üben,
V.
– Das stark spektrale Bedeutungsfeld wurde folgender Gliederung unterworfen: 1 allgemeiner Ansatz im Sinne von ›sich betätigen‹; 2 betont die Zielrichtung einer Tätigkeit, 3 deren Vollzug, 4 dessen Entschiedenheit, 5 die Einflussnahme auf eine Person, 6 den Gebrauch e. S., 7 den Zugriff auf eine Person oder Sache.
1.
›sich regen, betätigen, mit e. S. befassen, in einer Angelegenheit tätig werden, handeln, wo wirken, sich tätig (wohin) begeben, sich in e. S. (z. B. in Waffen) üben‹ (mit Subj. d. P. / d. S.; allgemein).
Bedeutungsverwandte:
1, 1,
1
(V.) 2, (V.) 1, .
Syntagmen:
j. in kriegsläufen ü., j. sich gegen jn., in einer herschaft / sache, ob dem tische, zu waffen ü., got
(Subj.)
durch / in / mit bildnissen ü
., mit Subj. d. S. sowie (meist) refl.:
diebstal / hurei / raub sich ü., die sele sich an den sinnen ü., der sin sich in der klause, der neid sich in jm. ü., die welt in jm. übend sein, das blut / gemüt sich mit neid / has in jm. ü
.; im Part. Präs.:
das (schauende) leben das übende übertreffen
; mit flektiertem Infinitiv:
der leib dem geiste in dem übende wiederstehen
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Set wie daz Gotes bethus | Wonet in menschlicher klus | In dem sich ubet der sin, | Und Got wonet da mit in.
Pfefferl, Weigel. Ges.
4, 2
(
Hamb.
1646
):
auf das Gott in, mit, vnd durch solche Bildtnis wirckte, vbete, brauchete, thete, ließe, wen, wie vnd was er wolte.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle ist als junc als dô, dô si geschaffen wart in ir selben, und daz alter, daz ir zuovellet, daz ist von des lîchamen wegen, dâ si sich üebet an den sinnen.
Thiele, Minner. II,
32, 281
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
wat sal ein man der mynnen liden | die stormen nit enmoes noch striden | noch sich toe wapen niet enoift?
Harms u. a., Alberus. Fabeln
52, 18
(
Frankf./M.
1550
):
Wann du nicht hetst zu mir ein neit / | Der sich von alters inn dir uͤbet / | Jch hett dir nicht den born betruͤbet.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Dis schif das vert in disem soͤrgklichen wuͤtenden mere diser engstlichen welt, die alwegent in eime uͤbent und wuͤtent ist.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
1, 23
(
els.
,
1362
):
wenne der lip dem geiste widerstet in allem vͤbende.
UB Zug
254, 7
(
halem.
,
1389
):
dz ich mich an dem nidern teil in der herschaft von Oesterrich dienst welti gemachet unn geuͤbt han.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 486, 5
(
halem.
,
E. 15. Jh.
):
Die Eignossen alenthalben uͦptend sich fast in den dingen, ie das sy es darzuͦ brachtend, das [...].
Welti, Urk. Rheinfelden
859, 317, 2
(
halem.
,
1534
):
indem ander purn zu samen geloffen vnd mich vmbgeben, mit freffenlicher hand sich gegen mir vnd den minen geuͤbt.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
huory, eebruch nit müessig stand; | diebstal, roub, brand, die üebend sich.
Ders., Ruffs Adam (
Zürich
1550
):
Ich bin erzürnt, min bluot und gmüet | mit nyd und hassz sich in mir üebt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das er wol vermarkt, wover er sich vil ob disch ieben oder bewegen, das im sollichs zu grosen unstaten, [...] würde geraichen.
Bauer, Geiler. Pred.
101, 14
(
Augsb.
1508
):
Das schauwend leben übertrift das uͤbend.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
was wir vor Christi gepurt [...] treffenlichs in kriegsleufen geüebt haben.
Gagliardi, a. a. O.
502, 8
.
2.
›jn. (auch: sich) / etw. so schulen, ausbilden, etw. so betreiben, sich e. S. so befleißigen, sich so in e. S. betätigen, üben, ertüchtigen, dass man (in der Regel) einen je nach Zusammenhang höheren Grad der Einsicht, der Moral, seines religiösen und geistigen Status, seines Könnens, eines rechtsgeschäftlichen Erfolges, militärischer Überlegenheit, gesteigerter Handlungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten, vereinzelt auch ein negativ bewertetes Ziel erreicht‹; mit Akk.obj. d. S.; ›eine geistige oder körperliche Fähigkeit so konsequent üben, dass man sie maximal beherrscht‹; in 1 Beleg auch: ›sich tief in etw. versenken, meditieren‹; die Zwecksetzung wird teils explizit ausgesprochen, teils mit
üben
impliziert, teils ergibt sie sich aus dem Kontext. Im Unterschied zu 1 und 3 dichter belegt und deutlicher zielgerichtet.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, auch berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
9, (V.) 10; 11; 12,
2
1; 2, 1.
