richten,
V.
1.
›etw. an einem Ort zu einem speziellen Zweck aufrichten, aufstellen, errichten‹; im Einzelnen z. B.: ›Stühle aufstellen‹; ›Fallen stellen‹; ›Kanonen aufstellen‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1, (V.) 1.
Wortbildungen:
richtstecke
›Stellgabel (für Vogelnetze)‹.

Belegblock:

Karnein, Salm. u. Morolf
15, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
di stule richte man in dem sal.
Ebd.
422, 1
:
Die dische richte man vor Fore dem heidenschen man, | als sinem adel wol gezam.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
230, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
nim dan ein langen richtspan, der hienaus uf den brocken gehet, wie du sonst richtest.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1514
):
dem Schürstab maler fur 4 gemalte tuchlen auf teffelen czu richten mit gekelten leisten [...] dafur ime beczalt 1 gülden.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
Es sollend ouch [...] kaine hürd, vallen, schupf [...] nit gericht noch gestelt noch gebrucht werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Richtstaͤck (der) Ames.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
in der zeit treibt in [vasant] der vogler [...] in ain netz, daz er im geriht hât.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[der hawbtman] lyeß die vorstatt anzunten und puchsen under das tor richten.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1310
/
2
):
Swer netze in diu chorn rihtet, der geit dem rihter 60 dn.
Voc. Teut.-Lat.
aa viijv
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 175
;
Schles. Wb.
2, 1118
.
2.
›etw. / sich in eine bestimmte (räumliche oder räumlich gedachte) Richtung bringen, lenken, wenden‹; ›etw. / sich auf etw. ausrichten, jm. zuwenden‹; ütr.: ›sich an jn. wenden, jn. adressieren‹; ›etw. an jn. übergeben‹; ›etw. / sich auf ein bestimmtes Ziel, z. B. die Erfüllung einer Aufgabe, richten, konzentrieren‹; von abstrakten Bezugsgrößen auch: ›sich auf eine bestimmte Weise entwickeln‹.
Phraseme:
seinen gang richten
›sich zu einem Ort hinwenden‹;
jn. / etw. zu fal / grunde richten
›jn. ruinieren, etw. zerstören‹;
etw. ab dem weg richten
›etw. aus dem Weg räumen‹;
jn. ab der welt / ab dem erdreich richten
›jn. beseitigen, aus dem Weg räumen‹;
jn. an den bettelstab richten
›jn. arm machen‹;
etw
. (Subj.)
gegen betlen gerichtet sein
›korrumpiert sein‹;
jm. auf / über den hals / kopf richten
›jn. gegen jn. aufbringen, aufhetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
, 1; 4.
Syntagmen:
j. sich an jn
. (z. B.
an den schneider
),
gegen etw
. (z. B.
gegen den wiederwind, die stat
)
r., sich in die lande, nach
[+ Gebietsname],
zu got, zu reiten r., sich darnach r
. [+ Infinitivsatz],
eine sünde
(Subj.)
sich zu einer anderen r., der schifman das schif r., j. etw
. [wohin] (z. B.
auf ein ende, in dem weg, zum grunde / streit
)
r., etw. auf jn
. (z. B.
die hofnung auf got, die sache auf einen rat, die sinne auf die ehegenossin
)
r., etw. auf etw
. (z. B.
die tabelle auf polushöhe, das absehen auf die affection, das herz auf die gebenedeite strasse, die stücke auf die gezelte
)
r., die gedanken auf händel, auf die gebote gottes r., etw. gegen etw
. (z. B.
seinen gang gegen die stat, die augen gegen den himmel, das geschüz gegeneinander
)
r., etw. in jn. / etw
. (z. B.
das grab in die vierung, sein we in js. augen, seine kräfte in got, seine gedanken in die gebote gottes
)
r., den sper nach der erde, den spies wieder das vaterland, die kiele zu dem staden, die stricke zu js. füssen, alle dinge zu einträchtigkeit / friede / ruhe / wolfart des gemeinen nutzes r
.,
jn. enweg r
.;
das werk
(Subj.)
auf das königreich
[+ Gebietsname],
die oberen kräfte in jn. gerichtet sein
.
Wortbildungen:
richtend
›lenkend, führend‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Darnâch in sûzim dône | irhûb dî pfafheit einin sanc | unde richtin iren ganc | widir kegn der stat.
Luther, WA (
1521
):
Die gottloßen blossen yhr schwerd unnd richten yhrn Bogen, [...], tzu schlachten, die do auff dem rechten wege sind.
Ders. Hl. Schrifft.
Jer. 31, 21
(
Wittenb.
1545
):
richte dein hertz auff die gebenete strasse / darauff ich gewandelt habe.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sô nim war, wie dîne obersten krefte in dînen got gerihtet sîn.
Karnein, Salm. u. Morolf
49, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
die marner riechten die kiele zu dem staden.
Bobertag, Schwänke (
Frankf.
1565
):
keiner wolt sein, der sich an den schneider richten wolt.
Ulner (
Frankf.
1577
):
alle seine sorge vnd gedancken / sinn vnd gemuͤht / dahin richten.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Dann wann bey jhnen [...] die Hewschrecken / oder Maͤuse das Erdgewaͤchse zu Grunde richten / so schreiben sie solch Ungluͤck vnd dessen Vrsprung GOtt vnnd der Natur anheimb.
Eggers, Psalter
6, 19
(
thür.
,
1378
):
Herre, [...] dorch mine viende richte min wec in diner ougen gesichte.
Thür. Chron.
15r, 24
(
Mühlh.
1599
):
Constantino [...] sich solte vff sein Pferdt setzen / den Sper nach der Erden richten vnd fort Reitten.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
35, 8
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
do richte her sich czu Balgana unde Myne mit grozer macht.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
daß Woͤrtlein Universalis, deutet an / daß diese Tabell nicht auff eine oder die andere polus hoͤhe gerichtet sey.
Logau. Abdank.
168, 11
(
Liegnitz
1651
):
Jch richte hierbey meine Sinnen nicht unbillich auff Seine [...] Ehe⸗ und Herzens⸗genossin.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 28, 20
(
Coburg
1634
):
manche statliche Juͤnglinge [...] auff uͤppige Haͤndel jhre Gedancken richten.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
176
(
Nürnb.
1517
):
Derhalbs richtet eure gedanken in die gebot gots.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
daß sie beyderseits jr absehen [...] auff meine [...] affection richten tun.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
Dankend des richs fursten [...] und richtend sy enwegk!
