2
reise,
reis,
die
;
-Ø, -n/-n
;
zu
mhd.
reise
›Aufbruch; Reise; Heereszug‹
().
– In einer Reihe von Belegen kann nicht eindeutig zwischen flektierten Formen des Lemmawortes und solchen des substantivierten Verbs
2
reisen
I unterschieden werden; überdies ist eine eindeutige motivationelle Zuordnung von Wortbildungen zum Lemmawort oder zum entsprechenden Verb häufig unsicher; den Hauptverwendungsweisen beider Wörter entsprechend überlagern sich bei der überwiegenden Mehrzahl der hier und ebd. nur in Auswahl dokumentierten Wortbildungen die semantischen Nuancen ›dem Krieg zugeordnet‹ und ›mobil, für den Transport über weite Strecken bestimmt, geeignet‹; ihre Gewichtung korrespondiert tendenziell mit der Semantik des jeweiligen Grundwortes.
1.
›kriegerische Unternehmung‹; ›Kriegszug, Feldzug‹; ›Heerfahrt‹ (aus der Perspektive einer beteiligten Partei oder des Aggressors gesagt); im Einzelnen: ›Kreuzzug‹; ›gewaltsames Eindringen in ein Gebiet‹; ›(mit Plünderungen einhergehender) Überfall, Angriff‹; ›Raubzug‹; dies auch bildlich im Zusammenhang mit dem Teufel als handelnder Person; metonymisch (überwiegend im Sinne eines geschlossenen Ereigniszusammenhangs): ›kriegerische Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien‹; im Einzelnen: ›Fehde‹; ›Schlacht, Kampfgeschehen‹; ›Krieg‹; vgl.
2
I, 1.
Gehäuft historiographische und berichtende Texte sowie Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
die streichende reise
›Streifzug, Überfall‹;
reise pflegen
›das Kriegshandwerk beherrschen‹.
Bedeutungsverwandte:
10, ,
2
1,
1
2, , , (
der
) 1, ; vgl. 2, 1.
Gegensätze:
.
Syntagmen
(eine) r. (gegen jn.) anlegen / bieten / faren / gehen / tun / verkünden, die r. wenden, (eine) r. auf der strasse, in das land tun, aus dem land faren
;
die r
. (Subj.)
aufstehen / geschehen, wendig sein, sich heben, x jare weren, ein ende nemen
;
j. / etw. der r
. (Gen.obj.)
pflegen / warten
;
j. x pfunt heller zu steuer an die r. geben, js. an der r. bedürfen, j. aus der r. kommen, in die r. faren / ziehen, jn. in die r. geben / schicken, j. in der r. erschlagen werden, dem keiser nahe sein, etw
. (Subj.)
in der r. zerbrochen / zerstört werden, j. jn. mit sich in die r. nemen, dem keiser / könig, dem reich in reisen dienen, j. in reisen plunder / raub nemen, etw. erobern, einen hauptman in die stat nemen, js. schuld mit reisen entgelten, j. mit r. über den berg ziehen, eine sache mit r. enden, jm. mit r. grossen schaden zuziehen, j. steuer um reisen fordern, viel von der r. sagen, zu der r. ausschreiben / ausziehen / sein, jn. zu r. füren / rüsten
;
die r. der räuber
;
die r. gegen / wieder
[+ Orts- oder Personenname];
die fremde / griechische / grosse / heftige / kostliche / künftige / kurfürstliche / lezte / raue / schwere / weite r
.,
js. erste r
.;
die beförderung / kostung der r
.;
die ordnung in reisen
.