Syntagmen:
j. sich
(z. B.
auf ritterschaft / streit
)
ü., j. den menschen, die narren / schüler / kinder
(z. B.
im schreiben
)
ü
.,
jn
. (z. B.
zum streit
)
ü., einen vogel mit etw. ü., jn. ü
. [+ Infinitivsatz ohne
zu
],
j. etw. ü
. (z. B.
andacht / geduld / jamer / notdurft, gottes wort, den leib / verstand / willen, das auge der sele, sinliche weisen, ringen / singen
),
die minne iren adel ü., die sele sich in der hofnung ü
.;
j. zu sprechen ü., j. sich ü
. (z. B.
stäte / strenglich, an der gütigkeit, an tugenden / werken, an den früchten, auf ritterliche dinge, in einem dienste / mittel, in der heiligen geschrift, mit / im schreiben, mit dem armbrust, in betrachtungen, behendigkeit, gnade / verstand, im glauben, in einer lere, in der minne / reue / schauung, in ritterlichen sachen, götlichen dingen, in der flamme / hitze, mit allen kräften / mit ringen / fechten / leiden / stechen, mit büchsen / bleiden, zu der gütigkeit / marter, zu dem lobe, wieder die anweige
),
j. sich in etw. ü., das
›damit‹ [...],
die sele sich in der hofnung ü., eine stat sich in arbeit, die störche sich zum flug ü., j. den willen zu guten werken ü
.;
die übende tugend, der geübte sin
; subst.:
j. jm. masse im üben setzen, j. mit üben einen durchbruch nemen
;
das übrige üben
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Merken, in der selben wis | Muge wir zwo marter doln | [...] | Daz wir den geist betruben | Und ruwic jamer uben | Und unse sunde Gote clagen.
Das sint manne und wib, | Di unkuslich iren lib | Uben und gewenen | Und dar nach sich senen | [...].
Luther, WA (
1512
/
8
):
Niemant ist an ungerechtigkeyt, sundern alzumal vor got ungerecht, auch die, die sich yn wercken der gerechtickeyt uben und alßo auß der ungerechtickeit zu kumen vormeynen.
Ebd. (
1518
/
9
):
Im leben solt man sich mit des todts gedancken uben und zu unß foddern, wan er noch ferne ist und nicht treybt.
Ebd.
690, 38
:
ßo wir nur Christi und seyner heyligen leuchtende bild yn unß uben yn der nacht, das ist ym glauben.
Ebd. (
1521
/
2
):
hatt er [Christus] nichts anders von uns haben wollen, denn das wyr uns [...] teglich ym glawben ubten.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
167, 24
(
Magdeb.
1615
):
eben darumb soll man predigen / lesen / hoͤren / beten / vnd sich uͤben / daß [...].
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
und [got] ouch læzet dich durch die tugent der gedult üeben êwic leben verdienen, daz manic tûsent menschen niht enhânt.
der mensche sol sich selber an den werken und an den vrühten üeben der tugende und sich dicke versuochen und begern und wellen von den liuten werden geüebet und versuochet. [...] man sol dar nâch stân und niemer ûfhœren, biz man die tugent gewinne in irm wesene.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
du mois dich mit gewalt in der jugent, [...], zu sprechen koinlich oifen, so sals du so vil geschickter werden.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
3108
(
Köln
1476
):
Wes eyn gud stat tgaen eyn belech sall hoeuen,| Jnd wye sych dye hart halden sal, doen ind oeuen!
Chron. Köln, Koelhoff
3v, 31
(
Köln
1499
):
dat dye iungen yre witze vnd verstant dar zo schicken vñ sich in den historiẽ oeuen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
540
(
pfälz.
,
1436
):
Das zehend capittel ermänt die sele nach der adenlichen art jrer dreyer creffte, sich zu üben jn der hoffenünge, jn dem glauben vnd in der liebe gegen got.
Dedekind/Scheidt. Grob.
188, 31
(
Worms
1551
):
Der uͤbt sich / laufft / tantzt / oder springt / | Der lacht / der kürtzweilt / oder singt.
Strauch, Par. anime int.
119, 6
(
thür.
,
14. Jh.
):
wanne si [lude] sich zu Gode soldin fugin, so sint si sich ubinde in der unordenlichen minne.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
sie üebten sich auch so strenklich in dienst der römischen kaiser, daß sie begabt warden von in also, daß sie bei unsern zeiten fürsten sint gemacht.
Reichert, Gesamtausl. Messe
31, 35
(
Nürnb.
um 1480
):
die schawung der volkomenheyt oder der genade Gottes des Heyligen Geystes oder seyner gaben, in der wir uns ueben seyn.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Es
[das Buch]
sait von aim zuͦnemenden menschen, wie er mit miden und mit lidenn und uͤbenne einen durpruch sol nemen durch sin selbs unerstorben vichlichkeit hin zuͦ grosser loblichen heilikeit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
540, 7
(
els.
,
1362
):
Von úberigem uͤbende wart er [sant Bernhart] niemer gesunt.