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
er
[Gott]
ist die worheit die uns in dem wege richten sol.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
34, 19
(
els.
,
1362
):
sant Thoman [...] sine ǒgen alleine hette uf gegen himel gerihtet.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1529
):
das die Lutersen die forstatt for der Hochen Bruck inhatten [...] und ir geschucz von großen buchsen uff baiden parthygen gegen ainander richtend.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Erst müss ich alters aine | Uff waissen ortte richten mich.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Wir hond [...] vernommen [...], dass sich die sach zuͤm strit richtet.
Jörg, Salat. Reformationschr.
415, 12
(
halem.
,
1534
/
5
):
das jetz die hoch loblich kunst und arbeytt buͦchtruckens so gar jn gmeynen gang und bruch kon / und (alls man seytt) gen baͤttlen gericht was.
Merz, Urk. Wildegg
113, 5
(
halem.
,
1545
):
daß er ime das abwasser [...] obenthalb im mülli wuͦr zuͦ vnutz hinab in die Arren louffen ließ vnd nit vß dem müllithych durch den selbigen ablaß [...] hindurch richttette.
Schmidt, Rud. v. Biberach
119, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Disv́ engelschv́ beschǒde, dv́ gericht ist zvͦ dem lutersten vnd aller obersten glantze [...] erlúchtende si mit der wunneklicher warheit zvͦ der foͤlli der schoͤnheit.
Maaler (
Zürich
1561
):
Alle ding etwan auff ein end Richten. [...]. Das wasser anderschwo hin Richten vnd fuͤren. [...]. Den lauff anderschwo hin Richten. [...]. Den saͦgel gegen dem wind Richten. [...]. Den spieß wider sein vatterland Richten [...]. Er Richt all sein sorg / fleiß vnd ernst auff die kriegsrüstung.
Sein kunst allein auff wollust Richten. [...]. Sein laͤben nach der vernunfft Richten [...]. Einen zegrũd vnd faal Richten vñ verderben.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 166, 76
(
Luzern
1596
/
7
):
Judith [...] heißt sy [die priester] das volck vermanen, sich zuͦ Gott richten.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
223, 24
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
so ist ein houbtilichü sünde niht alleine ein beginne der andern, sunder ouch nach dem unde si rihtende ist unde leitende zuo einer andern.
Sappler, H. Kaufringer
3, 616
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wauhin ich mich ze reiten richt, | [...] | ich muost wider über den graben.
Ebd.
4, 442
:
der burger sich darnach richt | gar mit aller seiner kraft. | das er [...].
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
Solch grab ist gleich in düe vüerung gericht.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1598
):
Herbrot [...] vermaint, die sachen auf ain rat zuͤ richten.
Ebd. (zu
1552
):
[...], daß wir [...] alle ding zuͤ frid, ruhe, aintrechtigkait und wolfart des gemainen nutz mit hilf Gottes richten wellen.
Rauwolf. Raiß
15, 31
([
Lauingen
]
1582
):
dieweil wir vns gegen dem widerwind richteten / damit er vns nit wider zú ruck werffe.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
[kaiser Ott] strait auch mit den Hungern; die wolten sich wider in die land gericht haben.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
11, 1
(
tir.
,
1464
):
si verschrenkhten seine
[Hl. Hieronymus]
wëg. vnd die strik richtetten si zu läczen seinen füessen.
Qu. Brassó
5, 442, 29
(
siebenb.
,
n. 1646
):
richt die Stuck alle auf die besten Gezelten oder Schattert, alsdenn brennt los!
Jostes, Eckhart
10, 23
;
27
;
55, 26
;
Quint, a. a. O. ;
Ralegh. America iijr, ;
Opitz. Poeterey
45, 25
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
176
;
Wyss, a. a. O.
166, 61
;
Morgan u. a., a. a. O.
209, 32
;
398, 23
;
Sappler, a. a. O.
5, 113
;
Spiller, a. a. O. ;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 175
;
3.
›etw. (z. B. Gerätschaften, Gebäude) in Ordnung, in einen korrekten Zustand bringen, instand setzen, wiederherstellen, sanieren, restaurieren; etwas (z. B. Verse, Wein) ordentlich machen, verbessern‹; auch: ›etw. begradigen, ebnen‹; speziell auch: ›etw. (z. B. ein Maß) eichen‹.
Phraseme:
etw. in die hand richten
›etw. in eine gerade Richtung bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
2, 1, 3, , 1.
Wortbildungen:
richthämmerlein
›Stimmgabel‹,
richtsam
›gut, nützlich‹ (dazu bdv.: , Adj., 15),
richtstok
›Sattlerwerkzeug zum Geraderichten‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Aber laß gehen, lieber mensch, laß gehenn! Er ist droben, der es richten wirt.
Strauch, Par. anime int.
50, 31
(
thür.
,
14. Jh.
):
also hait daz gotliche licht des englis licht und der sele licht in sich geslozzin daz es alliz gerichtit und geordinit steit.
Opitz. Poeterey
38, 13
(
Breslau
1624
):
die Lateiner nach den quantitatibus oder groͤssen der sylben jhre verse richten vnd reguliren.
Voc. Teut.-Lat.
bb jv
(
Nürnb.
1482
):
Richten rechtmachen.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Mich het ein satler gnummen, | [...] | Und het mich [...] | [...] uber den richtstock genopt | Und mich mit pengeln hart durchschlagen.
Thiele, Minner. II,
18, 180
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
ich riht dinn rucken wol | und zúche dir all din muͤdin ab.
Brack (
Basel
1483
):
Plectrum. richthemerlin.
Vetter, Schw. zu Töß (
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
sachent wol [...] das der kor und aller der cofent von ir [saͤlge S Elsbeten von Jesteten] gerichtet ward.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1510
):
das dieselben iseler [...] das iseli uf den pindten also richten, das soͤlichs schlecht und grad sye.
Maaler (
Zürich
1561
):
Richten / Krumb ding gerad machen.
Richtsam / Gut [...] Bon vtile, Vtilis.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
swer an seinem mazz nicht hat fronzaichen und auch nicht gericht ist, der puͤzzet daz fuͤr valsch.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Welher wein nur zaech oder trueeb wirt oder aufsteet, derselb mag sich von jmselbs abligen, leyttern, richten.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1465
):
mancherlay ander zeug [...], das man nit gezalen mocht, wan es nicht darnach gericht was.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
17
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
so nw der mit ligunde auch der Elder schacht vor stundt: das der: deß der hangund schacht were: den schacht leeg recht(e)n wold.
