subtil,
Adj.;
auch
subtilig,
subtiliglich,
subtilich,
subtilisch
;
zu
mhd.
subtîl
(), dies aus
lat.
subtīlis
(
*sub-texlis
›untergewebt, feingewebt‹
, zu
tēla
;
Georges
2, 2887
); diese Etymologie schimmert vor allem in 1, aber auch in den Übertragungen noch durch.
- Zur Wertung von Bezugsgegebenheiten persönlicher (4) wie sachlicher (1; 2; 3; 7) Art, ferner von Handlungen (2; 6), in der Regel positiv (1; 2; 3; 4; 5; 6), teils neutral, seltener vorsichtig distanzierend (6) gebraucht. Die Wertungskomponente verbindet sich mehr oder weniger stark mit einer sachlich charakterisierenden Nuance im allgemeinen Sinne von ‚fein, zart‘; auch ‚unterscheidend‘ (so 1; 4; 5).
1.
funktional positiv wertend im Sinne von ‚schön, zierlich‘ für die Machart kleinerer Gegenstände, auch für die menschliche Gestalt gebraucht (allgemein); im Einzelnen z. B.: ›fein, dicht‹ (von Geweben, Tuchen u. Ä.); ›dicht gewebt‹ (von Geldbeuteln); ›fein gemahlen, gekörnt‹ (z. B. von Pulver, Erde); ›fein gesiebt‹ (von Honig); ›fein, dünn, zerbrechlich‹ (von Glas); ›leicht‹ (von Speisen); ›qualitativ hochwertig, kostbar, wertvoll‹ (von Waren aller Art); ›verziert‹ (von Schuhen); ›feinmaschig‹ (von der Durchführung eines Destillationsverfahrens gesagt); ›wohlgebaut, grazil‹ (vom Körper eines Menschen).
Bedeutungsverwandte:
5, 1, (Adj.) 7, , 3, ,
2
(Adj.) 1; 2, (Adj.) 6, , , , (Adj.) 2, , 1, 3, , , .
Syntagmen:
ein glas, js. füsse / hände s. sein
;
˹einen beutel s. halten, etw
. (z. B.
brot, gold / silber
)
s. machen, eine jungfrau s. zieren, brot subtilichen backen˺
(nicht sicher entscheidbar, ob hier adverbialer oder objektbezogen prädikativer Gebrauch vorliegt);
der subtile leib / mensch / mund, die subtile ader / destillation, erde, kaufmanschaz, leinwat, speise, das subtile geschir / glied / horn / öl / werk
; gradierend:
subtil gebeutelte gerste
.
Wortbildungen:
subtilität
1 ›feine Substanz‹.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
743, 29
(
Lübeck
1639
):
Ein Glaß ist subtil vnd bricht bald / das thut nicht so leicht ein Silber Becher.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2956
(
rib.
,
1444
):
dat broid dat sij woulde havin gemacht | [...] | Woulde sij dat as subtijlichen | Wurde gebacken ind behendentlichen | Dat id in dem schyne cleyne sijn duchte.
Ebd.
3181
:
des selven gelijch | Ist ouch mit dem broede, dat ich | Also subtijl hain gemacht | Dat van buyssen neit en wirt geacht.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
200, 3
(
Frankf.
1535
):
Mann macht etwan glas von blei vnd subtiler erden.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
9
(o. O.
1558
):
daß sie [mägdt] nit erfrieren, [...] und am leib, welcher zart, schmal, schlang, langk unnd subtil ist wie ein hewstock schaden nemen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
49, 14
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen her nymt von allir behendir und subtilir koufinschacz als von edilm gesteyne den czendin.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dar umb ich schmidwerck preis und lob, | Wan es lig allen hendeln ob | Künstreich, sübtil, glenezlich und grob.
Bell, G. Hager
515, 3, 2
(
nobd.
,
1608
):
Sie lies zwen Handschuch machen fein | artlich vnd gar suptil.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1494
):
Sie hat ein großen ars und dicke pein, | Die prüst sind waich und nit klein, | Sie hat ein subtilen munt
[ironisch], |
Man hieb wol herab ein ganz pfunt, | Das ir an dem maul precht kein schaden.
Sachs (
Nürnb.
1541
):
Die natur het sie [jungkfraw] hochgeziert | Mit schön uber menschliche art, | So subtil, wunder-schön und zart.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 554, 20
(
Hagenau
1534
):
Eyn blinder kan den tag und das liecht nit sehen / darumb gleich wie keyn subtiler noch edler gelid ist am leib des menschen / also ist [...].