Ebd.
813, 11
:
Dirre gap och allen sinen gewalt meister Cuͦnrate von Margburg úber sú, [...], das er ir mosse satte in irme vͤbende daz sú sich iht úber arbeite.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
also wol und also lichteklich hette Got lassen daz brot wahssen alse daz korn, denne das der mensche muͦs in allen dingen geuͤbet werden.
sú [lúte] súllent und muͤssent sich uͤben noch vil sicherlichen daz sú ire gebresten úberwinden.
Rieder, Gottesfr. (
els.
, Hs.
15. Jh.
):
wie sich der [man] achtzehen jore úbete in dem lebende unsers herren.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 445, 4
(
halem.
,
1508
/
16
):
starktend si iren züg, belegertend ze stund die stat und vesti Nidow, öbtend sich mit büchsen, boleren und bliden nacht und tag, mit schiessen und werfen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
167, 10
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz si [minne] dehein natúrlich wesen von gotte habe, want daz wirt der vernunftig creatúr geben vf ein solich ende, daz ist, daz si ir adel vͤbe vnd si nút mvͤssig si.
Maaler (
Zürich
1561
):
Zum streyt Geuͤbt werden.
Ebd. :
413r:
Veben. Exercere. Veben eins uͤbens / Staͤts uͤben vnd gewonen. Exercitare. Das ringen Veben. Palestras exercere [...]. Seine schuͦler Veben vnd leeren. [...]. Sich Veben / Sein verstand uͤben im lernen. [...]. Sich mit dem armbrust Veben / oder mit dem bogen zeschiessen. [...]. Die jugendt Vebt sich mit kriegen.
Vben/ seinen Sinn vnnd fleiß auff etwas schlagen.
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 38
(
schwäb.
,
1447
):
Gnade zü gewinnen oder sich dor jnne ze v̈ben, zü behalten, [...] daz mag der mensche von sin selbers krafft nit getün.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Die narren müessen getriben und geiebt sein, oder sie verderben.
Dreckmann, H. Mair. Troja
44, 7
(
oschwäb.
,
1393
):
darumb düht mich gut, ob ez iu gefiel, daz wir wider unser veind unser kraft übtend.
Bauer, Geiler. Pred.
94, 25
(
Augsb.
1508
):
wamit ich mayn das ich dir müge gedienen / darinn will ich mich uͤben dir zuͦ lob.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Mit solcher feiner subtiligkait solte auch die schulmaister jre schuler uͤben vnd sy also lesen leren, dan das geb jrem verstand hernach zu vilen andern dinge geschickligkait.
Rauwolf. Raiß
40, 17
([
Lauingen
]
1582
):
Dise seind dapffere erfarne Kriegsleüt / fuͤren die jrigen wochentlich zuͦ mehrmalen hinauß ins Feld / sie zuͦ uͤben vnnd abzurichten.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
Jhre Kinder uͤbeten sie nicht im Schreiben vnd Lesen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz etleich vogel menschleicheu wort für pringent, wenn man si des êrsten dâ mit üebet.
Buijssen, Dur. Rat.
1, 21
(
moobd.
,
1384
):
der selbe gewalt gegeben wart der romischen stat, die sich in aribait uͦbete.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
191, 156
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann man vindet yeczund gar wenig, dye sich ordenleich in dem wolgeschikchten mittel wellen v̈eben, wie man ir doch vil vindt, dy sich v̈ebent in strengem leben, awer nicht in tugënten.
Ebd.
159
:
‚Veb dich zu der güetichait!‘.
Ebd.
213, 127
:
Wer in disen sechczehen wetrachtung vnd hilffen sich v̈ebt vnd waffent wider dy listig anweig vnd chundichait des bösen geist, der mag leicht angesigen aller anweig.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
die anfechtung ist ein hútterinn der diemúttikait und ein sach der úbenden tugent.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
so üebt er sich allzeit nur auf streit und ritterschaft.
Wie sy sich stät üebten auf alle ritterliche ding, so was Karolus [...] der pest.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
wer sich heut in rechter reu petruͤbt | und sich dar zu uͤbt, | der wıͤrt sein freunt sicherleich.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
63, 6
(
tir.
,
1464
):
vnd hüeb denn an zu lesen vnd v̈ebet sich in der heiligen geschrifft.
Dies., Imitatio Haller
95, 15
(
tir.
,
1466
):
Du solt dich v̈eben in den göttleichen dingen, die weil du czeit vnd weil habest.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
9, 38
;
Thür. Chron.
9v, 23
;
Gille u. a., M. Beheim
74, 75
;
Dietrich. Summaria
19r, 18
;
Bell, G. Hager
394, 1, 5
;
Lauchert, Merswin ;
Fuchs, Murner. Geuchmat
229
;
Schmidt, a. a. O.
41, 17
;
Bachmann u. a., Volksb. ;
Kummer, a. a. O. ;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
54
.
Vgl. ferner s. v.
1
4, 3.
3.
