summe,
die
;
oder
-n/-n
.
1.
›rechnerische Summe, Gesamtheit aus mehreren zählbaren Gegenständen; Summe einer Addition‹; als Summanden begegnen finanzielle Einzelbeträge (oft), nach ihrem Wert bemessene Edelmetalle, Gewinne aus Wirtschaftsunternehmen (z. B. aus der Ausbeute von Bergwerksbetrieben), der Zählung / Messung unterwerfbare Mengen / Haufen / Massen von Rohstoffen (z. B. von Holz); im Einzelnen kann der Fokus auf den genannten oder aus dem Textzusammenhang erschließbaren Summanden, auf der Additionshandlung, auf dem (oft als groß betrachteten) Additionsergebnis, darunter auf Wertbestimmungen, liegen.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, , 2, , .
Syntagmen:
eine s. aufbringen / erheben / fürstrecken / geben / leihen
(z. B.
auf ein pfand
)
/ teilen / vermachen, eine s. zu der anderen addieren, zur lösung e. S. niederlegen, etw
. (Subj.)
eine s. machen / tragen
›ergeben‹,
jm. eine s. geben, schuldig bleiben
;
die s
. (Subj.)
gros, über x gulden sein, von den eltern rüren, auf etw
. [einen Betrag]
anlaufen
;
etw
. (Subj.)
einer s. wert sein
;
j. auf eine s. kommen, etw. auf eine s. bestimmen / machen, etw. in eine s. bringen / ziehen
(z. B.
eine zal
),
eine schmach mit einer s. hoch / nieder achten / setzen, jm. mit einer s. seine provision tun, jm. etw. um eine s. anbieten / versetzen
(z. B.
eine stat, ein geschlos
),
etw. von einer s. abschlagen / abziehen, jm. den zehent von einer s. geben
;
die s. bürgschaft / holz / zins
;
die s. geldes
(oft)
/ silbers, der gülden / güter, des bauschillings, der ausbeute / deube, der verse
;
eine s. gulden, in gulden
;
die ansehenliche / geringe / grosse / merkliche / nämliche s
.;
das erkentnis der s
.
Wortbildungen:
sumkauf
›Ankauf (von Esswaren) im Großen‹,
summenschatzung
›Gesamtbewertung‹,
sumquitanz
›Quittung über eine Gesamtsumme‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 491, 30
(
preuß.
,
1506
):
wen sie uns geldt schicken, alwege die sumquitancien von dem, dem sie es antworten, nemen und auf unser erforderung genuglich gutte rechnung tun.
Luther, WA (
1519
/
20
):
sollt der tzinßkauff nit ßo gemeyn odder nott seyn, es were dan yn grossen mercklichen summen und tappernn güternn, Er reyst aber eyn yn die groschen und pfennig, und ubet sich hie nyden yn gar geringen summen, die man leychtlich mit geben odder leyhen auß richtet.
Redlich, Qu. Ratingen
65, 32
(
snfrk.
/
rib.
,
1376
):
sowye sy dat noch haent bis up dysen dach besessen, myt alsulchem underscheide, off it sache is, dat in summenschatzinge steit, ind oich in anderen dyenste, dat da ungelt heist, in dem rechte sal it vort blyven.
Köbler, Ref. Wormbs
161, 23
(
Worms
1499
):
darnach soll auch die schmach hoch oder nider geacht vnnd gesetzt werden an ein Sum gelds.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
welche von hauß zu hauß / eine ansehenliche summẽ erhoben / vnd jhne zu lock oder Ludergelt Pro artha zubrach haben.
Jacobs, UB Langeln Anm. 1 (
omd.
,
1525
):
Usgab in die kuch an sumkeuffen: 12. fl. 3. gr. vor 3 thun hering.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
99, 23
(
omd.
,
um 1559
):
Nach beschlossener einnahm sol die berckost volgen von wochen zu wochen, wie sie angeschnitten und in ein summa gezogen [...] werden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
285, 9
(
thür.