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
Nim gesigen roß hunig .vj. lot. Subtil gepütelt gerstẽ mel .ij. lot.
Des gelichen den zarten subtiligẽ menschen die sich sunst nit heffren ließen.
Arndt, biechlin
C iijr
, 24 (
Freiburg
1523
):
Ein Flegmaticus ist kalt vnd feücht / vnd der bedarff subtyler speyß.
Glatz, Chron. Bickenkl. (
önalem.
,
um 1640
):
Dan er [tempel] ist gepauen mit dem adelischsten, subtilischem züborin werk, übergilt von ußen und inen, durchlegt mit den aller costlichsten stainen.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
83v, 12
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
gemeinlich siden, da das würmli inn lit, mach daruss ein subtil puluer.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1465
?):
Die pfister soͤllend ouch ir buͥtel fuͥrwert hin bessren und suptiler halten.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
949, 17
(
halem.
,
1495
):
und anndern, so linwat ufköffennt, zuͦ bevelhen, ob inn yemand mit soͤlicher subtilen linwät und ringen ungewonlichen koͤffenn begegne.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
daß sie [Probierung] in jhrer Vermischung mit sich fuͤhrt / eben die Mineralische Subtilitaͤten / welche die alte undere Quellen in sich haben / iedoch mehr deß Alauns / [...] / darnach einen reinen subtilen Schwebel.
wann die gantze von 12. Maß Wassers nach der subtilesten destillation zuruck gebliebene Materia in acht Theil zertheilet wird.
Karnein, de amore dt.
101, 98
(
moobd.
,
v. 1440
):
Wann ritterlich leüt von natur an in haben sollen wolgeschickten, subtilen leib, grad gestalt vnd all lidmasz nach rechter mass vnd mensur geformet.
Meijboom, a. a. O.
2973
;
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
17
;
62
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 352
;
Vgl. ferner s. v. (V.) 15.
2.
›der Würde, Handlung, Haltung, der gewünschten idealen Qualität e. P. / e. S. angemessen, dementsprechend freundlich, feinfühlig, sanft‹ (vom Umgang mit anderen, auch von Wertentitäten wie der
minne
); im Einzelnen je nach Bezugsgegebenheit (in offener Reihe): ›leise, sanft‹ (von der Stimme), ›sanft‹ (vom Wind); ›geschmeidig‹ (vom Geist); ›mild‹ (von einem Arzneimittel); ›feinfühlig‹ (von handwerklichen und sozialen Tätigkeiten).
Bedeutungsverwandte:
1, 1; 2, (Adj.) 2, 5, , , , .
Syntagmen:
die minne, der wein / wind, ein saft, petroleum, geistliche dinge, ein gebilde (in den worten) s. sein
;
etw. s. abreissen / bewegen / dirigieren / erbilden / machen, jn. s. zu jm. locken, j. s. mit jm. lachen, mit jm. / etw. s. umgehen, etw. s. niedersetzen, von etw. ablösen, jm. s. in die wunden greifen, s. ein loch
[wo]
hinein boren, ein geist den leib s. durchgehen
;
der subtile geist / schwefel, das subtile aufmerken / gift / wort
; gradierend:
die subtil geistliche minne
.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
60, 21
(
14. Jh.
):
Daz behendest und daz subtilest wort, daz die creatur geleisten mak, daz ist geist.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3080
(
rib.
,
1444
):
ich [pilgerim Sapientia] wircken | Ind mannicher hande kunst zo mircken, | Vil wunderlinger dinge ind behender sachen | Subtilichen ind abelich machen.
J. W. von Cube. Hortus
75, 83
(
Mainz
1485
):
Serapio spricht daz der safft von balsam fast subtyl sy in syner dogent.
Ebd.
76, 23
:
Nym eyn virmaiß luters wyns der do sy subtiel vnd nit zuͦ starck oder auch nit zuͦ süer.
Ebd.
89, 21
:
Auch spricht Gastenus daz die bede [Colubrina] synt von natüer durchdringen vnd subtyel machen die groben feuchtũge.
Dedekind/Scheidt. Grob.
107, 15
(
Worms
1551
):
wann du etwas nider stelst / | [...] | So setz das so subtilig nider / | Daß es spring auß der placten wider.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
107, 4
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Löse daßelb [laubengelein] mit einem scharfen messer von dem ast oder reise dermassen subtiel abe.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Gesenfftet wort, do er sein menscheit frut, | Keusch, rein, suptil | Nam von der außerwellden.