Wortbildungen:
˹
reisanlage
,
reissteuer
˺ ›Kriegssteuer‹ (dazu bdv.: ),
˹
reisarmbrust
,
reisbank
›Haltevorrichtung für Waffen‹,
reisbüchse
1 (a. 1585; Gw zu 1),
reispferd
,
reisschild
,
reisschwert
,
reiswagen
›Wagen zum Transport von Kriegsgerät und Kriegsmannschaft‹˺ Kriegswaffen und Kriegsgerätschaften,
reisbüchse
2 ›Kriegskasse‹ (Gw zu 3),
reisdienen
im Beleg ›vom Sprecher als Kriegshandlung legitimiertes Plündern‹,
reisordnung
,
reiszucht
›Kriegskunst, Kriegsdisziplin‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Zu einen zîtin sint geschach, | daz man den Albrechte sach | mit andrin brûdrin reise varn | kegn den heidenischen scharn.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Der zoch unde reise werte binach ein ganz jar.
Auch so hatte der vurgenante konig me dan hondert dusent reisepherde, also daz man sin volk achte me dan an seszen dusent ritter unde knechte.
Karnein, Salm. u. Morolf
551, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
wolt got, Morolf, tugenthaffter man, | das du zu allen ziiten | groß reise
[hier: ›Glück, Erfolg im Kampf‹]
soltest han.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
8, 8
(
Frankf./M.
1626
):
Worauff dann auch / als solches geschehen / sich eine Anzahl von dreymal hundert Tausent Mann zu dieser Reise
[1. Kreuzzug (a. 1096)]
fertig vnd bereyt gefunden.
Ebd.
24
:
darmit er [der Papst] durch diese Reyse die vielfaͤltigen vnnd langwuͤhrigen jnnerliche Jrrungen vnd Kriege in der Christenheit zugleich mit niederlegen vnnd dempffen wolte.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
wo der
[Ackerbau]
gehindert blibet | Von vil manchen sweren reysen | Der roubere, so verweysen | Beyde lute und ouch dy lant.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
daz die stet gesprochen haben, die streichend rayse uff den von Wirtenberg werd in zehen oder zwelf tagen ein end nemen.
Ebd. (
1488
):
und waren in hoffnung, daß sie die sach etwan mit rais und krigen wolten enden.
Ebd. (
15. Jh.
):
Anno dni. 1387 jar do hub sich an die reis zwischen den herren und den reichsteten.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
So ist in dem nechst vergangen Nuremberger krieg oder reis ein lantwer mit schrancken auf peden seitten umb die stat gemacht worden.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Du bist gerüst, sammer botz schweis! | Als wöllst du ziehen in die reis.
Ebd. (
1554
):
Wen sie auch zadel | Haben an gelt, so thw ichs [Fraw schalckheit] leren, | Das sie sich in dem stegraiff neren | Und rais duen auf der stras.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Der Nar sprach: ,Was thuͦt man in der Reiß?‘ Man sprach: ,Man verbrent Doͤrffer und gewint Stet und verderbt Wein und Korn, und schlagen einander zuͦ Dot.‘
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Wie daz dü Krïsche raysse | Sich do hüb by den tagen, | Da von sol man beginen sagen.
Uss den Krïchen er [kaisser] gewan | Wol uff zwölff hundertt tussend man | Erwegner junger schwertt tegen, | Die och raisse kunden pflegen.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die lüt rauben und brennen, | Und wirt darusz ain grosse raisz.
Ich
[Teufel]
bedarf der gaistlichen an min raisz wol; | Wan so wirt die segi
[›das Schleppnetz‹]
fol, | Wan si mugend die laien uffendhalten | Und tuond si in di segi schalten.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1337
):
Wir súllen och mit gedinge nieman dez selben gotzhuses lúten muͦten, heissen noch twingen, daz si dehein unser reisse gangen.
Leisi, Thurg. UB
7, 641, 20
(
halem.
,
1388
):
die raytiner sond zwaintzig phund Haller der statt an die rays gen Paygern ze stúr geben.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1413
):
und sullen wir von Berne nuͥt mit reyss
[hier: ›in kriegerischer Absicht‹]
uber den berg ziechen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 13, 27
(
halem.