,
1474
):
unde ist Hans Pusolt deme jungelinge eyne summe geldes schüldig blebin.
Ries, Rechenb.
A 8v, 7
(
Erfurt
1522
):
Addirn Die Zaln in eyne summa zu brengen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
18, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
als sich stegit dy summe der dube, also meren sich di kulin slege bi sibin bis an sibin hundirt.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1536
):
so sollen sie uns den zehend frei zuvor von der summa der auspeut von ider zech sunderlich zu geben vorpflicht sein.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
wo die sum groß / namlich über hundert guldin wer / moͤcht der vogt ouch nit bewilligen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
122, 2
(
halem.
,
1534
/
5
):
das er uß wenig das er hatt / vil me proferiern kond / dann ander ettlich uß gantzen huffen / und summen.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
288, 40
(
halem.
,
1594
):
das sich die summa des buwschillings 1200 Gl. anlouffe.
Maaler (
Zürich
1561
):
Laß es vns in ein sum̃ ziehen. [...]. Von der Sum̃ abschlahen oder abziehen.
Wyss, Luz. Ostersp.
10921
(
Luzern
1545
):
Sum aller fersen 4728.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
da sagt man, wie ain so merckliche summa holtz kome, das vor nie gesehen wer worden.
haben nemlich die herren [...], sovil ir vermögen aufzuͤbringen gewesen, merckliche summa underthenigst fürgestreckt.
Rot
286
(
Augsb.
1571
):
Addirn [...] wie die Apotecker pflegen / so sie ein species zu der andern vermischen. / Jtem die Rechenmeister addirn ein zall ein summa zu der ander.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
dem was gschloss und statt von dem kayser versetzt umb ain sum gelts.
Karnein, de amore dt.
161, 266
(
moobd.
,
v. 1440
):
do der hayden den wunden auf hüb vnd in hinfürt vnd ym sein prouision tet mit ainer summa silbers vnd sprach: „Begerstu mer, ich gib dir es“.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
310, 6
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
Dy zeuch ab von der sum vnd waz vber pleibt, daz tail in 100.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1533
):
an Hawer hon myr Richter vnd Burger awsszgegewen flor 9 auff eyn szwm gemacht.
Beckers, Bauernpr.
60, 18
;
Köbler, Ref. Franckenfort
57, 12
;
102, 27
;
ders., Stattr. Fryburg ;
Ries, a. a. O.
48r
, 19;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. .
Vgl. ferner s. v. 9, 15, 3, 4.
2.
›Gesamtheit einer (meist als groß erachteten) Personengruppe (z. B. eines Kapitels, eines militärischen Aufgebotes), personenähnlich gedachter überirdischer Wesen (Engel)‹; ›als undifferenziert betrachtete Menge‹ (von Menschen); ›Schwarm‹ (von Mücken, Vögeln).
Mehrfach chronikalische Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
der
) 5; 7, (
die
) 1; 2, I, 1, .
Syntagmen:
eine s
. (Subj.)
gros sein, sich hoch treiben
;
einer s. x man werden
;
an der s. x fürsten / herren
[wohin]
kommen, j. etw. aus summen profitieren, tauben mit summen
[wohin]
fliegen, mücken mit einer s. kommen, sich mit einer s. leuten zu jm. schlagen
;
eine s. volk
;
die s. leute, der engel / streitenden, des kapitels
;
die s. von grefen / herren / prälaten
;
die grosse s
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
di some von den greben unde herren drift sich hoher dan anderhalp hondert.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Zun schoͤnen heusern mit grossen Summen | Allzeit viel Tauben gflogen kommen.
Gille u. a., M. Beheim
72, 135
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie die summ | und meng der engel schare, | Die czu himel sein pliben, | gar vil mer und vil grosser sein | dann der, die [...].
