dürre,
die
;
-Ø/–
.
1.
›trockene, niederschlagsarme Witterung, Jahreszeit‹; ›trockener Boden, Dürre als Folge großer Hitze und trockenen Wetters‹; wird aufgrund ihrer Begleiterscheinungen (z. B. Futtermangels und dadurch bedingter Gefährdung des Viehs, Ernteausfälle, Brände) überwiegend als bedrohlich angesehen; in religiösem Kontext einerseits als göttliche Strafe, andererseits als quälende religiöse Not des Menschen gesehen; speziell: ›das trockene Land‹ (im Gegensatz zum Meer); zu 1d.
Bedeutungsverwandte:
1, 4; 5 (s. v. , Adj., 5; 6); vgl. ,
1
2,
1
.
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
ein komet d. einbringen
;
eine d
. (Subj.)
auskommen / entstehen / sein / werden, sich begeben, klein sein, jn. wegnemen, den fischen / pflanzen schaden, das wasser verzeren
;
brunnen der d. halber verseihen, die hitze eine mutter der d. sein
;
dörfer von der d. verbrennen, flöhe die blätter von d. wegen verzeren
;
die grosse d
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
5. Mose 8, 15
(
Wittenb.
1545
):
grawsame Wüsten / da fewrige Schlangen [...] vnd eitel dürre
[
Mentel
Hs. W, 15. Jh.:
durst platern
;
Eck
1537:
durst schlang
]
/ vnd kein wasser war.
Ebd.
Hiob 24, 19
:
Die Helle nimpt weg die da sündigen / Wie die hitze vnd dürre das Schneewasser verzeret.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1420
/
41
):
Jn dem jar [...] wart große durren.
Ebd. (
15. Jh.
):
Desselben jars da was ein sulcher haisser sumer, das [...] die prunen die versihen der dürren halben.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
wenn solich dürren ist, so ist des wassers überall wenig.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Die sele die hat einen funken, einen grunt in ir, das des Got nút envermochte, der alle ding vermag, das er den turst geloͤschen mochte mit út anders denne mit im selber.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Die wasser die do sint vnder dem himel die werdent gesamet an ein stat vnd die dirre
[
Eck
1537:
trückne
;
Luther
1545, 1. Mose 1, 9:
das Trocken
]
derschein. [...] Vnd gott der rieff die durre
[
Luther
1545, 1. Mose 1, 10:
das trocken
]
die erde.
Menge, Laufenb. Reg.
78
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Wann als die hitze ein muͦter ist | Der dúrry.
Chron. Augsb. Anm. 2 (
schwäb.
,
1490
/
1500
):
von der turry verprunen auch märckt und dörffer
(Großbrand als Folge der Dürre).
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dürrein schat den vischen sêr, wan si werdent gemaincleich vaizt wenn regenzeit ist.
Jahr, H. v. Mügeln
531
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
145r, 36
;
Fischer, Folz. Reimp.
44, 50
;
Merz, Urk. Wildegg
77, 7
;
Kurrelmeyer, a. a. O. ;
Winter, Nöst. Weist. ;
Vgl. ferner s. v. 4, .
2.
›körperliche Auszehrung, Magerkeit; Schwindsucht, Tuberkulose‹; zu 1e.
Bedeutungsverwandte:
2, , , 3, ; vgl. (
das
), 2,
1
3, , 1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
5. Mose 28, 22
(
Wittenb.
1545
):
Der HERR wird dich schlahen mit Schwulst / Fiber / Hitze / Brunst / Durre / gifftiger Lufft / vnd Geelsucht.
Turmair (
Augsb.
1517
):
tabi tabo ,dürr. schwelckung, gift, verwesen‘.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
tuot dar zuo den zaher [...], und gorgelt in der keln dâ mit, daz ist gar guot wider die kalten huosten und wider die dürren der prust.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Mangel an Flüssigkeit‹; in religiösen Kontexten ütr.; eng an 1 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Ps. 68, 7
(
Wittenb.
1545
):
Ein Gott der den Einsamen das haus vol Kinder gibt [...] Vnd lesst die Abtrinnigen bleiben in der dürre
[
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
graͤbern
].
Ebd.
Jes. 27, 11
:
Jre Zweige werden für dürre
[
Mentel
1466:
trucken
;
Wormser Proph.
1527:
dorrede
]
brechen / das die weiber komen vnd fewr damit machen werden.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Enmaht du aber weder lachen noch weinen, so solt du es mir ze lob in der túrri dins herzen úbergan.
4.
›Trockenheit‹ als Primärqualität im Sinne der Humoralpathologie; enge Verbindung zu 2.
Bedeutungsverwandte:
1 (s. v. , Adj., 1); vgl.
1
2.

Belegblock:

Erben, Omd. Chrestomathie
187, 22
(
omd.
,
1477
):
Sintdemmal Mars vnmeßig fundin ist yn der wermde vnde doͤrde, welch kint yn em geboren ist, das wirt brewnlicher farbe.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Es sint an allen lúten | Conplexiones viere, | [...] | Melancolya und coleria, | Sangwis und flegma | [...] | Und hant och mit gelegenhait | Hicze, kelti, dúrri, fúchtekait.
Ruh, Bonaventura
337, 23
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem funfften gegnet strengi: ze erleschen raißung
[›Nahrung des Feuers‹]
der duͤrry, das ist trägkait.
5.
›Darre, Vorrichtung zum Trocknen von verschiedenen Gegenständen, z. B. von Holz, Kleidung, Obst‹.
Bedeutungsverwandte:
1.

Belegblock:

Pfälz. Wb. (a. 
1588
).
6.
s. 1b.