›(eine Handlung unterschiedlichster, oft negativ bewerteter Art) ausüben, vollziehen, tun; (eine Haltung) in die Tat, die Wirklichkeit umsetzen, realisieren‹; im Einzelnen z. B.: ›Handel treiben‹; ›ein Amt ausüben‹; mit Tendenz zum Funktionsverbgefüge (Verschiebung vom Einzeltun auf die Haltung): ›etw. ausüben, vollziehen‹ (z. B.
beichte, rache üben
›sich der Beichte / Rache hingeben‹); die Syntagmen tendieren teils zu kollokativer und phrasematischer Festigkeit; offen zu 4.
Bedeutungsverwandte:
4, , 1; 3, (V.) 7.
Syntagmen:
j. etw. ü
. (z. B.
ave Maria, ein ampt / spiel / werk, einen prozes, eine arbeit / beichte / gewonheit, aufrur / ernst / gewalt, händel, hassen, herschaft / irrung / krieg, lesen, liebe, mauten, mutwillen, neiden, ritterschaft / ruhe, schreiben, simonei, stos, taten, recht / unrecht / unzucht / verräterei, weinen, wucher / zwietracht
),
j. übeltat mit dem leibe
›Unzucht‹
ü., der magistrat tyrannei wieder jn. ü., der geist werke, der kranich, die frösche rache, die zunge ir ampt ü., jm
. (z. B.
den armen
›den Armen gegenüber‹)
etw
. (Subj., z. B.
laben / herbergen / speisen
)
nicht ü
.;
sich mit einem befel ü
. ›einen Befehl ausführen‹;
die geübte unzucht, das geübte leben
.
Wortbildungen:
über
(
der
) ›Vollzieher e. S.‹; speziell: ›Ackerbauer‹ (dazu bdv.: vgl. 1).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
in der Kirchen geblieben, haben alda einen grausamen Aufruhr folgender weise geubet.
Luther, WA (
1536
):
tamen hurerey, hassen, neiden, wuchern, scharren et libenter uben mit Gottes wort.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
647, 4412
(
Magdeb.
1608
):
Die Froͤsch vbten zun seiten rach / | Stachen zornig auff die Meußknaben.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
wen des stummen zunge ist vorlamt | daz si nicht uben mag ir ampt, | so [...].
Buch Weinsb. (
rib.
,
2. H. 16. Jh.
):
und [Gotschalck] lerte darzwischen zur noitturfft schreiwen und lesen und uifte das auch folgens, das ers sin lebtag nit vergas.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
697
(
pfälz.
,
1436
):
der gegen sinem nechsten nit übet die wercke der barmhertzikeit.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Dissen selben ernst sollen die sustere uben mit der hizzen der mynnen, daz sie sich under ein eren.
Dubizmay, kurß zu Teutze
91, 13
(
hess.
,
1463
):
heylige alle die dich eren kyrieleyson cristeleyson kyrieleyson pater noster Aue Maria v̈ben.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Das er [Pfaffe] vns auff dem Maul mag trumpen, | Sein groll vnd mutwilln an vns vben, | Außfiltzen wie die Lotterbuben?
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 33
(
Frankf./M.
1559
):
Gott werde jhm gnad verleihen / sein angefangen / vnd biß her geúbtes leben / also furt hinauß zu fuͤrẽ.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
so hast du nun jn vmbbringen lassen, vnd diese verrätherey gegen den geübt.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
An en
[den
armen
]
wirt nicht geubet | Laben, herbergen, spisen, | Cleiden, trenken, bewisen.
daz sie ubil tat | Uben mit irme libe.
Ouch heize ich uch gliche | Weinen mit jenen uben | Swelche sich hie betruben.
Böhme, Morg.R.
14, 16
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Mensch es ist dir gesaget was gut ist [...] nemlich GOttes Wort halten / Liebe uͤben und demuͤtig seyn fuͤr deinem GOtt.
Skála, Egerer Urgichtenb.
43, 5
(
nwböhm.
,
1563
):
was er sunsten vor böse thoten geubet haben (so) möcht.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
13, 58
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Czu dem leczten ist er ler und entseczt alles guts und ein uber und ein teilnemer aller poßheit und als ubels.
Voc. Teut.-Lat.
ii vr
(
Nürnb.
1482
):
Vber des ertrichs. cultor terre.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
207
(
Nürnb.
1517
):
dem [Christo] der christ, das ist der fürsehen, mus gleichformigt werden – wann wir des süne sein, des werk wir uben.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
145, 34
(
Nürnb.
1548
):
je mehr haben die Eheleut vrsach / die liebe / vnd allerley gute werck gegen eynander / zu vben.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Mag ich nit ueben solche rach, | Weil ich mit im abdilgt alln samen / Von meinem künicklichen stamen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
vichtet man hie wider dye, dye alle ungerechtigkeyt, symoney, wucher, böße werck uben, so [...].
Sappler, H. Kaufringer
16, 721
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ruo und luter peicht darzuo | sült ir üeben stäticlich.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
des Collatinus hausfrau, [...], die habend sie [...] weibliche arbait als wircken und neen gantz tugentsamlich übende gefunden.
