2
ring,
Adj.;
zu
mhd.
ringe
›unschwer, leicht‹
().
– Mit teils unterschiedlich wertenden Tendenzen sind 2–7 jeweils als Ütr. zu 1 auffassbar.
1.
›(relativ zu etw. anderem) leicht an Gewicht‹ (von unterschiedlichen Bezugsgrößen, z. B. Personen, Brot, Ackerboden; auch bildlich); im Einzelnen z. B.: ›klein‹; ›leicht gepanzert‹ (von Pferden; dann offen zu 2); ›weniger beladen‹ (von Fuhrwerken); metonymisch: ›geringhaltig, gering an Gehalt‹ (z. B. den Feingehalt von Münzen kennzeichnend; dann offen zu 6).
Bedeutungsverwandte:
, , (Adj.) 1, (Adj.) 1, (Adj.) 1; 2; vgl. (Adj.) 5.
Gegensätze:
(Adj.) 2,
2
1; 2; 3; 4.
Syntagmen:
j. / etw. (zu) r. sein, das geld zu r. sein, ein gus in der gewicht, ein gelot um x pfenning zu r. sein, j. ringer dan eine feder sein, die münzen
(Subj.)
um etw. am halt / korn / silber ringer werden
;
den beutel r. machen
;
j. feuerhaken ringer machen, semmeln ringer backen, pfenninge ringer wirken
;
der ringe harnisch / wagen, das ringe treid, die ringen büchsen / hechte / münzen / pferde / sättel / schiffe / schlangen
›Feldgeschütze‹.
Wortbildungen:
ringegeld
wohl ›geringhaltiges Geld, das dem Mindestgewicht nicht entspricht‹,
ringhaltig
›gering an Gehalt‹ (von Münzen; a. 1609; dazu bdv.: ),
2
ringler
›geringwertige Münze‹ (a. 1460).

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der idele wagen der sol vntwichen deme ladene wagene. der Ringere wagen der sol vntwichen deme swereren.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1325
):
Di munzmeistere zu Vriberc sullen keine pfenninge ringer lazen wirken, wen daz vir pfenninge unde ein pfunt eine marc wegen zum minnesten.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
108, 33
(
nobd.
,
1392
):
Es gebeut mein herre, [...], daz allermeniclich, die in seinem lande seind, daz ringegelt von in tun hie zwischen und sand Margretentag.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Mit stadel kunsten wolt ich dich noch maten, | Das du wurst gleich dem schaten, | Der ringer dan ein federnn ist.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1466
):
ob es sich begebe, das etwann ein guß vmb ein halb quinti in der gewichte ze ring were oder am korn, so sol mans eim muͥntzmeister nit verheben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1396
):
waz geltz fur si köm, daz ze ring wär oder falsch.
Ebd. (
v. 1536
):
die burger von der Kauffleutstuͦben, 200 pferd mit ringem harnisch, lustig und zierlich, sind dem kaiser entgegenzogen.
Nach solichem sind komen 2 hauffen mit ringen pferden.
Ebd. (zu
1563
):
haben die böcken die semlen ringer und widerumb 8 ₰ laib gebachen.
Volz, Prophet Daniel E
5, 27
(
Augsb.
1537
):
Thecel / du bist an die wag gehenckt / vnd funden worden / das zuͦ ring bist.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein ringer oder schwerer baw / oder boden.
Klein, Oswald
45, 1
(
oobd.
,
1415
):
Wer machen well sein peutel ring, | und im desselben wolgeling, | der frag den weg gen Überling.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
um 1340
):
ob ain gelot ze ring wer umb vier swer phenning oder umb sechs ring, das schol auch der marchtrichter pezzern.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Nachmals ist Aristoteles kommen, setzt das fünft element, das weder ring noch schwär, weder warm noch kalt, feucht noch trucken sei.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
):
Nachdem auch furkumben, das die verhanden feurhacken gar zu gross und schwer, [...], sollen dieselben feurhacken alspald kliener, ringer und fuegsamer gemacht
[werden].
Bernoulli, Basler Chron. ;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 453, 30
;
Schib, H. Stockar
44, 33
;
Klein, a. a. O.
103, 10
;
2.
