sträflich,
Adj.
1.
›verwerflich, tadelnswert, ungehörig; zur Verdammung führend‹ (von Bezugspersonen, Zuständen, Handlungen, Haltungen gesagt, die getadelt werden müssen);
vgl. 1; 2; 3.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
es ist s., zu [...], j., ein irtum, das kleid an js. leib s. sein, die welt mit etw. s. durchsessen sein
;
j. s. sündigen, sich s. halten
(z. B.
bei der messe, im ampt, in der predig
); subst.:
sträfliches an jm. (be)finden
;
der sträfliche handel, die sträfliche pein / sünde / unkeusche, das sträfliche kind / leben
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Reprehensibilis. Sträfflich lastersam straffbar gebresthafft anclägig tadlich scheltbar tadelhafft tadelbar.
Luther, WA (
1512
/
8
):
die selbige gnugthuung ist nit nachleßlich durch yrgend eyn ablaß, sundernn wirt gerechent als ein streffliche peyn von got auffgelegt.
Ebd. (
1519
/
20
):
grund, da mit der Bemen irthumb nit allein in disen tzehen jaren durch ein new Concilium, sondern von anbegyn vor hundert jaren wer strafflich gewesen?
Ebd. (
1520
):
wenn er nit zuvor glaubet und Christen were, ßo guͤlten alle seyne werck nichts, sondern weren eytell nerrisch, strefflich, vordamplich sund.
Thiele, Luthers Sprichw. (
omd.
,
um 1535
):
die solches strafen sollten, sind hierinnen selbs sträflich.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
69, 27
(
omd.
,
1487
):
das er [haúsvater] wisse das wesen vnd leben seiner kinder vnd so er etwas an ÿn streflichs befindet Szo [...].
Neumann, Rothe. Keuschh.
825
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
dy ubirflissicheit der cleider | dy nu die kuschen dragen leider, | die sint gar strefflich an iren liben.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1468
):
das schreyb ich darumb an, nicht von rombs wegen, dann es streflichen ist sich zu rümen.
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Strafflich oder ruglich. argute argutim.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
165
(
Nürnb.
1517
):
Uber dise dingk schnell zu richten, wer streeflich.
Dietrich. Summaria
26v, 1
(
Nürnb.
1578
):
Darumb ist der Widertauffer jrrthumb streflich / die da sagen / die Kinder haben keinen glauben.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
wenn mirs widerfehrt, daß ich mehr lust hab an der Melodey, als an dem was die Melodey in sich helt, so bekenn ich, daß ich straͤflich gesuͤndigt hab.
Niewöhner, Teichner
573, 71
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
also ist duͤ welt durch sessen | und vergurrt uff allen orten. mit manes hut, mit werchen, worten, | straͤflich, scheltlich, ez ist verlorn.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
EJn getrewer Vatter hatte gar ein straͤfflich vnd vngezogenes Kind.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 28
;
Dietrich. a. a. O.
30r, 9
;
Niewöhner, a. a. O.
683, 12
;
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijv
.
Vgl. ferner s. v. (
das
) 2, (V.) 15.
2.
›tadelnd, mit kritischer Absicht‹; im Unterschied zu 1 aktives sprachliches Handeln charakterisierend;
vgl. 2.
Syntagmen:
j. s. mit der rute (der künste) sein
;
jn. s. ansprechen, j. s. sagen, das [...], j. mit worten s. auf etw. schlagen, der sin s. auf jn. treffen
;
die sträfliche epistel / vorrede
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
und sô man um dî nakheit, | dî von im alsô geschach, | an strêflîchin ansprach, | des achte er vil cleine.
dô er dî strâfunge scharf | in dî sunderinne warf, | und wart merkin, daz der sin | vil strêflîchir trat ûf in | wen ûf dî vrouwe vorgenant.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Dor umb, ir meister frut, | Seit strefflich mit der kunsten rut.
Niewöhner, Teichner
591, 91
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
uf wedern tail ich slach | mit den worten straffenlich, | hailig vatter, hailig rich, | welhen ich da by ubels zig, | die sint baid hailig.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
Nach diser red hat des reichs redner Joannes von Eck sträflich gesagt, daß er nit bequeme antwort geben hett.
Ebd. Anm. d (
1544
/
5
):
zudem hat er an den babst Nicolai ain heftige und strefliche epistel geschriben.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
1, 1
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Ein sträffleiche vorred wider die, die lieber hören türssenmär dan die warhait.
3.
›strafbar‹ (von Personen, tätlichen Übergriffen, aggresiven Handlungen aller Art gesagt); ›gegen die soziale Ordnung, das Gesetz verstoßend‹ (von falschen Maßen u. Ä.); zum Umfang der als
sträflich
3 charakterisierten Personengruppen, Taten, Zustände s. den Beleg
Aubin, Weist. Hülchrath; im Unterschied zu
und 2 eher auf schwere, einer Bestrafung zu unterwerfende Vergehen gerichtet;
vgl. 3.
Mehrfach Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 1, 3; 5, , 1.
Syntagmen:
s. freveln, etw
. (z. B.
metzerzucht, dieberei, stechen
)
s
. (sein),
j. des frevels / friedbruches, der verwundung s
. (sein),
etw. sträflichen befinden
(z. B.
die wage, das gewicht / mas
);
der sträfliche aufwikler, die sträfliche handlung / missetat, das sträfliche handeln
; subst.:
etw. sträfliches sehen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1519
/
20
):
lerne uns, das, wenn wir etwas sehen oder hoͤren streflichs und unns mißfellig von andern, das wir dasselb [...] deinem willen heym geben.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
, o. J.):
alles, was unsre gge. gebietende herrn straflich, als scheltword, metzerzucht, zanken, hauen, stechen, morden, dieberei, wach, helerei, kannenschlegerei, koppelerei, aufhälter, unrechte weeg und steeg, fuhr und pol, wasserfluß, böse maaß und gewicht.
Köbler, Ref. Wormbs
343, 18
(
Worms
1499
):
so sich missethat vñ strafflich handlung in vnser Stat zwingen vnd benden begeben.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Strefflich. Schuldig. Straffwirdig. Bußfellig. Strafffellig. Peenfellig. Jn schwere peen oder straff verfallen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Straͤfflich / Vbelthaͤter. Sons, Castigabilis. ¶ Straͤfflich. Criminose. Straͤfflichen gefraͤfflet haben wider ein gesatz.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
E. 17. Jh.
):
auf was weiß und mit waß grunt sich dergleichen sträffliche aufwückler hervor thun.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
31, 21
(
mslow. inseldt.
,
1534
):
Wiewol Hans Stiml, vmb die śtrafflich grośśen verhandlung vnnd miśśethat, [...], het śollen durch Göttlich vnnd Weltlich Recht, am leben geśtrafft werden.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
67
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Sÿ sollen auch alle Viertel Iar ein mal Elen wag gewicht vnnd maß besehen, vnnd wue sie Imantz strafflichen befunden ernstlich straffen vnnd puessen.
Köbler, a. a. O.
359, 4
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Grothausmann, a. a. O.
31, 9
;