überdenken,
V.,
unr.; im Prät. und Part. Prät.:
-dacht(-)
.
1.
›über etw. (in der Regel: Größen, schwer Fassbares, darunter religiöse Tatbestände) nachdenken, etw. gedanklich zu erfassen, zu ermessen versuchen‹; teils mit iterativer Nuance, dann: ›etw. nochmals, wiederholt, immer wieder überdenken‹; vgl. (Präp.) 12, 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 4, .
Syntagmen:
j. einen schmerzen, die heilige geschrift, die werke Christi ü., j. etw. tausend werbe, aus einem grund ü., das herz
(Subj.)
die ere / günliche / wirdigkeit, das lob ü
.
Wortbildungen:
überdenkung
.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
weren doch ellú herzen ein herz, sú koͤnden nit úberdenken die grozen ere, die [...].
Ebd. (
Köln
1543
):
Ich weisz eynen mensch, der umb volkomen gleycheyt unsz herren und seiner wege gynge [...], überdenckente die wercken Christi.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Das man die heilige wunnekliche geschrift in dem heiligen evangelio tusent werbe úberlese und predigete und úberdehte, so [...].
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
du kumpst zuͦ im: vnd empfachst von im die v́berdenckung dez gewichtts
[Vulgata:
supra memoratum pondus
; Var. 1475
2
–1480:
die obenvermelt burde
; 1483–1518:
das obenvermelt gewicht
;
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534:
das gemelt geld
;
Eck
1537:
das gemelt silber
;
Luther
1545, Tob. 4, 21:
solch Geld
]
vnd des silbers.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4346
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Din hertz als gar betruͤbt ward, | So du sinen grossen schmertzen | Úber dachtest in dinem hertzen.
Bauer, Geiler. Pred.
91, 18
;
94, 15
.
2.
›sich verschätzen, überschätzen‹; vgl. (Präp.) 10, .

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1563
):
Ich hett mich heut weit uberdacht | Und mein fuchsen zu groß gemacht.
Gereke, Seifrits Alex.
1011
(
oobd.
, Hs.
1466
):
du hast dich uber dacht | und gar gegen mir vergacht, | das du dein swert zugt gegen mir.