Ebd. (
1536
):
diser zunftmaister übet ain handel von wegen ainer zunft gegen unsern zunftgenossen.
Bauer, Geiler. Pred.
75, 23
(
Augsb.
1508
):
diss hatt geleeret der groß leerer Johannes Gerson seine schwestren. er hat es [die hailgen an zuͦruͦffen] och on zweifel selbs geuͤbt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 150, 14
([
Augsb.
]
1548
):
Er [Gotloser Magistrat] strafft nicht die boͤsen / Sondern uͤbet Tyranney wider die verstendigen und frummen.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Da nu herczog Ernst wunderlich ritterlich hänndel in mangen landen [...], het geübet, da [...].
Buijssen, Dur. Rat.
3, 13
(
moobd.
,
1384
):
wirst du berürt mit eren, so machent dich erchanter mein episteln, wann alles, daz du übest und darumb du geübet wïrst.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
der fürst [...] übet mer herschaft dann sein reichtumb getragen möcht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1478
, Hs.
16. Jh.
):
wo solch irrung und zwitracht nicht nidergelegt wurt und verrer geuebt und erwachsen solt, das [...].
Auch sol kain ausslender, [...], dhain tuech versneiden noch dhainen burgershandl hie im markt nicht üben.
welches [mauten] von alterß und unerdenklichen jahren hero also geiebt und practiciert worden.
und hat besagte herrschaft [...] alle andere purkfridtshandlungen biß in die mütte Mhuer [...] pruggen zu ieben und zu exerciern.
Peil, a. a. O.
193, 4569
;
Quint, Eckharts Trakt. ;
Rosenthal. Bedencken
28, 20
;
Sievers, a. a. O. ;
Köbler, Ref. Franckenfort
37, 19
;
Jostes, Eckhart
91, 26
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
199, 32
;
Bell, G. Hager
224, 1, 8
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
15, 11
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
90, 27
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ; ;
Leidinger, a. a. O. ; ;
Weber, Füetrer. Poyt.
50, 6
;
Roth, a. a. O. ;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
159, 14
.
Vgl. ferner s. v. 1.
4.
›sich einer Sache / Haltung / Anforderung / Überzeugung positiv oder negativ bewerteter, alltagsbedingter, religiös, moralisch, sozial motivierter Art mit Entschiedenheit widmen, verschreiben; hinsichtlich einer solchen Haltung über das übliche Maß hinausgehen, sich in e. S. ergehen, e. S. huldigen, eine Überzeugung verbissen ausleben‹; mit ersterer, neutral bis positiv bewerteter Nuance offen zu 2, mit letzterer, ansatzweise kritischer Nuance offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
3, (V.) 6; 7.
Syntagmen:
j. etw. ü
. (z. B.
barmherzigkeit / bosheit / feindschaft / ere / ernst, die zehen gebote, seine gedanken, gesang / gewalt / grimmigkeit / gutes / hochmut / jamer / kunst, die frucht des glaubens, manheit, die minne, seinen mut, gute sitten, trübheit / trunkenheit / tugend / übermas / übermut / unkeuschheit / untreue, das werk der tugenden, wollust / zorn / zucht
); refl.:
j. sich an armut / weisheit, im gebet, in freuden, in einer sache / tugend, in einem tand, in unordenlicher minne, in der geschrift, in der gegenwurtigkeit der dreifaltigkeit, mit beten (zu jm. / e. S.) ü
.;
j. in der kunst geübt sein
; subst.:
j. mit üben auf eine tugend geneigt sein
; vereinzelt mit Subj. d. S.:
die gerechtigkeit gnade / barmherzigkeit ü
. (z. B.
an jm
.);
die geübte leichtgläubigkeit
.
Wortbildungen:
übde
›Zucht, Standhaftigkeit, Disziplin‹ (dazu bdv.: vgl. , , 2, ,
die
, 1; 2).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen die trubheit die wir uben, | Die enkunden nicht betruben.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dî dûtschin brûdre wâren | beladin mit betruͤbde, | dî sî mit strengir uͤbde | von grôzir hant bevatzte.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
gebit den win den truben, | di mit klage jamer uben, | daz si vorgezzen ire leide.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
nû üebet er [der mensche] sich an wîsheit, nû an kunst.
Swie daz si, daz doch ein mensche ûf eine tugent mê sî geneiget dan ûf die andern mit üebenne, doch sô haftent sie von nôt alle mit ein.
Jostes, Eckhart
41, 8
(
14. Jh.
):
wen si [leut] sich ze got scholen fugen, so sint si sich ubent in der unordenlichen minne.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
daz sie [probsten] sich dunkent ander ebdissen wesende und wollent danne irn grimmen mut uben.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
vnnd fraget jhne was Wappen der führete, so solche Mannheit erzeigt vnnd geübet hette.
Perez, Dietzin
2, 399, 26
(
Frankf.