›schnell, flink, gewandt, behände‹ (eine Fähigkeit, Handlung kennzeichnend); in positiver Hinsicht als Haltung auch: ›schnell zu etw. bereit, bereitwillig‹; in negativer Hinsicht: ›leichtfertig, unbedacht‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
, , (Adj.) 1; 3, , 1; 3a, 5; 8; vgl. (Adj.) 6; 7, 1, 2, (Adj.) 3.
Syntagmen:
j. r. zu fus (sein), eine salbe
(Subj.)
r. zu machen (sein)
;
(j.) r. antworten / arbeiten / sprechen, davon schiffen, auf dem pferd sitzen, aus dem korb springen, durch die mauer kommen, in die sünde fallen, der ochse ringlich arbeiten, j. etw. r. abfertigen / ausgeben, den arm r. hin und her bewegen
;
der ringe fus / lauf / man / mut / schrit, die ringe hand, die ringen hirsche / wagen
; subst.:
x man der ringsten
.
Wortbildungen:
ringfärig
1a) ›leicht beweglich, gewandt‹; 1b) ›leichtfertig‹ (dazu bdv.: 1, 3),
ringfärigkeit
1 ›Wankelmut, Leichtfertigkeit‹ (dazu bdv.: 3, ); 2 ›Geläufigkeit (einer Sprache)‹ (in der Fügung
ringfärigkeit der zunge
),
ringgläubig
›leichtfertig‹ (dazu bdv.: 1, 1; 2),
ringmütig(lich)
1 ›schnell entschlossen‹ (a. 1427; dazu bdv.: 1).

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
44, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Jch bin ein Weydmann ringr hand / | Beyde zu Wasser vnd zu Land.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
als sie jn hinauff gezogen, sprang er ring ausser dem korb.
Sachs (
Nürnb.
1530
/
1
):
Ich gib mein gelt fein rincklich auß, | Gleich wie mein mildter vatter thut.
Serranus (
Nürnb.
1552
):
Ringferiger mensch / vide Leichtferiger mensch.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
mag niemand fliehen | so rincklichen do von.
Dierauer, Chron. Zürich
228, 10
(
halem.
,
15. Jh.
):
[die Eidgnossen] namen us von allen Eidgnossen [...] 16 hundert man der ringsten und die allerbest ze fuͦß mochten.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
kam iederman vil e und ringer durch die muren in das slos, dann zuͦ den toren in.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ringe / ferige schritt. [...]. Ringe vnd ferige waͤgelin.
Ringferigkeit der zungen. Linguæ uolubilitas. [...]. Ringgloͤbig / Leychtferigs sinns / Liederlich zuͦ bereden.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 85, 19
(
Luzern
1616
):
Deß menschen nattur [...] | hatt durch die sünd angnon die art, | Zuͦ fallen in die sünd gar ring.
Sappler, H. Kaufringer
15, 63
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mit ringem muot | zestund da sprach der man guot.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
geb im ruͤb in dem lesten tail, das uff der hoffnung uff zuͦ hoͤren der oͮchs die gantzen witti ringklicher arbaitti
(beim Pflügen).
Gille u. a., M. Beheim
79, 64
;
Thiele, Minner. II,
15, 270
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 234
.
3.
›bequem, mühelos; ohne Anstrengung, Aufwand‹; ›ungehindert, ohne Schwierigkeiten‹ (Handlungen, Handlungsziele kennzeichnend); speziell mit Bezugsgrößenverschiebung auch: ›einfach, leicht verständlich, einleuchtend‹ (von Sachverhalten, Erzählungen); ›flach, gerade‹ (von topographischen Gegebenheiten); ›kurz‹ (von zeitlichen Abläufen).
Obd., vor allem wobd.; mittleres Frnhd.
Phraseme
(es) ring gehen lassen
in etwa: ›sich die Zeit (bequem) vertreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
1
(Adj.) 1, , (Adj.) 14, (Adj.) 3, (Adj.) 5; vgl. 6, (Adj.) 4, 10, (Adj.) 4, 3.
Gegensätze:
1.
Syntagmen:
jn. r. entberen, die feinde r. übereilen, etw. r. aufspannen / gewären / volbringen, (jm.) etw. r. ankommen, r. anzunemen, zu machen / zu tun / zu verstehen (sein)
;
der ringe weg, die ringe arbeit / entschuldigung / gleichnis / mühe, das ringe ding, die ringen geschäfte
.
