übergülden,
V.
1.
›etw. (einen Gegenstand von gewissem bis hohem Wert, teils mit religiöser Funktion, z. B. kleinere Behälter, einen Schild, einen Altar) vergolden, mit Gold (teils wohl auch: mit einem goldfarbenen oder goldähnlichen Material) überziehen und damit aufwerten‹; Mehrzahl der Belege im Part. Perf.; vgl. (Präp.) 1; 2; 3; 10, (V.).
Bedeutungsverwandte:
, 3, ; vgl. .
Syntagmen
(in Auswahl):
einen becher / kopf
/
1
leffel / schild / tisch
›Altar‹ /
eine schale / schüssel ü
.; im Part. Perf.:
ein bild / holz, ein altar, eine barmherzigkeit, die federn (der tauben), die schachsteine / zwelfboten, zwei hosen, j. (auf dem rücken) übergüldet sein, etw
. (Subj.)
von aussen und innen ü. sein, etw. sam der augapfel übergüldet sein
;
der übergüldete altar / brunne / kelch / knopf, die übergüldete ampulle / büchse / krone / stube, das übergüldete buch / kreuz / ros / silber
; subst.:
etw
. (Subj.)
um des übergüldens willen nicht zu hoch sein
.
Wortbildungen:
übergülder
,
übergüldung
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Bar.
6, 7
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ja ist ir holtz geslichtet von dem czymmermanne, is ist ouch obirguldit
[
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
vergüldt
;
Luther
1545:
mit gold [...] gezieret
]
und obirsilbirt und ist valsch.
Ders., Marienb. Ämterb.
133, 39
(
preuß.
,
1439
):
eyn messebuch mit sulberen breteren, item 1 par sulberen obirgolte ampollen.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 680, 37
(
preuß.
,
1521
):
losze und gemeyne weyber belangendt wellen wir, das dieselben hinfurter keyne perlen, ubergult silber noch keinerlei seidenwerg, [...] nicht tragen sollen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
187, 4
(
preuß.
,
16. Jh.
):
1 silbern kreutz mit einem kupperen fuesz ubergult.
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Scholastica sprichet darin: | der altar was ubergult fin.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1568
):
die mark vom kop wart uff 9½ daler gesclagen, war nit zu hoich umb des ubergultens und fazuns willen.
Struck, Klöster
379, 38
(
mosfrk.
,
n. 1516
):
1 silbern barmhertzekeit un(d) die ist obergult.
Sachs (
Nürnb.
1556
):
Dar-durch füret man nein das gros | Gezimert, uebergueltes ros!
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Das eine das ist ein húltzin bilde und ist úber gúlt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
mach ein disch von den hoͤltzern sethim. [...] anderhalb eln in der hoͤch: vnd vbergúlde
[
Eck
1537:
solt sie v́gülden
;
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Luther
1545, 2. Mose 25, 24:
solt in vberziehen
]
in mit dem lautersten gold.
Warnock, Pred. Paulis
4, 12
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die fedren der tuben sint úbersilbret, und die letschten fedren irs ruggen sint úbergúlt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Zwo hossen trüg der usserkorn, | Die waren lutter stechelin, | Übergültt rain und vin.
Maaler (
Zürich
1561
):
Den schilt Vbergülden / das er von waͤgen seines glãtzes einem in augẽ brŭñt.
Vberguͤlder / m. Dorier, Doreur, Inaurator. [...]. Vberguͤldung / f. Doruse, Inauratio.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
so der augapfel swarz ist und ain gelb varb hât sam ob er übergoldet sei, der bedäut ainen pœsen menschen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Da was gerichtet ein altar, darawff waren dy zwelfboten all silberein und ubergoldt.
Müller, Faustb.
909, 10
;
Thür. Chron.
5r, 6
;
Lippert, UB Lübben
2, 281a, 1
;
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
479, 2
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Glatz, Chron. Bickenkl. ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Wickram
4, 47, 9
;
17
;
Bachmann, Haimonsk. ;
Barack, Zim. Chron. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2350
;
Vgl. ferner s. v. 1.
2.
›etw. (eine Handlung, Haltung, einen Glaubensinhalt, auch: einen religiösen Tatbestand, die Schönheit einer Minnedame) gleichsam übergoldend aufwerten, ehren, in hohe Achtung bringen, auf einen religiösen Seinsstand anheben‹; Ütr. zu 1.
Meist ˹obd.; älteres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘˺.
Syntagmen:
mehrfach subst.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ir gute iz allez obirgoldet, | waz wir irme sone uf erden | hie han getan mit unwerden.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ewigú Wisheit, wie kan ich dir iemer voldanken des úbergúldens alles guͦtes, daz du mit dinen wunden, mit dinem ser versuͤnet hast.
Ein ubergúlden dis alles ist, daz es nút kome von gezwungenheit, es sol komen von einer kintlichen hertzeklichen minne.
mich dunkt, daz daz ein úbergúlden alles andahtes und ein lieht alles gebettes sie, daz da gaͤt uff daz minneklich bilde Jesu Cristi und uff sin minnekliches liden.
so soltent sogtane menschen uf ire knú vallen, und soltent die ungeschaffenen liden úbergulden do mitte, daz sú gotte innenkliche danketent der liden.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
also ist dem inwendigen [leben] des ein einig trophe
[der
emphenglicheit Gotz
]
úber gúlte alles das uswendig.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
ich waiss ain harte schoͤne tugend, si ist gehaizen gaischlichú scham; si ist ain hainlicher frúnd Gottes, si ist [...] ain beraiten des hertzen und ain úbergúlden aller tugend.
Gereke, Seifrits Alex.
4101
(
oobd.
, Hs.
1466
):
sy kund auch woll verdiennen das | mit iren tugenden manigvalt: | das uber golt ir schon gestalt.
Niewöhner, Teichner
406, 94
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
das
[etw.
ordenlich volbringen
, in des
herren hulden
sein]
ist erst ein uͤber gulden | aller seiner guten sach.