Euling, Kl. mhd. Erz. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
pis ernsthaftig mit den alten, | subtiliglichen mit den kinden lach | und pis trawrig mit trawrig in ungemach.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 62
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz die instrumente, die oͮgen, gesunt sint vnd sunder flecke, also daz die groben liplichen ding subtilichen da inne erbilden múgent.
Ebd.
2, 1014
:
vnd sv́ [einigkeit des geistes] machet in dem willen eine subtil geistliche minne sunder arbeit.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
so soltu habẽ ein kugel zangen vnd solt im dan hübschlich vnd subtilichen da mit in die wunden griffen.
Menge, Laufenb. Reg.
4005
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Da ist ouch der lufte reyner | [...] | Vnd sindt die winde me subtyle.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
es sol sein ein spiritualisch ding, da alein ein geist sei, der da subtil durchgang den ganzen leib mit den proprieteten.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 26
(
halem.
,
15. Jh.
):
wán alle gaistliche ding sint subtiler vil me denn lipliche ding.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Demnach ward er beschlossen vast suptilklichen und erlichen verwartt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
124, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
so ist nút behender, nút spitzzer, nut subtiler denne dṽ minne.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
da haben die schüler mit halber, subtiler stim das pangelingua ob inen gesungen, und haben [...] gebettet.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 50
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Hat ie hievor der minne pfeil | drei ganz person so gar subteil | geloket zu der liben eil, | das in genadenricher weil | verainet ward als feur und stahel | got mensch der schönsten praut gemahel?
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Dan dieweil si
[heidnische Götter]
subtil geist sein, die man weder sehen noch greifen kan, schluffen si unendphindlich in die leib des vichs und der leut verletzten haimlich die gesunthait.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
168, 12
;
Dietrich. Summaria
24r, 5
;
Sudhoff, a. a. O. ;
Bihlmeyer, Seuse ;
Eichler, a. a. O.
2, 1609
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ;
Vgl. ferner s. v. .
3.
›klein, gezielt handhabbar‹ (jeweils relativ zu einem mitgedachten Größeren und Gröberen gesehen); von Bezugsgrößen meist sachlicher Art, z. B. von Werkzeugen (darunter von Messern, Nadeln), auch von Schiffen, Pflanzen, von Tieren u. a. gesagt; im Einzelnen demnach speziell z. B.: ›scharf‹ (von Messern); ›spitz‹ (von Nadeln); ›schnell‹ (von Schiffen); speziell bei Werkzeugen meist mit der Nuance ›geschaffen, geeignet für je intendierte Zwecke‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, (Adj.) 1, 1, .
Syntagmen:
das messer, eine spule, die perlen s. sein
;
js. körper s. in stücke hacken
;
der subtile fade, hammer / stengel / zirkel, die subtile galei / nadel / säge / zange, das subtile gitter / stük, subtile spreisseln / stacheln
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
503, 20
(
Lübeck
1639
):
Man kan auß grobem Hanff kein subtilen Faden spinnen.
J. W. von Cube. Hortus
85, 10
(
Mainz
1485
):
celidonia hait eyn subtyelʼ stengell nit zŭ lang.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
158, 1
(
Frankf.
1535
):
Ein teyl
[der
Perlin
]
seind grob / vnnd ein teyl kleyn vnd subtil.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
62, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Jch mach mancherley Werckzeug art / | Subtile Zirckel vnd Daßart.
Perez, Dietzin
1, 203, 28
(
Frankf.
1626
):
Ein guter Redner oder Rednerin ist einer Weberspulen nicht vngleich / welche ob sie wol ein lange Zeit scharpff vnnd subtil ist / vnd geschwind vber dem Zedel hinfaͤhrt / jedoch zu weilen anstoͤst.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
108, 7
(
osächs.
,
1570
/
7
):
So ihr den zweig zu dem belzen schneiden wollet, so schneidet es mit einem scharfen messer, das subtiel ist.
Ebd.
112, 34
:
so soll man alsbalt den stamm mit einem messer abschneiden oder mit einem kleinem subtielen seglein.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
163, 23
;
Lauater. Gespaͤnste
37v, 4
;
Menge, Laufenb. Reg.
915
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
235
;
4.
›geschickt, begabt, fähig, scharfsinnig‹ (von Personen); offen zu 5.
Syntagmen:
die königin, frauwen mit werk s. sein, tiere subtiler denne der mensch, frauen (mit sinnen) subtiler denne die man
›Männer‹
sein, j. s. als ein esel sein, scientia
(personifiziert)
s. sein, das [...]