, zu
1489
):
Von der reißbüchsen wägen, das sye von ir wegen und inen allen zuͦ guͦt angesächen, damit si in kriegsgeschäften ettwas hetten und nit mangell liden muͤsten.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Es ward ouch da ein reisordnung angesehen und gestelt, ouch die in gschrift geben den amptluͦten und gmeinen knechten zeschweren.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1619
):
[eine]
allgemeine ordnung der reißstüren und anlagen.
Ebd. (
1628
):
wie auch diejänigen, weler sonst von alterhar der reißanlagen anderen orten daby ligendt, nit underworfen gewäsen sindt.
Morrall, Mandev. Reiseb.
144, 20
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
wenn sie in die raiß farend, so niemend sie ir húser mit in.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
man hat es auch berait mit 400 mannen und verpranten die großen vorstat; aber die rais
[hier: ›Kriegsglück‹]
ward wendig, dann die herrn, den man es zu laid getan wolt han, die truegen es ab gen den stetten.
wer es vermocht, solt laßen malen zwen säck roggens, die solt er ligen lan und nit verzeren, es solt alles der rais warten.
sie haben bei 7000 mann ze ross und ze fueß mit vil raiswägen.
Ebd. (Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
all sein pest edelman wurden im erschlagen in der raiß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ez begert auch ieglich pein
[›Biene‹]
dem kaiser ze næhst sein in der rais.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do er [Hans von Trann] wol tzehen wochen lag, | Daz er den veinden alle tag | Mit rais tzoch grozzen schaden tzuͦ.
Von Pazzaw pyscholf Gotfrid, | Des volch der helt was haubetman. | Waz stuͦrm und rais da wart getan, | Da pei so was der auzerchorn.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der Hawgwitsch gewan auff dieselbig rays und zwg Greyffenberg mit tayding, wan es war nicht zw der wer gericht.
sy tetten davon weite raiß an die ennd, da die arm lewt nicht geholldigt worn und sicher warn gewesen vor den Vnngerischen.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
517, 13
(
noobd.
,
1362
):
daz si uns alliu jar davon geben súllen [...] vierdhalp mutt roggen [...] on alle gebresten und abganch, ez sei schur, bisezz, brant, rays oder ander gebrest.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1438
/
52
):
so ist er verfalln [...] von ainem raisschwert 72 ₰
(Strafgebühr).
Ebd. (
1355
/
1518
):
wolt er sich aber lösen, so sol er geben ain raisschilt volln golt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
6, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Und kumpt mein
[der trojanischen Königin Hekuba]
frucht mit leben auf dy welte, | so fürcht ich, das statt unde landt | von seiner
[Paris]
schuld mit rais sein noch entgellte.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Er pawte vil stet und slösser wider, die in der rais nider waren zerprochen und zerstört.
von der rais
[der Rückeroberung des von Sarazenen besetzten Galiziens durch Karl den Großen]
gar vil zu sagen wär. Wer aber den zug nach der lenng pegert zu hören, der les dj Coronicken Turpinj.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[Marcus Porcius Cato]
hat im neunzigesten jar noch püecher gemacht und geschriben, nemlich historien von der kriegskunst und raiszucht
(Catos Schrift
De re militari
).
Schottenloher, Flugschrr.
66, 22
(
Landshut
um 1523
):
dann ich erst bey Frantzn
[von Sickingen]
recht lern raisz dienen, wil es ye ubl aus, so wil auch gelt geben.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1429
):
viii raisarmprost.
Ebd. (
1490
):
Ain raispankh zu den armbrosten.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
86, 11
;
Große, Schwabensp. ;
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 65, 26
;
Altmann, Wind. Denkw. ;
Gille u. a., M. Beheim
99, 839
;
238, 197
;
Bolte, a. a. O. ;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Merz, Urk. Bremgarten
501, 4
;
UB Zug
369, 6
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
591, 7
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 140, 8
;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v. 2, , 3.
2.