Dirr, a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum
264, 31
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 250
.
4.
›etw. / sich für einen bestimmten Anlass bereit machen, vorbereiten, einrichten‹; ›sich auf etw. in Kürze Eintretendes einstellen, gefasst machen‹; ›jn. / sich / etw. mit etw. ausstatten, ausrüsten‹.
Oft narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
, (V.) 2; 3, 4, 4.
Syntagmen:
j. sich auf etw. r
. (z. B.
auf einen krieg, auf das sterben, auf steine, faule eier
),
mit etw. r
. (z. B.
mit kleinoden
),
zu etw. r
. (z. B.
zum krieg, zu einem handel / streit, zur landesrettung
),
sich r
. [+ Infinitivsatz],
darnach r., wan [...], j. jn
. (z. B.
seine schwester
)
r
. (hier: ›ausstatten‹),
etw
. (z. B.
das feld / gericht / her, die tische
)
r., instrumente auf einen wagen, etw. zum geschüz, zum schiessen / weitsehen r., jm. etw
. (z. B.
ein nez, einen tisch
)
r., j. r
. [+ AcI];
j
. [wo]
gerichtet sein
.
Wortbildungen:
richtfeld
›Saatfeld‹,
richtspan
›Werkzeug zum Richten einer Armbrust‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
es wehre ihnen Warnunge gekomen, wo er uffstige zu predigen, so hetten sich die losen buben uff viele Steine gerichtet, ihne heraber zu steinigen.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1434
):
dat die gesellen van dem fleischampt jairs bieinander suillen gain und machen ir part, fleisch veilzohaven [...], updat sich der arme also as der riche wisse zo richten.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do richte her sich uff eynen krigk.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
der saß nider pei der kuchen, dem richt man als vil er wolt.
Langen, Myst. Leben
212, 3
(
nobd.
,
1463
):
Wisse, das der mensche / nicht scholt sein rew sparen an das tod pett, mer sich vor richten.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
zehant leit er sich zuͦ bette und wüste wol, daz er kürtzelichen sterben muͤste, [...] und sprach, daz sü sich daruf richtetent, es were kein zuversicht me an ime.
Morrall, Mandev. Reiseb.
145, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
sie essend allerlay flaisch [...] und richtend kainen tisch den nun uff grosser herren hoͤffe.
Rot
286
(
Augsb.
1571
):
Accingirn, schuͤrtzen / ruͤsten / richten / schicken zu eim handel.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Dannen schied der held | Und riht sein feld | Für Thebea der stat.
daz er dann richt | Zu streit, wann ich nymer frid | Mit im hab.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
704
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 rapyrclingen mit einem rhor zum schiessen gericht.
Mollay, H. Kottanerin
14, 34
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Daz si sich dar nach solten richten, wann der wagen këm.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Otilo ersamlet erst zu hauf sein weitsch waifend her, richt und ordnet sy zu streiten.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
wen verlangt nach frid, der sei allzeit zum krieg mit aller notturft gericht.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1585
):
wann man in den richtfeldern auswercht, soll ain nachtbar den andern verziehen bis auf sant Gilgentag mit dem eintreiben.
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 711, 21
;
Rauwolf. Raiß
17, 30
;
Bauer u. a., a. a. O.
2274
;
2293
;
2297
;
Spiller, a. a. O. ; ;
Patocka, Salzwesen.
1987, 166
.
5.
›sich nach jm. / etw. richten, sich an jm. / etw. orientieren‹ auch: ›etw. nach einem Vorbild formen, einrichten‹; anschließbar an 2.
Bedeutungsverwandte:
7, , 3, .
Syntagmen:
j. sich in got, nach dem herren / vater, wieder Christum r., sich in js. wesen, nach etw
. (z. B.
nach dem appetit, dem gewönlichen lauf, der abmessung / probe, der heutigen praxis, nach einem zeichen, den briefen / sternen
),
zu der farbe r., j. sich darnach r., das / was [...], etw. auf etw
. (z. B.
seine kunst auf wollust, seine rede auf gewin, die dicht
[hier: ›Übersetzungen‹]
auf bewerte schrift
),
etw. nach etw
. (z. B.
seine dienstbarkeit nach seinem nuz, seine lere nach eines anderen willen, die rede nach der warheit, die sache nach den worten, sein leben nach der vernunft, sein gebot und gewalt nach js. vermögen
)
r., die geistlichen
(Subj.)
ir tun nach dem heiligen pfennig r
.;
j. sich zu r. wissen
.
Wortbildungen:
richtmas
›Stab an der Sonnenuhr, der den Schatten wirft‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
ob wir woll schuldig seyn, yhn [prelaten, bischoff] gehorsam zu seyn, ßo seyn sie doch vill mehr schuldig, yhr gepott und gewalt nach unßerm vormuͤgen, nodtdurfft, besserung und selickeyt zu richten, wandeln und ordenen.
Ebd. (
1520
/
1
):
Soll gnug sein, das ditz gewonheyt und yhenes menschen lere heysse, und soll ich daruber die schrifft faren lassen und noch seynem kopff richten.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
md.
1521
):
kein größer Antichrist ist nie gewesen, [...], dann ein bapst zuͦ Rom der das ewangelium ganz verkeret und sich in allen dingen [...] wider Christum richtet.
Ebd. (
thurg.
1520
/
1
):
Des Luthers dicht | Ist ganz gericht | Auf bwerte gschrift | Und nit gestift | auf abenteur.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
66, 11
(
Frankf.
1535
):
Die Jndischen [Amethist] haben gantz die farb der purpuren in Phenicien / zu dem richten sich die steynferber.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
moͤchte jemand sagen / daß die Richter [...] sich nach der heutigen praxi vnnd gewoͤhnlichem lauff richteten.
Jahr, H. v. Mügeln
1957
(
omd.
, Hs.
1463
):
das kint sich nach dem vater richt, | als im sin werk hat vorgeticht.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1559
):
auf dass nicht alles [...] nach dem wahn auf ebenteuer furgenommen wurde, sunder sich nach der prob [...] zu richten.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
hab ich mich nothwendig in Eintheilung des Werckes nach denselben richten muͤssen.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
um 1500
):
wie alle ding [...] durch abmessung gemacht ist, dornoch müst du dich rychten.
