säen,
V.;
teils mit Hiatfüllung: säben,
säjen,
sägen,
sähen,
säwen
. – Ausgehend von der konkreten landwirtschaftlichen Tätigkeit bzw. von biologischen Wachstumsvorgängen generell (1), lässt sich das Bedeutungsfeld durch Übertragungen auf verschiedene Formen der Verbreitung von Substanzen oder auch Personen (2) und Informationen (3–4) erweitern.1.
›einen Pflanzensamen ausstreuen‹; generalisierend: ›biologische Wachstumsprozesse einleiten‹; im engeren Sinne auf die Nahrungsmittelproduktion bezogen und entsprechend häufig im Orientierungsfeld mit zugehörigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten wie 1, 2, , 1
1; 2, 1; 2, (V.) 1; häufig als Metonym für ›arbeiten, etw. leisten, ehrlich handeln‹; auch ütr. auf soziale oder heilsgeschichtliche Bedeutungsfelder und hier die ›Ausführung positiver und negativer Handlungen‹ bedeutend; im weiteren Sinne auch: ›höhere Lebewesen zeugen, Fortpfanzung und Vermehrung initiieren‹.Landwirtschaftliche Fachliteratur, Texte der Sinnwelten ,Recht / Wirtschaft‘ und ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
jm. etw. in die oren säen können
gebraucht, um jn. der Unreinigkeit zu zeihen; meien, was man nicht gesät hat
›ernten, was man nicht gesät hat‹; bonen säen, linsen ernten wollen
›falsche Erwartungen hegen‹; in der ernte zu säen anfangen
›etw. zum falschen Zeitpunkt tun‹; wo man esel trägt und bauern sät
›wo man, in einer verkehrten Welt, alles verdreht‹; der böse feind (teufel) sät seinen samen daran
›der Teufel verstärkt die Neigung zur Sünde‹; j. in den grünen kle gesät werden
›als Soldat im Kampf fallen‹.Syntagmen
(in Auswahl): bauern, einen narren s., etw
. (z. B. bramen / dinkel / dornen / einkorn / emmerkorn / erbsen / frucht / gerste / hafer / knoblauch / kraut / nesseln / obstkern / senf / treid / unkraut / wind / zwiebelsat, den / einen (bösen) samen, ein mes hanfsat
) s., kein tier
(Subj.) seinen samen, apfelbäume / korn
(Subj.) sich (selber) s.,
(mit räumlichen Angaben): j. etw. auf der brache, dem feld, auf erden, in den bünden, zwischen den guten samen, aus jm., von etlichen herbergen, auf steinecht, die beunde / erde, eine dürre egert, das erbe / gut / land / werder, auf den acker, den acker gottes, in gottes schos, in den kle, das ackerbet / feld, nach dem erdreich, zwischen die wirtsleute, j
. (mit Zeitangabe): alle jare, bei der nacht, bei zeiten, in dem lenz, in den zären, über winter und sommer, vor der zeit s.,
(mit modalen Angaben): j. langsam / weinend, hin und her, auf seine kosten, (für) sich, in aller engel namen, mit fleis / mühe / tränen s
.; mit verschobener Bezugsgröße als affiziertes Obj.: den acker, (das) land / sommergut, die hofgründe s
.; subst.: die zeit des säens
; als part. Adj.: der gesäte samen, gesätes korn, gesäte kräuter
.Wortbildungen:
säensfähig
säer
säet
säfas
säig
sälaken
säman
sästreit
säsumber
Matzel u. a.
), sätag
säter
sätuch
säung
säwald
säwerk
Belegblock:
Johan. 4: ,Eyner seet, der ander schneyt‘, und fellet ymer eyner dem andern ynn seyne erbeyt, Das dieser mus erbeyten [...] und yhener den genies und sicherheyt haben.
Denn sie seen wind, vnd werden vngewitter einerndten.
Hauszgereyt im hoff: [...] 2 seelacken.
Wer korn seyn wil adir essin, der gebit nicht.
A. 1575 den 25. marcii hatten sich in minem wingart wilt appelboumger gesehet.
AM dinstach tzo fastauent is aller engell dach vnd men sall in aller engell namen plantze / seen am maendach / soe blyuen sy allwegen groͤn.
Nym den samen dar von vñ sehe yn dar von wirt knobelauch.
der satan will kurzumb sein unkraut nicht uf einen eignen [...], sondern uf den acker gottes säen.
Die gsaͤhten Kreuter gar zerruͤlt, | Vnd von den Sewen auß gewuͤlt.