›Aufgebot von Soldaten; Heer‹; ›Heereszug (im Sinne einer sich bewegenden, als bedrohlich empfundenen Menge von Kriegern)‹; speziell: ›Rekrutierung von Soldaten‹; vgl.
2
I, 2.
Gehäuft wobd.; historiographische Texte.
Phraseme:
jn. zu reise füren
›jn. rekrutieren‹.
Bedeutungsverwandte:
, (
das
) 1, , , ; vgl. 3, 6.
Wortbildungen:
reisgeselle
›Kriegsknecht‹ (dazu bdv.: vgl. ),
˹
reisleute
,
reisvolk
˺ ›Kriegsgefolge‹ (dazu bdv.: vgl. 4),
reiszug
›Rekrutierung, Einberufung zum Wehrdienst‹ (dazu bdv.: vgl. 2),
reiszügig
›zur Heerfolge verpflichtet‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
eitel feurige reisevolk wie wetter, blix und donner.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
wide unde side hatten si bi vir unde zwenzig dusent reiselude wol gewapent.
Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1560
):
Die rais, musterung, besetzung der wehr und besichtigung derselben [...] sollen [...] die zentundertanen gleich den andern Pfalzgravischen besetzt, gehalten [...] werden.
Karnein, Salm. u. Morolf
379, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Die kiele stundent bereit an den staden, | die Morolff und die reise | uber das wasser solten tragen.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
An demselben jore samet künig Rudolf eine reise und zogete wider den bischof von Spire.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Wan mit in fuͦr ain grosses her | Úber land und úber mer, | Als iren eren wol gezam | (Man vorcht sú war dú raise kam).
Dierauer, Chron. Zürich
31, 4
(
halem.
,
1415
/
20
):
Darnach fŭr der kúnig von Behem zuͦ und samnot in allen sinen landen die groͤsten reise, so er je gewan.
Boner, Urk. Brugg
194, 2
(
halem.
,
1478
):
Schultheis vnd raͧtt zuͦ Brugg schreiben dem Hansen Reiffen, houptmann [...] vnd von beiden aͤmpteren gemeynen reisgesellen von Brugg [...], daß [...].
Argovia (
halem.
,
1495
):
Es ist ouch zuͦ wüssen, dâz alt spenn vnd Stöß betragen sint von der Reiß wëgen, wie hie nachuolgt: Die von Boßwyl vnd Hermetschwyl gênd in C. man
[pro Hundertschaft]
28 man.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
dan er alein durch disen pund verhoffet [...] ein reis widern Tuͤrken ufzebringen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1530
):
so soͤllent unser amptlutt acht haben, das in dem ußzug der reisern kein gevaͤrd gebrucht waͤrde [...], sonder das die pfarrer nit wytter beladen, dann ander, und allso der reyßzug glychlichen umbgange.
Ders., Statut. Saanen (
halem.
,
1584
):
wyl sy [...] under deren von Sanen paner reyßzügig, ouch zuͦ irem lantgricht gehörig sind.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7482
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
287, 6
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
3.
›(zeitlich befristeter) Kriegsdienst, Heeresfolge einer Person‹; ›(personeller und / oder materieller) Pflichtbeitrag eines Kollektivs zu einem kriegerischen Unternehmen‹; im Orientierungsfeld mit 8, 1, , u. dgl. außerdem: ›Kriegssteuer, Kriegsabgabe‹ (auch als Kompensation nicht geleisteten Pflichtwehrdienstes); vgl.
2
I, 2.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
in fremde reise faren / kommen / ziehen
›sich gegen Sold für eine befristete Zeit zum Kriegsdienst für einen aus Sicht des Sprechers fremden Herrn verpflichten‹.
Bedeutungsverwandte:
11, 1, , , ; vgl. ,
2
2, 2, 2.