Dietrich. Summaria
30r, 14
(
Nürnb.
1578
):
Denn hoffart vnd geitz koͤnnen sie nicht laugnen / weyl sie allein die geistlichen heissen / vnd all jr thun nach dem heiligen pfenning richten.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1403
):
wir habent och geordnet und gesetzt, daz ein ieglicher caplan [...] sich dar nach ordnen, fuͤgen und rihten soll.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die red nach der warheit Richten [...]. Die sach nach den worten Richten.
Sein dienstbarkeit nach seinem nutz Richten vnnd anlegen [...]. Richtmaͤß / Das eysen oder staͤckle an der Sonnen vr / das den schatten gibt / vnnd die stund zeigt.
Morrall, Mandev. Reiseb.
113, 12
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da sicht man nit den sternen [Polus Arcticus] da sich die schifflút nach richten wann sie uff dem mer farent.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
14
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Mit herczen, mit willen, mit andacht, richt ich mich in got.
Mollay, H. Kottanerin
12, 16
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Si
[Königin Elisabeth]
wolt wartten, was ir got gëb, dar nach wolt Si sich richten.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
28
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
[..., dass man]
die perghhenndel mit einem [...] pergkverstendigen pergkmaister versehe, [...] sich [...] in allen Furfallenden hanndlungen darnach hab zu richten.
Perez, Dietzin
1, 132, 8
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 6
;
Strauch, Par. anime int.
6, 20
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 21, 8
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Ágel, Valenzlexikon.
1988, 215
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 286
.
6.
›sich in etw. schicken, fügen, einlassen‹; ›etw. akzeptieren‹; auch: ›sich in jn. / etw. hineindenken; etw. verstehen‹; Spezialisierung zu 5.
Bedeutungsverwandte:
, 6; vgl. , 4, 1, 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
das volck, so aus den Heiden zu samen gerafft ist, und sich ynn die narung gericht und kaum gesetzt hat und mitten ym lande wonet.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Carolus quartus [...] was wise unde wol geleret, also daz he der meister zu Prage disputacien suchte unde konte sich wol darinne richten.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
so haben die jenige Oberen / so solche außschicken / sich wohl vorzusehen / daß sie solche Leuthe schicken [...] welche darinnen geuͤbt seyen / dz sie sich in die Gemuͤther der Menschen wissen zu richten.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
alles dasjenige, so ich [...] mich darein nicht wohl richten konte.
Sappler, H. Kaufringer
14, 432
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
du muost heint ain praut sein. | darnach richt dich, swester mein.
Qu. Brassó
5, 493, 32
(
siebenb.
,
1614
):
Weil aber dem Fürsten sonderlich sehr viel daran gelegen, den Einzueg zu halten [...], also hat er sich muessen auf unser Begehren richten.
Gajek, Seidelius. Tych.
8, 10
;
Moscherosch. a. a. O. .
7.
›machen, bewirken, dass etw. vom logischen Subjekt Gewünschtes, Intendiertes eintritt, geschieht‹; ›etw. tun, zustande bringen, bewerkstelligen‹; ›etw. machen, ausführen‹; häufig in Funktionsverbgefügen mit
handel, werk
, in denen die autosemantische Komponente des Verbs zurücktritt.
Phraseme:
einen handel richten
›eine Aufgabe ausführen‹;
etw. ins / zu werk richten
›etw. ausführen‹;
etw. zu fel / grunde, zu stücken richten
›etw. zerstören‹.
Bedeutungsverwandte:
1,
2
1, (V.) 2; vgl. 1; 2, 3, 1, 13.
Syntagmen:
j. den keiserlichen / königlichen handel, der geistliche mensch alles r., j. etw. wol r., etw. auf die art wie j. r
.

Belegblock:

Mannack, Rist. Pers.
254, 34
(
Hamb.
1634
):
lasset vns [...] vnsere wolersonnene Rahtschlaͤge mit allem fleiß vnnd auff das schleunigste ins werck zu richten vns bemuͤhen.
Luther, WA /21 (
1521
):
Got ist wunderlich in seinen wercken und richten, der nit achtet hohe mennige, grosse, kunst odder gewalt, wie psal. c.xxxvi. sagt: 'Alta a longe cognoscit’.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Kriegsempoͤrung auffwicklen / anstifften oder zu werck richten.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
23, 21
(
Frankf./M.
1626
):
DOch will ichs nicht auff art wie ein Poete richten / | Der zu der warheit noch viel dings pflegt zu erdichten.
Perez, Dietzin
1, 404, 9
(
Frankf.
1626
):
Flavius [...] wartet doch vnter diesem auff Gelegenheit sein gefastes Vorhaben endtlich ins Werck zu richten / vnd sich nach allem seinem willen zu rechen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wo bleibt der Spruch deß Apostels der geistliche Mensch richtet alles.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
also balde so wir gessent, so wil ich es gerne tvͦn vnd wil es wol rihten.
Jörg, Salat. Reformationschr.
535, 5
(
halem.
,
1534
/
5
):
jr [Zürcher] anschlag ward [...] abgstellt / und zuͦ faͤl gericht.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
der solt konig heissen, der am nutzperlichisten konigklichen handl richtet.
da hat er [keiser Ludwig] seinem erst geporn sun Lothari bevolhen, mit im den keiserlichen handl zuͦrichten.
Ralegh. America ;
Perez, a. a. O.
409, 23
;
Oorschot, a. a. O. ;
Böhme, Morg.R.
14, 21
;
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Jörg, a. a. O.
843, 17
;
Winter, Nöst. Weist. ;
8.
›jn. auf jn. / etw. loslassen, gegen jn. ziehen lassen‹; auch: ›jm. (auch: einem Tier) nachstellen‹; als Spezialisierung zu 2 auffassbar.
Bedeutungsverwandte:
, 1, (V.) 2; 3; vgl. 5, 28, 2, 9.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Also ze diser zit richtet der Burgunner die Engelschen ubern kuͤng; so richtet der kuͤng hargegen ubern Burgunner die Tuͤtschen, und insunders dʼEidgnossen, durch die dem kuͤng geholfen und der Burgunner getaͤmpt ward.
Maaler (
Zürich
1561
):
An einanderen Richten vnd reitzen.