Wortbildungen:
ringfäriglich
(dazu bdv.: 1; 5),
ringsam
›leicht, einfach‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Mensch, hie leg allen irsal ab, | Nim einer ringen gleichnus war.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Thelemachus gibt dem vatter den handtbogen, der spant ihn rincklich auff.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1525
):
wollten die artickel nit annemen, dan sy warend inna fasst sch(w)er und nit ring anzuͦnemend.
Jörg, Salat. Reformationschr.
434, 4
(
halem.
,
1534
/
5
):
jr werdend unser ansuͦchen / bitt und begaͤr / guͦtt willig enpfachen / und des zuͦ geweren gantz ring und liecht schetzen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
Gadt es vor gott so ringsam zuo: | was wott ich by den wysen thuon?
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 1
(
1530
):
wann es so ein ring ding wer ein jungfrau zu sein, so wer Maria so hoch nit zu preisen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ring / On alle arbeit. [...]. Ring gon lassen / Die weyl mit ringer arbeit vertreyben.
Ringferigklich / Ordenlich nach einanderen / als wenn ein red wol falt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
(haben) seiner mt. gedient, den mantel des kaisers hinden und beseitz tragen, damit sein mt. dasder ringer mig von stadt gan.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 734
;
Vgl. ferner s. v. (V.) 2.
4.
›(relativ zu etw.) angenehm (wirkend), sanft, unbeschwert‹ (von Sinneseindrücken, Empfindungen, Gemütszuständen); speziell von Gesetzen, Normen, Urteilen u. dgl.: ›mild, gütlich‹.
Phraseme:
jm. ringer um das herz werden
›von Sorgen befreit werden‹;
j. / etw
. (Subj.)
alle dinge / sachen ring wiegen / wägen
›für angenehm befinden‹.
Bedeutungsverwandte:
4, (Adj.) 3; 4, 2, 3, 8; vgl. 2, 1, 1, 3, 3, 2.
Gegensätze:
2
7; 9, 5; 7, .
Syntagmen
(jm.) etw
. (Subj., z. B.
die bürde, das gemüt / herz, alle dinge
)
r. sein / werden
;
eine sache r. wiegen, das urteil zu r. finden, jm. die bürde r. machen, die liebe
(Subj.)
alle sachen r. machen
;
r. von hinnen faren, ringlich den weg gehen
;
der ringe mut, die ringe geburt, das ringe gebären / gesez
; subst.:
die ringe des gemüts
.
Wortbildungen:
ringmütig(lich)
2 ›gleichmütig, gelassen‹ (dazu bdv.: ; vgl. 1).

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
In dem weg er ringlich get, | Do er sprichet unde vlet: | ,In dinem weg, almehtic Got, | [...], der dinen gebot | Bin ich so lustig worden | [...]‘.
Luther, WA (
1526
):
Bey uns ist es ring, die frawen durffen nur ynn ligen, gehen aus, wenn sie wollen, und scheuͤhet man sie nicht also hart wie der Juden frawen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
):
nun komen wir mit ringem hertzen snell daran, das wir unser geschick machten zu roß und zu fuß.
Sachs (
Nürnb.
1561
):
[Der könig spricht:] | Ich wil, daß es mir werd erklert, | Auff daß mir ringer werd mein hertz.
Thiele, Minner. II,
6, 106
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
wer bülschafft pfligt; | all sachen er dester ringer wigt. | wie mocht mir uͤmer bas gesin.
Glatz, Chron. Bickenkl. (
önalem.
,
um 1640
):
sie doch alles mit frelichem, sanftem gaist verrichtet, dass sie alle mit ihrer anmüetigen gestalt frelich und ringmüetig machtet.
Merz, Urk. Lenzb.
101, 22
(
halem.
,
1560
):
Die Botschaft von Lenzburg fand das Urteil ze ring und wollte an das Amtsgericht appellieren.
Sappler, H. Kaufringer
5, 229
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
,fraw, ist dir icht ringer worn?‘ | zehant antwurt si dem torn: | ,mir ist geringert wol mein pein‘.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
als es [das geschlecht Ramnli] zuͦ zitten des frids erhertott mit arbaitten, [...], mocht es rincklich liden die ritterschaft des kriegs.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô derlischet oft der gaist der hailigen hoffenung [...] und wirt wider enzunt von ringer sänfter anweisung.
