1
rache,
die
;
-Ø/-n
;
auch
rach,
der
;
-s/–
;
zu
mhd.
râche
›Vergeltung eines Unrechts, Strafe‹
().
– Eng vernetztes Bedeutungsfeld: sowohl die Strafgewalt Gottes wie die der Obrigkeit betonend, auch auf die Ausübung der Strafgewalt bezogen; fließende Übergänge.
1.
›Strafe, Strafgewalt; Strafgericht‹ (legitimiert oder durchgeführt von Gott); auch speziell: ›Strafe im Fegefeuer, in der Hölle‹; offen zu 2;
zu
1
1.
Zur Sache:
Hrg
4, 127
; .
Gehäuft Texte religiösen Inhalts.
Phraseme:
sant Antonien rache
eine Krankheit;
zeit des rachs
›das Jüngste Gericht‹;
rache über jn. (bei got)!
(Fluch).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
die
) 2, I, 1; 10, (
die
) 1; 2, 5, 5, (
das
) 3, , .
Gegensätze:
1
1.
Syntagmen:
j. die r. vernemen, r. leiden, über jn. rufen
(häufig),
got
(Dat.obj.)
die r. befelen / zustellen, got
(Subj.)
r. gegen etw. gehen, über jn. faren lassen
;
die r
. (Subj.)
über jn. (nicht) geschehen
;
der r
. (Gen.obj.)
(nicht) vergessen
;
sich ane r. freuen, j. durch die r. verwandelt werden, jn. durch seiner r. willen fürchten, zu got gegen himmel um r. rufen, den gewalt zur r. brauchen, das schwert zur r. haben, jm. jn. zur r. geben
;
die r. gottes
(gen. subjectivus),
die r. der übeltätigen
(gen. objectivus);
die r. über die unbarmherzigen menschen
;
die erschreckenliche / götliche
(mehrfach)
/ greuliche / grosse / künftige r., die ungewönlichen rachen
;
ein got der r
.;
etw. zur r
.
Wortbildungen:
rachewirkung
,
rachschwert
(dazu bdv.: 1; 5, ).

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Aber die da vergeben, got allain die rache zustellen, die bleyben.
Ebd. (
1544
):
Das Gott sein hertz so gar ausschuͤttet gegen dem unlieblichem feindlichen Bilde, da er billich solt nur eitel zorn, rache und verdamnis gehen lassen.
Ebd. (
1529
):
ich wil mich selbs nicht rechen, sondern Gott die Rache befelhen.
Ebd. (
1534
):
[er] Wil auch nicht, das sich jemand sol selbs rechen [...], Sondern behelt jm selbs die straffe und gericht als der oberst herr und Gott, Und spricht: ,Mein ist die Rache‘ ec.
Ders. Hl. Schrifft.
3. Mose 26, 25
(
Wittenb.
1545
):
[ich] wil ein Rachschwert
[
Mentel
1466:
waffen
; Var. 1475
2
–1518:
schwert
]
vber euch bringen / das meinen Bund rechen sol.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Die heiden sind in seinem land, | Durch rachewirckung seiner hand | Mit schanden vntergangen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501 ff.
):
das unschuldige blut Jhesu des herren | wirt obere uch [Judden] roch ruffen ewiglich.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
168r, 9
(
Leipzig
1588
):
daß sie [Oberkeit] das Schwert von niemand anders / denn von GOtt habe / vnd solchs zur Rache / Wie S. Paulus Rom. 13. zeuget.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Do die ungewoͤnlichen rachen und och toͤde, die got úber sin widersachen als geswind sante, do die sahen ire vil menschen, [...], die loptan got.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
Straßb.
um 1545
):
urblützlich wirt kommen sein zorn und in zeit des rachs dich zerstreuen.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
wan vnrecht guͦt schrigt roch.
UB Zug
1157, 12
(
halem.
,
1472
):
Ich swuͦr ouch dabÿ úbel und bat Got, ob ich das getǎn hette, das mich an stad Sant Anthonÿen rach verbrante.
Jörg, Salat. Reformationschr.
917, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
Allso beruͤrt jnn die goͤtlich rach / das er fiel jn ein kranckheytt.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
9r, 2
(
Zürich
1521
):
Dann fraͤuel [...] reden sind das / das etlich sprechen got werd in der heyligen gschrifft genent [...] ein gott des rachs.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
wann wie wol sy
[Maria]
ein muͦtter der parmherczikait ist, yedoch vergisset sy nichtt irer rach über die unparmherczigen menschen.
Gille u. a., M. Beheim
190, 17
;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Rieder, Gottesfr. ;
Barack, Teufels Netz ;
Müller, Nördl. Stadtr. ;
Niewöhner, Teichner
405, 66
;
Drescher, a. a. O. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
5, 25
;
56, 5
;
98, 31
;
Rwb  ff.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v. (Adv.) 1.
2.
›Vergeltung, Bestrafung eines Unrechts, materielle Genugtuung aufgrund von begangenem oder vermeintlichem Unrecht‹ (bezogen auf die Ausübung der Rechtsverfolgung durch obrigkeitliche Instanzen);
vgl.
1
1; 3.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 383
; .
Bedeutungsverwandte:
, (
das
) 4,
1
1, 2; 4; vgl. 3, 7; 8, 2, 2, .

