übel-
(+ Zweitglied).
hier werden in Auswahl schwach belegte, teils unfeste Wortbildungen (Reihenbildungen; meist Komposita nach dem Muster
übel-
+ Grundwort, seltener Zusammenrückungen) dokumentiert, und zwar:
übel-
+ V. oder + Subst. oder + Adj. / Adv.; das Erstglied ist dabei meist als Adj. / Adv. im Sinne von
übel
1; 2 (in adverbialer Funktion), nur vereinzelt als Subst. vorauszusetzen; vielfach ist die Zuordnung nicht sicher entscheidbar; für einige Vorkommen muss Analogie angenommen werden. – Vgl. auch die dichter belegten Bildungen unter einem eigenen Stichwortansatz (in einem Vollartikel).
Wortbildungen:
übelfar
wohl ›hässlich, ungestaltet‹; vgl. (Adj.) 1, (dies zu mhd.
var
›farbig‹; ).
übelgehörig
›taub‹; vgl. (Adj.) 1; 4. – Bdv.: 1.
übelgeschmak
ein auf den üblen Geruch e. P. bezogener, verächtlicher Scherzname; vgl. (Adj.) 1; 4, (Adj.) 1.
übelgötze
Name eines mit schweren Waffen bestückten Schiffes; zu (Adj.) 1, vgl. 1; 2 (ütr.).
übelhausen
›schlecht wirtschaften‹ (im Beleg subst.); vgl. (Adj.) 1; 2; 4, 6; 7; 9.
übelhören
›bewusst falsch, selektiv hören‹ (als hörerseitige Entsprechung zu sprecherseitigem
lästern
2 und
übelreden
); vgl. (Adj.) 1; 4.
übellautend
,
übellautig
›so lautend, dass es schwer verstehbar ist‹; vgl. (Adj.) 1; 2; 4, 3. – Ggs. (reziprok / hörerseitig): .
übelmächtig
›überaus mächtig‹; zu (Adj.) 3, 1; 2.
übelmeinung
›schlechter Leumund‹; vgl. (Adj.) 1; 2,
2
1.
übelriechend
,
übelrüchig
jeweils ˹›stinkend‹; zu (Adj.) 1. – Ggs.: ˺.
übelsagen
›schmähend über etw. sprechen‹; zu (Adj.) 2. – Bdv.: .
übelsager
›Verleumder‹; vgl. (Adj.) 2; (
das
) 1; 2; 3. – Bdv.:
1
, 1, .
übelsagung
›Verleumdung‹; zu (Adj.) 2; (
das
) 1; 2; 3. – Bdv.: , .
übelschmak
wohl ›übler Geruch‹ sowie ›Speichel‹; zu (Adj.) 2.
übelschmackend
,
übelschmeckend
; zu (Adj.) 2.
übelschwenklich
›zu
hochmut, stölze
verleitend, verführend‹; vgl. (Adj.) 1.
übelschwerend
›meineidig, verworfen‹; zu (Adj.) 2.
übelsehig
›schielend‹; vgl. (Adj.) 1; 4.
übelsprechen
›gotteslästerlich reden; jn. schmähen‹; zu (Adj.) 2. – Bdv.: , 1; 2; 4.
übelstehend
›bösartig, sündhaft‹; vgl. (Adj.) 1; 4, 2; 5.
übelstimmig
›misstönend‹; zu (Adj.) 2, 1.
übelstinkend
; zu (Adj.) 1; 2; 3, 1.
übelweisung
›Beschimpfung e. P., Lästerrede‹; vgl. (Adj.) 2. – Bdv.: 2, , , .
übelwillig
›böswillig, selbstbezüglich‹; vgl. (Adj.) 1; 2. – Bdv.: (Adj.) 4; 5, .
übelwollen
›eine böse Absicht hegen, übelwollen‹; vgl. (Adj.) 1; 2.
übelziemend
›umziemlich‹; zu (Adj.) 2.

Belegblock:

Die Ordnung der Belege entspricht der Reihenfolge der Nennung der Wortbildungen:

Zu
übelfar
:

Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
sein guͦt friund | Kamen mit Mair Betzen dar, | Diethrich der v̈belfar, | Cuͦnrat der plattenkopf, | Vnd auch Mair Nasztropff.

Zu
übelgehörig
:

Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Dauber / vbelgehoͤriger. Surdus.

Zu
übelgeschmak
:

Wiessner, Wittenw. Ring
3622
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Der erste was der Ochsenchroph, | Der ander haisset Löwenchoph, | [...] | Der wierd sei Uotz der Übelgsmak.

Zu
übelgötze
:

Chron. Köln (
rib.
,
1415
):
dat schif wart genant der Oivelgotz, ind dat schif quam zu Rile.

Zu
übelhausen
:

Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1555
):
so mögen sie doch derhalben
[Bezug auf
schulden
]
kaines übelhausens beschuldigt werden.

Zu
übelhören
:

Franck, Decl.
343, 37
(
Nürnb.
1531
):
ob er [vnser bruder] etwo ein wollust in seinem uͤbelreden vnnd lestern het entpfangen / das sprich ich / er eben denselben inn uͤbelhoͤren wider verzet vnd verlier / Welcher / dieweyl er hat gesagt was er hat gewoͤlt / ist es nit vnbillich / das er hoͤr was er nit woͤl.