;
j. s. heissen, s. ein bolwerk schliessen
;
jn. s. achten
(objektbezogenes präd. Attr.);
der subtile geselle / mensch
.

Belegblock:

Luther, WA (
1534
/
5
):
Das ist eben, als wenn der Esel auff der harffen spielen und die Saw spinnen wolt, jre pfoten sind subtil und wol dazu geschickt.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3099
(
rib.
,
1444
):
Aldae was Scientia de wijse, | Myne leyve dochter van hogē prijse, | De as subtijl is dat sij de parlemente | Hielte ind informierde die argumente.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1486
):
der ein fromer biederman und sins goltsmithantwergs ein fertiger, suptiler gesell ist.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1488
(
Köln
1476
):
Subtilych gyngen sy [Lumbarden] sluyssen | Eyn bolwerck na dem anderen dayr.
Gille u. a., M. Beheim
267, 91
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
zuchtig als ain sweine | und suptil als ain esel, wol gepildet als ain aff.
Sachs (
Nürnb.
1531
):
Die dritten haissen wol-gesprech, | Ursach-finder, subtil und spech.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
wan si [sin frow] hett alweg gehörtt, das si [kristene frowen] gar suptil werint mit werck und mit andern dingen.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
die kungin ist subtyl, | sie hat unzalber pfyl | in ir, der Mynnen, koecher.
Warnock, Pred. Paulis
7, 85
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Also sint die unvernúftigen tyer vil subtyler und adelicher in iren bevintlichaiten denn der mensch sig.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
in allen frowencloͤstren süllent sye leren singen und lesen, wan froͮwen sint subtiler mit synnen den man.
Jörg, Salat. Reformationschr.
69, 23
(
halem.
,
1534
/
5
):
Dann wottend solch wol geachtet leyen / sich nit mercken lan alls unverstendig [...] sunder alls subtyl / welltwys hoch verstendig geachtet werden.
Vgl. ferner s. v. 2.
5.
›rational hoch ausgestattet, befähigt, zu genauer Abwägung, scharfer Unterscheidung befähigt‹; von Personen hinsichtlich ihrer Vernunft- und Wahrnehmungskapazität gesagt, mit dem Blick auf Letztere dann: ›von scharfer Beobachtungsgabe‹; tropisch: ›inhaltlich fein unterschieden‹ (vom Sinn des
brotes
des Abendmahles gesagt); ›genau überlegt‹ (von einem
infal
); ›scharf‹ (vom Sehvermögen); ›logisch‹ (von der Sprache); als Spezialisierung zu 4 auffassbar.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1, (Adj.) 8, (Adj.) 4, (Adj.) 11, 12, , .
Syntagmen:
das gesicht, die augen s. sein
;
j. s. reden
(mehrfach),
etw. s. ansehen / beschliessen / betrachten
(z. B.
die warheit
),
leren / verfassen
(z. B.
got die tiefe
),
˹der geschmak, die riechung, das sehen˺
(Subj.)
s. erkennen, die vernunft s. bekennen
,
die sprache (nicht) s. ausgearbeitet sein, zwei kräfte durch die vernunft s. geboren werden
;
der berürung subtilichen war nemen
;
der subtile einfal / gedanke / geist / name / rat / sin
(mehrfach) /
verstand, die subtile behendigkeit / kunst, das subtile lied / gedicht, subtile worte
.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Riechonge, gesmack und gesehende, | die erkennent viel subtileclich | Und vernement da inne lutterlich.
Dedekind/Scheidt. Grob.
85, 29
(
Worms
1551
):
daß wir auch deß halben von andern Nationen gar Adelische / subtile / vnd hoͤfliche namen / als Porco tedesco, inebriaco, Aleman yurongne / vnd andere mehr schoͤne Tittel erworben.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
18, 24
(
Frankf./M.
1626
):
Daruͤmb wir auch nicht absehen koͤnnen / warumb man es mit vnserer Sprache / die ohne das nicht so subtil / auch weniger noch zur zeit / als andere zahrte Sprachen außgearbeitet ist, so gar genaw eben nehmen wolte.
Strauch, Par. anime int.
34, 16
(
thür.
,
14. Jh.
):
ie subtilre daz ist daz si [fornuft] bekennit, ie me si bereit wirt zu bekennine.
Opitz. Poeterey
13, 15
(
Breslau
1624
):
weil die liebe gleichsam der wetzstein ist an dem sie jhren subtilen Verstand scherffenn.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Darzu mit hertzlichen begerden | Begriff gesangeskunst subtil.