1627
):
Enziehet euch dermahl eins von ewerer bißher geuͤbten Leichtglaͤubigkeit.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
daß die Heyden selbst / welche doch zu jhrer Zeit / durch die grewliche vnnd stetige Kriege [...] jhre Grimigkeit zu vben vnd zu reitzen pflegten.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz geveze vollen clar | Ist andacht, vasten, beten, | Kuscheit, zur kirchen treten, | Uben barmherzikeit.
so sie werden sat, | Nicht andacht in en entstat, | Sundir haz, zorn, trunkenheit, | Uber mut mit unkuscheit | Uben sie.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Dich von gantzem hertzen lieben, | Des glaubens rechte frucht vben.
Henschel u. a., Heidin
1156
(
nobd.
,
um 1300
):
Daz dv [wip] ver sagetez dem man | Die minne die er mit zvhten ẃben kan.
Bell, G. Hager
454, 1, 5
(
nobd.
,
1614
):
die Jr zu samen seint Herein | komen in Gottes Namen | [...] | zu Jeben Meister liche khunst | im süngen Alle samen.
Sachs (
Nürnb.
1545
):
fraw, seyt getröst! | Euch nicht in solchem unmut röst! | Schlachts auß und euch in freuden übet!
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Vil zites uͦpte er sich an soͤlicher armuͦt, daz er enkeinen pfenning wolt enpfahen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 61, 19
(
Straßb.
1520
):
ein vngewone sach allenthalben / wo guͦte sitten / berden / zucht / ere [...] sollent geiebet werden.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Woͤllen ir dan feintschafft zuͦ im vben, | So er sich gern wolt zuͦ euch lieben.
Fuchs, Murner. Geuchmat
229
(
Basel
1519
):
Het ich mich in der heiligen gschrifft, | [...] | So vil geuͤbt als geuchmats tandt.
Ebd.
1562
:
Kein gouch mag syn gesang verschwigen. | Er müß das uͤben tag vnd nacht.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Vatter vnd kind / deßglichen eelüt pflegen nit rechtlich uͤbung wider ein andern fürzenemen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
170, 21
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Also mvͦssen och wir sin, daz wir [...] aller tvͥgenden werk vͤben.
Sappler, H. Kaufringer
27, 148
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
das sie vor missetat hüeten sich | und tugent üebent stätiklich.
Heydn. maister
25r, 14
(
Augsb.
1490
):
damit niemand verporgenlichẽ wollußtt vnd übermaß uͤbte.
Ebd.
38v, 5
:
Warumb seind dÿe menschen also traͤge vnnd faul zuͦ zegeen zuͦ der edlen vnd großmaͤchtigẽ tugend / oder sich darjnn uͤben.
Andreae. Ber. Nachtmal
107v, 11
([
Augsb.
]
1557
):
die Gerechtigkait / wie sy an den Glaͤubigen die Barmhertzigkait vnnd Gnad uͤbet.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1328
):
daz ir euch uͤbet [...] an der voriht uͤnsers herren, an behaltung di zehent pot uͤnsers herren.
Niewöhner, Teichner
398, 4
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
mein gedaͤnch ich dar zu uͤbet | daz ich fragt: ‚vraw, wer seit ir?‘
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
276
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Parmherczichait v̈ben vnd leren vil dinge.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
165, 3737
;
Palmer, Tondolus ;
M. Cunitia. Ur. Prop. ;
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Sexauer, Schrr. in Kart.
223, 4
;
231, 18
;
Rieder, Gottesfr. .
Vgl. ferner s. v. 1.
5.
›auf jn. / etw. unter Anwendung eines gewissen Druckes Einfluss ausüben, jn. bedrängen, belästigen, unter Druck setzen, peinigen, an etw. hindern; jn. heimsuchen‹ (vom Teufel als Handelndem gesagt);
jn. anfechten
(von Gott gesagt); ›sich psychisch oder physisch abrackern, anstrengen, quälen, kasteien‹.
Phraseme:
seinen mutwillen (an jm.) üben
.
Bedeutungsverwandte:
5; 6; 7, 4; 6, 2; 3, 1; 4, 3; 4, , 3, 1; 4; 5.
Syntagmen:
j. jn
. (z. B.
den babst
) /
etw
. (z. B.
seinen leib
)
ü., got jn., der teufel js. tochter ü., eine krankheit, das hartsel, js. weinen
(Subj.)
jn. ü
. (z. B.
schwerlich
),
j. jn. mit flehen / gabe ü., js. augen jn. auf sorgen ü
.;
j. gegen jn. ü
.; refl.:
sich in e. S. ü
. (z. B.
im leiden Christi, in traurigkeit, mit andacht / begierde
;
lange zeit
);
j. mit einer anfechtung, durch jn
. (z. B.
in trübsal
)
geübt sein
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Subigere. Knetten beeren vben.
Luther, WA (
1525
):
Nichts weniger ubten sie yhren mutwillen an yhm, und schlugen yhn mit helbarten und spiessen.
