räuber,
rauber,
der
;
-s/-Ø
.
1.
›Raubtier‹; gelegentlich ütr. auf Personengruppen, die aus Sicht des Sprechers als kulturell rückständig bzw. primitiv gelten: ›Wilder; Nomade‹; ›j., der von der Jagd, Wilderei lebt; Jäger‹;
zu 1.
Bedeutungsverwandte:
1.
Wortbildungen:
räuberei
1 ›Wilderei, Jagd‹ (dazu bdv.:
1
1),
räuberisch
›wild; beutegierig‹ (ütr. auch zu 2 stellbar).

Belegblock:

Stambaugh, Milichius. Zaubert.
13, 15
(
Frankf./M.
1563
):
damit sie
[die Geschichten über Circe]
leren / daß ein jeder mit seinen lastern sich selbs verstelle und einem menschen sich uneinlich mach [...] ist er rauberisch / so macht er sich zum wolf.
Jahr, H. v. Mügeln
2564
(
omd.
, Hs.
1463
):
Des zwelften
[Tierkreiszeichens]
art ich lere dich: | es heißt die Fische sicherlich. | welch mensch geboren wirt darin, | ein jeger und ein reuber sin | es muß.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
7, 28
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das volk des richis [Persida] sint gar grymmege rouber.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Lupus haizt ain wolf und ist ain ungetrew tier und ain rehter rauber.
er [ain adelar] ist ain grôzer rauber und lebt neur des flaisches.
sô hüet ain gans allzeit und rekt den hals auf, daz der rauber, der ar, iht köm.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[
zwô grob schlecht unansehlich nation
, die Türken und Sarrazenen]
Sein am ersten nur rauber gewesen und haben sich aus dem stegraif genert.
[die Winden und Wenden] hetten [...] in den pergen und welden [...] gehaust, mit rauberei oder reuterei aus dem stegreif sich peholfen.
2.
›j., der sich gewaltsam fremden Besitz aneignet und dabei die existentielle Gefährdung anderer Personen in Kauf nimmt‹; speziell: ›Straßenräuber, Wegelagerer‹; häufig (implizit oder explizit) bezogen auf militärisch agierende Personen und Personengruppen (z. B. Landsknechte, Söldner; vgl.
3
) im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen (vgl. 1); ›j., der einer anderen Person gewaltsam etw. wegnimmt, entreißt, entwendet‹; ›Dieb; Räuber‹; dies implizierend: ›j., der gegen das siebente Gebot verstößt‹; im Sinne einer Generalisierung auch auf die Vollzieher von Betrug, Unterschlagung, Untreue, Hehlerei, Ketzerei, Todschlag u. Ä. beziehbar; häufig in formelhaften Verbindungen mit anderen, rechtlich nicht immer eindeutig abgrenzbaren (und sich gelegentlich gegenseitig bedingenden) Typen von Gewalttätern und Gesetzesbrechern, z. B.
diebe
oder
mörder
u. Ä. (vgl. ) sowie in vergleichbaren Aufzählungen moralisch disqualifizierter Personengruppen, z. B.
ehebrecher, spieler
u. Ä.; im Einzelnen: ›Plünderer‹; ›Hehler‹; ›Fälscher‹; ›Wucherer‹; das Spektrum der Spezialisierungen wird durch Wortbildungen und Phraseme weiter ausdifferenziert;
vgl. 1; 2; 2; 3.
Phraseme:
˹
räuber des meres, auf dem mer
˺ ›Seeräuber, Pirat‹.
Syntagmen:
den r. bannen, nicht begraben, in die acht tun, einen bösen dieb nennen, die räuber austilgen / behalten / erstechen / fangen / heimen / hereinbringen / rädern / stärken, reuter nennen, auf der strasse jagen, dem teufel zur ausbeute geben
;
der r. dem land schädlich sein, den raub wiedergeben, habe zu pfand geben, zu getreuer hand eingeben, die räuber jn. abschlagen / verwunden, sich
[wo]
einschleichen, die dörfer anzünden / ausplündern / verbrennen, das gut der kirche angreifen
;
j. wie die räuber sein, der unkeusche böser als ein r. sein
;
dem r
. (Dat.obj.)
das sacrament nicht geben, jn. einem r. gleich richten, den räubern etw. anjagen, geld geben, etw
. (Subj.)
den räubern geschehen
;
die strasse der räuber halber unsicher sein, j. über den r. richten, unter den räubern sicher gehen
;
der r. der ere, des herzens, die räuberin der freude
;
der boshaftige / faule / offene r
.;
das leben des räubers, die hand / rotte der räuber
(gen. subjectivus),
die strafe der räuber
(gen. objectivus);
der galgen für den r
.
Wortbildungen:
räuberhöle
hier ›Unterschlupf von Ketzern‹ (dazu bdv.: vgl. 3, 7, ,
die
, 3, 2),
räuberin
1 ›Diebin‹; 2 ›Ehebrecherin‹ (a. 1357; dazu bdv.: vgl. , ),
räuberrotte
›Räuberbande‹.