Ebd. (
1562
):
Und [Vulcanus] machet mit sinreicher hand | Durch subtil göttlichen verstand | Ein güldin sessel.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
vindest du in den werken ein innerlich beruͤrunge, der nim in den werken als subtilklichen war.
die anderen zwo krefte do das krúze durch geborn sol werden, die sint subtiler, das ist durch die vernunft und durch die gelúste des geistes inwendig.
so súllent ir reden von Gotte und von tugentlichem leben und nút disputieren von der gotheit in ander wise noch der vernunft; daz get úch nút an, noch mit behenden worten und subtilen worten, sunder uz dem grunde der tugende.
so súllent sich huͤten die subtilen vor dem vigentlichen hochvertigen geiste, wanne eime demuͤtigen geiste smackent nidere ding.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1130
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
do hat dis mensche subtil in velle, do er vf ymaginiert oder in bildet vnd tihtet vnd merket mit behendekeit.
Ebd.
1944
:
alle ist der luft verklert mit clarheite der sunnen, vnd alse sint die oͮgen subtil vnd gesunt.
Warnock, Pred. Paulis
18, 50
(
önalem.
,
1490
/
4
):
so legent sú allen iren fliß daran, daz sy kluͤglich und subtylich redint, vil hocher sinn und selzsamer wort fürbringint.
Schmidt, Rud. v. Biberach
75, 25
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dirre lerer sach an subtiliche daz, wa das guͤtetlich leben endet vnd volbracht wirt, da vat das beschoͮlich leben ordenlich an.
Maaler (
Zürich
1561
):
Subtyl vnd artlich beschliessen / Sein meinũg dʼ massen scharpff stellen / dz einer nit bald darwider mag. Acute colligere.
Andreae. Ber. Nachtmal
79v, 19
([
Augsb.
]
1557
):
Allain muß ich hie ain subtilen jrrthumb anzaigen. [...] Dise Lehrer trennent bayde speyß, so sy es allain solten vnderschayden.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Auß einem vollen haupt / vnd (satten) bauch / kompt selten ein subtiler gedancken.
Karnein, de amore dt.
68, 28
(
moobd.
,
v. 1440
):
wer die warhait subtill betrachten wil, so kumbt die lieb allain von mynniklichem ansehn ainer mynnsamen, wol geschickhten gestallt der lieb.
Ebd.
79, 73
:
Dein wort sein vernünfftig vnd weis vnd wolgeplüembt mit subtilen synn.
Ebd.
131, 86
:
Darumb so bedennck sich ewr weyshait mit subtilem synn.
Ebd.
256, 2
:
Brüef vnd merck mit subtilen synnen die ler vnd weysung, die wyr dir in disem puech bieten.
Bauer, Imitatio Haller
73, 33
(
tir.
,
1466
):
man würt
[am
jungsten tag
]
nicht von vns pegeren, wie subtil vnd höfleichen wir geret haben, aber man würt von vns pegeren, wie geistleichen wir gelebt haben.
Dünnhaupt, a. a. O.
19, 22
;
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Dubizmay, kurß zu Teutze
257, 11
;
Eichler, a. a. O.
2, 151
;
Kohler, Ickelsamer. Gram. ;
Karnein, a. a. O.
68, 27
;
79, 73
;
215, 163
;
256, 2
;
6.
›berückend rational, fein ausgefeilt‹, und zwar so weit, dass das Bedeutungsmoment positiv bewerteter sinnlicher und gedanklicher Schärfe von
subtil
5 übersteigert erscheint und negativ überblendet wird, dann: ›geschickt täuschend, listig, schlau, spitzfindig, in falscher Absicht‹; insofern als Pejorisierung von 5 auffassbar; von menschlichen, darunter kognitiven Handlungen und deren Ergebnissen gesagt.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 5, , , 21, , , .
Syntagmen:
s. ursache finden, das [...], j. als s. sein, das [...]
;
j. s. abtreten, etw. s. brauchen
(z. B.
das handwerk
) /
hinnemen
(z. B.
einen segen
) /
abtun
(z. B.
worte
),
jn. s. fangen
;
der subtile beschlag
›Plan‹
/ name / sin, die subtile behändigkeit / frage / geschwindigkeit / kunst / ordnung / rede, das subtile argument / mandat, subtile gedanken
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
um 1520
/
30
):
was ist gült anderst dan wucher? [...] Ir wolt im aber einen solichen subteilen namen geben haben, ja es heiße gült.