Banz, Kreuztr. Minne
26
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Hab mich lieb úber alle ding, | So wirt dir din bürd süß und ring.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Einen hanndel, den man mit dheinerlay sachh mag widerpringen, den sol man rinkchmütichlich vertragen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Die lieb bewegt all ander tugent zuo guoten werchen vnd macht all sachen ring, daz dem menschen kain arbait swaer noch verdrieslich ist.
Bauer, Imitatio Haller
104, 7
(
tir.
,
1466
):
Wenn sich der geistleich pegewen mensch mit ganczer pegierd vnd andacht v̈eben ist in dem leiden Jesu Kchristi, so werden im alle ding gar ring vnd suess vnd lustig.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Langen, Myst. Leben
223, 7
;
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Banz, a. a. O.
23
;
5.
›(relativ zu etw.) niedrig im Preis, nicht teuer, preisgünstig, für einen verhältnismäßig geringen Betrag an Geld oder Gut zu haben‹.
Vorwiegend wobd.
Bedeutungsverwandte:
1
(Adj.) 7, , 14.
Wortbildungen:
ringfüg
1 (dazu phras.:
etw. um ein ringfüges zu kaufen geben
›etw. für ʼnen Appel und ʼn Ei dahingeben‹; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1609
):
sobaldt etwas [...] mangels an erbuwung der saagen erschinen, den sy selbs wol mit ringem costen verbeßeren können, sy [...] den buwherren nachglofen, inen solches ze verbeßern.
Ebd. (
1586
):
Da lybding gar wenig und ringfuͦg, hand min herren sy [...] in irem wärt belyben lassen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu 
1534
):
wellen auch verhelfen, daß des holtz und anders, was menschliche notturft eraischt, in ainem ringern kauff sol geben werden.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Also hat er sie [die aufrüerischen pauren] widerumb begnadiget [...], iedoch inen ain ringe geltstraff uferlegt.
hat er ohne alle vorgehende not [...] Sixten von Hausen umb ain ringfüegs und, wie man sagt, umb 400 guldin zu kaufen geben.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
wolt ıͤr so ring verchauffen, | ich wuͤrd eu wol zerauffen.
Vgl. ferner s. v. 6.
6.
›(relativ zu einer Vergleichsgegebenheit) klein, geringfügig, unbedeutend, unwichtig‹; im Einzelnen: ›wenig, schwach, kaum wahrnehmbar‹ (die Quantität von Bezugsgrößen kennzeichnend); zusätzlich negativ wertend: ›nicht ausreichend‹; ›minderwertig, von geringer Wertschätzung‹ (die Qualität von Bezugsgrößen kennzeichnend); ›schlecht; schwächlich, unfähig‹ (eine zugeschriebene Haltung, Eigenschaft kennzeichnend).
Gehäuft wobd. / oobd.
Phraseme:
bei den schafen ring zürnen sein
›wenig Grund haben, bei den Schafen zornig zu sein (weil sie ,brav‘ sind)‹.
Bedeutungsverwandte:
3, 7, (Adj.) 1; 2, (Adj.) 9, 2, 5, (Adj.) 3, (Adj.) 12, , , 5; vgl. (Adj.) 1, (Adj.) 1, (Adj.) 7, 4, (Adj.) 8.
Gegensätze:
, (Adj.) 3; 8; 14, (Adj.) 1, (Adj.) 11; 14, , 1; 4.
Syntagmen
(jm.) etw
. (z. B.
der glaube, das brot, die worte
)
r. sein, (etw.) r. werden, das har / lob, die dinge ringer werden, js. mut / verstand, js. lob zu r. sein
;
j. die weisen, die gabe gottes r. schätzen, etw
. (z. B.
den glauben, die untreue
)
r. achten, den preis r. messen, j. etw
. (z. B.
das fegfeuer / leben
)
r. wägen / wiegen
›gering gewichten‹;
j. ringlich zeren
;
der ringe / ringere wein, der ringe glaube / schaden / schlaf / verstand / wert, die ringe habe / kost / ursache, die ringere wolle, das ringe ding / geld, die ringen sachen / worte
.