Sie essen nichts was gesaͤet oder gepflantzet wirdt [...] sondern seyndt mit dem zu frieden / was jhnen die Natur herfuͤr bringet.
So sal ich ouch hirzcwisschen und dem genanten sende Walpurge tage den acker [...] lazin eren und sewen ubir winther und ubir sommer.
etlich korn, das do langsam ge sewet was, das [...] lagk in der erden unnd vor tommete.
dise sint des glîch, di ûf steinech gesêet werden.
wer ouch icht gesehit vf der broche, des sal der miteman genissen dis iar.
Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von [...] seewerck / erndten / erdgewaͤchsen / fischereyen vnnd anderem feldwesen.
[der Baur] seht den samen in das felt | vnd sengt in fleisig ein.
Sie seen jren samen mit threnen / Aber mit frewden erndten sie ein.
Das Himelreich ist gleich einem Menschen / der guten Samen auff seinen Acker seet.
Der karklich seget, der schnidet och ermlich, aber der rilich seiet, der samnet och rilich.
und [sü] segetent senef darin
[in dem
velt]
: wan senef het die nature, wo er einmol geseget wurt, do wehsset er imer me. der geseet hat in den zehern daz er mocht schneiden oder abgemeen in freuden.
Wa ich ein narren hin hab geseit, | Hab ich dry tusent dannen gemeit.
myn seet uff mang wild felt | ritterlicher mynn sat.
also verschmecht wird der fluch sein, so über die ackerleut gond wird, die den David also geborn haben und aus ihm geseet, das sie nit gepflanzt haben, und geschnitten, das er nit tragen hat.
So menger [der ritterschefte] stürtze müste pflegen. | Manig ring von im ward gemagtt, | Als sy da werend gesagt | All in den grünnen cle.
Der will verderben ee dann zytt | Der jm nit segt / vnd andern schnyt.
Eua hat ein somen geseyet, | Dar an man noch vff erden meyet.
mag denn der selb zinser schweren zuͦ gott und den hailigen, das im nit mer worden sig, denn das er gesägt hab.
darumb wir den tag unsers lettsten schintz mit guͤttätten fúrkomen soͤllen und saͤyen hie uff erden, das wir das von gott dem herren mit hundertfaltiger nutzung in dem himel wider schniden und samlen werden.
wie wol ouch allerlei volkes [...] kament, denen frid und gnad nit liep was und gern boͤsen somen darin hetten geseigt, das es nit zuͦ friden were komen.
Saͤyensvaͤhig/ Was sich saͤyen laßt. [...]. Der Saͤyet / Die raͤchte zeyt deß saͤyens.
meien da si nie geseiget haben.
Saͤen / samen hin vnd her werffen.
daz man dar in sayte neßlen und dorn.
der tiefel säet den samen sein | zwischen der wirtlüt geren ein, | das es selten mag bestaun, | si müessen oft ain zwaiung haun.
Anno 1558 [...] ward ein gros wetter [...], das es wein und kornn ales in den boden erschlug, [...]. Da es ward zu der erd, haben sie so schönn korn gehebt, das es sich selber gesaitt hatt.
kain tier sæt seinen sâmen [...] auzwendig seins weibes schôz.
pey der nacht sy auch sẽentt, | paidew sneydent und auch mẽntt.
ze Munpslıͤr, da man di esel draͤt, | ze Chuntztopel, do man di paurn saͤt, | da pin ich alles gewesen.
welcher auf der gemain reutstöl oder einfang ausreutet, seiner glegenheit trait darein zu säen, denen [...] soll nit erlaubt uber das drite jar solche reuter zu gebrauchen.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
36, 15
; J. W. von Cube. a. a. O.
4, 58
; Kollnig, Weist. Schriesh.
308, 3
; Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
99, 5
; Schmitt, Ordo rerum 407, 24.
5
; v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
245, 24
; Jones, French Borrowings
599
; Öst. Wb.
4, 336
; Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 253
; Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 154
.2.
›etw. auf einer beliebigen Oberfläche oder in einem Raum zu unterschiedlichen Zwecken ausstreuen, verbreiten, verteilen‹ (auch auf eine Ansammlung von Menschen oder Tieren u. Ä. bezogen); auch ütr. auf abstrakte Bezugsgrößen wie Rache, Dankbarkeit u. Ä., insoweit offen zu 3; als Metapher anschließbar an 1.Fachtexte der Medizin und Naturkunde, erzählende Texte.