Ebd. (
1540
):
Non ordinavit potestatem, ut mutwillen ubest, sed damit dienest, bonos ehrest, malos straffest.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu sêle diu hât inne alle kunst, und allez, daz man von ûzen geüeben mac, daz ist niuwan ein erweckunge der kunst.
Thiele, Minner. II,
32, 584
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
ein hertze das is nit enproift | als is sich x jaer hait geoift | in lieves dienste.
Pyritz, Minneburg
5032
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Wiß daz ich durch dich geuͤbt | Bin in trubsal aller meiste.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
118, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ob du besorgst, das dein widertheyll [...], gegenn dir zu vben, geschickt vnd auch geordent domit wern, so [...].
Gille u. a., M. Beheim
79, 342
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nicht also, das er [gott] sy mit der | pen üben oder raiczen wer | czu unrecht und czu sunden.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Deß bin von hertzen ich betrübet, | Darzu mich mein selb hartsel ubet.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
wirst du geuͤbet mit dez libes anvehtunge, froͤw dich, daz ein andre Paulus mag uss dir werden.
also wir ime
[Jesus]
uns erzoͤugent, so súllent wir ime flehen, und also er uns uͤbet, so súllent wir in frúntlich liden.
Adrian, Saelden Hort
5589
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
so raine mágde, jungú wip | und Gottes kempfen, stark man | tunt und dik hant getan, | die sich an tugenden uͤbent | und dik sich betrúbent | mit úsers herren marter.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
So zoͤgt der karsthanß dir wol an, | Wie sie dich vben vnderstan | Zuͦ schenden dich vor iederman.
Leisi, Thurg. UB
6, 903, 22
(
halem.
,
1371
):
sú niendert me bekrenken, bekúmberen, uͦben noch aͤfferen sol mit wortten noch mit werken.
Wyss, Luz. Ostersp.
10047
(
Luzern
1545
):
Herr
[Lucifer],
schwyg still, heb guͤt gemach! | wir
[die Teufel]
wend vnns üben in der sach, | dir sin mitt flyssigem dienst bereyt | mit vnsernn sünden vnnd bossheyt | vnnd vnns vff ertrich üben inn mass, | das wir wend machen zur hell ein strass.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Mein trost kam vnd tett fragen, | Ob mich chain wunder v̈bet | Vnd was mein hertz betrübet.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Wan er [...] das nachtmal nam, [...], so in niemet ubet, [...], tranck er gmainclich neun maß weins.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Von der sachh wegen ward der pabst geübet oder vilmer betrogen wider den künig und verkündet in in den pan.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
924
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Alsuerr wirdet dem tewfel verhengt, alsuil vnd es dir nüczes pringet, daz du ubest vnd ob du dich nicht erchennet hast, daz du dich mit dir selber vindest.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
81, 182
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
die da sich geuͤbt vnd gearbait haben in der geschrift, wenn sich ir ainr fleisset vnd vͤbt mit etleichen dingen, so lauffent vnd chuͤment in etleich ding fur.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
daselbs übet in die kranckheit gar swerlich.
Bauer, Imitatio Haller
104, 6
(
tir.
,
1466
):
Wenn sich der geistleich pegewen mensch mit ganczer pegierd vnd andacht v̈eben ist in dem leiden Jesu Kchristi, so werden im alle ding gar ring.
Wackernell, Adt. Passionssp. H. I,
390
(
tir.
,
1514
):
O mueter, warumb pistu mich betruebn? Dein wainen ist mich mer yebn | Dan die kunftig marter mein.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
4486
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Jaksche, Gundacker ;
Wackernell, a. a. O. Vsp.
241
;
6.
›etw. (je nach Zweck sehr Unterschiedliches) brauchen, gebrauchen, verwenden, nutzen‹; am ehesten hier anschließbar: ›(ein Gut) bewirtschaften‹ sowie ›jn. beschäftigen, zur Arbeit einsetzen‹.
Mehrfach Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
2, 1; 2; 3, 1; 2; 3, 3; 7; 8, .
Syntagmen:
j. die folter, eine strasse, einen weg, einen se (mit fischenzen), drohliche worte, die lateinische sprache, seine sinne ü.; die frauen sich mit geschmiede ü
.;
j. des schwertes ü
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
72, 13
(
um 1571
, Hs.
1615
):
wann nun der Mensch [...] lebet in fressen vnd sauffen in Vnzucht, So vebet Er mit den andern Thieren sein Sinliches Auge.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1159
(
rib.
,
1444
):
Ouch en soulde des [swertz] nyeman oeven | De guyt vor quaide neit en kan geproeven.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
ind wirt in sime huis gein spraeche gebrucht ind geoefet dan latinsche spraech.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
daß man nemblich die Folter entweder gar abschaffen / oder aber dieselbige ohne Gefahr der vnschuldigen gebrauchen vnd vben solle.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Waz ye ward von geschmide, | Von golde oder siden, | Menig tüch so wunneklich, | Da mitt frowen übend sich.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1423
):
einen weg ze bessren, den si vor ziten ze kilchen, ze merit und ze muͥli gefaren, mit geladnen rossen geuͤbet und gebrucht hetten.