Syntagmen:
j. r. fordern, eine / seine r. dienen / faren / geben / gehen / tun, schuldig sein, ungerechnet lassen, durch einen gedingten soldaten verrichten lassen
;
j. aller reisen frei sitzen
;
j. jm. auf r., mit r. dienen, dienstbar / gehorsam sein, j. frei / unbekümmert von reisen sein, jn. zu reisen drängen, j. untüchtig zur r. sein
;
die forderung der r
.
Wortbildungen:
reisdienst
›Heeresfolge‹ (dazu bdv.: vgl.
2
2, 1); speziell: ›Kriegsdienst gegen Sold‹.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1524
):
alein unser füllerei, darauß wir einander reisdienst, kuntschaft, geselschaft leisten [...]. so wir aber nüchtern werden, solchs on nachteil nimmer künden halten.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
324, 25
(
preuß.
,
1407
):
dorczu loszen wir ungerechent [...] alle reysen, buwungen und geschos, die wir gethan haben von unsers homeisters geheisze.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
428, 5220
(
Magdeb.
1608
):
WEr aber auch der alte Herr / | Vntuͤchtig zur Reiß vnd zur Wehr / | Das im Krieg ein Fluͤgl oder Hand / | Verlohren wer.
Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 160, 18
(
md.
,
1532
):
Darzu behalten wir uns [...] uff den inwoner(n) gemelts grundts, ire heussliche wonunge haben werden, volge, reyss und steuer, als auf andern unsern underthanen zu fordern und zu legen zu haben.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1434
):
das Fritz Sneyder zu Wernspach [...] seinen gnaden und herschafft vogtey, dinst, raysz, steur [geben solle].
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
und deinem lehen oder gultherren in pflichten und geharsam steen, auch zyns, gult, stewr, raiß, dienst, zehend und all ander gerechtigkait raichen.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1349
):
daz och wir von diz hin jemer me ewenklich der [...] burgerren von Berne reisen gan súllen, alle oder ein teil.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1465
):
in dehein reyß, krieg [...] ze kommen, [...] danne aber mit miner herren anbringen, vrlouben, wissen vnd willen.
Ebd. (
1473
):
als getruͥw hindersaͤssen vnd vndertaͧnen des schuldig vnd verbunden sind, vngeuarlich, vnd besunders ouch in dehein froͤmbd reisß zuͦ ziechen an miner herren guͦtem wuͥssen vnd willen.
Boner, Urk. Brugg
223, 10
(
halem.
,
1482
):
Sonst aber sollen sie aller stuͥren, tawen, wachen, huͤtten, reysen vnd aller ding fryg sitzen.
Bächtold, N. Manuel. Papst
34, 91
(
Zürich
1525
):
So sind wir fri und sicher lüt | Und gend uf erd keim leien nüt, | Weder reis, kost, zoll, stür, noch ander beschwerd.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1348
/
50
):
Wir han auch gesetzet, welhe burger deheinem ußman dienti uf raiß oder uf pfandung an dez clainen rates willen [...], der git zehen pfunt haller.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1368
/
9
):
der von sinen gesellen uz der raise schiede aun urloub sins houbtmannes der dann ze velde ist [...], der sol und muͦz zwaintzig pfunt phening an der stat bow geben und ain jar von der stat sin.
Ebd. (
1544
/
5
):
alles das, so der erberen gemaind beschwerlich und untreglich erscheint – als unleidliche ungelt, trutzig taten und handlungen, züge und raisen, überflüssige steur [...].
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 815, 21
(
schwäb.
,
1550
):
es soll auch ein jeder underton [...] in kein raiß ziehen [...], weder umb sold noch sonst.
Müller, Stadtr. Ravensb.
151, 21
(
oschwäb.
,
1361
/
5
):
Daz enkain burger sol varen in fromd rais.
Wopfner, Bauernkr. Tirol (
tir.
,
1521
):
Steŭr und raisen halben kan sein F. G. ausserhalb gemainer lanndtschaft darinn nicht handlen.
