachs und hantwerksgebuhr vorfallen.
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
(
Nürnb.
1482
):
Ubernachtige odʼ wachter. pernox. causam litis bene ordninare.
Lemmer, Brant. Narrensch.
70, 6
(
Basel
1494
):
Keyn ding by zytten er bestelt | Nüt über naͤchtigs er behelt.
2.
›von heute auf morgen, gleichsam über Nacht qualitativ verändert‹ (allgemein); von Sachen: ›aufgrund zu langer Lagerung nicht mehr frisch, abgestanden, schlecht geworden‹; vom Menschen: ›vergänglich‹; vgl. (Präp.) 5; 6; 7, 1.
Bedeutungsverwandte:
1 (zu letzterer Nuance).

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1525
):
was gebt ir in
[den
armen
]
anders dann euer abgeschelte vischgreter, tellerprot, abgeschnitlich und waßerkraut, übernechtige gersten, hirs, ruben.
Dedekind/Scheidt. Grob.
89, 22
(
Worms
1551
):
ernstlich bedacht / daß wir alle vbernaͤchtig vnd sterblich sind.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wier sind uͤbernaͤchtig und erkennend nit, dass unsere tag sind wie der schat uf erden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Kalte vnd übernaͤchtige Speyß.
Reu, Süddt. Kat.
1, 810, 30
(
Augsb.
1543
/
4
):
damit wir also den geytz vnd das scharren, kratzen, toben vnd wüten nach zeitlichen gütern auß dem hertzen schlagen vnd gedencken, das wir übernächtig seind.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Heut gesunt und morgen siech; | Wie iunch, wie starkch, wie mechtikh, | Die sıͤcht man uͤbernêchtikh | Plaich und iemerleich gestalt.
3.
›nach einer rechtlich gebotenen Zeit anhängig, länger als eine Nacht anstehend (von einer Klage); nicht am Tage des Verbrechens vor Gericht anhängig gemacht (von einer Rechtssache)‹; vgl. (Präp.) 5; 6; 7, 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 4, .
Gegensätze:
(Adj.) 3.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Wy man obirnachtige clage umb totslag adir wunden richten sal.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
173, 34
(
thür.
,
1474
):
ist dy clage obirnechtig unde in hanthafftiger tad nicht vorbracht, also recht ist, unde thoret ir danne deme neyne rechte volge thun met uwers selbist hant uff den heylgen, also recht ist, so [...].
Ebd.
194, 21
:
meynet Hanß Rüsse, eß solle obir solliche wunden nicht erkant werden, darumbe daz dy wunden uff frischer tad nicht beleyt sint, auch darumbe daz dy sache obirnechtig worden sye.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
Wann aine genotzogen wiert, so soll si, [...] das also clagen, das es nit ubernächtig werde.