Schib, Urk. Laufenb.
146, 2
(
halem.
,
1453
):
ein guͦt, [...], vͤbt zuͦ disen zitten Hansli Loͧber.
UB Zug
1872, 2, 3
(
halem.
,
1505
):
da sollen [...] Hans und Oswalt [...], den selben se mit vischentzen [...], werben, nutzen, nießen, uͤben und bruchen an den enden, da sy gerechtigkeit hand.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1523
):
so er demselbenn hanndtwerck dryssig schilling vnnser muͥntz gibt, soͤlich hanndtwerck fuͥr sich selbs, allso das er dhein knecht anstellenn, vͤbenn vnnd bruchenn mag.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
hat min gnediger her angesechen, das niemandt mer [...] die bösen schwür üben noch pruchen sol.
Uhlirz, Qu. Wien .
Vgl. ferner s. v. 2.
7.
›jn. / etw. zu etw. bewegen, anregen, anregend behandeln, motivieren, reizen, jn. zu etw. treiben; etw. veranlassen, bewirken, verursachen, anrichten‹.
Bedeutungsverwandte:
3; 4, , (V.) 2, 6, (V.) 6, .
Nahezu ausschließlich obd.
Syntagmen
(mit Subj. d. P. / d. S. und mit Akk.obj. d. P. / d. S.):
j. schaden, einen handel / streit ü
. ›anrichten‹,
eine frage jm. schmerzen ü., j. jn. ein wenig, treulichen, mit der (ewigen) pein, zu einem krieg, zu guten werken, zu geistlicher arzenei ü., ein engel jn. zu gutheit, zu bösen dingen ü., etw
. (Subj.)
ein weib zu nassen augen, jn. zu trauern ü., der lust, eine ursache jn. wohin, zu etw. ü., eine zerrednis jn. darzu ü., das [...], j. mit jm. ü., das [...]
.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
300, 33
(
thür.
,
1503
):
wie daß C(la)ß Wenige zcum Tengeß ewer angehoriger vaste und vıͤl bedrecklikeit mit synem vihe und gesynde schaden gefugt habe und noch teglichen ube zcum Eylffessehee an wießwachs.
Gille u. a., M. Beheim
73, 23
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
czu dem hastu auch mere | Yegleichem menschen hie czu hut | gegeben einen engel gut, | der in czu guthait ubet.
Ebd.
74, 75
:
der in tut steürn | und auch uben czu den geheurn | und guten werken slechtlich.
Ebd.
79, 342
:
das er sy mit der | pen üben oder raiczen wer | czu unrecht und czu sunden.
Ebd.
102
:
der selbig gotes engel | Sy czu den guten da czu man | stetlich zu uben und czu an | mit haimlichen ein sprechen | Verhilft.
Sachs (
Nürnb.
1545
):
Ach hertzlieb, warumb bist betrübet? | Sag, was ursach dich darzu übet!
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 19, 1
(
Hagenau
1534
):
wie wol der mensch voller lust ist / so schwebet doch alle zeyt eine oben [...] treibet unnd ubet yhn auch aller meyst dahyn und zu dem / darauff die lust gericht ist.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk.
174, 23
(
Bern
1551
):
du haltst din narren vil zu hart, | müst in ein wenig üben baß.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Herodes mŭßt tzu hertzen gan | Di frag, wann si im smertzen uͤbt.
Klein, Oswald
43, 37
(
oobd.
,
um 1408
?):
was dich übet, säligs weib, | zu nassen öglin klare, | dasselb betrübet mir den leib.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
der [Otto] zefoderist mit seiner hausfrawen Agnete geübet hat, das dy purkch zu Scheyren in ein chloster verchert ist worden.
Ders., V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
als etlich mainen, so hat den streit geübt frau Liudburgis.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Wer in aber dazu geobet hat, ist mir ze maysterlich zw verkunden.
Herzog, Landsh. UB
504, 31
(
moobd.
,
1382
):
als verr daz di selben zerednuzz mich layder darzzuͤ vͤbt, daz ich mein mezzer zuͤkcht in dem rathawͤs.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
148vb, 14
(
moobd.
,
n. 1434
):
das sy dem krankchen menschen nicht schullen vor raichen dÿ leippleich erczney, ee sÿ in [...] zu geistleicher erczney geuͤebt vnd vermant haben.
Ebd.
153ra, 2
:
so sol er gefragt werden, ob er doch willig sey, die selben sacrament ze emphahen; vnd darczue sol er treuleichen geuͤebt werden.
Ebd.
152va, 5
:
ob dem krankchen menschen verlegen ist sein sprach [...], so sol er vermant vnd geuͤbt werden, das er sein ware antwurt [...] zu erkennen geb mit auswendigen zaichen.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 214
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann mit dem gart der versüechung wirt menschleich saümichait erbekcht und geüebt.
Gille u. a., a. a. O.
74, 65
;
Leidinger, A. v. Regensb. .