richte
II
richt
II,
die
;
–/-Ø
, auch
-(e)n
;
zu
mhd.
rihte
›Geradheit, gerader Weg‹
().
1.
›die gerade Richtung, der direkte, kürzeste Weg‹; häufig in der Doppelformel
richte und krümme
;
Vorwiegend älteres Frnhd.
Phraseme:
die richte
›geradeaus‹ (vgl. ).
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
) 2, .
Gegensätze:
1, .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
al were der biwec weich, | Als leben ist nach willekur | In diser menschlichen mur, | Und der rechte wec hart, | Doch liezen sie die bivart | Und vuren rechte richte | Vor Gotes angesichte.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
Joseph und Maria [...] | [...] suchten [...] in [got] al umme | di richte und ouch di krumme.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz ander antlütze ist gekêret die rihte in got.
Dar umbe ist diu sêle wesen, diu dâ komen ist die rihte ûf got und in got.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Und vie an, und stach dar mit dem grifel in daz flaisch ob dem herzen die richti, und stach also hin und her und uf und ab, unz er den namen IHS eben uf sin herz gezeichent.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Der erste grat eins inwendigen tugentlichen lebens die do die richten leitent in die hochste nacheit Gotz, ist [...].
Sant Matheus, unberichtet und unbereit, die richte volgete er Gotte.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1482
):
von der Rotten Fluͦ die richte uͥber vntz an mitz an die Hapck Egg.
UB Zug
1897, 16
(
halem.
,
1506
):
gat ein fuͦßweg dardurch [...] von dem selbigen stein hin die richti nach ein fluͦ an der Wart.
Weber, Füetrer. Poyt.
98, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Zw hanndt er [hirß] nam dy richte | all twerches durch ein tan.
Reissenberger, Väterb. ;
Fischer, a. a. O. ;
Rennefahrt, Recht Laupen ; ;
Munz, Füetrer. Persibein
194, 2
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 175
;
Preuss. Wb. (F)
2, 226
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 716
;
Vgl. ferner s. v. 8.
2.
›Ausrichtung auf das Richtige‹; metonymisch: ›das Rechte, Rechtmäßige, die richtige Beschaffenheit‹; speziell: ›Wiedergutmachung‹; als Ütr. anschließbar an 1;
vgl. 3.
Phraseme:
die richte sagen
›freiheraus sprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.
2
, 2.

Belegblock:

Herborn u. a., Rechn. Jülich
76, 12
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
also mag etwaz geheizen sin ein houpt etlicher menige eintweder nach ietwederm, daz ist eintweder nach dem inren infliesen oder nach der uzern rihte.
Richt / straͤcke / f. [...]. Jn die (richt) bringen / strack machen [...] Corrigere.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
94, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Durch nichte | soltu die red verdagen; | und sagʼ füran die richte!
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
do die richt beschlossen ward, do gaben die zwen fürsten [...] den fruntlichen kus zuͦ einem zeichen des fridts.
3.
›Falle (zum Tierfang)‹;
Halem.
Bedeutungsverwandte:
, 3; vgl. , , 1.

Belegblock:

UB Zug
1028, 17
(
halem.
,
1450
/
60
):
hat er geseit, das ettlich von Switz [...] einen baͤren gevangen habint in der rinderplag, an der richte.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1579
):
zuͦ frist und sicherheit des gfügels [...] zuͦ verpieten, dasselbig in dheiner zyt mit hagelgeschütz ze schiessen, noch mit lätschen, richtinen oder vallen ze fachen, noch ze beschädigen.
4.
›Haue zum Schärfen der Mühlsteine‹;
vgl. 3.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

UB Zug
309, 15
(
halem.
,
1399
):
so sol der Nidermúller den herren die Obren múli mit billen und mit richten reisen.
5.
›Abrichtung, Dressur von Tieren‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb. (a. 
1599
).