Ebd. (
1524
):
darumb aber wir all zuͦ gleich von unsern vorfarn durch manch mittel und sutile gschwindlistige behendigkeit dieselben Christen nach unserm willen bedrungen, das [...].
Mieder, Lehmann. Flor.
743, 12
(
Lübeck
1639
):
Einer macht dem Aristippo ein subtil argument, vnnd wolt er solts explicieren / der antwortet / es ist dir sawer worden / so spitz vnd beschwerlich zu knuͤpffen / warumb solt ichs auffloͤsen? 25. Ein subtile frag im Rechten ist diese [...].
Ebd.
744, 1
:
Es ist ein subtile frag / ob die Hosen am Wammes hencken / oder das Wammes an Hosen.
Luther, WA (
1519
/
20
):
dan der begirden sein szo vil, szo mancherley, dartzu bey weilen durch eingeben des boszen szo behend, subtil und guter gestalt, das nit muglich ist einem menschen sich selb zu regiren in seinem weg.
Ebd. (
1524
):
Man wil ynn den dingen unter weyl gar zu hoͤflich und subtil seyn, und niemand gedencken, was schaden daher kompt.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Sij
[Habgier]
fahet die lude subtilenclich, | Und dar nach wann sij wilt, hencket sij die glich.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Einem etwas mit subtiler geschwindigkeit abstricken.
Karlstadt, Priesterthum D
1r
(
Jena
1524
):
Weñ aber ein behelff redner sagen woͤlt. Christus ist kein opffer / sondern das brot vñ der wein Christi / ist ein opffer. Das wer ein subtile schutzrede / als hette sie ein Esel in eyne Sackpfeyffen gesungen.
Chron. Nürnb. Anm. 1 (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Des Bauers secret oder petschafft an ainem anndern brief abgedruckt und mit subtilen künsten zugericht.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
durch hohe, verborgene, subtile, behende sinne so ist zukúnftig der unbekante, vigentliche, vergiftige dot christenlicher ordenunge und gewares lebens.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2295
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
simeliche sint als subtile vnd kunnent ire wider wertikeit als wol entglichsnen vnd glosen, [...], daz sú e sterben soltent e sú einig punt ließent.
Ruh, Bonaventura
356, 19
(
orhein.
,
um 1480
):
so sol du dir vßerwellen einen bescheidennen, senften, miltten man, der so geleret sy baß vnd me vß erfarung guͦtter vnd tuglicher werck denn vß hoher, suptiler red.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1017
(
Basel
1519
):
Das handtwerck brucht sy [wyb] so subtil, | Das der gouch nit mercken kan, | Wo sy ein fedren gryffet an.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1529
):
man ließ auch ain schön, subtil mandat und ordnung ausgeen, wie [...].
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Dise reden alle spricht die Thais durch geleichnuß subtillich als ain buͦlerin.
Subtillich thuͦt der knecht mit disen worten den zorn deß alten von im und von dem Cherea abkoͤrn. und über die buͦlerin wenden.
7.
›kompliziert, schwierig, komplex bis unverständlich‹; von hohen, z. B. religiösen, pädagogischen, handwerklichen Sachverhalten gesagt, die so komplex sind, dass sie nur mit feinfühliger Unterscheidung durchschaut werden können.
Bedeutungsverwandte:
,
2
10.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
/
7
):
Dieser [missbrauch] aber gehet also daher und ist so subtil und geistlich, das yhn niemand recht verstehet.
Wu ist nu der glawb? Es ist eyn subtil ding umb den glawben, es ist bald ubersehen, das man da hyn strauchelt, der teuffel sicht auff, hat die sach bald gewunnen, wu man nicht wachet.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dit es subtijl die dit verstaet, hē es gnoech ghepredecht.
Warnock, Pred. Paulis
18, 41
(
önalem.
,
1490
/
4
):
die natur ist daruf genaigt, daz der mensch vil subtyler hocher ding kunne verston und betrachten.
Jörg, Salat. Reformationschr.
67, 25
(
halem.
,
1534
/
5
):
so die falschen prophetten kon / die werdend so subtyl ding handlen / das ouch die userwellten [...] verfuͤrt wurdend.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
Wir haben die dritten gstalt der ymptungen funden, und so das aller subtillost, so es mit ainem ietlichen geschlecht der bom geschickt.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
die buchstaben aber recht nennen vnd kennen, das ist etwas subtils, wie volget.
Kohler, a. a. O. .