Belegblock:

Boon, St. Prätorius
76, 10
(
Ülzen
1579
):
Der Reuber rotte aber leufft hernacher an / vnd wird [...] geredert / oder in Huren heusern erstochen.
Luther, WA (
1545
):
Ein fauler Reuber
[ist]
besser denn ein faule Magd.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
221, 5433
(
Magdeb.
1608
):
Als aber nach etlichen Jahren / | [...] | [...] eine Reubr rott jn anlieff / | Das er [der Mensch] fuͤr angst sehr schrey.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
698
(
pfälz.
,
1436
):
we, we, was sol dann gescheen den reübern, die den armen lüten das jr nement [...]?
Köbler, Ref. Wormbs
260, 18
(
Worms
1499
):
ob ein dieb oder rauber oder ander besitzer eines boͤsens glaubens gibt habe oder guͦt zu pfande.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
9, 7
(
Frankf./M.
1568
):
[ein recht loͤblicher Fuͤrst] tilgt auß die Moͤrdr vnd Rauber | Die Land vnd Leut verderben sehr.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
13, 6
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
dannoch weiß ich wol, das ir
[der Tod]
meiner eren rauber, meiner freuden dieb, meiner guten lebtage steler [...] seit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2717
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[so sal man] di ougen drocken unnd twingen, | di da reuber des hertzin sint | unnd zu der unkuscheit nicht blint.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
Got, ich danke dir wan ich bin nicht alse [...] di roubêre
[
Luther
1545:
Reuber
]
und ungerechten.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
67, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di roubir vuren stetis mit yn wip und kint und alle ir gesinde, und di wile si lebin, so roubin si uf dem mere.
Pyritz, Minneburg
4130
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Si
[die
frawe
, hier: ›Minnedame‹]
ist auch ein rauberin | Aller freude mit voller tat. | Sie nymt daz sie gegeben hat.
Gille u. a., M. Beheim
326, 28
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
spil ist ain ursach | zu mancher posen swach. | es machet ubel teter, | [...] | velscher und raber, dieb.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
116, 7
(
Coburg
1626
):
Mercket doch jhr Moͤrder vnd Reuber / wohin der Gipffel ewers Lebens sich neiget? Gegen Mitternacht.
Voc. Teut.-Lat.
aa vr
(
Nürnb.
1482
):
Rauber des mers oder merrauber. pirata.
Sachs (
Nürnb.
1539
):
Wer sein die grossen dieb? | [...] | Er sprach: Die land und leut beschwern, | Als rauber, landzwinger, finantzer.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
so yemant einer vnverleymbten Eefrawen [...] mit gewalt vnd wider jren willen jr [...] frewlich ere neme, derselbig vbeltetter [...] sol [...] einem Rauber geleych, mit dem swert vom leben zum tode gericht werden.
Schottenloher, Flugschrr.
101, 7
(
Bamb.
1523
):
die rauber, so man hoflich reütter nennet.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
düeweil aber solche straß [...] der rauber und Arabier halber sehr unsicher, wahren wür bedacht, ein convoy müttzunemmen.
Rauwolf. Raiß
41, 16
([
Lauingen
]
1582
):
Die Türcken haben auch auff jede verwu̇rckung [...] sondere gesetzte straffen / alß für die Dieb vnd Rauber den Galgen.
Bastian u. a., Regensb. UB
486, 33
(
oobd.
,
1370
/
8
):
Man behelt und haimt unser raͤuber und prenner, di nicht wellent recht nemen, in gerichten, in tafern uͤberal in dem land.
Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
75, 7
(
moobd.
,
um 1385
):
suͤnder si
[die Arianer]
pawen in selber rawberhoͤl und phlegen darinn encziger reͣt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
16, 5
(
tir.
,
1464
):
Wie mag der mensch sicher gen vnder den raubern mit geladem golt?
Qu. Brassó
5, 434, 30
(
siebenb.
,
1600
, Hs.
1724
):
Die walachische Rauber haben alle Dörfer für dem Wald angezündet, verbrennt und ausgeplündert.
Luther. Hl. Schrifft.
Ri. 2, 16
;
Peil, a. a. O.
635, 4026
;
Ermisch, Freib. Stadtr. ;
Reichert, Gesamtausl. Messe
5, 4
;
Köbler, Ref. Nürnberg
343, 5
;
Kohler u. a., a. a. O. ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 176, 42
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 16, 18
;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
230, 19
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
15, 14
;
Rwb  ff.
3.
Schimpfwort, dessen öffentlicher Gebrauch im Sinne einer Beleidigung oder Verleumdung strafbar ist;
vgl. 1.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, , , , 1, , 2, .

Belegblock:

Dinklage, Frk. Bauernweist.
80, 27
(
nobd.
,
1429
):
wer es aber, ob einer ein schültd einen diep oder ein morder, ein reüber, felscher, nachtbrenner oder desglichen und nit ein wysung daroff züge, so wern es scheltwort [...] und sol es in sinr herren geriecht büssen ungeverlich.
Gille u. a., M. Beheim
347, 3
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Hab urlob und var hin, | du rauher arger winter, | du raber und du schinter!
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
du Mörder, du Dieb, du Rauber, du Hurenvogel, du Verräther, du Hexenmeister [...].
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
do berüeft in [hertzog Hainrich] hertzog Ludwig vor dem künig und andern fürsten für ainen rauber.