Ebd. (
1523
):
Zŭm viii
ten
des anslags halben der lanndtsteŭr und rais, so aŭf ain zeitn zŭ Wergl beschehen.
UB Zug
229, 15
;
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
225, 42
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
4.
›(zweckgebundene) Reise zu einem oder mehreren in größerer Entfernung liegenden Orten‹; ›mit dem Zurücklegen langer Wegstrecken verbundene Unternehmung‹; im Einzelnen: ›Handelsreise‹; ›Pilgerreise‹; ›Expedition, Erkundungsreise‹; ›diplomatische Gesandtschaft, Botenreise‹; ›Brautwerbung in einem fremden Land‹; ›Aventiurefahrt‹; vgl.
2
I, 4; 5.
Bedeutungsverwandte:
6, 3, 2, 1; vgl. 1, (
das
) 2, 2.
Syntagmen:
die r. beschreiben / tun / volbringen / volenden, sich fürnemen, fürhand nemen
;
die r
. (Subj.)
geschehen
, [von wo]
gehen
;
j. der r
. (Gen.obj.)
gedenken, sich der r. entschuldigen / unterstehen
;
j. x wochen aussen auf der r. sein, x monate / wochen auf der r. herumziehen, jm. etw. zu der r. geben
;
die r. ins gelobte land, von wegen der medizin, zum heiligen grab
;
die fremde r
.;
der verlauf, die beschreibung / historie der r
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
1, 657, 19
(
preuß.
,
1434
):
Item der reysen und ussrichtunge her Johan Stertcz kegen Basel zu gedenken, als die zedel dovon usweiset.
Luther, WA (
1527
):
Maria dieweil sie schwanger war [...], hette sich fur solcher reyhse wol künden entschuldigen.
Ebd. (
1537
/
40
):
Welche reisen
[Jesu nach Jerusalem]
doch die Euangelisten nicht beschrieben haben, ausgenommen eine, die ehr im zwolfften jhar seines altters gethan, do ehr im Tempel mit den gelertten disputiret.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1594
):
Der [...] war schoin selbst personlich in Brabant und nam dess gut acht. Derwegen moist die reise [der gesanten] geschein und grois gelt verzert werden.
Knape, Messerschmidt. Bris.
27, 12
(
Frankf./M.
1559
):
ruͤstet er sich all gemach / zu der bilgerschafft des Heiligen Lands / das er dieselbige reiß / auff die kuͤnfftige summerliche zeit / fuͤr handt nemen.
Ralegh. America ijr, (
Frankf.
1599
):
ob wol diese frembde Reysen vnnd erfindung neuwer Landtschafften / denen / so sie fuͤrnemmen / zum offternmahl allein zu Ehren / zur außbreittung jhres Namens / vnd ersaͤttigung jres Geitzes gereichen.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
6, 11
(
Frankf./M.
1626
):
So ist anfaͤnglich zuwissen / daß [...] ein Einsidel von Amiens [...] ein Reise ins gelobte Landt / das heylig Grab anzubeten / Pilgrams weise gethan.
v. Ingen, Zesen. Ged.
394, 17
(
Breslau
1641
):
Auff den andern Morgen bracht ich den gantzen Verlauff unserer Reise zu Papier.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
und sie ped zugen von Jherusalem ferrer gen sant Katherina zu dem perg Synay [...] vnd von dann gen Venedig und her gen Nürmberg; und warn aussen auf solcher rais 49 wochen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Warumb ich so gut williglich | Den Herrn hab ins hauß auffgnommen. | Villeich möcht ich noch zu jhm kommen | Auff meiner Reiß zum heilign Grab.
Ein reiß hab ich mir gnummen für, | Komm erst nach dreyen tagen.
Wickram
4, 25, 11
(
Straßb.