Richten / Aufsetzig seyn. [...]. Einem Richten oder strick legen / Eim gefaarlicher weiß nachstellen vnnd aufsetzig seyn.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1565
):
Si melden auch, daz die schädlichen thier [...] allzeit iedem man frei sein zu fachen [...]. Aber nachdem die härml gar ain nützlichs thier sind, demnach sol sich niemand understen den zu richten.
9.
›zwei Parteien miteinander versöhnen; einen negativen Zustand (z. B. einen Zwist, Streit o. Ä.) durch eine Schlichtung beenden‹ und damit die richtige (gottgegebene) Ordnung wiederherstellen; ›sich mit jm. aussöhnen, vertragen, einigen‹; metonymisch auch: ›etw. vergeben, verzeihen‹; anschließbar an 3.
Rechtstexte sowie narrative, darunter oft chronikalische Texte.
Phraseme:
sich mit lieb richten lassen
›sich gütlich einigen, versöhnen, vertragen‹.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der könig / babst, die täter, die mächtigsten in den räten
)
sich mit jm. r., j. sich mit jm
. (z. B.
mit dem landgrafen / türken, mit den klägern
)
r., die parteien sich gegeneinander / miteinander r., j. jn
. (z. B.
die zwei fürsten, den könig und den herzog
)
r., j. jn
. (z. B.
den kaiser, die mutter
)
mit jm. r., jn. mit jm
. (z. B.
mit dem könig von frankreich, mit dem son
)
r., j. etw
. (z. B.
den aufrur / brand / krieg / raub / totschlag, die sache / zwietracht, die händel / sachen
)
r., j. etw. zwischen jm. und jm. anderen r., sich
[wie] (z. B.
freundlich / freventlich / gänzlich / gütlich / lauterlich, in freundlichkeit
)
mit jm. r
.;
j. die parteien irer spänne r., etw. gänzlich / gern r
.
Wortbildungen:
richtbrief
›schriftlich festgelegter Vergleich, Vertrag‹ (a. 1434),
richtnis
›Einigung, Vereinbarung‹ (dazu bdv.: vgl. 1).

Belegblock:

Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
Dar nach stunt aber ein zweitracht und meshelunge of under dem alden rade und der gemeinde, darumb sie sich gutlichen richten und vireingeten.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 206, 32
(
hess.
,
1607
):
Wo dann sachen das gemeine handtwerck [...] betreffendt furfielen, so sollen die vier alte und newe maister [...] solches richten und vertragen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
27, 63
(
Frankf./M.
1559
):
solchs sindt die beyde streitige parteien / mit vnd gegen einander / inn aller freundlicheit verglichen / vereinbart gericht vnnd vertragen worden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Also qwam her dornoch kegen Warpergk unde richte die muter mit dem ssone.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
185, 33
(
thür.
,
1474
):
unde habin sich dye theter unde volger met den clegern gericht unde gesonet.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
da must der pabst sich mit dem von Mailant rihten wie er selber wolt.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1435
):
ouch richtend sú den kunig von Franckrich und den hertzogen von Burgunne, der krieg lang gewert hat und niemant gerichten konte.
Roder, Stadtr. Villingen (
önalem.
,
1501
):
hiemit so sollen baid obgemelt parthien aller irer spenn und zwitracht [...] gantz und gar gericht und geschlicht [...] sin.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1519
):
Wiewol er nit ellter was dan fier jar, begert er [herzog von Wurtenberg] stettlich, man solte den krieg riechten.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Dass die Venedyer in grossem schaden mit dem keiser sich nit wolten lassen richten.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
Wie sich der gethaͤtter mit dem versertten richten solle.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
solten damit al ufrür, todschlege, brand, roup und anders in disem kriege vergangen, hin und gericht sin.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1376
):
wil er aber fuͥrbaz me in die stat wandlen und sich mit dem cleger nit richten, so sol [...].
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1473
):
die von Köln wurden ouch nit gericht mit irm bischof.
Ebd. (
E. 15. Jh.
):
1390 graif der von Sachsenhaim die von Reutlingen an, die manten die reichsstett und den landfrid, die statt komen mit gewalt und er ließ sich richten mit lieb.
Ebd. (zu
1547
):
sollten alle sachen und hendel, von disem krieg herruerendt, vertragen, gericht, geschlicht und aufgehebt, todt und ab sein.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Was die lanndtlewt [...] an der vorpenanten richtnus schuldig warden, das soldt in gevallen und pezallt werden.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
95, 39
(
moobd.
,
1446
):
So wellen wir die sachen [...] verhörn und versuchen, ob die mit gutikait mugen gericht werden.
Chron. baier. Städte. München (
moobd.
,
1450
):
Deselben Krüg versucht Hertzog Hainrich von Bayrn ec. manigmalln guetlich zu richten.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
13, 8
(
tir.
,
1466
):
Also ward der krieg gericht zu Basel.
Altmann, Wind. Denkw. ;
Thiele, Chron. Stolle ;
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
307, 34
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Rennefahrt, Recht Laupen ;
Schib, H. Stockar
172, 26
;
Rwb f.; f.;
Vorarlb. Wb.
2, 716
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 286
.
Vgl. ferner s. v. 1, 5.
10.
›einen Schaden durch eine Sühneleistung ausgleichen, etw. versöhnen‹.
Bedeutungsverwandte:
2; vgl. 3.
Syntagmen:
j. den raub / schaden / totschlag r
.;
etw. schwerlich r
.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
Vort sowe verderflich werk macht, da clage over queme, die gilt ses s. zo boissen, [...], ind sal darzo dem cleiger den schaden richten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
15. Jh.
):
man töt ir
[der von ihrem Mann ermordeten Herzogin Maria von Bayern]
unrecht, und sagt man, das ir nauch irem tod schwärlichen gerichtet ward, und zuͦ besserung ward das kloster zuͦ Furstenveld ir ze besserung gemacht.
11.
›eine finanzielle Schuld bezahlen, einen Betrag entrichten, auszahlen; eine finanzielle Verpflichtung erfüllen‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
8, 1; 2; 5, 2, 1,
1
7, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
den bergrechtzins / nutzen / schlagschaz / zol, die busse / pension / statrente, das einkommen / gefälle / geld / jargeld / ungeld, die steuern
)
r., (jm.) den zins, x gulden r., etw. fleissig / gutlich / järlich, auf die messe, auf ein zil, auf sanct Martins tag r., x ducaten gegen jn. r., etw. mit pfand / pfennig, mit derselben bezalung, nach den majestatsbriefen, sonder wiederrede r
.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
dem konig kam botschaft [...], wie daz sie im gehorsam wolten sin und sinen zinß richten als irem erbeherren.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1344
):
Ouch sollen wir jerlichen richten und bezalen [...] deme stifte [...].
