überfart,
die
.
1.
›Zug, räumlich-horizontale Bewegung von Personen im Raum (über ein Wasser oder über eine Landstrecke), von einem Ort zu einem anderen‹; metonymisch: ›Länge‹ sowie ›Stelle der Überfahrt‹ (dies auch bildlich); als Ütr. (von der Bewegung im Raum auf die Bewegung in der Zeit) hier anschließbar: ›Zeitpunkt der Babylonischen Gefangenschaft‹;
Bedeutungsverwandte:
1, , , 1, 1.
Wortbildungen:
überfartschif
›Fähre‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Vadum. Far furt vberfart.
Luther, WA (
1538
):
wenn dieser weg auffhoret und wir davon sollen, wie als denn der weg gebawet sey, das wir konnen den fus gewis setzen und wissen, wo wir hin tretten sollen, Gleich als wenn ich vom land ans wasser kome, da mich die erde nimer tregt, und doch hinuber sol und mus, wo da nicht ein uberfart, brucken oder schiff ist, so mus ich entweder jm wasser ersauffen oder hie disseit bleiben.
Chron. Köln, Koelhoff
5r, 7
(
Köln
1499
):
Dat iiij. alder begynt van dem rijsch Dauids vnd wert bis zo der geuencknisse vnd ouveruart der Juden in babylon.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Ponto Vberfart Schiff.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
zuͦ Jherusalem [...] machtu leren und straffen und macht denne varn zuͦ Galilea, daz ist ein úbervart, hie ist alle ding úberkomen und ist úbergevarn.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberfart (die) Das überfaren. Transuectio, Transitio, Transitus, Transmissio, Transgressio, Traiectus huius traiectus.
Vberfahrt / [...] Transitus, traiectus.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
1, 15
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
iosias gebar aber yechoniam sin brüeder in der übervart babilonis
[
Luther
1545, Mt. 1, 11:
die zeit des Babylonischen gefengnis
].
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
ist von hüe aus der kürzeste passasch und iberfahrt gögen Teütschlandt.
2.
›Tod, metaphorisiert als
überfart
1, Hinübergehen e. P. (der Mutter Gottes, des religiösen Menschen, des Menschen Jesus Christus) vom
1
leib
1; 6,
tod
1; 3 zum
leben [...] über zeit und stat
, von der
geschaffenheit
2 in
gotförmiges wesen
, in den
istigen geist gottes
, in die innere Einheit von
got
1; 2; 3,
son
und
geist
4‹; jeweils als Ütr. an 1 anschließbar; im Einzelnen sind die metaphorischen Bezüge mehrdeutig.
Texte der Sinnwelt ‚Religion‘.
Bedeutungsverwandte:
, 1; 3; 4, 1; 3, 5.
Syntagmen:
der tod eine ü. sein
;
‚überfart‘
(Subj.)
die himmelsteigung Marien bezeichnen
;
die ü. der minne, des geistes, des todes, die ü. in ein (götförmiges) wesen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1537
):
‚Jch bin die warheit Und das Leben‘. [...] Es ist [...] alles ein ding, on das es ander namen kriegt, wenn es jm werck gehet, nemlich jnn dem ubergang oder uberfart, Denn es ist alles der einige Christus [...], denn das dis der weg sey zum Vater gen Himel zukomen, da man durch eitel creutz und tod sol gehen und sihet weder steg noch bruͤcken, weder rat noch huͤlffe der seelen, ja es fleucht jderman und erschrickt fur der uberfart.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
Kades daz wort also zart | sprichet zu dute obirvart | und bezeichent di hemelstigunge | Marien saget mine zunge.
di nuz hat innen ein cruze. | daz meinet daz gotes sele wart | mit des starken todis obirvart | an dem cruze von dem libe scheiden.
Strauch, Par. anime int.
41, 6
(
thür.
,
14. Jh.
):
wan he [toit] inist nicht dan ein ubervart von deme tode zu deme lebine, [...]: he gibit pine umme di ewigin freude.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Dis mag heissen dez geistes úbervart, wan er ist hie úber zit und úber stat.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Das dritte das ist ein úbervart in ein gotformig wesen in einikeit des geschaffenen geistes in den istigen geist Gotz.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
31, 32
(
Venedig
1483
):
ir
[Mariae]
wille was mit inbruͤnstiger hitz entzuͤndet in stiller liebe in aͤiner vberfart vͤber alle geschaffenhaͤit.
3.
›Oberhand, Herrschaft‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
1.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
gewinnet daz vur
[als menschliches Temperament]
di obirvart, | menschlich lip sich vorkart | und vellet in eine hitze.