1556
):
Als nuͦn der bott für ihn kam / empfieng ihn Robertus gar freundtlich / fragt in von wannen har sein raiß gieng.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
wie wohl die Männer [...] offt so viel Monat auff der Reiß, in der Franckfurter⸗Meß, vnd in Holland herumb ziehen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
und ist inen in solichen schweren kriegs⸗ und inhaimischen leuffen die besetzung des rats und gerichts sampt den raisen und botschafften zu verrichten auch beschwerlich gewesen.
Rauwolf. Raiß Titel ([
Lauingen
]
1582
):
Aigentliche beschreibung der Raiß / so er [Leonhart Rauwolf] vor diser zeit gegen Auffgang inn die Morgenlaͤnder [...] nicht ohne geringe muͤhe vnnd grosse gefahr selbs volbracht
(Werktitel).
Weber, Füetrer. Poyt.
12, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
auf meinen trost, vnnderste dich der raise
[nach Babylon zwecks Werbung um die Königstochter], |
ich kan dy lisst, das ich dich wol | vor not pewar.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1512
):
An dem selbigen tag, hat dÿ stat Thomory Paalenn, czwͦ seiner raÿsenn czwm Sellembeck, des kaÿsers seinem son ÿn potschafft awff k(yneklich) M(aiestaet) priff wnd des Schaczmeysters gegebenn 200 flor.
v. Bunge, Livl. UB
4, 77, 31
;
339, 23
;
v. Keller, Amadis ;
Ralegh. a. a. O. ijr, ;
Stoltzius, Chym. Lustg., Vorr.;
Koppitz, Trojanerkr. .
5.
›Reisen, Unterwegssein; Zurücklegen, Bewältigen einer (überwiegend als beschwerlich empfundenen) längeren Wegstrecke‹; metonymisch: ›Weg‹; ütr.: ›Lebensweg‹; eng anschließbar an 4; vgl.
2
I, 4.
Bedeutungsverwandte:
1, , , .
Wortbildungen:
˹
reisealtar
,
reisebet
,
reiseflasche
,
reisegeschir
,
reisehäuschen
,
reisekelch
,
reisekessel
,
reiseornat
,
reiseschale
,
reisestutze
˺ transportable, auf Reisen für verschiedene Zwecke benötigte Gerätschaften (Haushaltsgegenstände, Werkzeug, Mobiliar); häufig mit der Nuance ›leicht handhabbar, flexibel einsetzbar‹,
reisebeschreibung
›Reisebericht‹,
˹
reisegerät
,
reisekaste
,
reisetasche
,
reisetruhe
˺ ›Behältnis zum Transport von Gegenständen auf Reisen‹,
˹
reisejoppe
,
reisemantel
,
reiserok
˺ zum Reisen geeignete Kleidungsstücke.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
1, 19
(
preuß.
,
1383
):
6 par vlaschen, 6 malen, item 2 reysekasten.
Ebd.
95, 9
(
1414
):
4 czynnen stutcze in das rempter, 3 salczvas, 35 reysestutze.
Ebd.
159, 31
(
1448
):
26 reiszekessil, item 3 koppersebe, item 58 czinnen schusseln.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1402
):
item 2½ m. eyme furmanne, der das reysegerethe von Rastenburg ken Marienburg brochte.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
132, 41
(
preuß.
,
1410
):
1 kelch und eyn reysekelch.
Ebd.
157, 40
(
1412
):
6 reyseschalen, item 3 stelen kannen, item 8 stelen flaschen.
Ebd.
168, 28
(
1441
):
Kirchengerete: [...] 2 par ampollen von czin, 1 reisealtar, 1 gemeine missale.
Ebd.
276, 7
(
1419
):
1 reyseornat mit allem gerethe czu eyme prister.
Ebd.
511, 32
(
1441
):
13 somsetel, 1 resehusechen, 3 hutten.
Luther, WA (
1527
):
Sihe, wir
[die drei Könige aus dem Morgenland]
narren haben so aine ferne reyse gethann unnd finden nicht, was wir gesuͤchet haben.