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
wie manig fürst und herr gen Constentz kommen sind an ainer summ, in was stat dann ieglicher da gewesen ist und an ainer summ, wie vil pfärd und knecht da warend.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
, zu
1474
):
Und zoch yemerdar volck zu, also das der gantzen summa ward 18000 mann.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
alle die summe
[
Luther
1545, 4. Mose 2, 4:
an der summa
]
der streittenden von seim geschlecht der was .lxxiiij. M d. c.
Thiele, Minner. II,
9, 6
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
es wern hunds muͤcken komen | so gar mit eyner grossen summen.
Dierauer, Chron. Zürich
209, 20
(
halem.
,
15. Jh.
):
des herzogen folk von Oͤsterich, Straßburg, Basel, Colmar, Schletstat. [...], Appenzel, Schaͮfhusen, sum 30,000.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
Die von Solotern sluͤgent sich ouch zuͦ inen mit einer sum lúten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
thetten auff baiden tailen wol 6000 pferd, aber man sagt von vil grösser somm.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. .
3.
›Essenz, Kern, zentrale Aussage, wesentlicher Inhalt (eines Textes)‹; offen zu 4.
Bedeutungsverwandte:
7, 2, 3, .
Syntagmen:
j. eine s. verfassen / ziehen
(z. B.
in x artikel
);
die s
. [wie]
lauten
;
etw
. (Subj.)
die s. sein
(z. B.
ganz / kurz
);
die künste einer s. brauchen
;
die s. des buches / evangeliums / handels / verses
;
die ganze / kurze s
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
Denn die summa des gantzen Euangelii ist darynne begriffen, wie Paulus sagt: ‚Szo offt yhr wert essen diß brott und trincken den kilch, ßo sollt yhr verkundigen den todt Christi‘.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Daz ist dis buches summe gantz, | Kurtz, gemeinlich, sunder schrantz.
Goldammer, Paracelsus
5, 175, 26
(
1530
):
also laut durch David die sum diß vers auf zukunftigs geredt: [...].
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 289, 21
(
halem.
,
n. 1529
):
den 24. Ougst schreib ein loblich stat Bern ein ernstliche, treffenliche antwort uber irer boͤsswilligen Hasslern truzliche antwort uf das anbringen der êrbern botschaft [...], nach oben verkuͤrzter meinung, und namlich dis sum, uss 2 bogen gezogen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
153, 12
(
halem.
,
1534
/
5
):
[Zwingli] predyett gar tratzlich grusamm ding / welchs summ und substantz verfasstt von jmm und zogen jn lxxvij artickell.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die gantz Sum̃ / Kurtzer vergriff oder überschlag eines dings. [...]. Das seye der beschlussz vnd kurtze Summ deß handels.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 86, 38
(
Luzern
1616
):
Sparendt nüt, ich [Lucifer] bitt vch drumm, | alle künst bruchendt einer sum.
Andreae. Ber. Nachtmal
77v, 12
([
Augsb.
]
1557
):
Vnnd ist das die sum̃a / Das flaisch Christi [...] / als flaisch / vñ nicht weiter betrachtet / Jst nicht nutz.
Rot
354
(
Augsb.
1571
):
Summ oder Summa, gantzer begriff / kurtzer vberschlag eins dings.
4.
phras. (teils in lat. Form):
summa, in (der) summa
(jeweils selten);
summa summarum
(ebenfalls wenig frequent);
in der / einer (kurzen) summe / summen
(Regelform),
einer summe
(wohl Kurzform des Vorigen): ›zusammengefasst, auf den zentralen Punkt gebracht, insgesamt, kurzum, kurz gesagt, kurz und bündig; generell, überhaupt‹; in einzelnen Belegen begegnen kontextbedingte Nuancierungen; motivationell in vielen Fällen von 3 herleitbar.
