quälen,
queln,
V.;
Fortsetzung von
mhd.
quëln
(V., unr. abl.)
›leiden‹
und
queln
(V.)
›drücken, zwängen‹
().
1.
›körperliche und / oder seelische Schmerzen leiden‹; häufig tropisch mit Bezug auf die ewigen Höllenstrafen; auch: ›(an / unter e. S.) leiden, sich mit etw. abquälen‹; speziell: ›etw. schmerzlich vermissen, ersehnen‹; vgl. (
die
) 2.
Überwiegend älteres Frnhd.; gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
sich zu tode quälen
.
Bedeutungsverwandte:
1
, 4, 1, 2, 15,
1
(V., unr. abl.) 1, , 5.
Syntagmen:
j. q
. (absolut);
j
. [wie, wo, wodurch] (z. B.
ewiglich, in der helle, im fegefeuer, von minne / seuche
)
q
., [wonach] (z. B.
nach dem willen gottes, nach js. minne, nach den ewigen dingen
)
q
.;
sich (in e. S.) q
.
Wortbildungen:
quälung
1 ›Verlangen‹ (dazu bdv.: 6).

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Wen ich von suche
[›lebensbedrohliche Krankheit‹]
quele, | Ich sicherlich bevele | Dem der mich an allen slac | Heilen wil, kan unde mac.
Luther. Hl. Schrifft.
Pred. 1, 13
(
Wittenb.
1545
):
Solche vnselige mühe hat Gott den Menschen kindern gegeben / das sie sich drinnen müssen quelen
[
Mentel
1466:
bekumerten
; nd. Bibel 1478:
verunledyghen
;
Froschauer
1530:
geuͤbt wurdint
;
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
solten bemühen
].
Peil, Rollenhagen. Froschm.
87, 1396
(
Magdeb.
1608
):
Lieb ist ein solch gefehrlich Gifft / | [...] | Das sie brennet durch Marck vnd Bein / | [...] | Biß sie erlang / was sie erwehlt / | Oder sich selbst zu tode quelt.
Ebd.
164, 3728
:
Nun bleiben wir in Gottes zorn / | Ohn all Hoffnung ewig verlorn. | Muͤssen mit dem leib vnd der Seelen / | Fuͤr kurtze frewd ewiglich quelen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
quod eius amore langweo, | ich
[die Braut]
quele nach siner minne.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501 ff.
):
des muß sich in der hellen | mannicher bornen und qwellen!
Woil her mit uns in die hell! | darin saltu sieden und quell!
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
ich brinne und quele und lide grozze not in dirre flammen.
Fischer, Folz. Reimp.
20, 97
(
Nürnb.
um 1488
):
Was ist dir doch gehollffen mit, | Das genr [...] | So lang im fegfeür quelt und acht.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
das sint gude frager, der hertze und sele qwelet nach dem aller liebesten willen gottes.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
darumb solten wir in einer ieklichen goben rechte ufgetenet und gespannen werden mit allen unsern sinnen und kreften und hertzen und ginender begerunge und quelunge also noch Gotte selber.
Ebd. (
1359
):
ir toͤchteren von Jerusalem, vindent ir minen geminten, sagent im das ich von minne qwele.
Kochendörffer, a. a. O. ;
Peil, a. a. O.
252, 6415
;
306, 1400
;
Strauch, Par. anime int.
23, 8
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1073
;
Vetter, a. a. O. ; ;
Niewöhner, Teichner
195, 6
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
2.
›jm. körperlichen und / oder seelischen Schmerz zufügen‹; ›jn. schinden, misshandeln, foltern‹; generalisierend im Übergang zur Ütr.: ›jn. / etw. (z. B.
die sele, den leib
) quälen, ängstigen, jm. Leid zufügen‹; ›jn. beunruhigen, bedrücken, nervös machen‹; auch ütr. auf Sachobjekte: ›etw. (durch mangelnde Kompetenz) verunstalten, verderben‹; vgl. (
die
) 1.
Phraseme:
ein urteil quälen
›die Rechtskraft eines Urteils nicht anerkennen‹ (vgl. ).
