räuber,
rauber,
der
;-s/-Ø
.1.
›Raubtier‹; gelegentlich ütr. auf Personengruppen, die aus Sicht des Sprechers als kulturell rückständig bzw. primitiv gelten: ›Wilder; Nomade‹; ›j., der von der Jagd, Wilderei lebt; Jäger‹; Wortbildungen:
räuberisch
Belegblock:
damit sie
[die Geschichten über Circe]
leren / daß ein jeder mit seinen lastern sich selbs verstelle und einem menschen sich uneinlich mach [...] ist er rauberisch / so macht er sich zum wolf. Des zwelften
[Tierkreiszeichens]
art ich lere dich: | es heißt die Fische sicherlich. | welch mensch geboren wirt darin, | ein jeger und ein reuber sin | es muß. Das volk des richis [Persida] sint gar grymmege rouber.
Lupus haizt ain wolf und ist ain ungetrew tier und ain rehter rauber.
[
zwô grob schlecht unansehlich nation, die Türken und Sarrazenen]
Sein am ersten nur rauber gewesen und haben sich aus dem stegraif genert. 2.
›j., der sich gewaltsam fremden Besitz aneignet und dabei die existentielle Gefährdung anderer Personen in Kauf nimmt‹; speziell: ›Straßenräuber, Wegelagerer‹; häufig (implizit oder explizit) bezogen auf militärisch agierende Personen und Personengruppen (z. B. Landsknechte, Söldner; vgl. 3
) im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen (vgl. 1); ›j., der einer anderen Person gewaltsam etw. wegnimmt, entreißt, entwendet‹; ›Dieb; Räuber‹; dies implizierend: ›j., der gegen das siebente Gebot verstößt‹; im Sinne einer Generalisierung auch auf die Vollzieher von Betrug, Unterschlagung, Untreue, Hehlerei, Ketzerei, Todschlag u. Ä. beziehbar; häufig in formelhaften Verbindungen mit anderen, rechtlich nicht immer eindeutig abgrenzbaren (und sich gelegentlich gegenseitig bedingenden) Typen von Gewalttätern und Gesetzesbrechern, z. B. diebe
oder mörder
u. Ä. (vgl. ) sowie in vergleichbaren Aufzählungen moralisch disqualifizierter Personengruppen, z. B. ehebrecher, spieler
u. Ä.; im Einzelnen: ›Plünderer‹; ›Hehler‹; ›Fälscher‹; ›Wucherer‹; das Spektrum der Spezialisierungen wird durch Wortbildungen und Phraseme weiter ausdifferenziert; Phraseme:
˹räuber des meres, auf dem mer
˺ ›Seeräuber, Pirat‹.Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 1, , , , 2, , 1, 3
1, , 1, , , , , , ; vgl. , , , , , .Syntagmen:
den r. bannen, nicht begraben, in die acht tun, einen bösen dieb nennen, die räuber austilgen / behalten / erstechen / fangen / heimen / hereinbringen / rädern / stärken, reuter nennen, auf der strasse jagen, dem teufel zur ausbeute geben
; der r. dem land schädlich sein, den raub wiedergeben, habe zu pfand geben, zu getreuer hand eingeben, die räuber jn. abschlagen / verwunden, sich
[wo] einschleichen, die dörfer anzünden / ausplündern / verbrennen, das gut der kirche angreifen
; j. wie die räuber sein, der unkeusche böser als ein r. sein
; dem r
. (Dat.obj.) das sacrament nicht geben, jn. einem r. gleich richten, den räubern etw. anjagen, geld geben, etw
. (Subj.) den räubern geschehen
; die strasse der räuber halber unsicher sein, j. über den r. richten, unter den räubern sicher gehen
; der r. der ere, des herzens, die räuberin der freude
; der boshaftige / faule / offene r
.; das leben des räubers, die hand / rotte der räuber
(gen. subjectivus), die strafe der räuber
(gen. objectivus); der galgen für den r
.Wortbildungen:
räuberrotte
Belegblock:
Der Reuber rotte aber leufft hernacher an / vnd wird [...] geredert / oder in Huren heusern erstochen.