Zu
übellautend / übellautig
:

Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
zuͤdem ist es neben allem schaden auch ain übellautend, schimpflich ding.
Schmitt, Ordo rerum
472, 10
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Absurdus [...] vbellautig.

Zu
übelmächtig
:

Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 472
(
Augsb.
um 1476
):
des römpte sich seins schalkhaftigen gewalts der übelmechtig pfalzgraf.

Zu
übelmeinung
:

Luther, WA (
1520
/
1
):
hiemit befil Eur kay. Maỹt vnd Gnaden ich mich unterteniglich, in demut bittend, sie wellen nit gestaten mich gegen Inen durch meyner abgunstigen ubelmeynung verunglimpffen und in ungnaden bringenn.

Zu
übelriechend
:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
114, 15
(
Frankf.
1535
):
die da vil Bleiweiß nützenn / die gewinnen gern zeen wethum / vnd einen übelriechenden mund.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
24, 15
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
ein mensche [...] ist ein besmirter binstock, [...], ein übelriechender harmkrug, ein übelsmeckender eimer.

Zu
übelrüchig
:

Dasypodius (
Straßb.
1536
):
vbelRuͤchig. Putidus.

Zu
übelsagen
:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Nichten woͤlt rúren meinen gesalbten: vnd nit woͤlt vbelsagen
[Var. 1475
2
–1518:
boßhafftigen
; nd. Bibel um 1478:
maligneren
;
Froschauer
1531:
fuͤgend [...] nichts leyds zuͦ
;
Eck
1537, Ps. 104, 5:
übelen
;
Dietenberger
1534:
handelt [...] nit vbel
;
Luther
1545, Ps. 105, 15:
thut [...] kein leid
]
in meinen weyssagen.

Zu
übelsager
:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ob der der do ist [...] ein gemein vnkeuscher oder ein arger [...] oder ein vbelsager
[Var. 1475–
2
1518:
übelroͤder
; nd. Bibel um 1478:
oeuel sprekender
;
Froschauer
1531:
schaͤlter
;
Dietenberger
1534 /
Eck
1537 /
Luther
1545, 1. Kor. 5, 11:
Lesterer
].

Zu
übelsagung
:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
nit widergebt vbel vmb vbel. noch vbel sagen vmb vbelsagung
[nd. Bibel um 1478:
vloke
;
Luther
1545, 1. Petr. 3, 9:
scheltwort
].

Zu
übelschmak
:

Voc. Teut.-Lat.
ii vv
(
Nürnb.
1482
):
Vbelsmack vbeler gesmack. oscedo. od’ spaichel.

Zu
übelschmackend / übelschmeckend
:

Voc. Teut.-Lat.
ii vr
(
Nürnb.
1482
):
Vbelsmeckende stat od’ pruntzstat.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
165, 12
(
els.
,
1362
):
Do ging ein so grosser ubelsmackender roͮch von sime libe daz kein mensche bi ime gewonen moͤhte.
Vgl. ferner s. v. .

Zu
übelschwenklich
:

Maaler (
Zürich
1561
):
Hochmuͦt / Ein übelschwenklich froͤud.

Zu
übelschwerend
:

Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ein verruechter, übelschwerender mentsch und der sich nie verheiraten, sonder hab ein beisitz, ein ledige türnen, gehapt.
[Derselbig] soll ein übelschwerender, ungotzförchtiger mentsch gewest sein.

Zu
übelsehig
:

Dasypodius (
Straßb.
1536
):
übelsehig. Luscus.

Zu
übelsprechen
:

Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Wer ubelspricht oder flucht dem vater, sol sterb des tods.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
7, 15
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
selick seit / ir so ivch die menschen übelsprechent.

Zu
übelstehend
:

Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Er sprach: „nein, daz weri ein unvernúnftigú geburschheit und ein úbelstendú freidikeit [...]“.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
obe ich, als du meynest, | Hette eyniche ubelstehnde sachen getan | [...].

Zu
übelstimmig
:

Dasypodius (
Straßb.
1536
):
übelStim̃ig. Absonus.

Zu
übelstinkend
:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swen aber des vordruzet | Und mir die tur besperret | Und vor der tur mich erret | Mit ubelstinkenden ruchen | [...] | Dar mac nicht komen Got in.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 224
(
Augsb.
1509
):
Sy liessen den todten übelstinckenden man biß an den dritten tag also an offner straß ston.

Zu
übelweisung
:

Schmitt, Ordo rerum
282, 20
(
oobd.
,
1468
):
Jmproperium vorwysunge [...] schannt red aufhebung smachred [...] vbelweisung.

Zu
übelwillig
:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der ubelwillic arge wicht | Halb teilet sine tage nicht.
Daz ist ein ubel willic mut | Daz sie nicht enteiln ir gut | Durch lon des aller besten.
Da wider veret der tuvel in | In den ubel willigen sin | Zu allen iren leiden.
Voc. Teut.-Lat.
ii vr
(
Nürnb.
1482
):
Vbelwilliger poßwilliger. maliuolus.

Zu
übelwollen
:

Maaler (
Zürich
1561
):
Einem Vbel woͤllen vnd boͤses gunnen / Eim schaden trachten vnnd bey jm selbs fürnemmen. [...]. Vbelwoͤllend. Maleuolus.

Zu
übelziemend
:

Maaler (
Zürich
1561
):
Vbelzimmend. Illiberalis, Indecens, Indecorus.