Wortbildungen:
ringfärig
2 (dazu bdv.: 1; 2, , 1),
ringfüg
2 (a. 1548; dazu bdv.: , Adj., 9),
ringfüge
(
die
) ›Geringfügigkeit‹ (a. 1577; dazu bdv.: ),
ringschätzig
1 ›unbedeutend, unwichtig‹,
ringschätzung
(dazu bdv.: 1, , ),
ringverständige
(
der
) ›e. P. mit wenig Verstand‹,
ringwichtig
›unbedeutend, zu vernachlässigen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Es kan sich begeben, das der, so eyn ringen glawben hat, das er ym glawben bleybe, und der eyn starcken glawben hat, das er [...] zweyfelt.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Jâ, ie grœzer lîden, ie ringer lîden, als zwêne eimer: ie swærer einer, ie ringer
[dies zu
2
ring
, Adj., 1]
der ander.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Frankf.
1545
):
so er in so eynem ringen Ding seiner Frawen Zorn foͤrcht.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
hat er sich in der Ritterschafft [...] erzeigt, daß (meinem ringen verstand nach) wo er langes leben haben soll, Er der gewaltigst Ritter auff erden werden mag.
Schmitz, Schiltb.
6, 2
(
Frankf.
1597
):
dann die Weißheit warde damaln weit hoͤher gesetzet als jetzunder / da [...] die Weysen aber ring geschetzt / wo nicht gar verachtet vnd verstossen werden.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1521
):
es ist kuntlich, daß vil kleiner pfründen sin, so ring, daß eine nit mag ein pfaffen erziehen.
Gille u. a., M. Beheim
79, 191
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das man in mich geusset so ring, | unraine, stinkendinge ding.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dar an gedenck ein yder meister singer, | Schacz keinr den andern ringer!
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Daß ir unterthan, mayd und knecht | Nicht halt den hunden gleich und schlecht, | Mit ringer kost, schwerer arbeyt.
Ebd. (
1563
):
Daß es [des menschen gemüt] [...] | [...] | [...] als ringschetzig verlacht, | Darauff sonst alle welt hat acht.
Ebd. (
1566
):
[Billich man] nit den uberfluß verzehr | [...] | Und gottes gab schetz ring, veracht.
Ebd. (
1567
):
Sein verstand ist zu blöd und ring, | Zu speculirn so hohe ding.
Ebd. (
1563
):
Der ander bawer auch anfieng: | Deins weibes lob ist vil zu ring, | Ich aber hab ein nüeczlich weib.
Ebd. (
1555
):
Got pschert mir [arm] durch die arbeit mein, | Das ich mich, weib und kind erner, | Wie-wol ich gar ringlichen zer.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Dann wo nicht ist groß Hab vnd Gut, | Da ist fürwahr gar ring der muth; | Daß Gelt aber macht frisches Hertz.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Owe, herr, des vegfúres [...]! Wie was ich so unsinnig da her, daz ich daz so gar ring wag.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1422
):
Das ich ouch also schuͦf und mit einem ringen gelt zu wegen brauͧcht.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ob die stat wirt krencker dem andern fleisch
.
vnd das har brune
.
und ringer
[nd. Bibel um 1478:
roetafftich vnde dunner
;
Dietenberger
1534:
goldfarbig vnd dünner
;
Eck
1537:
gelb vnd dinner
;
Froschauer
1531 /
Luther
1545, 3. Mose 13, 30:
gülden vnd dünne
]
denn es ist gewonlich.
Bächtold, H. Salat (
Freiburg
1527
):
gar großer, schwerer abstinenz und ringwichtiger spis ist gsin sanctus Hilarion, eremita.
Roder, Stadtr. Villingen (
önalem.
,
1582
):
damit nit ein iede schlechte, ringfüege handlung gleich für gericht gezogen.
Wer das gehinderet, wüsse ein ringverstendiger.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
28, 15
(
Zürich
1521
):
Die sach ist groͤsser dañ das sy vß ringen vrsachen sol bhinderet werden.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 42, 79
(
Luzern
1616
):
zuͦ erst man den gesten geben soll | Den besten wyn vnnd zuͦ dem end, | [...] | Den ringen wyn.
ringfaͤhrig / oder ringfaͤrtig / nicht viel werth [...]. ringfaͤhriger Mensch [...], Nebulo, Vappa. ringfaͤhrige dinge [...], Nugæ.