Ein fauler Reuber
[ist]
besser denn ein faule Magd. Als aber nach etlichen Jahren / | [...] | [...] eine Reubr rott jn anlieff / | Das er [der Mensch] fuͤr angst sehr schrey.
we, we, was sol dann gescheen den reübern, die den armen lüten das jr nement [...]?
ob ein dieb oder rauber oder ander besitzer eines boͤsens glaubens gibt habe oder guͦt zu pfande.
[ein recht loͤblicher Fuͤrst] tilgt auß die Moͤrdr vnd Rauber | Die Land vnd Leut verderben sehr.
dannoch weiß ich wol, das ir
[der Tod]
meiner eren rauber, meiner freuden dieb, meiner guten lebtage steler [...] seit. [so sal man] di ougen drocken unnd twingen, | di da reuber des hertzin sint | unnd zu der unkuscheit nicht blint.
Got, ich danke dir wan ich bin nicht alse [...] di roubêre
[
ReuberLuther
1545: ]
und ungerechten. Di roubir vuren stetis mit yn wip und kint und alle ir gesinde, und di wile si lebin, so roubin si uf dem mere.
Si
[die
frawe, hier: ›Minnedame‹]
ist auch ein rauberin | Aller freude mit voller tat. | Sie nymt daz sie gegeben hat. spil ist ain ursach | zu mancher posen swach. | es machet ubel teter, | [...] | velscher und raber, dieb.
Mercket doch jhr Moͤrder vnd Reuber / wohin der Gipffel ewers Lebens sich neiget? Gegen Mitternacht.
Rauber des mers oder merrauber. pirata.
Wer sein die grossen dieb? | [...] | Er sprach: Die land und leut beschwern, | Als rauber, landzwinger, finantzer.
so yemant einer vnverleymbten Eefrawen [...] mit gewalt vnd wider jren willen jr [...] frewlich ere neme, derselbig vbeltetter [...] sol [...] einem Rauber geleych, mit dem swert vom leben zum tode gericht werden.
die rauber, so man hoflich reütter nennet.
düeweil aber solche straß [...] der rauber und Arabier halber sehr unsicher, wahren wür bedacht, ein convoy müttzunemmen.
Die Türcken haben auch auff jede verwu̇rckung [...] sondere gesetzte straffen / alß für die Dieb vnd Rauber den Galgen.
Man behelt und haimt unser raͤuber und prenner, di nicht wellent recht nemen, in gerichten, in tafern uͤberal in dem land.
suͤnder si
[die Arianer]
pawen in selber rawberhoͤl und phlegen darinn encziger reͣt. Wie mag der mensch sicher gen vnder den raubern mit geladem golt?
Die walachische Rauber haben alle Dörfer für dem Wald angezündet, verbrennt und ausgeplündert.
Luther. Hl. Schrifft.
Ri. 2, 16
; Peil, a. a. O.
635, 4026
; Reichert, Gesamtausl. Messe
5, 4
; Köbler, Ref. Nürnberg
343, 5
; Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 176, 42
; Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 16, 18
; Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
230, 19
; Grothausmann, Stadtb. Karpfen
15, 14
; Voc. Teut.-Lat.
aa vr
; 3.
Schimpfwort, dessen öffentlicher Gebrauch im Sinne einer Beleidigung oder Verleumdung strafbar ist; Belegblock:
wer es aber, ob einer ein schültd einen diep oder ein morder, ein reüber, felscher, nachtbrenner oder desglichen und nit ein wysung daroff züge, so wern es scheltwort [...] und sol es in sinr herren geriecht büssen ungeverlich.
Hab urlob und var hin, | du rauher arger winter, | du raber und du schinter!
du Mörder, du Dieb, du Rauber, du Hurenvogel, du Verräther, du Hexenmeister [...].