Küther, UB Frauensee
188, 37
(
thür.
,
1403
):
sollen auch unsire burger zcu Saltza [...] der obgenanten zcinse icht vorseßen hetten, daz sie die auch mit derselben bezcalunge richten und bezcalen.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1443
):
das ir und die ewrn, [...] solichen zol nach unser maiestatbrieven lut und sag geben, richten und bezalen.
Fuchs, Murner. Geuchmat
25
(
Basel
1519
):
So künnendt sy das klagen nicht, | Das ich myn zinß nit hab gericht.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1390
):
100 guld. haben wir geriht dem Püttrich tzuͦ Mentz sinen zinse von den 4000 guldin uff die vasten mess.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
ob die von Augspurg die obgeschriben summa guldin auf die benant zill nit richten, so [...] solt die stat Augspurg in der acht sein.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1400
):
den vorgenanten schlegschatz allen sol er
[der Münzmeister]
bezalen und richten.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1648
):
Item solle hinfüro kein perghold andern ainem pergrechtzünß an seiner stadt zu richten bevelhen.
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Lamprecht, a. a. O. ;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
99, 8
;
123, 30
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ;
Auer, Stadtr. München ;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Vorarlb. Wb.
2, 716
;
Vgl. ferner s. v. 20, .
12.
›jn. gerichtlich belangen, jm. den Prozess machen‹; ›über jn. zu Gericht sitzen‹; resultativ: ›jn. / etw. verurteilen‹; ›Recht sprechen, schaffen‹.
Phraseme:
über das blut richten
;
über hals und bauch richten
.
Bedeutungsverwandte:
5, 1,
1
11, 3, 4, , .
Syntagmen:
j
. (z. B.
got, der amptman / bischof / graf / keiser / landmarschalk / manrichter / probst / rat / richter / schöffe / statknecht / waldrichter
)
r., das hofgericht / landgericht r
. (absolut);
j
. (z. B.
der aftervogt / amptman / könig / richter, die schulzen
)
jn. r., j. jn
. (z. B.
den feind / menschen / reichen, die armen / toten
),
die schar r., etw
. (z. B.
eine schande, alle sachen
)
r., j. r., was [...]
;
j. (jn.)
[wann] (z. B.
am ende, am jüngsten gericht, nicht beim trank, zu tag
), [wo] (z. B.
auf der stube
), [wie] (z. B.
heimlich / offenlich / recht / streng / treulich / weislich, durch die stubengesellen, laut der briefe, nach der gewonheit / tat, nach dem buch / gesez / recht
)
r., j. über jn
. (z. B.
über den son, über die ehebrecher / hurer / kapitelsherren / klostermönche / knechte / welchen
)
r., j. über etw
. (z. B.
über den malefiz / totschlag, über hals und bauch, über leib und ere, über die dieberei, über das blut, über die toten, über die fliessenden wunden
)
r
.,
um etw
. (z. B.
um diebstal / mord / notdurft / totschlag / unzucht
)
r
.,
zwischen jm., zu js. leib und leben r
.;
j. jm
. (z. B.
den armen und reichen
),
jm. zur hand r
.;
jm. r. heissen
.
Wortbildungen:
richtbrunnen
,
richtbuch
›Gerichtsbuch‹ (15. Jh.),
richtestul
,
richtgeld
›Abgabe zum Unterhalt eines Gerichtes‹ (dazu bdv.: 1, , ),
richtgesässe
›Richterstuhl‹ (Gw zu 2),
richtgut
›Geldstrafe‹,
richtknecht
›Gerichtsdiener‹ (15. Jh.),
richtkorn
›Getreideabgabe zugunsten eines Gerichts‹ (dazu bdv.: ),
richtlade
›Truhe zur Aufbewahrung der Gerichtsakten‹ (dazu bdv.: vgl. ),
richtleute
›Schöffen‹ (a. 1385),
˹
richtlon
,
richtpfennig
˺ ›Prozesskosten‹,
richtplaz
›Ort einer Gerichtsverhandlung‹,
richtschilling
›Gerichtskosten‹ (dazu bdv.: ),
richtschreiber
›Gerichtsschreiber‹,
richtstab
›Amtsstab eines Richters‹,
richtstube
›Gerichtssaal‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die Juden Jesum furten hin | aber wider an Pilaten, | [...] | daz er in rihten wolde.
v. Bunge, Livl. UB
4, 274, 24
(
nrddt.
,
1390
/
1400
):
he droste hefft nen andel an dem borgergelde, men allene an dem richte gude und an dem wedeschatte hefft he de helffte.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz sal der keyser med dem swerde richten vnde mid dem werliken richte vnde mid der achte.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
475, 6
(
Bremen
1647
):
ein vnschuldige / damit sie nit noch einmall vom Richtplatz an die marter muͤsse.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
er sach | einen richter sitzin | [...] ûf sîme richtgesêze.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 108, 4
(
preuß.
,
1453
):
dieselben brive legen allhie in der keiserlichen richtlade.
Luther, WA (
1520
):
Dan gott [...] will auch haben, die er selb richte und vordampne, das seyn die großen und gewaltigen tyrannen.
Ders. Hl. Schrifft.
Sir. 16, 20
(
Wittenb.
1545
):
[Der HERR] kan viel thun / des sich niemand versihet / Vnd wer kans aussagen / vnd ertragen / so er richtet?
[
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
die werck seiner gerechtigkait
].
Ebd.
Röm. 14, 13
:
lasset vns nicht mehr einer den andern richten
[
Mentel
1466:
vrteylent
]
/ sondern das richtet
[dies zu 7]
viel mehr / das niemand seinem Bruder einen anstos oder ergernis darstelle.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
99, 42
(
1438
/
9
):
das sy [stat zu Vlme] eynem iglichen amman in irer stat den ban uber das blut zu richten furbas leihen mogen.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1410
):
Sowie in desen sachen ungehoirsam were, da willent unse herren strencligen over richten.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
16. Jh.
):
Das haus Helpenstein hat keine gerichtzpersonen, richtet gleichwol uber hals und bauch.
Dubizmay, kurß zu Teutze
50, 16
(
hess.
,
1463
):
ihesu cristi aller der werlt | heylant wenn du mit dem | vater vnd mit dem heyligen | geyst herschest vnd richtest | an ende Amen.