Syntagmen:
es
(unpersönlich) sät
(wenn ein Milchstrahl sich sprühend zerteilt; absolut); etw
. (z. B. asche / dankbarkeit / kleie / kupferasche / rache, das pulfer, flocken
), [wann] (z. B. in der einen / anderen nacht
), [wohin] (z. B. darein / darüber / hinein, auf den schaden, das futtermässel, die süsse speise, oben auf die salbe, in das wachs, in den bruch, in die ader, faule wunde, in das zerlassen ding, in grosse wunden des haupts
), [wie] (z. B. sicher, ane sorge, mit alaun
) s
.; j
. (z. B. die frommen / rechtschaffenen christen
) / etw
. (Subj., z. B. dankbarkeit, sterne
) gesät sein, j. / etw
. [wie] (z. B. dün / rund / zusammen
›gehäuft‹) gesät sein
; als part. Adj.: gesätes salz
.Belegblock:
aber die rechtschaffenen Christen sind duͤnne geseet.
wañ sie [die Vogel] das gesaͤete Saltz wie andere Sahmen [...] aufflecken.
see daz puluer oben auff die salb.
So wirt geset | Der argen juden rache | Inn unser peyder schmache, | Dor zu yn lang was jache.
als ain man der guͦt trahte vor im hât mit suͤsser spise und der denn dar uf flúga saͤt.
do es an dem besten was, | Do sat der tiefel äschen drein.
Danckbarkeit ist duͤnn gesaͤet [...]. Die guten (Christen) sind duͤnn gesaͤet.
diu êrst sach ist, daz an dem tail des gestirnten himels, dâ diu strâz scheint, vil zesamen gesæter stern sint.
Daz tzelt und auch sein umbehank | Waz von sameyd reich getzirt, | Bla in bla gewolkent, | Geschetigt, runt gesaiget.
Für die khelsucht [...] nimb ain padtschwamen, nez in in ain haiß öll vnndt bindt ims auf den khinbagkhen, vnnd auf das fuetter mäsl khleyben gesätt.
Luther, WA ;
Keil, a. a. O.
232
; Ott-Voigtländer, Rezeptar
208r, 21
; Rohland, Schäden
509
; Weitz, Albich v. Prag
162, 6
; Schweiz. Id. , 596 f;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 239
; Lehmann, Rezeptb.
245
.3.
›Informationen, Wissen oder Kenntnis in einer Gemeinschaft weitergeben, verbreiten, vermitteln‹, speziell: ›etw. lehren, predigen, verkünden‹; auch: ›etw. propagieren, jn. mit etw. manipulieren, gegen jn. hetzen‹; häufig Belege mit Kausalnexus von säen
und ernten
; als Metapher anschließbar an 1.Überwiegend Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Syntagmen:
etw
. (z. B. abziehung / gift / gutes / vertrauen, afterwort, einen bösen / elenden samen, die ware weisheit, gottes gaben
) s., das heilige wort, das wort gottes, des ewigen lebens s., j
. (Subj., z. B. der diabolus / feind, ein volk) etw. s., etw
. (z. B. eine stat, die hunde, die schlange
) etw. s., j. jm
. (z. B. der christenheit, dem heidnischen volk
) etw. s., etw
. [wie] (z. B. gerne / getreulich, durch pfaffen, in frieden / gnade / has, in natürlicher erkentnis, mit acht, festem herzen, falschem mund
), [wo, wohin] (z. B. darzu / darein, in dem fleisch, in den geist, das gute land, in einen acker, die äcker der herzen, in der menschen herzen, unter das volk
) s., gutes auf ein neues s
.; etw
. (Subj.) in guter sitten wirkung, durch die predigt gesät sein
.Wortbildungen:
˹ 2, 2˺ ›Prediger, Verkünder des Evangeliums‹; negativ konnotiert: ›Schwätzer; Wortverdreher‹ (dazu bdv.: , , , ; vgl. ).
säer
säman
Belegblock:
Glich sin den hunden | Al die mit valschem munden | In hazze sewen hi und dort.
O eviger goth, ich bin nith virdigk, das ich dein heyliges vorth under dein heyliges cristglaubiges volck seyen sol.
Der [samen] aber ynn das gutte land geseet ist, der ists, wenn yemant das wort horet, vnnd verstehet es, vnd denn auch frucht bringet.
So dan [...] ein warer Gotlicher samen ist / der da in der menschen hertzen / durch die Predig geseyet wirt / vñ frucht fort bringt.
Des selben dages er sang | sin erste messe. Dez habe er dang. | Prister vnd ander heilikeit | sat er der heilgen cristenheit.