Morrall, Mandev. Reiseb.
44, 14
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Ir leben wegent sie gar ring, dar umb fúrchtent sie den Soldan noch ander fúrsten nit.
Chron. Augsb. Anm. 3 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ob wir so mergklich untrew ring achten und in nach gestallt seins verdienens zu belonen nit gedacht oder sein geschonet haben sollten.
v. d. Broek, Spiegel d. Sünders
164, 7
(
Augsb.
1476
):
Ist aber sach das du deyn súnd [...] auß boßheyt scham
.
vorcht
.
oder ringschaͤtzung oder verachtũg verschweigest deinem beichtvatter xc̃. So bist du schuldig.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei dem tier verstên ich diu freien ledigen herzen, diu alleu auzwendigeu dinch ring wegent und lebent sicherleich in in selber.
Deinhardt, Ross Artzney
59
(
oobd.
,
1598
):
Vorauß, wan sy [pferdt] ring fersten
[hier wohl: ›wenig Hufmasse, niedrige Fersen‹]
haben, so muest du sy beschlagen, das die eisen schweben vnd nit hart auf ligen auf der fersten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
150
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Dannoch so versmächst du dein geschephde nicht vnd wigest sy nicht ring.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
18, 3
(
tir.
,
1464
):
Es ist gar ein ringe inplasung den oren, vnd der selbig rauch der warhait der ist gar pald vergangen.
Ebd.
72, 26
:
das ist die geschrifft meiner schlëchten wort [...], das die vngenügsam sint vnd ainfeltig vnd ring sint
(als Bescheidenheitstopos).
Qu. Brassó
5, 531, 3
(
siebenb.
,
1615
):
Es ist aber bei den Schofen ring zurnen; bei den Wolfen aber muess man umb Gnad bitten.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
115, 21
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Enders, Eberlin ;
Munz, Füetrer. Persibein
108, 5
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 734
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 161
.
Vgl. ferner s. v. 2, 12.
7.
›in einem sozialen (meist), religiösen, künstlerischen o.ä. Wertesystem auf einer unteren Ebene stehend, niedrig, minderen Ranges (meist in der Fremd-, selten in der Eigenwertung den Status einer Person charakterisierend)‹; als Zuschreibung schlechter Eigenschaften häufig damit assoziiert: ›habgierig, hinterhältig, schlecht, kriminell‹; Spezialisierung zu 6.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 6, 1, 1; 4, (Adj.) 10; vgl. (Adj.) 2, 3, 2, (Adj.) 10.
Wortbildungen:
ringschätzig
2 ›im sozialen Rang als unbedeutend eingeschätzt; bescheiden‹ (dazu ggs.: 2, 5, 1; 2, 1).

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
82, 450
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der verkerer und keczer, | zu laichen und petriegen die | glaubigen menschen, nur das sy | werden ringer und leczer.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
das sie dann die
[Diebe]
hanthabten, wo es als geverlich und ryng person weren, und dieselben ringen person zu den vierteilmeistern oder hauptleüten [...] fürten.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Ewr mayestat kümmer sich nit sehr | Umb den einfeltig schlechten mann, | Gantz ring von geschlecht und person, | An dem doch gar nichts ist gelegen!
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
[Ach JEsu] Vor dir zu reden bin ich zu ring.
Goedeke, Fischart. Flöh Haz
51
(
Straßb.
1594
):
Gut rat und trost steckt nicht allain | Bei denen, die ansehlich sein, | Sonder oft aim, so ist ringschetzig, | Und nicht vil mechtig, prechtig, schwetzig.
Sappler, H. Kaufringer
1, 197
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da wont ain heggwirt bös und ring; | der nam gern vil pfenning | und hett lützel darumb fail.
Pfaff, Tristrant (
Augsb.
1498
):
ob er all eüwer freünd erschlagen het, dennocht soͤlt ir yn gerner nemen, dann den zagen, der von ringem geschlecht geborn ist, von dem ir keiner guͦten tat noch wirdigkeit warten sind.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Graf Lasla [...] hiet gern sein swester künig Oten zu der ee geben. Künig Oto maint, si wär im zu ring am adl.