Feudel, Evangelistar
39, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
der vater [...] hat ym ouch gewalt gegebyn czu richtene dy toten.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 592, 25
(
omd.
,
1435
):
Alle schulczen sullen richten alzo vor noch lauthe erer briffe.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
so wolde der koning von poln iss nicht losse richte noch tage.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
77, 41
(
nobd.
,
1452
):
wurde ymandt daruff geslagen an zu tode, solchs hette man macht, daruff zu richten.
Gille u. a., M. Beheim
57a, 19
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Was hie peschicht | von missetot | das richten wir!
Ebd.
71, 255
:
Als pald umb ire werk unrein | gerichtet zu ewiger pein.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
Dann so du [Erasme Roderadame] auß dem kelch trinckest, denn er [Christus] getruncken hat, so wirstu mit ihm regiren und richten mit gerechtigkeit, die nitt weißlich gehandelt haben.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
Jch sol [...] mich rechts gerichts fleissigen [...] vnd richten dem armen als dem reichen.
Köbler, Ref. Nürnberg
68, 3
(
Nürnb.
1484
):
darumb dañ der weltlich Richter oder gericht richtẽ vnd entscheidẽ moͤgen vnd zerichten haben.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Richten. Recht und Gerechtigkeit / Urtheil sprechen.
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 561, 5
(
alem.
,
1361
):
Und hant ôch alle frävele und uber das bluͦt ze richten.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
656, 23
(
els.
,
1362
):
Also beschach daz er fúrzucket wart vnd gefuͤret fúr den richtestuͦl gottes.
Krebs, Prot. Konst. Domkap.
8051
(
nalem.
,
1524
):
Jac. Groß plebanus
meldet, daß die Untertanen
den clainen zehennden, selgrät, opffer, bichtgelt, richtgelt, banschatz vnnd derglychen pfarrlicher rechten nitt mer raichen noch geben wollen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1377
):
Der Graf von Thierstein
[...] gab die selbe vogtye uf in min hand und an minen richtstab.
Ebd. (
1364
):
und sol och denne der richter dem selben kleger fuͥrderlichen richten und recht schaffen.
Boner, Urk. Aarau
449, 3
(
halem.
,
1443
):
fry lantrichter zuͦ Stuͤlingen [...], der zem richtbrunnen by Stuͤlingen vff dem lantag zu Gericht sitzt, erteilt [...].
UB Zug
979, 18
(
halem.
,
1454
):
Er nampt ouch darzuͦ einen verfallen zins [...] und ouch richtschillig und weibel loͤn der sachen.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
derselb sol nit schuldig sin, die sach durch die stubenngesellenn vnnd vff der stubenn richtenn zuͦ lassenn.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1529
):
dargegen sol ouch ein herrschafft der statt Bern den kosten der gefencknus und was den richtlon beruͤrt abtragen.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1609
):
daß ein gwüße anzahl verständiger männeren [...] erwöhlt werden möchte, die [...] urtheilen, richten und mehren sollind.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 75, 6
(
Luzern
1597
):
Wie der Pylatus glegenheit | zuͦ richten suͦcht nach gerechtigkeit.
Rihtstube / f. Chambre de conseils, Curia.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
so wolten sie über sein sun und die andern knecht auch richten.
Müller, Stadtr. Ravensb.
196, 6
(
oschwäb.
,
1387
):
so ist gesetz, das man all manod umb unzucht richten sol.
Heydn. maister
11r, 21
(
Augsb.
1490
):
Deinen veindt soltu richten vnd vrteilen nach den geseczen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 12, 18
([
Augsb.
]
1548
):
man soll nit richten nach der that / sonder nach recht.
Ebd.
144, 28
:
Ain Künig / der die Armen trewlich richtet / des Thron wirdt ewigklich bestehn.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
Swaz daz rechtpuͦch und der stat puͦch hat, daz sol der richter richten in der schrannen.
Hör, Urk. St. Veit
241, 1
(
moobd.
,
1450
):
Notandum, daz wir ir daz gut lassen haben durch pet des richtscreiber zw Landaw.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Als pald aber sy gerichtt für dise tat [...], an stund ward sy unsinnig.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
15. Jh.
):
Auch aber xiiii tag vor s. Merten tag sol von ider hueb einer komen und geben panscherf oder richtphening 1 ₰, und jeder von einer hueb zwai masl richtkorn.
Bauer, Imitatio Haller
101, 9
(
tir.
,
1466
):
Du solt [...] pekchlagen deine sünden, das du an dem jungsten gericht nicht gerichtet vnd geurtailet werdest mit den verdamten sündern.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 429, 37
;
Wilkes u. a., Urk. Diersfordt
81
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica ;
Ermisch, Freib. Stadtr. ;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
168, 10
;
Gilman, a. a. O.
2, 178, 17
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum
111, 25
;
141, 8
;
Vorarlb. Wb.
2, 718
;
Öst. Wb.
3, 50
;
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 311
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 150
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 241
.
Vgl. ferner s. v. ,
2
3, (
das
) 1.
13.
›jn. aufgrund einer Verurteilung hinrichten‹; ›die Todesstrafe (an jm.) vollziehen‹; refl.: ›sich selbst töten‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, auch narrative Texte.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der erzbischof / keiser / landvogt / nachrichter
)
jn. r., j. jn
. (z. B.
den burggrafen / son / vater, die anfrau / jungfrau, die gefangenen / kinder / leute, x personen, sich selbst
)
r., jn. als mörder / placker / strassenräuber, auf dem hof, der zehent, für eine tat, mit dem brand / feuer / schwert / strang / strik, der acht, dem rad / wasser, mit / nach recht, nach der e, der gemeinen gewonheit, über hals und bauch, um diebstal, vom leben zum tod
(mehrfach),
zum leib / tod, jm. zum schrecken, zur abscheu r
.
Wortbildungen:
richtbüne
›erhöhtes Gerüst für Hinrichtungen‹,
richtholz
›Galgen‹ (dazu bdv.: 1),
richtschwert
.

Belegblock:

Wilkes, Ev. Gem. Duisb.
75, 22
(
snfrk.
,
1521
):
und is dair in gericht und gepant worden as recht is.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 139, 11
(
preuß.
,
1450
):
das man nymande richte, is sey denne mit orteil.