Philosophia, acker der weisheit, [...] in natürlicher erkantnüß und in guter siten würkung geackert und geseet.
der sewer ist vnsir herre Jhesus Christus.
Das wuͤnschen wir von hertzen all, | [...] | Damit ein Christlich Volck vnd Stadt, | Vertrawen auff Gott stifft vnd Saet.
Was wil der seer der wort
[
klappermañFroschauer
1531: ;
schwetzerDietenberger
1534: ;
wortsaͤerEck
1537: ;
LotterbubeLuther
1545, Apg. 17, 18: ]
hie zesagen? da [...] du
[›Martin Luther‹]
[...] ein so ellenden somen geseyet hast / das die armen vnuerstendigen cristen daran hoch geergert sein. Jeder wie er sait, maien soll.
gott wil, daß man das euangelium predige in der welt; [...]. so muß es sein als mit dem seeman, der guten samen seet.
Sant Felix und sin liebi schwester [...] begonden saͤjen dem heideschen volk das wort des ewigen lebens mit vestem herzen.
So aber zuͦ disen ziten der boͤss viend sin gift, wie dʼschlang im paradeiss, under uns saͤigt durch verfuͤerische pfaffen und muͤnch, die uns von unsrem alten, waren kristlichen glowen understond abzetriben.
Er ist geben worden dem volk [...] das er solt sëen die war weisshait vnd die aufpauet vnd pfhlanczet.
V. Anshelm. a. a. O. ;
4.
›Vorstellungen, Ideen und Lebensorientierung tief in das Bewusstsein einer Person bringen, in die Psyche, Seele einsenken‹; meist bezogen auf die Verinnerlichung christlicher Glaubensgrundsätze (Tugenden, Laster, Sünden); anschließbar an 3.Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Syntagmen:
den acker
(bildlich für ›den inneren Menschen, die Seele‹), das weiche erdreich
(bildlich für ›Seele, Gemüt‹) s
.; mit Verschiebung der Bezugsgröße: etw
. (z. B. den guten samen, den samen des ewigen lebens, hoffart, die gierheit / minne, ein bild / gleichnis, böses gift
) s., etw
. [wo] (z. B. an dem ort, in dem geist, in einem wol bereiteten acker
), [wohin] (z. B. darein, auf den geist, auf / in das fleisch, in / unter jn., in die sele, in die herzen der leute, in die äcker der herzen
), etw
. [wie] (z. B. getreulich / karglich / reichlich / spärlich
) s., etw. mit etw
. (z. B. mit dem samen aus der heiligen schrift, mit tränen
) s
.; etw
. (Subj., z. B. was man den armen gibt
) gesät sein, die bone mit der furcht gesät werden
.Wortbildungen:
säer
säman
Belegblock:
So kompt der Arge | vnd reisset es hin | was da geseet ist in sein hertz.
[got] sæjet den guoten sâmen, die wurzel aller wîsheit, aller künste, aller tugende, aller güete.
und swer in dem geiste sæjet ordenlîche minne, der snîdet von dem geiste daz êwige leben.
daz ewige wort, daz da ist ein sêwer sines selbis bekentnisses in di sele.
wiltu nu vorder richer werden, | so erbeite den acker diner erden, | [...] | du salt en wol an richten | [...] | unnd en segen mit dime samen, | der uss der heiligen schrifft mach komen.
Ebd.
5525
: Dar nach aber, [...] | sewet in di hertze der kuschen lude | der tuvel di bosen girheid.
wer aufs fleisch gmeine | seet, der wirt von dem fleisch erndten do | das ver derben. wer aber sehet reine | auf den geist, der wirt von dem geist | Erndten in Ebi keit | Dort das Ebige leben.
Herre ich bitte dich das du gebest disen gemecheden den segen dinre rehten hant, vnd in ir herze seiest den somen ewiges lebens.
daz
[der menschliche
lichnam, im Sinne von Person, Charakter]
vor dúrre waz, daz wurt nu also ein wol gedǒwet ertrich das weich ist, daz man mag segen und egen. So wahsit in dir ain bon, der haizit Got der wishait, daz ist diu wishait diu in der hailigon hercen als in aime ungesihtigen paradýse wirt geborn: mit der vorhte wirt er gesegit, mit der gnade wird er gefuͦhtet.
Der tüfel sprach: ,Si [die künige] sind mir vast undertan, | Wan ich tuon hoffart in si sægen | Das si sich tuond plægen | [...]‘.
Strauch, a. a. O.
55, 5
.