Belegblock:

Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1614
):
söllen söliche fal zu erkantnus, raach und straf der hochen oberkeit sthan.
Ebd. (
1619
):
als dann des entlybten fründt sich des rechten und der rach entzüchendt und dieselbe uns ubergebend.
Ders., Stadtr. Bern (
halem.
,
1637
):
diewyl nun der enden die hochengricht mynen gnedigen herren und oberen zuͦstendig, die rach ouch ir gnaden von gemelts Keisers seligen verlaßner wittib [...] bevolchen worden.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wo den armen icht geschach | Mit unrecht von den reichen, | Daz richt er [fuͤrste] mit genaden rach | Und schied ez tugentleichen.
3.
›(leidenschaftliche) gewaltsame Verfolgung einer Person oder Personengruppe durch jn. (häufig, aber nicht ausschließlich: aufgrund eines empfundenen Unrechts)‹; speziell auch: ›Feindschaft, Feindseligkeit‹ (als Haltung, die einem Christen nicht gemäß ist); in der Regel den Handlungsträger der
rache
negativ perspektivierend; mehrfach im Zusammenhang antijudaistischer Diffamierung verwendet;
vgl.
1
2; 3.
Zur Sache:
Hrg
4, 126
.
Phraseme:
ane alle rache
(formelhaft).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 2, 3, 1, , , , , , (
der
) 9, 1, (
der
) 2; 3, (
der
) 1, 1, 1, , , , .
Gegensätze:
, 11, 1, 1, 2; 6; 8.
Syntagmen:
r. bieten / tun / suchen / üben / wünschen, in gnade verwandeln, die r. sehen, faren lassen, jm. r. erzeigen
;
alle r
. (Subj.)
dem christen verboten sein
;
jn. der r
. (Gen.obj.)
(nicht) würdigen
;
etw. ane r. tun, j. durch r. enthauptet werden, jn. mit r. anfechten
;
die r. des weibes
;
die r. mit gedanken / worten / werken
;
die blinde / blutgierige / eigene / grosse / grausame / honigsüsse / jüdische / wütende r
.
Wortbildungen:
rachbegierde
,
˹
rachbegierig
,
rachsam
˺ (dazu bdv.: 1),
rachgrimmig
,
rachhungrig
,
rächig
›streitbar, jähzornig‹ (dazu bdv.: ),
rachraub
›Raub aus Rachgier‹,
rachschwürig
(dazu bdv.: , ),
rachsüchtig
(dazu bdv.: ; ggs.: 1; 2).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Rachsam rachgirig.
Mieder, Lehmann. Flor.
588, 29
(
Lübeck
1639
):
Christen ist alle rach mit Gedancken / Worten vnnd Wercken / bey der Hoͤllischen straff verbotten.
Luther, WA (
1522
):
die da senfftmuͤtig sein von hertzen, nit rachsüchtig sein.
Ebd. (
1545
):
,Vergeltet nit boses mit bosem.‘ Die Rach ist ein schentlich laster, hengt ser an, thut auch sanft und schmeckt sußer denn honig.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 84, 7
(
Worms
1527
):
wer es auch mit dem todschlagen und herrschen, wo wirs bloß on rache und eygengesuch thun möchten wie Gott.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 5, 5
([
Erfurt
]
1525
):
soͤlch gesatz oder straff mehr sehen auff gemeynẽ frid vñ nutz zu erhalten / dañ auff eygnen rach.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
do der rachgrimig Judas | Yn der judischen schar veryt.
Fischer, Folz. Reimp.
37, 4
(
Nürnb.
1491
):
(N)achdem und jüdisch listikeyt | Yr furseczt, gar on all arbeyt | [...] | Wellen ploß von dem rochraub zern.
Sachs (
Nürnb.
1541
):
Da fund ich, das sie [fürstenthumb] auß das blut | Saugten [...] | [...] | Waren auff einander blutgierig, | Unaynig, wütig und rachschwierig.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Grosse roche det dirre keyser. Alle die wile er lebete, wan ime ein dropfe von sinre nasel viel [...], also dicke det er sinre vigende einen doͤten.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
das ist dú best rache die du getuͦn maht, daz du wol maht vergeben von rehtem hertzen den die dir liden tuͦnt.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Bi im ist aller edeler smak, | Trúwe, frid aͮn allen rak.
Wiessner, Wittenw. Ring
7598
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
,[...] | Trag hin swert und hantschuoch | Und sag in auch den unsern fluoch! | [...]‘ | Der rache ward der botte fro.
Raachbegierde [...] Libido ulciscendi. Raachbegierig / raachgierig / so sich begehret zu rechen.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1348
/
50
):
Ez hant auch die burger gesetzet, daz nieman weder burger noch antwerch man kain rach noch kain pfandung tuͦn sol in der rais aͤne urlob und ane raͧt der haptluͤt.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Sein zoren ist auch hart ze erwekchen; aber wer in erwekchet, der empfint von im réchigen leons zoren.
Schottenloher, Flugschrr.
51, 25
(
Landshut
1523
):
auff das diser katerkatzen ketzer jrer poͤser unchristlicher muͦtwil moͤg fürtringen, so haben sy auffgeworffen einen hauptman, den rachhungrigen Frantzen von Sicking.
Mieder, a. a. O.
587, 2
; 3;
588, 16
;
Mayer, a. a. O. ;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 13
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Reithmeier, B. v. Chiemsee ;
Bauer, Imitatio Haller
47, 15
;
Rwb  ff.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 147
.
Vgl. ferner s. v. , 9.