Luther, WA (
1530
):
wie doch die verfuͤrer allenthalben betriegen die armen leute, so man richtet und abthut umb jhrer missethat willen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
wart der burggrebe gefangen unde wart von ime [erzebischof zu Colne] gerichtet unde sin heubt abegeslagen.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
15. Jh.
):
Ind waer saich, dat yemantz dat lyf verbuerde, dat man yn an lyf ader an lederen rechten solde, den sal man richten up den hoff.
Köbler, Ref. Wormbs
354, 12
(
Worms
1499
):
der soll mit dem schwert gericht vñ gestrafft werden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
168, 19
(
thür.
,
1474
):
der man, der zcum tode vororteylt unde gericht ist.
Skála, Egerer Urgichtenb.
220, 6
(
nwböhm.
,
1577
):
Ist Vatter vnd Shon die Rainel mit den Strang gerichtt / das Weib vnd Mutter [...] die ohrn abgeschnitten.
Engel, Rats-Chron. Würzb.
216, 10
(
nobd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
uf freytag vor Viti a. 1566 hat der nachrichter mit dem schwert [...] einen zu Küngsberg [...] gericht.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Vnd welcher Mensch so vermessen | Wolt in der Bußzeit Fleisch essen, | Den sol man alßbalt nehmen gfangen, | Mit dem Schwerdt richten oder hangen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Rotter mund so wol gestaltt, | Nemen in die hand daz waffen min | Und richten üch selber kaysserin!
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1420
):
Als die erwirdigen geistlichen herren [...] erloubet hant, ein galgen [...] dar uff ze böwen, arm verurteilet lúte daran ze richten, [...].
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Diss jars hat der lantvogt [...] daselb lassen mit dem rad richten Hansen Kuͤrsiner.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1615
):
[...], der soll dannenthin mit dem schwaͤrt vom laͤben zum todt gerichtet werden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1549
):
Wie man den galgen [...] und die richtpün bei der Metzg hinweck gethan hat.
Ebd. Anm. 2 (zu
1562
):
derhalb ain ersamer rate erkannt hat, daß er mit dem strang vom leben zum todt soll gericht werden.
Ebd. (o. J.):
also wurden fünf personen mit dem brandt dis handels halben gerichtet.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Es [...] ward mit urtel erkennt, daz man ine mit dem strick rihten solt.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
696
(
oobd.
,
1607
/
11
):
3 stattliche richtschwerter, mit dem einen ist ein jungfraw [...] gericht worden.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Und im fohl wegen des empfangnen schaden des beschädigten ableibung ervolgt, als ein mörder mit dem rad vom leben zum todt gericht werden.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1520
):
pro 3 lignis wantruden, zw̆m richt holcz asp. 15.
Aubin, a. a. O. ;
Köbler, a. a. O.
356, 25
;
357, 5
;
Grosch u. a., a. a. O.
183, 18
;
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
166, 17
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
718, 28
;
Wyss, Luz. Ostersp.
7170
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
296, 20
;
Glitsch u. a., Hofger. Rottw.
51, 8
;
Vgl. ferner s. v. (
der/die
) 2, 1, 4, 1.
14.
›jn. anführen, regieren‹; ›(über jn. / etw.) gebieten, herrschen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 5, 1; vgl.
1
1; 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Richten odder regiren und oberhand haben sol niemand denn Gott allein odder denen ers befilet, durch welche er das regiment aus richtet als seine diener.
Bell, G. Hager
176, 2, 19
(
nobd.
,
1597
):
vnd zephtha richt bereit | jsrael sechs jar mit ver stande.
Hör, Urk. St. Veit
225, 6
(
moobd.
,
1442
):
ain yedew herschaft, darvnter wir gesessen sein oder wer vber vnser gut zw pieten vnd ze richten hat.
Moscouia
D 2v, 8
(
Wien
1557
):
damit er
[der König]
das Volgkh richte mit gerechtigkhait.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
.
15.
›bewerten, urteilen‹; ›jn. / etw. / sich (hinsichtlich seiner Haltung, seines Charakters, seiner Handlungsweisen) einschätzen, bewerten, beurteilen‹; negativ wertend auch: ›jn. / etw. kritisieren, geringschätzen‹; anschließbar an 12.

Belegblock:

Luther, WA Bibel (
1522
):
Da ich eyn kind war, da redet ich wie eyn kind, vnd richtet
[
Mentel
1466:
wisst
; nd. Bibel um 1478:
vorstund
;
Luther
1545, 1. Kor. 13, 11:
war klug
]
wie eyn kind.
Ders. Hl. Schrifft.
Weish. 12, 21
(
Wittenb.
1545
):
Wie viel mit grösserm bedacht richtestu
[
Mentel
1466 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
vrteilst
]
deine Kinder / mit welcher Veter du hast Eid vnd Bund viel guter verheissungen auffgericht.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
84, 1279
(
Magdeb.
1608
):
Jch weiß auch nicht / wie ich sie richt / | Ob sie mein Leut sein / oder nicht.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
750
(
pfälz.
,
1436
):
vnd gang das mensch geistlich jn sich selbs vnd fahe an zu erkennnen alle sin wercke [...] vnd stell sich selbs fur sich selbs vnd vahe an zu riechten.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
182v, 6
(
Leipzig
1588
):
es ist von solchen Leuten zuverstehen / die nicht gernt aller Menschen Wort vnd That taddeln vnd richten / Sondern [...] gedult haben.
Bell, G. Hager
23, 3, 16
(
nobd.
,
1593
):
Den so wir fein | vns selbst allein | richten an disem orte, | So wurten wir hin forte | nit ge richt hie vnd dorte. | wenn wir ge mein | Ge richt werden in stillen, | duths gott vmb vnsret willen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 16
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die kunst der erkantnuß sein selbs die samment diemutiglichen den menschen in sich selbs und macht, das er ploeßlich sich selbs urtailt und richtet.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
165
(
Nürnb.
1517
):
Uber dise dingk
[prophetische Gesichte]
schnell zu richten, wer streeflich.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 3, 14
(
Hagenau
1534
):
und ist war wie man sagt / konnen wir nicht alle tichten / so wollen wir doch alle richten.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
daß si ir widerpartei nit richteten, wo nur dieselbig fridlich wär.
Bauer, Imitatio Haller
49, 5
(
tir.
,
1466
):
Als ain idleicher mensch in wenndig ist, also ist er auch aufbenndig richten.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
461, 18
;
Voc. Teut.-Lat.
aa viijr
;