Ebd. (
1544
):
und doch solch leben achten [...] als eine Walfart oder reise, da wir mit einander in einem Gasthoff uber nacht ligen, essen und trincken und darnach wider fort muͤssen.
Ebd. (
1544
):
Es ist ein eben weytte reyß von Nazareth auß Galilea gen Bethlehem, weyter denn auß Sachsen in Francken.
Ders. Hl. Schrifft.
Jos. 9, 13
(
Wittenb.
1545
):
diese vnser Kleider vnd Schuch sind alt worden / vber der seer langen Reise
[
Mentel
1466:
des langen wegs
;
Eck
1537:
vmlaͤnge willen des wegs
].
Harms u. a., Alberus. Fabeln
35, 31
(
Frankf./M.
1550
):
er ist noch ein wenig heßlich vnd vnsauber von der reyß / doch woͤllen wir jhn lassen herein gehen.
Gille u. a., M. Beheim
82, 271
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Und auff der selben langen rais
[hier: die Flucht nach Ägypten]
| list man, das sy [Maria] in kainer weis | kneht ader dirnen hete.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
so furt der keisser in seim kamerwagen mit im stetigs ein reispet.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Hab auch an ein alte rayßjoppen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Kumm rein vnd leg doch an | Ein neues Hemet nach der reiß! | Dann das ist hart verschwertzet | Vnd stinckt gar übel nach dem schweiß.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
800
(
Nürnb.
1613
):
Und wuͤnsch dir hiermit gleicher weiß / | Viel Gluͤck und Gsundheit auff die Reiß.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Daß sie [Heiligste Dreyfaltigkeit] mein Vhrwerck richt zuhand, | [...] | Zu jhrm eygnen Lob vnd Preyß, | Daß ich nicht jrr auff meiner Reiß.
Ebd. (
München
1586
):
Sie hoͤreten zu mit grossem fleiß, | Jn dem verrichten sie auch jhr reiß
(nach Emmaus).
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 540, 6
(
Hagenau
1534
):
Im Heldenbuch widerriedt keiser Otniten sein muͦtter die reyse uber moͤr.
Maaler (
Zürich
1561
):
Reißgschirr (das) als laͤgelen / flaͤschen [...] auff die straaß dienlich.
Rauwolf. Raiß iijv,
22
([
Lauingen
]
1582
):
habe auch dise mein Rayßbeschreibung solchem alten gebrauch gemeß / euch jnnsonderheit antragen vnnd zuͤschreiben woͤllen.
Bastian, Runtingerb.
2, 48, 18
(
oobd.
,
1383
):
ich gab meinem herrn 10 Tukat; so han ich noch 12 Tukat in der raistaschen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1214
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Zweyerley credenz frantzösischer arbeitt [...] beysamen in einer beschlagnen raißtruhen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
343, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Waffen, das mein je ward gedacht, | das ich [Helena] ertranck nit her auf meiner raise!
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Genelim was alles auf der rais trawrig.
Weber, Füetrer. Poyt.
140, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
das all sein mag ett wessten nicht der märe | vmb sein verirrte raise, | wo oder welcher ennd er [Poytislier] kummen wäre.
Munz, Füetrer. Persibein
315, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
vil arbait het si auf ir rais erliten.
Panzer, Seifrid Füetrers
93, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
am dritten tag nach ymbis zeit ir rais durch ainen grossen wald nu giennge.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1478
):
Ain schwarczer rayßmantẹl.
Ebd. (
1425
):
ain blabs raisroͤkgẹl.
Ebd. (
1430
):
ii raisflaschẹn.
Martin, H. v. Sachsenh. Jesus
79
;
Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
.
6.
›Route; Passage‹; vgl.
2
I, 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1.

Belegblock:

Chron. Augsb. (
schwäb.
,
um 1530
):
Und der habtman, der auff disen schiffen was, hieß Don Vasgo Digama, dem schanckt der kuͦnig groß guͦtt, daß er die raiß gefunden hat.