Mittleres und späteres Frnhd.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
haben alda einen grausamen Aufruhr folgender weise geubet, wie mir vorangezeigter Herr von Berga zusambt den von Ammenschlebe in der Summen angetzeiget.
Pfefferl, Weigel. Ges.
9, 10
(
Hamb.
1646
):
Jn summa er [Adam] befandt Zorn, vnfride, todt, vnruhe, vnd ewige verdamnis.
Ebd.
31, 27
:
Summa alleine einen Gott haben, ist sonst nichts wißen vnd haben das man liebe, ehre, fürchte, lobe vnd anbete.
Luther, WA (
1518
/
9
):
Du solt den namen deines gottis nit unnutz annehmen. Und ist kurtzlich yn der summa, wan wir nit leben also gottis kinder.
Ebd. (
1519
/
20
):
Summa, Ich acht, der zinß kauff sey nit wucher.
Und summa, einen treudel marckt und hantierunge aus der Messen machen, den bauch da mit zur neeren und zu ehren, und nichts vom glauben noch trost der seelen reden.
Dedekind/Scheidt. Grob.
139, 27
(
Worms
1551
):
Doch will ich etlichs in einr sum̃ | Dir repetieren widerumb.
Perez, Dietzin
1, 316, 12
(
Frankf.
1626
):
Jn Summa es ist kein trunckener einiger Verzeihung wehrt.
Ulner (
Frankf.
1577
):
Mit wenig Worten / baldt / mit einem Wort / in einer summ / mit kurtzen Worten.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III, (
osächs.
,
1607
):
Ihr wechter alle, in(n) einer Sum(m), | Ich will von euch haben Kurtzvmb, | das I(h)r mit fleiss die gantze nacht | Soldt halten gut(t)e hut(t) vnd wacht.
Bell, G. Hager
7, 3, 12
(
nobd.
,
1592
):
Der text endet sich in der sum. | Herr jesu Christ, | zu aller frist | dancken wir dir.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1508
):
jener kauft ich [Tucher] von hern Sixten seligen silbergeschirr, das dem Lochawßer in der summ verkauft ward.
Sachs (
Nürnb.
1539
):
Und summa summarum | Ein iegklicher sie
[
weib
, als Allegorie der gemarterten Theologie]
num, | Wo sie im dient zu nutz.
Ebd. (
1529
):
Inhalt zweyerley predig, iede inn einer kurtzen sum begriffen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Das studierns vnkost in einer summ | Macht bey 600 Gültn summa summarum.
Wickram
4, 19, 12
(
Straßb.
1556
):
In summa / er [Robertus] ist ein solcher / so yederman inn seiner widerwertigkeit troͤsten kan.
Ukena, Luz. Sp.
150
(
halem.
,
1575
):
Darumb lieben fründ einer Summ / | Ein gsellschafft gar ernstlich bittet drum / | Das [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Etwas in einer sum̃ vnd kurtz Begrifflich durchlauffen.
Jn einer Sum̃ / Kurtz / Mit kurtzen worttẽ.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 15, 27
([
Augsb.
]
1548
):
Und ist in Summa / kain Bestien also ungeheüre / die nicht danckbar sey für wolthat.
Rot
354
(
Augsb.
1571
):
Summa summarum. Der begriff aller begriff / was alle plus vnnd summen mit einander machen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 48
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
18, 29
;
Franck, Decl.
333, 10
;
Rupprich, Dürer ;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 5
;
Kottinger, Ruffs Adam ;
5.
in Reimbindungen mit bedeutungstragendem explikativem Genitiv oder Adjektivattribut gebraucht.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Ich [Krentzlinn] han mich des besonne | Und bin gerne bie der frawen summe | Und rade den alwege, | Sie sollen unkuscheit plege.
Goedeke u. a., Liederb. (o. O.
1556
):
ist glück herwider kummen, | betracht unglückes summen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Wie das dein sun ist kummenn | Her auß der hochstenn summenn | Der ewikeit.