überliefern,
V.
›etw. (z. B. Textdokumente) von Person zu Person, oft rechtsförmlich aushändigen, übergeben‹; als kühne Ütr. hierher (?): ›eine Schlacht liefern‹; personenbezogen und teils mit einer Zwangskomponente verbunden: ›jn. freilassen, ausliefern, überantworten, überhändigen, überstellen‹; auch: ›jn. als Geisel stellen‹; vor allem in den lexikographischen Belegen ist nicht sicher erkennbar, welche Nuance gemeint ist; zu (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), vgl. 1; 2.
Mehrfach narrative Texte.
Syntagmen:
j. einen brief, eine abschrift, ein gut, ansprachen
›Ansprüche‹ /
forderungen ü., der gerichtschreiber die acta, der inleger seinem wiederteil die abschrift (unverzogenlich) ü., j. eine schlacht ü
. ›schlagen‹,
j. den könig ü., jm. einen bürgen, eine geisel ü., jm. jn. in die hände ü., dem weltlichen gewalt den priester ü
.
Wortbildungen:
überlieferung
1 (zu ersterer Nuance).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Offerre, seu tradere. Vbergeben vberlifern
[Deutung unsicher]
vberantwurten vberreichen vberlangen behanden behändigen zu handen stellen.
Mannack, Rist. Pers.
195, 7
(
Hamb.
1634
):
ja auch [...] jhnen etwa einen gnugsahmen Buͤrgen oder Geisel alse meinen Bruder Demetrium uͤberliefere.
Luther, WA (
1529
/
30
):
das er [der koͤnig] kan nach drucken und zwo, drey, vier grosse schlacht nach einander uberliefern, wie er mit dem Soltan beweiset hat.
Ebd. (
1532
):
Ich wil jn jtzt nicht loben seiner hohen tugend halben, sondern jn auch lassen einen sunder bleiben wie uns alle, die wir die strasse auch gedencken zugehen und unserm Herre Gott manche starcke sunde uberlieffern wollen.
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
dat sy alsulge brieue vnd gesetze, [...], den Scheffen ind Rade ouerleueren vnd hanireyken
[sic!]
weulden.
Köbler, Ref. Franckenfort
93, 17
(
Mainz
1509
):
der selbe jnleger sol die Copy oder abschrifft von dem gerichtschreyber loͤsen / vnd seinem widerteil vnuerzogelich zu vberliebern schuldig sein.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Deßgleichen hab ich auch on lang E. L. Tochter Frewlin Oriana, in deß Herrn Grumedan händ vberlifert.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 82, 2
(
Straßb.
1520
):
Mit dem priester der abgesetzt würt degradiert / vnd weltlichem gewalt vberlifferet / das er nit me priester sei.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1529
):
das kingklich magestatt nit in Wien ist und man kain schlacht mit dem Türck haut uberlyffrett, so ist er och uffgebrochen hin und anweg zogen.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
So ligend oder varend guͦt verkoufft ist vnd schaden emphaht / ee es überliffert würde.
so bald der kouff beschehẽ ist / was dañ dem erkoufften guͦt schadens zuͦfiele / den tregt der kouffer vñ nit der verkouffer / ob er anders die überlifferung nit gehindert [...] hett.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberliferen / Vberantworten. Attribuere, Committere, Tradere. Einen einem in die hend Vberliferen / oder in seinen gewalt gaͤben.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Behaͤndigen / behanden / behenden / vberlifferen / inn die hand geben / zur hand stellen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[sy] gemuets sein sulln, den [...] kunig des Romischen Reich zu uberlifern.
Köbler, Ref. Franckenfort
76, 9
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Raabe, Wortsch. Murner
2, 661
;
Ulner E iiijv.
Vgl. ferner s. v. 1.