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den leser / teufel, den schuldigen sünder, die arme / gerechte sele, die gerechten / verlorenen, die gefangenen weiber
)
q., etw
. (z. B.
den leib, das fleisch, das wesen der rede, die unschuldigen wörter
)
q
.,
jn
. [womit] (z. B.
mit angst / begierde / krankheit, mit ewiger pein, feuer und schwefel, mit natern, mit den unrechten werken
), [wie] (z. B.
alweg / stets / wol, ane ziel, ane mas und zälen, von tag zu tag
)
q
.;
etw
. (Subj., z. B.
reichtum, ere / gewalt, die helle
)
jn. q
.;
die quälende not, das quälende leid
.
Wortbildungen:
quälnis
›(seelische) Not‹,
quälung
2 ›(seelischer) Schmerz; Trübsal‹ (dazu bdv.: ,
das
, 1, 1; 6, ).

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Sust Crist vor den menschen erst | Sinem vater aller herst | Gute bezzerunge, set, | Mit der selen quelnis tet.
Luther, WA (
1524
/
7
):
Widderuͤmb die gerechten lest er [Gott] schinden und schaben, wol quelen und martern, schickt yhn alles ungluͤck auff den hals.
Ebd. (
1532
):
so ists beschlossen, das solcher tod [...] so theur fuͤr jm geacht, das ers nicht wil ungerochen lassen, sondern den Teuffel, so dich ermord, fuͤr gericht zihen und mit ewiger pein quelen.
Ebd. (
1540
/
5
):
Sie thaten dem fromen Loth alles leid mit jrem unzuͤchtigen Wandel und queleten [...] die gerechte Seele von tag zu tag mit jren unrechten Wercken.
Karnein, Salm. u. Morolf
781a, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
kunig, warumb quelest du dinen lip
[ = dich selbst, deshalb auch zu 1 stellbar]
? | ich wil dir schiere geben | ein getruwes wip.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wann sie [...] die arme gefangene Weiber dermassen anfahren anhalten / treiben vnd quelen / daß sie das Laster bekennen sollen.
Opitz. Poeterey
35, 13
(
Breslau
1624
):
Welchem die reime nicht besser als so von statten gehen / mag es kuͤnlich bleiben lassen: Denn er nur die vnschuldigen woͤrter / den Leser vnd sich selbst darzue martert vnnd quelet.
Logau. Gott
157, 2
(
Breslau
1644
):
Wir / die wir vbrig / sind zurings vmbfangen / | Mit Nattern / die vns ohne Maß vnd Zehlen | Martern vnd Quaͤlen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
103
(
Nürnb.
1517
):
so die hel allein nicht aufhöret, zu quelen ein schuldigen sünder.
Ebd.
134
:
es sol ie die red anderst nichts sein dann ein auftuung der warheit, - darumb quelet das wesen der red, der leugt.
Franck, Decl.
338, 36
(
Nürnb.
1531
):
Welchem spil so yemant verpflicht ist / der wirt alweg mit angst gquelt.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Warhafft gewalt, ehr und reichthumb | Den menschen gar zu rhu nicht stellen, | Sonder in stets martern und quelen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
die do vorwaren den wercken der sún israhel die wurden gequelt
[Var. 1475
1
:
gepeiniget
; 1475
2
–1518:
gegeyslet
;
Luther
1545, 2. Mose 5, 14:
geschlagen
]:
von den gewaltigen quelern pharaons.
in dem abent opffer ich stúnd auff von meiner quelung
[Var. 1475
1
:
peinigung
; 1475
1
–1518:
zwangsal
;
Luther
1545, Esr. 9, 5:
elend
].
wer behielt die ee des herrn: den quelten
[Var. 1475
1
–1518:
peinigten
;
Luther
1545, 1. Makk. 1, 60:
totschlahen
]
sy nach dem ausspruch des kunigs.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Es ist besser ain behender tod | Denn ain lang quellent nott.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Sievers, Oxf. Benedictinerr. ;
Froning, Alsf. Passionssp. ; ;
Böhme, Morg.R.
13, 24
;
Pyritz, Minneburg
1407
;
Franck, a. a. O.
338, 11
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Schmitt, Ordo rerum
695, 13
;